Vorwort I
Vorwort
Die durch die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten ausgelöste globale Wirtschaftskrise ist tiefer als alle Rezessionen der Nachkriegsgeschichte. Von den Auswirkungen der Finanzmarktkrise sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber, private Haushalte und Institutionen, Bankiers sowie der Staat betroffen. Daher ist es das Anliegen dieser Diplomarbeit, die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise näher zu untersuchen, insbesondere bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit von Baden-Württemberg. An dieser Stelle möchte ich der Robert Bosch GmbH, insbesondere dem Chefvolkswirt Herrn Dr. Adolf Ahnefeld, der mir die Arbeit ermöglicht hat, einen besonderen Dank aussprechen.
Ein Wort des Dankes an
… meinen Ehemann Jürgen, meine Eltern Sibylle und Joachim Koch, meinen Bruder Thorsten Koch, meine Schwiegereltern Inge und Gisbert Kellermann sowie meinen Schwager Dieter Kellermann für die motivierende Unterstützung während meines gesamten Studiums.
… meine Betreuer seitens der Universität Hohenheim, Herrn Prof. Dr. Harald Hagemann sowie Herrn Dipl. oec. Julian Christ, Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie, für die hilfreichen Ratschläge im Rahmen Ihrer betreuenden Tätigkeit.
… meinen Betreuer seitens der Robert Bosch GmbH, Herrn Dipl. Volkswirt Stefan Heindl, für die sehr gute fachliche Unterstützung.
… zahlreiche Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH, die stets hilfsbereit waren und jederzeit ein offenes Ohr für meine Fragen hatten.
Ditzingen, 10. März 2010
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
VORWORT I
INHALTSVERZEICHNIS................................................................................................. II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. IV
TABELLENVERZEICHNIS. VI
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS. VII
SYMBOLVERZEICHNIS. VIII
1 EINLEITUNG. 1
2 DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG VON 1990 BIS 2009 3
2.1 Die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. 3
2.2 Die Entwicklung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus in der
Bundesrepublik Deutschland 11
2.3 Die Entwicklung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus in Baden-
W ürttemberg 16
2.4 Merkmale der Wettbewerbsposition Baden-Württembergs und seine
wichtigsten Industrien 20
3 DIE ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER FINANZMARKTKRISE. 29
3.1 Die wichtigsten Ursachen 29
3.2 Weltweite Bedeutung und Auswirkungen. 34
4 MAKROÖKONOMISCHE UND AUßENWIRTSCHAFTLICHE ANSÄTZE 38
4.1 Exogene Schocks als Auslöser von Konjunkturschwankungen 38
4.2 Konjunktur und Wachstum. 39
4.3 Die Reaktion der Leistungsbilanz auf Wechselkursschwankungen 44
4.3.1 Die Leistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland 44
4.3.2 Die Entwicklung des Wechselkurses 46
4.3.3 Die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf die
Leistungsbilanz 47
Inhaltsverzeichnis III
5 DIE AUSWIRKUNGEN FÜR DIE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT VON BADEN-WÜRTTEMBERG54
5.1 Die Auswirkungen für die Automobilindustrie und den Maschinenbau 54
5.2 Die Auswirkungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie 59
5.2.1 Preisliche Wettbewerbsfähigkeit 59
5.2.2 Technologische Wettbewerbsfähigkeit. 65
5.2.3 Strukturelle Wettbewerbsfähigkeit. 68
5.3 Die Auswirkungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Maschinenbaus 72
5.3.1 Preisliche Wettbewerbsfähigkeit 72
5.3.2 Technologische Wettbewerbsfähigkeit. 75
5.3.3 Strukturelle Wettbewerbsfähigkeit. 77
6 LÖSUNGSANSÄTZE ZUR ÜBERWINDUNG DER FINANZMARKTKRISE UND IHRER
AUSWIRKUNGEN 81
6.1 Schwerpunkte wirtschaftspolitischer Stabilisierungsmaßnahmen 81
6.2 Spezifische Herausforderungen der Automobilindustrie und des
Maschinenbaus. 87
6.2.1 Automobilindustrie: veränderte Mobilitätsanforderungen und weltweiter
Wettbewerb. 87
6.2.2 Maschinenbau: mit Innovationen auf nächsten Investitionszyklus
vorbereiten 92
7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 95
ANHANG 98
LITERATURVERZEICHNIS 112
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Wachstum im internationalen Vergleich
Abbildung 2: Entwicklung des deutschen Außenhandels
Abbildung 3: Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes
Abbildung 4: Entwicklung der Produktion und Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe.
Abbildung 5: Entwicklung der Inflationsrate.
Abbildung 6: ifo-Konjunkturuhr für das Verarbeitende Gewerbe
Abbildung 7: Entwicklung der Aufträge (Volumen) in der Automobilindustrie.
Abbildung 8: Entwicklung der Aufträge (Volumen) im Maschinenbau
Abbildung 9: Entwicklung der Produktion in der Automobilindustrie und im
Maschinenbau
Abbildung 10: Entwicklung der Beschäftigung in der Automobilindustrie und im
Maschinenbau
Abbildung 11: Die wichtigsten deutschen Exportwaren 2008.
Abbildung 12: Entwicklung des Außenhandels des deutschen Maschinenbaus
Abbildung 13: Entwicklung des Außenhandels der deutschen Automobilindustrie
Abbildung 14: Umsatzentwicklung in der Automobilindustrie zwischen 1999 und 2008
Abbildung 15: Umsatzentwicklung in der Automobilindustrie zwischen 2007 und 2008
Abbildung 16: Umsatzentwicklung im Maschinenbau zwischen 1999 und 2008.
Abbildung 17: Umsatzentwicklung im Maschinenbau zwischen 2007 und 2008.
Abbildung 18: Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der
Automobilindustrie in der Region Stuttgart
Abbildung 19: Veränderung der Beschäftigung im Maschinenbau.
