Bewertung, kommt es für die Beantwortung dieser Frage am meisten an. Denn wichtiger als die Frage, was man überhaupt wissen kann, ist meiner Ansicht nach die Frage, wie man das was erkannt ist auch verwertet. Im Weiteren ist jeder Versuch eine Antwort auf diese Frage zu finden der Versuch die drei hervorgehobenen Begriffe zu definieren. So auch bei Heraklit. Wie gelangt man aber überhaupt zur Kenntnis? Der moderne Mensch würde wohl sehr praktisch ans Werk gehen und sagen, dass Erkenntnis nur über die Sinne möglich ist. Hände, Mund, Augen, Ohren - das sind Instrumente des Geistes. Der Mensch braucht und nutzt sie um zu sehen, zu hören und die Eindrücke, die seine Wahrnehmung bei ihm hinterlassen und seine Gedanken anregen zur Sprache bringen zu können. Der Mensch kann jedoch nur soviel von seiner Umwelt erfassen, wie diese Instrumente es ihm erlauben. Er kann nichts über das ihm verborgene aussprechen, da er es überhaupt nicht wahrnimmt, wahrnehmen kann. Höchstens dem nachjagen, was von dem Verborgenen sich schattenhaft und undeutlich sichtbar macht. Das regt seine Neu- und Wissbegier und treibt ihn an. Diese rein empirische Sicht ist jedoch dem Heraklit sehr verwerflich. Er leugnet zwar nicht, dass die empirische Welt eine sehr wichtige Rolle für die Erkenntnis spielt, aber das allein kann noch keine Erkenntnis begründen, da nichts in der Welt beständig ist. Erkenntnis ist für Heraklit etwas anderes als Wahrnehmung. Er traut den Sinnen in Bezug auf sichere Erkenntnis insofern nicht, als kein Objekt der sinnlichen Wahrnehmung beständig ist. Alles befindet sich in einem ständigen werden, einer ständigen Entwicklung und Veränderungsehr prägnant zusammengefasst in dem Ausspruch: „Alles fließt.“. Wenn sich aber alles in einem unentwegten Prozess des Werdens befindet, wie kann man dann überhaupt etwas allgemeines, etwas sicheres und beständiges über die Welt sagen? Ist unter diesen Umständen überhaupt noch Erkenntnis möglich? Und Erkenntnis heißt für Heraklit sichere, also allgemeine und unbedingte Erkenntnis.
Um diesem Problem entgegenzuwirken geht Heraklit einen Schritt weiter, indem er die Sinne übersteigt. Er ist sich über die Verwandlungen der Dinge bewusst und nimmt in einem weiteren Schritt alle Verwandlungen als ganzes. Die Welt ist nur Prozess. Aber wie entsteht dieser Prozess? Es entsteht durch das Spiel, durch das ständige Für-und-Wider der Gegensätze. Gegensätze sind in allen Dingen der Welt aufspürbar und alle Dinge der Welt entstehen und vergehen durch das Spiel der Gegensätze. Aus diesem Grund ist für Heraklit der Kampf, oder der Krieg auch der Vater aller Dinge. Aus dem Kampf der Gegensätze, heiß und kalt, feucht und trocken, also Feuer und Wasser etc. ist überhaupt die Welt als solches entstanden. 2
2 Mansfeld, Jaap, Die Vorsokratiker I, Reclam Verlag, Stuttgart, Fragment 50 zu Heraklit
Arbeit zitieren:
M.A Hureyre Kam, 2009, Was können wir über die Welt wissen? , München, GRIN Verlag GmbH
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