Kurzfassung
Ein Griff in die Kasse, Veruntreuung von Kundengeldern, falsche Sicherheitenverschlüsselung, unachtsame Erfassung von Wertpapieroders, Sabotage, Unfälle (siehe Abbildung 1 im Anhang, A1, S. 41), kriminelle Handlungen und Naturkatastrophen sind nur einige Beispiele für Risiken, die im täglichen Betriebsprozess einer Bank vorkommen können. Diese können die Geschäftsprozesse des Bankunternehmens wesentlich beeinträchtigen und vor allem zu monetären Schäden in erheblicher Höhe führen. Das kann unter Umständen sogar die Insolvenz des betroffenen Institutes auslösen, wie spektakuläre Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen. (siehe Abbildung 2 und 3 im Anhang, A 2 und 3, S. 42 ff) Wie solche Ereignisse in einer Bank eingeordnet werden, in welcher Form das Unternehmen solche Risiken qualifizieren und quantifizieren kann und welche Rolle die Erfahrungen anderer Institute bei der Absicherung vor Verlusten aus diesen Risiken spielt, soll in dieser Arbeit dargestellt werden.
I
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung I
Abk ürzungsverzeichnis IV
Symbolverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
1 Einleitung 1
2 Grundlagen operationeller Risiken 2
2.1 Definition des operationellen Risikos 2
2.1.1 Abgrenzung zu anderen Risikoarten 4
2.1.1.1 Reputationsrisiko und strategisches Risiko 5
2.1.1.2 Marktpreisrisiko 5
2.1.1.3 Adressrisiko 6
2.1.1.4 Liquiditätsrisiko 7
2.2 Kategoriesierung operationeller Risiken 7
2.3 Ursachen operationeller Risiken 10
2.4 Management operationeller Risiken 11
2.5 Dimensionen operationeller Risiken 13
2.6 Aufsichtsrechtliche Anforderungen 15
2.6.1 Basler Eigenkapitalverordnung 16
2.6.1.1 Erste Säule - Mindestanforderungen 16
2.6.1.2 Zweite Säule - Bankaufsichtliches Überprüfungsverfahren 18
2.6.1.3 Dritte Säule - Offenlegungspflicht 18
2.6.2 Sound Practices 18
2.6.3 Capital Requirements Directive 19
2.7 Nationale, gesetzliche und aufsichtsrechtliche Regelungen 19
2.8 Mindestanforderungen an das Risikomanagement 20
3 Ermittlung des Eigenkapitalbedarfs für operationelle Risiken 21
3.1 Der Basisindikatoransatz 21
3.2 Der Standardansatz 22
3.3 Der fortgeschrittene Ansatz 23
3.4 Würdigungen der Ansätze zur Quantifizierung operationeller Risiken 25
4 Integration externer Schadensdaten 27
4.1 Loss - Distribution Approach 28
4.1.1 Modell Verlusthäufigkeit 29
II
4.1.2 Modell Verlusthöhe……………………………………………………………….29
4.1.3 Zusammenfassung der Verlusthäufigkeits- und Verlusthöhenverteilung………...30 4.2 Inputdaten……………………………………………………………………………….32
4.2.1 Verluste mit hoher Schadenshäufigkeit und geringer Schadenshöhe…………….33 4.2.2 Verluste mit niedriger Schadenshäufigkeit und großer Schadenshöhe…………...34 4.3 Datenquellen………………………………………………………………………........36 4.3.1 Datenkonsortien…………………………………………………………………..36 4.3.2 Öffentliche Datenquellen…………………………………………………………37 4.4 Relevanz externer Daten………………………………………………………………..38 5 Zusammenfassung…………………………………………………………………………..40 Anhang………………………………………………………………………………………..41 A1 Unfall in einer Filiale einer Sparkasse………………...………………………………….41 A2 4,9 Millarden Euro weg - Einfach so……………………………………………………..42 A3 Bernhard Madhoff, die große Lüger und die Gier………………………………………..44 A4 OpRisk als Ursache von Verlusten im Kontext aller Risikoarten………………………...51 A5 Wirkungskette zur Analyse operationeller Risiken……………………………………….52 A6 Risikomanagement - Kreislauf im Detail………………………………………………...53 A7 Drei Säulen von Basel II………………………………………………………………….54 A8 10 Grundsätze der Sound Practices………………………………………………………55 A9 Modularer Aufbau der MaRisk…………………………………………………………...56 A10 Regulatorische Geschäftsfelder………………………………………………………….57 A11 Verlustereigniskategorien……………………………………………………………….58 A12 Qualitätskriterien für Verlustdatenbanken………………………………………………59 Literaturverzeichnis…..…………………………………………………………………….VIII