Abbildung 20: Die wichtigsten Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in Baden-
W ürttemberg 2009
Abbildung 21: Wirtschaftsstrukturen im Vergleich 2008
Abbildung 22: Exportquote in Deutschland nach Bundesländern 2008.
Abbildung 23: Die wichtigsten baden-württembergischen Exportwaren 2009.
Abbildung 24: Die größten Sektoren des baden-württembergischen Maschinenbaus
Abbildung 25: Branchenportfolio Baden-Württemberg 2006
Abbildung 26: Leitzinsentwicklung Eurozone/USA
Abbildung 27: Sparquote der US-amerikanischen Haushalte in vom verfügbaren
Einkommen.
Abbildung 28: Preisentwicklung der US-Immobilien
Abbildung 29: Entwicklung der Aktienkurse (Welt)
Abbildung 30: Entwicklung der Investitionen (preisbereinigt)
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 31: Entwicklung des Wechselkurses US-Dollar/Euro
Abbildung 32: Reaktion der Exporte und Importe auf Wechselkursänderungen ohne
Zeitverz ögerung.
Abbildung 33: Reaktion der Exporte und Importe auf Wechselkursänderungen mit einer
Zeitverz ögerung von acht Quartalen
Abbildung 34: Reaktion der Exporte und Importe auf Wechselkursänderungen ohne
Zeitverz ögerung (Handel mit NAFTA)
Abbildung 35: Reaktion der Exporte und Importe auf Wechselkursänderungen mit einer
Zeitverz ögerung von acht Quartalen (Handel mit NAFTA)
Abbildung 36: Konjunkturuhr Automobilindustrie 1992 bis 2009
Abbildung 37: Weltkonjunkturklima und Auftragseingang im deutschen Maschinenbau.
Abbildung 38: Deutsche Maschinenproduktion
Abbildung 39: Preisentwicklung Industriemetalle und Rohöl
Abbildung 40: Entwicklung der Arbeitsproduktivität, Lohnkosten und Lohnstückkosten für
die deutsche Industrie.
Abbildung 41: Lohnstückkosten im internationalen Vergleich, Verarbeitendes Gewerbe
Abbildung 42: Veränderung der Lohnstückkosten im internationalen Vergleich im Jahr
2009 gegenüber dem Vorjahr
Abbildung 43: Antriebskonzepte für das Automobil - heute und morgen.
Abbildung 44: Absatzvolumen „low vehicles“
Abbildung 45: Steigende Überkapazitäten in der Weltautomobilindustrie
Abbildung 46: Arbeitsproduktivität (Stundenkonzept) im internationalen Vergleich
Abbildung 47: Anteil einzelner Lieferländer am Gesamtmaschinenexport 2008
Abbildung 48: CO 2 -Ausstoß der Fahrzeuge
Abbildung 49: Vergleich des Marktwachstums der BRIC-Länder mit dem Rest der Welt
Abbildung 50: Unterschiedliche Wachstumsmuster in den BRIC-Ländern.
Abbildung 51: Kurzarbeit in Deutschland.
Abbildung 52: Lieferantenstruktur in der Automobilindustrie
Abbildung 53: Regionale Schwerpunkte des deutschen Maschinenbaus 2007
Abbildung 54: Anteile ausgewählter Länder am Maschinenexport der wichtigsten
Lieferl änder.
Abbildung 55: Die größten Herausforderungen der Krise.
Abbildung 56: Export als Wachstumsstütze
Abbildung 57: (Preisliche) Wettbewerbsfähigkeit
Abbildung 58: Wettbewerb um die zukunftsfähigsten Technologien
Abbildung 59: Potenzialeinschätzung Chinas
Tabellenverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Entwicklung der Geldmenge M3 30
Tabelle 2: Leistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland 45
Tabelle 3: Auswirkungen einer Aufwertung 48
Tabelle 4: Auftragseingänge in der Automobilindustrie in Baden-Württemberg 56
Tabelle 5: Umsätze in der Automobilindustrie in Baden-Württemberg 56
Tabelle 6: Importabhängigkeit exportierter Kraftwagen und -teile 60
Tabelle 7: FuE-Aufwendungen des Verarbeitendes Gewerbe 76
Tabelle 8: Die größten Automobilhersteller der Welt nach Umsatz 2008 101
Tabelle 9: Die größten deutschen Automobilzulieferer nach Umsatz 2008. 102
Tabelle 10: Durchschnittliche Arbeitskosten im europäischen Maschinenbau 104
Tabelle 11: Statistik Umweltprämie, Förderungen von 14 01 bis 03 11 2009 105
Abkürzungsverzeichnis VII
Abkürzungsverzeichnis
BIP Bruttoinlandsprodukt BMF Bundesministerium der Finanzen BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BIC Brasilien, Indien, China BRIC Brasilien, Russland, Indien, China DE Deutschland EU Europäische Union EWU Europäische Währungsunion EZB Europäische Zentralbank Fed Federal Reserve FuE Forschung und Entwicklung GM General Motors HVPI Harmonisierter Verbraucherpreisindex IAW Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Ifo Institut für Wirtschaftsforschung e. V. Institut für Medienforschung und Urbanistik IMU KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KMU Kleinere und mittlere Unternehmen LAM Latin America MEE Middle East Europe NAM North America OECD Organisation for Economic Co-operation and Development OEM Original Equipment Manufacturer OPEC Organization of Petroleum Exporting Countries NAFTA North American Free Trade Agreement VDA Verband der Automobilindustrie e. V. VDIK Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller e. V. VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V. VDW WTO World Trade Organization
Symbolverzeichnis VIII
Symbolverzeichnis
C Konsum dA a Änderung des Außenbeitrags in Auslandswährung dW Wechselkursänderung e nominaler Wechselkurs Export-Performance-Indicator e ij e r realer Wechselkurs EX Exporte Angebotselastizität
i Länderindex IM Importe IW Importwert irreguläre Komponente I t j Produktgruppenindex Kalenderkomponente K t m Industrie M Geldmenge Nachfrageelastizität
P (Preis-)niveau P A Preise im Ausland Revealed Comparative Advantage RCA ij S Sparen S t Saisonkomponente Trendkomponente T t v Umlaufgeschwindigkeit des Geldes w Welt W Wechselkurs XW Exportwert laufendes, verfügbares Einkommen Y D Y real reales Wirtschaftswachstum Y t Ursprungskomponente
1 Einleitung 1
1 Einleitung
Die im Jahr 2006 ausgelöste Finanzmarktkrise ist ein weltweites Phänomen nie gekannten Ausmaßes. Die Ursachen für die Entstehung der Finanzmarktkrise sind vielfältig und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft gravierend. Die zentrale Fragestellung dieser Diplomarbeit ist daher, ob und inwieweit die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise die Wettbewerbsfähigkeit von Baden-Württemberg belasten. Diese Fragestellung wird am Beispiel der Automobilindustrie und des Maschinenbaus untersucht, denn diese Wirtschaftszweige sind die Leitbranchen in Baden-Württemberg und nehmen wirtschaftlich eine zentrale Stellung ein.
