Sokrates, der in einem hohen Alter von 70 Jahren vor Gericht geladen wurde, weil er die Jugend Athens verführe, in dem er den Dingen auf der Erde und im Himmel nachspüre und diese dann in seinen Ergebnissen unterweise, war eben so ein Fels. Ferner frevle er auch gegen die Polis, weil er die Jugend verderbe, daer nicht an die Götter der Polis glaube, sondern„einem Glauben an eine neue Art von Dämonentum huldige.“ 2 Dies waren nicht geringe Anschuldigungen, zumal die Religion ein integraler Bestandteil der athenischen Polis war. Seine Ankläger jedoch waren weder Sittenwächter, noch etwa Priester oder dergleichen. Sie repräsentierten vielmehr die Dichterschaft mit Meletos, dem Wortführer der Anklage, die Handwerker mit Anytos und mit Lykon, der als „Redner“ beschrieben wird, womöglich die Politik. Erstaunlich genug, dass ein Dichter das Wort der Klage führt, sieht Sokrates jedoch Anytos als den eigentlichen Drahtzieher des Bündnisses an, der reich, gerissen und deshalb auch besonders einflussreich war. 3 Nachdem Sokrates die Anschuldigung bezüglich der Verführung der Jugend erfolgreich und knapp widerlegt, indem er darauf verweist, dass erstens Meleton selber überhaupt kein Recht zu so einer Anklage habe, zumal er sich sein Leben lang keinen Deut um die Jugend gekümmert hat und zweitens, dass die Jugendlichen sich nun, da sie erwachsen geworden sein, dieser Klage vor allen anderen angenommen haben müssten, weist er die zweite Klage ebenso von der Hand, indem er Meletos mit sich selbst in Widerspruch bringt. Er lässt Meletos die Anklage nämlich dahingehend verändern, dass er überhaupt keine Götter glaube, da der Wortlaut der Anklage aber laute er glaube „an eine neue Art von Dämonen“ und da Dämonen nun einmal göttliche Wesen seien, seien alle diese Beschuldigungen nur ungehaltene Verleumdungen.
Gleich zu Anfang betont er nämlich, dass er gegen zwei Sorten von Anklägern zu Gericht ziehe. Nämlich die, diese Anklage erhoben haben und vor allem die, die Sokrates schon jeher feindlich gesinnt waren, da er ihnen unangenehm geworden sei. Unangenehm ist er ihnen aber darum geworden, weil er sie öffentlich bloßstellte, indem er sie als Eitel beschimpfte, zumal sie nichts wussten aber dennoch stets zu wissen vorgaben. Dieser Umstand ist laut Sokrates der wahre Grund dieser ungerechten Anklage.
2 Platon, Apologie des Sokrates, Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2004, S. 35
3 Vgl., Einleitung von Otto Appelt in: Platon, Apologie des Sokrates, Hamburg: Felix Meiner Verlag,
2004, S. 35
Arbeit zitieren:
M.A Hureyre Kam, 2009, Hebammenkunst und neue Dämonen: Sokrates , München, GRIN Verlag GmbH
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