III
Abkürzungsverzeichnis Abs. Absatz AG Aktiengesellschaft AktG Aktiengesetz AMA Advanced Measurement Approach BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BCBS Basel Comitee on Banking Supervision BIA Basic Indicator Approach CRD Capital Requirements Directive DakOR Datenkonsortium Op Risk EK Eigenkapital EUR Euro hEKoR Haftendes Eigenkapital für operationelle Risiken HF - LS High Frequency - Low Serverity ICAAP Internal Capital Adequacy Assessment Process IT Informationstechnologie KonTraG Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich KWG Kreditwesengestz LDA Loss- Distribution Approach LDCE Loss Data Collection Exercise LF - HS Low Frequency - High Severity MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement MR Marktrisikopositionen NASDAQ National Association of Securities Dealers Automated Quotations ÖffSchOR Öffentliche Schadensfall - Datenbank OpRisk OpRisk Operationelles Risiko ORF Operational Risk Framework RechKredV Kreditinstituts - Rechnungslegungsverordnung RSA Risk Self Assessment RWA Risikoaktiva für Adressrisiken SolvV Solvabilitätsverordnung SRP Supervisory Review Prozess STA Standardised Approach VaR Value at Risk
IV
Symbolverzeichnis % Prozent n Schadenshäufigkeit f(n) Dichtefunktion der Schadenshäufigkeit s Gesamtschaden f(s) Dichtefunktion des Gesamtschadens x Schadenshöhe f(x) Dichtefunktion des Schadens Anrechnungsbetrag im BIA Anrechnungsbetrag im STA = Ist gleich * Multipliziert mit Summe ( Klammer links ) Klammer rechts
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Unfall in einer Filiale einer Sparkasse am 06.04.2010
Abbildung 2: 4,9 Milliarden Euro weg - einfach so
Abbildung 3: Bernard M., die große Lüge und die Gier
Abbildung 4: Systematisierung bankbetrieblicher Risken
Abbildung 5: OpRisk als Ursache von Verlusten im Kontext aller Risikoarten
Abbildung 6 Zusammenhang zwischen Risikoart, -kategorie und Einzelrisiken
Abbildung 7: Ursachen für operationelle Risiken
Abbildung 8: Wirkungskette zur Analyse operationeller Risiken
Abbildung 9: Risikomanagement - Kreislauf
Abbildung 10: Risikomanagement - Kreislauf im Detail
Abbildung 11: Bestandteile des OpRisk - Managements
Abbildung 12: Dimensionen operationeller Risiken
Abbildung 13: Überblick über die regulatorischen Anforderungen
Abbildung 14: Drei Säulen von Basel II
Abbildung 15: Operational Risk Ansätze nach Basel II
Abbildung 16: Grundsätze der Sound Practices
Abbildung 17: Modularer Aufbau der MaRisk
Abbildung 18: Regulatorische Geschäftsfelder
Abbildung 19: Verlustereigniskategorien
Abbildung 20: Zusammenfassung der drei Messansätze
Abbildung 21: Verteilung der Schadenhäufigkeit
Abbildung 22: Verteilung der Schadenhöhe
Abbildung 23: Simulation des Gesamtschadens
Abbildung 24: Gesamtschadenverteilung
Abbildung 25: Qualitätskriterien für Verlustdatenbanken
Abbildung 26: Bruttoschäden in Geschäftsfeld - Ereigniskategorie - Matrix
Abbildung 27: Verteilungsfunktion des Gesamtschadens nach Integration
externer Daten
VI
1 Einleitung
Risiken begegnen uns im täglichen Leben in den verschiedensten Situationen. Jede Entscheidung und jedes Ereignis ist mit Vor- und Nachteilen verbunden. Besonders unternehmerisches Handeln birgt Risiken, welche Auswirkungen auf den Erfolg der Unternehmung haben. Deshalb versucht der Mensch eine bestmögliche Risikovorsorge zu treffen, um beim Eintritt eines Schadensfalls richtig reagieren zu können bzw. entsprechend abgesichert zu sein. In der Bankindustrie werden bereits seit vielen Jahren Risiken für das Hauptbankgeschäft betrachtet, bewertet und dafür Sorge getragen, dass das Institut im Eintrittsfall ausreichend Mittel zur Verfügung stellen kann. Auch der Gesetzgeber hat deshalb weitreichende Anforderungen formuliert.