Die Diplomarbeit wurde in Zusammenarbeit mit der Abteilung „Volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Analyse“ der Robert Bosch GmbH geschrieben. Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Stuttgart 1 . Im Geschäftsjahr 2008 erwirtschafteten rund 280.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 45,1 Milliarden Euro in den Unternehmensbereichen Kraftfahrzeug- und Industrietechnik sowie Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik. Kraftfahrzeugtechnik ist der größte Unternehmensbereich von Bosch, der im wesentlichen Einspritztechnik für Verbrennungs-motoren, Systeme für die Fahrzeugsicherheit, elektrische Maschinen und Erzeugnisse der mobilen Kommunikation umfasst. In dem Unternehmensbereich Industrietechnik bietet u. a. das Maschinenbauunternehmen Bosch Rexroth alle wichtigen Technologien zum Antreiben, Steuern und Bewegen an. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH gehören zu 92 % der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH, die das gesellschaftliche und soziale Engagement des Firmengründers in zeitgemäßer Form weiter führt. Die Familie Bosch besitzt einen Anteil von 7 % und die Robert Bosch GmbH einen Anteil von 1 %.
Aufgrund der internationalen Ausrichtung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus muss für eine Analyse der Auswirkungen der Finanzmarktkrise für den Wirtschaftsstand-ort Baden-Württemberg die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ebenso in den Blick genommen werden wie die Ursachen der Krise selbst. Aus diesem Grund befasst sich das zweite Kapitel sowohl mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von Deutschland als auch mit der Entwicklung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus. Im Anschluss daran ist ein Blick auf die Wettbewerbsposition Baden-Württembergs und seine wichtigsten Industrien unumgänglich. Insbesondere werden die Struktur sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus in Baden-
1 vgl. Robert Bosch GmbH (2009a), S. 4 - 24
1 Einleitung 2
Württemberg vorgestellt. Anhand ausgewählter Konzentrationsmaße, beispielsweise der Beschäftigtenanzahl oder des Umsatzanteils, wird der regionale Schwerpunkt der beiden Branchen deutlich. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den wichtigsten Ursachen sowie den weitreichenden Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Da weltweit die Regierungen und Notenbanken mit einer expansiven Fiskal- und Geldpolitik auf die Auswirkungen der Krise reagiert haben, wird im vierten Kapitel der Fokus auf die Stabilitäts- und Wachstumspolitik gelegt. Zum Wirtschaftswachstum in Deutschland haben insbesondere die Exporte wesentlich beigetragen. Daher wird untersucht, ob und inwieweit Wechselkursschwankungen die Leistungsbilanz beeinflussen. Zugrunde gelegt wird insbesondere die Marshall-Lerner-Bedingung, die anhand empirischer Ergebnisse überprüft wird.
Das fünfte Kapitel, gleichsam der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit, analysiert am Beispiel der Automobilindustrie und des Maschinenbaus, inwieweit die Finanzmarktkrise die Wettbewerbsfähigkeit von Baden-Württemberg beeinflusst. Ein besonderes Interesse gilt dabei der preislichen, technologischen sowie strukturellen Wettbewerbsfähigkeit. Als ein Teilaspekt der preislichen Wettbewerbsfähigkeit wird der Fokus auf die kostenmäßige Wettbewerbsfähigkeit gelegt, da die Kosten sehr stark die Preissetzung der Unternehmen determinieren. Jedoch werden nicht nur die Arbeitskosten, sondern auch die Arbeitsproduktivität und die Lohnstückkosten für die Beurteilung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit herangezogen. Die technologische Wettbewerbsfähigkeit dagegen stellt zum einen die zukunftsfähigsten Technologietrends dar. Eine ganz entscheidende Rolle nimmt dabei die durch die Klimadiskussion hervorgerufene Energie- und Ressourceneffizienz ein. Zum anderen wird die Position der Automobilhersteller und -zulieferer sowie Maschinenbauer, die sich in einem technologischen Umbruch befinden, dargestellt. Zusätzlich wird unter dem Gesichtspunkt der strukturellen Wettbewerbsfähigkeit die weltweite Aufstellung der Unternehmen betrachtet. Explizit wird dabei auf die verbreitete Forderung eingegangen, dass sich die Unternehmen mehr denn je dem Trend der Internationalisierung stellen sollten. Das Marktwachstum verschiebt sich einerseits zunehmend in die Schwellenländer, andererseits löst die zunehmende Konkurrenz aus den aufstrebenden Ländern einen extremen Preis- und Verdrängungswettbewerb aus. Das sechste Kapitel greift die in den vorangegangenen Kapiteln gewonnenen Ergebnisse auf und stellt die Lösungsansätze zur Überwindung der Finanzmarktkrise und zur Eindämmung ihrer Auswirkungen dar. Es werden sowohl die Schwerpunkte der wirtschaftspolitischen Stabilisierungsmaßnahmen erläutert als auch die spezifischen Herausforderungen der Automobilindustrie und des Maschinenbaus, die (un-) mittelbar aus der Finanzmarktkrise resultieren. Mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse sowie einem Ausblick schließt diese Diplom- arbeit ab.