Die Risikoart „operationelle Risiken“ blieb, obwohl sie zu den ältesten Risiken der bankbetrieblichen Praxis gehört, bei den Betrachtungen lange Zeit regulatorisch unberücksichtigt. Oftmals reichte die Ertragssituation der Banken aus, um solche Risiken abzudecken. Erst gegen Ende des vergangenen Jahrtausends hat man die Tragweite möglicher operationeller Risiken im Bankbetrieb erkannt und begonnen sich damit regulatorisch und betriebswirtschaftlich auseinanderzusetzen. Bekräftigt wurden diese Überlegungen durch zahlreiche medial bekannt gewordene Ereignisse, welche bis zur Insolvenz einzelner Bankinstitute geführt haben. Diese Arbeit soll im ersten Teil die Regelungen und Ansätze vorstellen, wie der Begriff des operationellen Risikos bankbetrieblich einzuordnen ist und wie das jeweilige Institut diese Risikoart in den Managementprozess integrieren kann. Dazu findet zunächst eine Begriffsdefinition statt und es wird erörtert, warum eine Abgrenzung zu den anderen Risikoarten notwendig ist. Im Folgenden werden die regulatorischen Anforderungen, zum Bespiel die des Basler Commitee on Banking Supervision, vorgestellt. Dabei liegt das Augenmerk auf den Möglichkeiten der Qualifizierung aber besonders auf denen der Quantifizierung dieser Risikoart.
Wie das Risikomanagement innerhalb eines Bankinstituts erfolgen kann, wurde in die deutsche Gesetzgebung übernommen bzw. für die nationalen Verhältnisse definiert. Der zweite Teil dieser Arbeit stellt die drei Ansätze zur Quantifizierung des operationellen Risikos gemäß der Solvabilitätsverordnung vor. Ausgehend vom einfachsten, für deutsche Institute verpflichtenden Ansatz soll dabei deutlich gemacht werden, dass nur durch die Anwendung des
1
dritten Ansatzes eine risikoadäquate Steuerung im Bankunternehmen möglich ist. Des weiteren wird festgestellt, dass die Nutzung externer Schadensdaten für die erfolgreiche Quantifizierung operationeller Risiken vom Gesetzgeber gefordert wird, aber auch aus betriebswirtschaftlicher Betrachtung unabdingbar ist.
Im Dritten Kapitel wird eine Methode für einen fortgeschrittenen Messansatz vorgestellt und damit analysiert, welchen Einfluss externe Daten auf das Ergebnis des zu unterlegenden Vor-sorgekapital für diese Risiken haben können. Im Anschluss wird aufgezeigt in welcher Form diese Daten integriert werden müssen.
2 Grundlagen operationeller Risiken
Der Begriff Risiko wird im allgemeinen Sprachgebrauch in den verschiedensten Variationen benutzt. Abgeleitet wird der Begriff vom italienischen Wort "risicare" für "wagen" oder "Wagnis". Er ist auch gleichzusetzen mit dem Wort "Gefahr" bzw. beschreibt die Möglich-
keit, einen Verlust oder einen Misserfolg zu erleiden. 1
Auch in der wissenschaftlichen Literatur gibt es eine Vielzahl von Definitionen. In der Regel wird hier das Risiko in einem negativen Kontext gesehen mit dem Ziel, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Dass ein Risiko auch positive Auswirkungen auf den Handelnden haben kann, findet dabei oft nur am Rande Würdigung.
Unternehmerisches Handeln, so auch in Institutionen der Kredit- und Bankwirtschaft, bedeutet permanent Entscheidungen zu treffen, deren Ziele und Auswirkungen in die Zukunft gerichtet sind. Das daraus resultierende zukünftige Risiko leitet sich deshalb aus dem zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung herrschenden Informationsstand ab. Dieses Risiko muss bereits zum Zeitpunkt einer wirtschaftlichen Entscheidung durch das Unternehmen entsprechend qualifiziert und quantifiziert werden. Nur so kann der Gefahr eines potenziellen Verlustes oder eines Versagens im Rahmen der für Banken und Kreditinstitute geltenden regulatorischen Richtlinien ökonomisch sinnvoll begegnet werden. 2.1 Definitionen des operationellen Risikos
Operationelle Risiken treten in allen Unternehmen auf und können jeden organisatorischen Bereich einer Unternehmung betreffen oder zumindest tangieren. In Finanzinstituten gehören sie, neben den klassischen Finanzrisiken wie das Kredit-, Marktpreis- und Liquiditätsrisiko,
1 Vgl. Duden (2000).
2
zu den wesentlichen Risikoarten. 2
In der Vergangenheit machten spektakuläre Verlustereignisse, die den operationellen Risiken zuzuordnen sind, nicht nur in den Medien Schlagzeilen. Im Jahr 2005 verursachte der im Cor-porate und Investment Banking - Bereich einer französischen Bank tätige Händler Jéróme K.