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 3
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009
2.1 Die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland
Zur Beschreibung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von Deutschland werden Kon-junkturindikatoren herangezogen. Konjunkturindikatoren dienen dazu, möglichst frühzeitig Aussagen über die aktuelle Konjunkturlage sowie ihre mögliche Entwicklung abzuleiten. Die Indikatoren lassen sich nach ihrem zeitlichen Zusammenhang mit dem Konjunkturzyklus in vorlaufende, gleichlaufende und nachlaufende Indikatoren systematisieren 2 . Zu den vorlaufenden Indikatoren bzw. Frühindikatoren zählen beispielsweise die Auftragseingänge sowie der ifo-Geschäftsklimaindex. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der mit Hilfe von Umfragen ermittelt wird, fängt Stimmungen und Erwartungen der Wirtschaftsakteure ein 3 . Dieser wird deshalb als „weicher“ Indikator bezeichnet. Aus der Veränderung der Frühin-dikatoren können Aussagen über die zukünftige konjunkturelle Entwicklung abgeleitet werden. Daher sind Frühindikatoren besonders wichtig für Konjunkturprognosen. Im Gegensatz zu den Frühindikatoren stellen gleichlaufende Indikatoren, wie beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder die Industrieproduktion, die aktuelle Konjunkturlage dar. Sie können nur mit einer zeitlichen Verzögerung exakt bestimmt und publiziert werden. Das BIP, welches den Wert aller im Inland in einer bestimmten Periode hergestellten Waren und Dienstleistungen misst, die mit den jeweiligen oder konstanten Marktpreisen einer Basisperiode bewertet werden, wird als Maßstab für die Leistung einer Volkswirtschaft herangezogen. Zur Überprüfung der Konjunkturprognosen werden ex-post nachlaufende Indikatoren wie beispielsweise die Inflationsrate oder die Beschäftigung eingesetzt.
Zur Beschreibung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung werden die wichtigsten Indika-toren aus der bereits vorgestellten Systematik herangezogen. Das Wirtschaftswachstum von Deutschland wird durch die Veränderungsrate des preisbereinigten BIP dargestellt (siehe Abbildung 1). Im weiteren Verlauf der Diplomarbeit werden für das Wirtschaftswachstum auch die Begriffe der Wertschöpfung und Wirtschaftsleistung verwendet. Damit ist implizit die Veränderungsrate des preisbereinigten BIP gemeint. Die Abbildung 1 verdeutlicht die Wachstumsschwäche von Deutschland (DE). Die Wirtschaftsleistung ist im betrachteten Zeitraum mit einer durchschnittlichen Rate von 2,0 % gewachsen. Nach der einigungsbedingten deutschen Sonderkonjunktur in den Jahren 1990/91 gab es in Deutschland zwei Rezessionsphasen, in der die Wirtschaftsleistung um 0,8 % bzw. 0,2 %
2 vgl. Abberger, Nierhaus (2008), S. 16
3 vgl. Mattern (2005), S. 36
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 4
stark eingebrochen ist. Doch damit war der Tiefpunkt des Wirtschaftswachstums noch nicht erreicht. Als Mitte des Jahres 2006 die Immobilienblase auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt platzte, setzte weltweit eine beschleunigte Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivitäten ein. Die Weltwirtschaft glitt im Winterhalbjahr 2008/09 in die tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte. In den USA lag die Wertschöpfung im Jahr 2009 um -2,4 % unter dem Vorjahr und in Deutschland schrumpfte sie sogar um 5,0 %.
Die nähere Betrachtung der Wachstumsentwicklung zeigt, dass seit 1994 die Wirtschaftsleistung in Deutschland durchschnittlich um ungefähr 1 % langsamer gewachsen ist als der Durchschnitt der Europäischen Union (EU). Dieses Phänomen kann über 12 Jahre beobachtet werden. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Deutschen Einigung und der Arbeitsmarktproblematik. Der Abstand zu der EU ist jedoch seit 2006 verschwunden. Das Jahr 2000 ist gekennzeichnet durch hohe Wachstumsraten in Deutschland mit 3,2 %, die EU mit 3,9 % und die USA mit 4,2 %. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase auf den Aktienmärkten im Jahr 2000 sowie den Anschlägen des 11. September 2001 auf das World Trade Center begann der wirtschaftliche Abschwung, der in den USA im Jahr 2001 und in Deutschland sowie in der EU im Jahr 2003 ihren Tiefpunkt erreichte. Die nächste Rezession wurde durch Schockwellen nach der Zuspitzung der Finanzmarktkrise im Jahr 2006 ausgelöst. Dabei spielten vor allem der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und der Beinahekollaps des US-amerikanischen Versicherers AIG sowie der Hypo Real Estate im Herbst 2008 eine entscheidende Rolle, da diese zentrale Stellungen auf den globalen Finanzmärkten inne hatten. Für die Unternehmen war diese Entwicklung das Signal, die eigene Liquidität zu sichern und sämtliche Ausgaben und Investitionen zu
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 5
kürzen. Insbesondere wurden Sachanlage- und Vorratsinvestitionen drastisch reduziert. Dies war der Auslöser für die Selbstverstärkung der Abschwungdynamik, wodurch die Weltwirtschaft im Winterhalbjahr 2008/09 in eine tiefe Rezession geriet. Weltweit ist die Wertschöpfung regelrecht eingebrochen. Zwar gibt es keine allgemeine Regelung, ab wann sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession befindet, doch Makroökonomen sprechen in der Regel dann von einer Rezession, wenn die Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung für mindestens zwei aufeinanderfolgende Quartale negativ ist 4 . Das Wachstum der Wirtschaftsleistung in Deutschland war sowohl im zweiten als auch dritten Quartal 2008 negativ 5 . Die höchste Abwärtsgeschwindigkeit ist dabei u. a. in Ländern mit hoher Exportorientierung sowie starker Konzentration auf die Automobil- und Investitionsgüterindustrie zu beobachten.