einen immensen Verlust von 4,9 Milliarden Euro. 3 Zu unerwarteten Schäden und Störungen können auch Naturkatastrophen beitragen, wie sich am Beispiel einer Ostsächsischen Sparkasse darstellen lässt, die 2002 unter den Folgen eines Hochwassers litt. Ebenso zur Kategorie der operationellen Risiken zählen Betrugsfälle, bei denen Bankangestellte „in die Kasse greifen“ oder unzureichende Sicherheitenverschlüsselung im Bereich der Kreditvergabe. Solche, oft unvorhersehbaren Geschehnisse, können somit die Ertragslage eines Finanzinstitutes erheblich beeinträchtigen oder sogar dessen Fortbestehen gefährden. Diese Ereignisse treten, so lange der Mensch versucht ökonomisch zu handeln, in den verschiedensten Ausprägungen auf. Jedoch ist dies erst in den vergangen zwei Dekaden, vor allem mit dem Beginn der betriebswirtschaftlichen Diskussion über die Basler Eigenkapitalvereinbarung, in das Bewusstsein der Kreditinstitute getreten. Auch das Basel Committee on Banking Supervision (Basler Ausschuss für Bankenaufsicht) konnte erst durch die Weiterentwicklung des Themas einen einheitlich definierten Umgang mit operationellen Risiken manifestieren. Erst 2003 konnte sich der Ausschuss auf eine ausformulierte Definition für diese Risikoart einigen, die von den meisten Instituten für den Umgang mit den Risiken über-nommen wurde. 4 Als Ergebnis dieser wissenschaftlichen aber auch der öffentlichen Diskussion wurde der Begriff wie folgt definiert: 5
"Das operationelle Risiko ist die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Mensch und Systemen oder von externen Ereignissen eintreten"
Das bedeutet, es besteht das Risiko, dass ein bestimmter Geschäftsprozess durch unvorhergesehene Ereignisse unterbrochen werden kann und somit der Bank ein Schaden entsteht. Wie bereits in den angeführten Beispielen veranschaulicht, kann das in Einzelfällen für das Institut Existenz bedrohende Ausmaße annehmen.
2 Vgl. Kaiser, Kasprowitz (2009), S.30.
3 Vgl. Buchmüller (Hrsg.) (2009), S. 38.
4 Vgl. Basel Committe on Banking Supervision (2003b), S.2.
5 Vgl. Wiedemann, Minz, Niemayer (2003), S. 17.
3
2.1.1 Abgrenzung zu anderen Risikoarten
Bevor der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht seine Definition veröffentlichte, gab es selbstverständlich schon einige andere Darstellungsversuche. Die so genannte Negativ - Definition der Europäischen Kommission aus dem Jahr 1998 versuchte, die operationellen Risiken
von den anderen Risikoarten der Finanzwirtschaft zu trennen. 6 Hier wurde das operationelle Risiko als Residualgröße verstanden. Ausgehend vom Gesamtrisiko einer Bank wurden die Marktpreis-, Kredit-, Liquiditäts- und Rechtsrisiken eines Unternehmens voneinander subtrahiert. Das daraus resultierende Restrisiko wurde als operationelles Risiko verstanden. Diese indirekte Risikoermittlung birgt aber nach Expertenmeinung wesentliche Nachteile. Durch die direkte Abhängigkeit zu den anderen Risikoarten und durch die fehlende Trennschärfe der in den operationellen Risiken enthaltenen personellen, organisatorischen, technischen und externen Risikotreibern, ist eine differenzierte Qualifizierung und Quantifizierung nicht möglich. Aus diesen Gründen, und nicht zuletzt auch, weil die Anforderungen nach Basel II vollumfänglich erfüllt sind, haben die meisten Kreditinstitute die Definition des Basler Ausschusses
übernommen. 7 Deshalb müssen zu Beginn die Definition die klassischen Risikoarten ins Bewusstsein gerufen werden.