Durch die hohe Exportintensität ist Deutschland sehr stark von der konjunkturellen Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. In konjunkturell guten Zeiten profitiert Deutschland überdurchschnittlich von der positiven Entwicklung der Auslandsmärkte. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass Deutschland in Rezessionsphasen überdurchschnittlich von der negativen Entwicklung der Weltwirtschaft betroffen ist. Dies ist auch in der Rezession seit dem Winterhalbjahr 2008/09 deutlich zu beobachten. Der Blick auf die Exporte und Importe sowie den Außenhandelssaldo belegt die starke Abwärtsgeschwindigkeit der Wirtschaftsleistung. Abbildung 2 zeigt, dass die Exporte und Importe im betrachteten Zeitraum deutlich gestiegen sind. Der Außenhandelssaldo ist positiv, da die Exporte größer sind als die Importe. Der Außenhandel, der in früheren Jahren der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft war, bremste im Jahr 2009 die wirtschaftliche Entwicklung. Die Exporte sanken preisbereinigt um 14,7 % gegenüber dem Vorjahr 6 . Dies ist auf die starke Konzentration der Exporte auf den Maschinenbau zurückzuführen, da die Exporte im Maschinenbau im Jahr 2009 massiv eingebrochen sind. Der Rückgang bei den Importen betrug dagegen nur 8,9 %. Somit hatte der Außenbeitrag im Jahr 2009 einen negativen Wachstumsbeitrag von -3,4 Prozentpunkten zum BIP. Die wichtigsten Abnehmerländer der deutschen Exporte waren im Jahr 2008 mit 63,6 % die EU, mit 8,5 % die Länder des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA), mit 8,4 % die Länder Brasilien, Russ-land, Indien und China (BRIC-Länder) sowie mit 4,8 % die Länder der Europäischen Frei-handelsassoziation Island, Norwegen, Lichtenstein und Schweiz 7 . Damit wird deutlich, dass der binnenregionale Handel in Europa einen wichtigen Stellenwert besitzt. Frankreich ist mit einem Anteil von 15,3 %, gemessen an den gesamten Exporten in die EU-
4 vgl.Blanchard, Illing (2006), S. 55
5 vgl. Statistisches Bundesamt (2009a)
6 vgl. Statistisches Bundesamt (2010a)
7 vgl. Statistisches Bundesamt (2009b), S. 473 - 478
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 6
Länder, das bedeutendste Abnehmerland für Deutschland. Während die USA mit einem Anteil von 84,5 %, gemessen an den gesamten Exporten in die NAFTA-Länder, das wichtigste Abnehmerland ist, ist China mit einem Anteil von 41,0 %, gemessen an den gesamten Exporten in die BRIC-Länder, das bedeutendste Bestimmungsland.
Da der Export einen wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leistet und positive Beschäftigungswirkungen in Deutschland auslöst, ist eine nähere Betrachtung des Arbeitsmarktes unerlässlich. Trotz des konjunkturellen Einbruchs der Wirtschaftsleistung sowie der Exporte hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland bisher wesentlich stabiler entwickelt als erwartet. In Abbildung 3 wird die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes anhand der Anzahl der Arbeitslosen und der Arbeitslosenquote 8 dargestellt. Die Arbeitslosenquote sowie die Anzahl der Arbeitslosen sind seit 2005 von 13,0 % auf 8,7 % bzw. von 4,9 Millionen auf 3,3 Millionen im Jahr 2008 gesunken. Die Auswirkungen der Rezession auf den Arbeitsmarkt im Jahr 2009 waren zwar deutlich, aber dennoch im Vergleich zum massiven Einbruch der Wirtschaftsleistung eher moderat. So stieg die Arbeitslosenquote im Jahr 2009 auf 9,1 % und die Anzahl der Arbeitslosen auf 3,4 Millionen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde insbesondere durch die Kurzarbeit, den Abbau von Arbeitszeitkonten sowie tarifvertraglich geregelte vorübergehende Kürzungen der Wochenarbeitszeit begrenzt. Die Anzahl der Kurzarbeiter in Deutschland erreichte Mitte des Jahres 2009 mit 1,5 Millionen den Höchststand (siehe Anhang A). Da die Auswirkungen der Wirtschaftskrise jedoch mit zeitlicher Verzögerung auf die Beschäftigung wirken, besteht die Gefahr einer höheren Arbeitslosigkeit im Jahr 2010. Bis Februar 2010 hat sich die Arbeitslosigkeit
8 Arbeitslosenquote aller abhängigen zivilen Erwerbspersonen
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 7
jedoch nicht wesentlich erhöht. Dies ist insbesondere auf die verlängerte Kurzarbeit sowie die Zugeständnisse aller Beteiligten zurückzuführen. Die Arbeitnehmer haben auf einen Teil ihres Lohnes verzichtet und die Arbeitgeber haben trotz der hohen Kosten der Kurzarbeit diese verlängert und somit wenige Kündigungen ausgesprochen.
Auf den Nachfrageeinbruch im Herbst 2008 reagierten die Industrieunternehmen mit erheblichen Produktionskürzungen. Zudem wurden aus Liquiditätsgründen die Vorräte drastisch abgebaut. Der Produktions- sowie Auftragseingansindex des Verarbeitenden Gewerbes in Abbildung 4 verdeutlicht den dramatischen Produktions- und Auftragsrückgang. Bei den Indexwerten handelt es sich um saison- und kalenderbereinigte Werte. Die im Zeitablauf beobachteten ökonomischen Daten werden von Einflüssen bereinigt, die das Erkennen einer mittel- bis langfristigen Entwicklung stören. Störfaktoren können beispielsweise saisonale Einflüsse oder Kalendereinflüsse sein. Weitere Informationen zur Zeitreihenanalyse können dem Anhang B entnommen werden. Der Nachfragerückgang aus dem In- und Ausland zeigt sich unter anderem im Rückgang der Auftragseingänge, die im Herbst 2008 dramatisch eingebrochen sind. Da die Auftragseingänge erste Anhaltspunkte für die kommende Wirtschaftsaktivität geben, haben die Unternehmen die Produktion binnen kürzester Zeit massiv heruntergefahren.
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 8
130
120
Index: 100
110
Produktion
100
90
Auftragseingang
80
70
00 01 02 03 04 05 06 07 08 09
Abbildung 4: Entwicklung der Produktion und Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe
Quelle : in Anlehnung an Statistisches Bundesamt (2010c)
Die Inflationsentwicklung spielt für geldpolitische Entscheidungen sowie allgemein für
die Konjunkturentwicklung eine bedeutende Rolle. Es gibt zahlreiche Inflationsindikatoren,
die Informationen über den Inflationsdruck geben. Im Allgemeinen drückt die Inflationsrate
den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus aus. Die beiden wichtigsten Indikatoren bezie-
hen sich auf die Produzenten- und Konsumentenpreise 9 Die Konsumentenpreisinflation
wird an der Veränderungsrate des Preisindex für die Lebenshaltung, dem Verbraucher-
preisindex , gemessen. Dieser Index misst für die jeweilige Berichtsperiode die durch-
schnittliche Preisveränderung aller Waren und Dienstleistungen gegenüber dem Basis-
jahr , die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft bzw. verbraucht werden
(repräsentativer Warenkorb) Die Entwicklung der Konsumentenpreisinflation in Deutsch-
land sowie in den USA ist in Abbildung 5 dargestellt. Während die Inflationsrate in
Deutschland im betrachteten Zeitraum bei durchschnittlich 2,0 liegt, beträgt sie in den
USA im Durchschnitt 2,8 In den Jahren 2007 und 2008 lag die Inflationsrate in
Deutschland oberhalb des für die europäische Geldpolitik wichtigen Schwellenwertes von
2,0 (2007: 2,3 2008: 2,6 ) Preisniveaustabilität liegt nach Definition der Europäi-
schen Zentralbank (EZB) dann vor, wenn die Inflationsrate nahe, aber noch unter 2,0
liegt. Für das Jahr 2009 allerdings betrug die Inflationsrate im Durchschnitt 0,4 Dies ist
die niedrigste Inflationsrate seit der Wiedervereinigung. Nur im Jahr 1999 war sie ähnlich
niedrig mit einer Jahresdurchschnittsrate von 0,6 Eine niedrige Inflationsrate bedeutet
eine erhöhte Kaufkraft des Geldes bzw. eine höhere Geldwertstabilität. Das bedeutet,
dass man für eine Geldeinheit im Durchschnitt mehr Güter erhält. Die Wirtschaftssubjekte
k önnen somit ein höheres Nutzenniveau erreichen unter der Prämisse, dass das Ein-
9 vgl Mattern (2005), S 427
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 9
kommen zumindest nicht sinkt. Die niedrige Inflationsrate im Jahr 2009 ist insbesondere auf Preisrückgänge bei Mineralölprodukten und Nahrungsmitteln zurückzuführen 10 . Zur Inflationsmessung im innereuropäischen Vergleich berechnet das Statistische Bundesamt den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Dieser Index berechnet sich nach EUweit geltenden harmonisierten Kriterien. Der HVPI für Deutschland ist im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um 0,2 % gestiegen. Dies ist die niedrigste Inflationsrate seit Einführung der Berechnung des HVPI im Jahre 1996.
Die Inflationsrate der USA liegt mit Ausnahme der Jahre 1992 bis 1994 sowie 2009 stets oberhalb der Inflationsrate von Deutschland. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die EZB in ihrer Geldpolitik restriktiver reagiert als die Federal Reserve (Fed), denn die Fed senkt in der Regel die Zinsen rascher und nachhaltiger. Das unterschiedliche Verhalten der Geldpolitiken ist zurückzuführen auf die unterschiedlich priorisierten Ziele der EZB und Fed. Während die EZB das vorrangige Ziel der Preisniveaustabilität verfolgt, fokussiert die Fed eine hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie moderate langfristige Zinsen 11 .
Zur Beurteilung des Wirtschaftsklimas in Deutschland wird der ifo-Geschäftsklimaindex in Form der Konjunkturuhr herangezogen (siehe Abbildung 6). Das ifo-Geschäftsklima basiert auf monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Die Unternehmen beurteilen sowohl ihre gegenwärtige Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Somit setzt sich das ifo-Geschäftsklima aus den
10 vgl. Statistisches Bundesamt (2010d)
11 vgl. Fed (2005), S. 15
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 10
beiden Komponenten Geschäftslage und Erwartungen zusammen. Weitere Erläuterungen zur Konjunkturuhr siehe Kapitel 5.1. Die Konjunkturuhr für das Verarbeitende Gewerbe zeigt, dass das Geschäftsklima in den Jahren 2001 und 2002 von den Unternehmen sehr schlecht beurteilt wurde. In den darauffolgenden Jahren jedoch hat sich die Wirtschaftstimmung wieder aufgehellt. Mitte des Jahres 2007 war die Wirtschaftsstimmung und -lage in Deutschland auf dem Höhepunkt angelangt. Im Winterhalbjahr 2008/09 ist jedoch die wirtschaftliche Stimmung infolge der Verschärfung der Finanzmarktkrise abrupt eingebrochen, so dass sich das Jahr 2009 tief im Rezessions-Quadranten befindet. Die Unternehmen beurteilten die Geschäftslage sehr schlecht und antizipierten eher ungünstige Erwartungen. Der Vergleich mit den Jahren 2001 und 2002 zeigt die Tiefe des Einbruchs des Geschäftsklimas im Winterhalbjahr 2008/09 deutlich. Nach diesem abrupten Absturz hat sich das Geschäftsklima wieder erholt und zeigt seit Mitte des Jahres 2009 wieder eine Expansion der Wirtschaftstätigkeit an. So befindet sich der Januar 2010 im Aufschwung-Quadranten. Die gegenwärtige Geschäftslage hat sich weiter entspannt und die Unternehmen antizipieren wieder optimistischere Erwartungen.