6 Vgl. Wiedemann, Minz, Niemayer (2003), S. 17 f.
7 Vgl. Buchmüller (Hrsg.) (2009), S. 55.
8 Eigene Darstellung.
9 Vgl. Abildung 5:OpRisk als Ursache von Verlusten im Kontext aller Risikoarten, siehe Anhang, A4, S. 51.
4
2.1.1.1 Reputationsrisiko und strategisches Risiko
Laut Definition des Basler Ausschusses werden so genannten Reputations- und strategische
Risiken explizit nicht bei der Erfassung des operationenellen Risikos berücksichtigt. 10 Das Reputationsrisiko umfasst im weitesten Sinne den Schaden, der durch die Abwertung des guten Rufes eines Kreditinstitutes entstehen kann. In diesem Zusammenhang muss berücksichtigt werden, dass das Reputationsrisiko zwar als direkte Folge einer anderen Risikoart auftreten kann aber aufsichtsrechtlich keine eigene Risikoart darstellt. Es wird deshalb als derivatives Risiko bezeichnet. Eine Missachtung des Reputationsrisikos kann jedoch aus ökonomischer Sicht direkt zur Verschlechterung der Gewinnmöglichkeiten eines Unternehmens führen und sollte deshalb auch bei der Erfassung operationeller Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Die Allokation der Ursachen für dieses Risiko gestaltet sich in den meisten Fällen sehr schwierig. Wie genau das Reputationsrisiko bestimmt werden soll, ist daher eine Frage der Wirtschaftlichkeit.
Ebenfalls im Bezug auf operationelle Risiken abzugrenzen sind die strategischen Risiken, auch Geschäftsrisiken genannt. Bei der Risikobewertung nach Basel II werden diese aller-dings nicht berücksichtigt. 11 Ein strategisches Risiko hängt von den langfristigen Entscheidungen der Geschäftsführung ab und kommt bei nachteiligen Entwicklungen der wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Lage zum Tragen. Beispiele hierfür sind die Schäden, die durch krisenhafte Konjunkturentwicklungen im Zuge der Finanzmarktkrise in der jüngsten Vergangenheit entstanden sind.
2.1.1.2 Marktpreisrisiko
Das Marktpreisrisiko (oder Marktrisiko) bezeichnet die Gefahr von Verlusten, die sich aus Veränderungen des Marktpreises bestimmter Handelsobjekte ergeben. Dazu zählen bei Banken das Aktien-, Währungs- und Kreditkursrisiko und allen voran das bedeutendste, nämlich
das Zinsänderungsrisiko. Diese Risiken gehören zu den Primärrisiken eines Kreditinstitutes. 12 Operationelle Risiken sind in der aufsichtsrechtlichen Definition in bestimmte Kategorien einzuordnen, die in den folgenden Kapiteln spezifiziert werden. Deshalb sind hier Überschneidungen zwischen den Risikoarten nicht denkbar. Dennoch gibt es bei der Identifizie- 10 Vgl.Basel Committe on Banking Supervision (2003b), S. 120.
11 Vgl. Buchmüller (Hrsg.) (2009), S. 56.
12 Vgl. Rolfes (2008), S. 305.
5
rung eines Risikos Grauzonen, die die Unterscheidung erschweren. Ein Beispiel dafür sind grundsätzliche Bewertungsfehler bei Handelstransaktionen. Treten diese erstmalig oder sporadisch auf, werden sie als Marktpreisrisiko identifiziert. Erst wenn bei diesen Fehlern eine Systematik erkannt wird, können die entstandenen Verluste in die Klasse der operationellen Risiken eingeordnet werden. Für eine eindeutige Abgrenzung ist deshalb das Vorliegen aus-
reichender Fakten notwendig. 13
2.1.1.3 Adressrisiko
Zu den Adressrisiken im Bankgeschäft zählen das (Kredit)Ausfallrisiko und das Bonitätsrisiko.