Quelle: in Anlehnung an ifo-Institut zitiert nach Robert Bosch GmbH (2010a), Folie 56
2 Die wirtschaftliche Entwicklung von 1990 bis 2009 11
2.2 Die Entwicklung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus in der
Bundesrepublik Deutschland
Die wichtigsten Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland sind die Automobilindustrie und der Maschinenbau. Während die Automobilindustrie im Jahr 2008 einen Beitrag von 21,4 % zum Gesamtumsatz des Verarbeitenden Gewerbes in Deutsch-land leistete, betrug der Beitrag des Maschinenbaus 13,5 % 12 . Ein anderes Bild zeigt sich beim Beschäftigtenanteil. Gemessen an den gesamten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fallen 15,8 % auf den Maschinenbau und 13,0 % auf die Automobilindustrie. Die Exportquote des Fahrzeugbaus in Deutschland beträgt 51,8 % 13 . Der Maschinenbau dagegen weist sogar eine Exportquote von 63 % auf. Damit wird die starke Exportorientierung sowie -abhängigkeit der beiden Branchen deutlich. Die berechneten Konzentrationsmaße zeigen, dass die Automobilindustrie und der Maschinenbau in Deutschland einen wichtigen Stellenwert besitzen. Deshalb wird die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Industrien anhand sektorenspezifischer Indikatoren näher dargestellt.
Die Entwicklung der Auftragseingänge in der Automobilindustrie ist in Abbildung 7 dargestellt. Diese umfassen den Wert aller akzeptierten Aufträge auf Lieferung selbst hergestellter Erzeugnisse. Die Auftragseingänge, die von 1991 bis 1993 gesunken sind, stiegen von 1993 bis 2007 deutlich an. In den Jahren 2008 und 2009 sind die Auftragseingänge jedoch rezessionsbedingt stark zurück gegangen. Dabei sind die Aufträge aus dem Aus-land mit einer deutlich stärkeren Abwärtsgeschwindigkeit eingebrochen als die Aufträge aus dem Inland.
Abbildung 7: Entwicklung der Aufträge (Volumen) in der Automobilindustrie Quelle: in Anlehnung an Statistisches Bundesamt zitiert nach Feri-Datenbank (2010)
12 vgl. IAW, IMU (2009), S. 78 - 114
13 vgl. Statistisches Bundesamt zitiert nach Feri-Datenbank (2010)
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Die Abbildung 8 zeigt die Entwicklung der Auftragseingänge für den Maschinenbau. Diese sind im betrachteten Zeitraum bis 2007 - mit wenigen Ausnahmen - gestiegen. Insbesondere die Aufträge aus dem Ausland haben sich deutlich erhöht. Im Jahr 2008 ist jedoch ein konjunkturbedingter Rückgang der Auftragseingänge zu beobachten, allerdings ist die Abwärtsdynamik noch relativ moderat. Im Vergleich mit anderen Branchen reagiert der Zyklus des Maschinenbaus mit einer zeitlichen Verzögerung auf die konjunkturelle Entwicklung. Im Jahr 2009 jedoch kamen die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Maschinenbau voll zum Tragen. Insbesondere der Einbruch der Auftragseingänge aus dem Ausland war sehr abrupt und tief.
Quelle: in Anlehnung an Statistisches Bundesamt zitiert nach Feri-Datenbank (2010)
Bei der Interpretation muss jedoch beachtet werden, dass die Auftragseingänge nicht direkt gleichzusetzen sind mit der Produktion, da beispielsweise noch Lagerbestände, spätere Auftragsstornierungen oder die Entwicklung der Stückpreise berücksichtigt werden müssen. Bevor die Unternehmen mehr produzieren, kann die Nachfrage zunächst mit vorhandenen Lagerbeständen bedient werden. Des Weiteren werden spätere Auftrags-stornierungen im Auftragseingangsindex nicht berücksichtigt, durch die möglicherweise die Produktion ausbleibt. Daher wird im Folgenden der Produktionsindex sowohl für die Automobilindustrie als auch für den Maschinenbau betrachtet (siehe Abbildung 9). Der Produktionsindex, der die Leistung in der Automobilindustrie und im Maschinenbau misst, ist in beiden Branchen seit 1993 deutlich gestiegen. Während die Produktion im Maschinenbau im Jahr 2008 noch anstieg, wurde die Produktion in der Automobilindustrie im selben Jahr zurück gefahren. Auf den Nachfrageeinbruch im Jahr 2009 infolge der Verschärfung der Finanzmarktkrise reagierten sowohl die Automobilunternehmen als auch die Maschinenbauer mit scharfen Produktionskürzungen. Da auch die Lagerbestän- de drastisch zurück gefahren wurden, wurden die Kapazitäten auf deutlich niedrigerem
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Niveau ausgelastet. Zudem wurden zum Teil umfangreiche Werksschließungen durchgeführt.
Die Auswirkung der Kapazitätsanpassung auf den Arbeitsmarkt wird anhand des Beschäftigungsindex in Abbildung 10 dargestellt. Die Beschäftigung in der Automobilindustrie und im Maschinenbau ist seit 1991 stark rückläufig. Seit dem Jahr 2000 jedoch verharrt die Beschäftigung annähernd auf gleichem Niveau. Im Maschinenbau ist seit 2006 ein moderates Beschäftigungswachstum zu beobachten, wobei die Beschäftigung im Jahr 2009 sehr leicht gesunken ist. Auch in der Automobilindustrie ist die Beschäftigung im Jahr 2009 moderat zurück gegangen. Die negativen Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise auf die Beschäftigung sind insbesondere aufgrund der Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung bisher ausgeblieben.
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Den Beleg für die starke Exportorientierung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus liefert Abbildung 11. Ein Drittel aller exportierten Waren sind Kraftwagen und Kraftwagenteile sowie Maschinen. Die wichtigsten Abnehmerländer im Jahr 2008 von Kraftwagen und Kraftwagenteile waren die USA mit einem Anteil von 11,2 % an den gesamten Automobilexporten, gefolgt von Großbritannien mit 10,1 % und Frankreich mit 8,2 % 14 . Maschinen wurden im Jahr 2008 vor allem in die USA mit einem Anteil von 7,8 % an den gesamten Maschinenexporten, nach Frankreich mit 7,7 %, China mit 6,6 %, Großbritannien mit 5,4 % und Russland mit 5,1 % exportiert. Mit einem Anteil von 14 % an den gesamten Exportwaren zählen auch chemische Erzeugnisse zu den wichtigsten Ausfuhren.
Die Entwicklung des Außenhandels des deutschen Maschinenbaus (siehe Abbildung 12) zeigt, dass seit 1995 die Exporte kontinuierlich gestiegen sind. Als Spiegelbild der konjunkturellen Entwicklung der Weltwirtschaft sind die Exporte im Jahr 2009 um knapp ein Viertel sehr stark eingebrochen. Die Maschinenimporte weisen eine ähnliche Entwicklung auf. Die positive Differenz zwischen Exporten und Importen impliziert einen hohen Au-ßenhandelsbilanzsaldo, der eine positive Wirkung auf die Leistungsbilanz ausübt. Im Jahr 2009 jedoch ist die Wirkung des Außenhandelsbilanzsaldos aufgrund des rezessionsbedingten Rückgangs um 21,7 % auf die Leistungsbilanz negativ.
14 vgl. Statistisches Bundesamt (2010f)
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Abbildung 12: Entwicklung des Außenhandels des deutschen Maschinenbaus Quelle: in Anlehnung an Sachverständigenrat (2010), Tabelle 071
Die Abbildung 13 zeigt die Entwicklung des Außenhandels der deutschen Automobilindustrie. Seit 1995 sind sowohl die Exporte als auch die Importe kontinuierlich gestiegen. Im Gegensatz zum Außenhandel des Maschinenbaus, wo sich die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise erst im Jahr 2009 in stark rückläufigen Exporten niedergeschlagen haben, wurde die Automobilindustrie schon im Jahr 2008 von der Krise getroffen.
Abbildung 13: Entwicklung des Außenhandels der deutschen Automobilindustrie Quelle: in Anlehnung an Sachverständigenrat (2010), Tabelle 071
Der induzierte außenwirtschaftliche Nachfrageausfall hat sich unmittelbar in rückläufigen Exporten widergespiegelt. Während die Exporte von Kraftfahrzeugen im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 % rückläufig sind, sind diese im Jahr 2009 sogar um 23,8 % sehr stark eingebrochen. Damit ist der Außenhandelssaldo in der Automobilindu- strie im Jahr 2009 um über ein Drittel deutlich zurück gegangen.
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2.3 Die Entwicklung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus in Baden-Württemberg
Die Automobilindustrie und der Maschinenbau sind die Leitbranchen in Baden-Württemberg. Die Automobilindustrie ist gekennzeichnet durch die Premiumhersteller Daimler und Porsche (siehe Anhang C) sowie Audi mit einem wichtigen Produktions-standort in Neckarsulm und international agierende Zulieferer wie beispielsweise die Robert Bosch GmbH, Mahle, Behr oder Eberspächer. Die Konzentration der Automobilzulieferer in Baden-Württemberg wird beispielsweise am Umsatzanteil deutlich. Im Jahr 2008 erzielten die Zulieferer in Baden-Württemberg ungefähr 51 % des Umsatzes der gesamten Automobilzuliefererindustrie in Deutschland (siehe Anhang D). Der Maschinenbau in Baden-Württemberg ist eng mit der Automobilindustrie im Land verzahnt, da viele Maschinenbauer ihre Anlagen an die Automobilindustrie liefern 15 . Daher ist ungefähr ein Drittel der deutschen Maschinenbauer im Großraum Stuttgart angesiedelt. Somit haben die Automobilindustrie und der Maschinenbau in Baden-Württemberg eine große wirtschaftliche Bedeutung für Deutschland. Deshalb wird im Folgenden die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Leitbranchen in Baden-Württemberg detaillierter betrachtet.
Die Umsatzentwicklung der deutschen sowie der baden-württembergischen Automobilindustrie ist in Abbildung 14 dargestellt. Die Region Stuttgart ist nach Umsatz und Beschäftigung die wichtigste Automobilregion sowohl in Baden-Württemberg als auch in Deutschland.
Abbildung 14: Umsatzentwicklung in der Automobilindustrie zwischen 1999 und 2008
15 vgl. L-Bank, F.A.Z.-Institut (2009), S. 29
Arbeit zitieren:
Katharina Kellermann, 2010, Die Folgen der Finanzmarktkrise für die Wettbewerbsfähigkeit von Baden-Württemberg am Beispiel der Automobilindustrie und des Maschinenbaus, München, GRIN Verlag GmbH
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