Das (Kredit)Ausfallrisiko stellt ein bedeutendes Erfolgsrisiko dar. Es beschreibt, dass ein Schuldner innerhalb einer Risikoperiode seinen Zahlungsverpflichtungen nur teilweise oder
nicht mehr nachkommen kann und somit das Engagement in der Folge komplett ausfällt. 14 Dem gegenüber ist das Bonitätsrisiko weiter gefasst. Dieses bezieht sich nicht direkt auf den Ausfall von Krediten oder anderen Risikopositionen, sondern beschreibt die Gefahr einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit. In Folge dessen muss die Bank eine Anpassung im Rating der Risikoposition innerhalb der verwendeten Solvenzklassen durchführen. Im Gegensatz zum Ausfall eines Engagements, bei dem zur Quantifizierung lediglich eine Wahrscheinlichkeitszahl herangezogen wird, müssen bei Bonitätsveränderungen so genannte Wahr-scheinlichkeitsvektoren eingesetzt werden. Mit diesen lassen sich dann Wanderungsbewe-
gungen innerhalb der Solvenzklassen beschreiben. 15 Grundsätzlich lassen sich Adressrisiken in Kredit-, Struktur-, Länder-, und Kontrahentenrisiken aufteilen. Auch hier besteht die Problematik der differenzierten Abgrenzung zu den operationellen Risiken. Insbesondere wenn ex post Betrugsereignisse, interne Bearbeitungsfehler oder Schwierigkeiten in den internen Pro-
zessabläufen die tatsächlichen Ursachen für Kreditausfälle darstellen. 16
13 Vgl. Buchmüller (Hrsg.) (2009), S. 58.
14 Vgl. Rolfes (2008), S. 10.
15 Vgl. Rolfes (2008), S. 11.
16 Vgl. Buchmüller (Hrsg.) (2009), S. 58.
6
2.1.1.4 Liquiditätsrisiko
Das Liquiditätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass ein Kreditinstitut seine fälligen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Die Ursache hierfür ist primär auf Refinanzierungsrisiken zurück zu führen. Im Rahmen der Fristentransformation werden langfristig ausgegebene Kredite kurzfristig refinanziert, was die Gefahr birgt, dass eine entsprechende Anschlussfinanzierung nicht mehr möglich ist. Die Bank kann dann ihren kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und wird illiquide. Auch in diesem Bereich sind Prozess- und Systemfehler oder menschliche Fehlentscheidungen denkbar, die bei genauer Betrachtung den operationellen Risiken zuzuordnen sind. 2.2 Kategorisierungen operationeller Risiken
Nach der Abgrenzung zu den anderen wesentlichen Risikoarten wird im folgenden Abschnitt näher auf die einzelnen Kategorien der operationellen Risiken eingegangen. Weder in der Literatur noch in der betriebswirtschaftlichen Praxis gibt es einheitliche Syste-matisierungen für den Begriff des operationellen Risikos. 17 Deshalb wird hier lediglich die begriffliche Abgrenzung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht und dessen Gruppierungen erläutert. Eine sinnvolle Kategorisierung sollte das operationelle Risiko vollumfänglich erfassen und gleichzeitig eine trennscharfe Abgrenzung zu den anderen erläuterten Risikoar-
ten ermöglichen. 18 Nur so kann erreicht werden, dass verschiedene Risiken überlappungsfrei festgehalten werden und damit keine Korrelationen zu den anderen Risikoarten auftreten. Grundsätzlich sei gesagt, dass operationelle Risiken in allen Bereichen eines Betriebes auftreten aber auch durch externe Einflüsse in das Unternehmen eingebracht werden können. Intern führen Entscheidungen von Personen wie auch die verschiedenen Systeme und Prozesse zu Fehlern, können aber unter Umständen durch das Unternehmen beeinflusst werden. Dem gegenüber sind externe Einflüsse nicht vorhersehbar und können in den vielfältigsten Ausprägungen auftreten. Sie sind deshalb schwer kalkulierbar. Es wurden aus diesem Grund Gruppierungen gewählt, die die einzelnen Erscheinungsformen dieser Risikoart nach ihrer Ursache bzw. der Entstehung kategorisieren. Damit sind systematische Identifikationsprozesse, Analysen und auch Zuweisung der Verantwortlichkeiten gewährleistet. Nach der Definition des
Basler Ausschusses für Bankenaufsicht lassen sich vier Risikokategorien ableiten: 19
17 Vgl. Wiedemann, Minz, Niemayer (2003), S. 19.
18 Vgl. Wiedemann, Minz, Niemayer (2003), S. 20.
19 Vgl. Wiedemann, Minz, Niemayer (2003), S. 21.
7
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Tino Bänsch, 2010, Integration externer Datenbanken in die aufsichtsrechtliche Erfassung von operationellen Risiken, München, GRIN Verlag GmbH
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