Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Hauptteil 5
1. Geschichtliche Hinführung zum Minenkrieg 5
1.1 Kriegseintritt 5
1.2 Frontbesetzung 5
1.3 Gründe für Minierungen 6
2. Wesen und Taktik des Minenkrieges 7
2.1 Minenkampf 8
2.2 Minenangriff 9
3. Beispiele für Minierungen an der Dolomitenfront 10
3.1 Colbricon 10
3.1.1 Die erste Mine 11
3.1.2 Die zweite Mine 11
3.2 Kleiner Lagazoui 12
3.3 Col di Lana 14
3.3.1 Sprengungen 15
3.3.2 Exkurs: Tiroler Landesverteidigung 16
4. Menschliche Bewältigung 17
4.1 Arbeit 17
4.2 Psyche 18
III. Schlussteil 19
IV. Literaturverzeichnis 22
V. Anhang 23
I. Einleitung
Gerade in der Winterzeit zieht es große Menschenmassen in die alpinen Gebiete des südlichen Alpenraums, um sich auf schneereichen Gletschern oder idyllischen Langlaufloipen sportlich zu betätigen. Auch im Sommer lockt die überwältigende Natur der Dolomiten, mit faszinierenden Panoramas und imposanten Bergmassiven, viele Besucher an. Letztere nutzen die Berge vielfach zum Abschalten, zum Entspannen vom beruflichen Alltag, als Urlaubsort und genießen die friedliche Ruhe, die sie umgibt.
Doch die Geschichte kennt auch Anderes. Kriegshinterlassenschaften, die nur wenige Menschen sehen und noch weniger zu deuten wissen, kommen zum Vorschein: verfallene Stellungen, von Sprengungen malträtierte Berge, Felskavernen 1 , Stacheldraht auf 3500 m Höhe - schweigende Überbleibsel aus vergangenen Zeiten. Sie zeugen davon, dass die Ruhe in den Jahren 1915-1917 durch Artilleriefeuer, Minensprengungen und Gewehrschüsse jäh gestört wurde. Der 1. Weltkrieg ist im Geschichtswissen der Menschen meist fest verankert und das Gros verbindet die Schlachten mit Kriegsstätten wie Verdun, der Ostfront oder dem Seekrieg. Häufig wird dabei aber ein wichtiger und entscheidender Nebenkriegsschauplatz vergessen: Die Front zwischen Österreich-Ungarn 2 und Italien.
Seit der italienischen Kriegserklärung an ÖU am 23. Mai 1915, zog sich in einem sichelförmigen Bogen - von der Schweizer Grenze im Bereich des Stilfser Jochs, durch den gesamten Südalpenraum bis in den nordwestlichen Winkel des heutigen Jugoslawiens - eine Hochgebirgsfront von ca. 400 km Länge. ÖU reagierte überlegt und überraschte Italien mit der schnellen, strategisch wertvollen Besetzung wichtiger Gipfel und Höhen 3 . Gegen die in den ersten Kriegstagen gezogene Frontlinie versuchte der Aggressor Italien bis zur Auflösung der Dolomitenfront in Folge der 12. Isonzo-Schlacht 4 vehement anzugehen, wurde aber bis auf unbedeutende Geländegewinne immer wieder erfolgreich von ÖU abgewehrt und es gelang die gesamte Kriegszeit kein Durchbruch seitens der Italiener. In dem immer
1 Kaverne: Hohlraum in Fels oder Eis
2 Für den Terminus „Österreich-Ungarn“ wird folgend das Kürzel „ÖU“ verwendet
3 Siehe: Kapitel 1.2
4 Die Front wurde in 3 Sektoren unterteilt: Die Front westlich des Gardasees bis zur Schweitzer Grenze, die
Dolomitenfront und die Kärntner Front. Durch den Sieg ÖU und Deutschlands im Gefecht von Karfreit/Tolmin
am Isonzo, brach im Oktober 1917 die gesamte Dolomitenfront sowie die Kärntnerfront zusammen und die ÖU
Truppen stießen in die italienische Tiefebene bis zum Fluss Piave vor. Die Gebirgsfront bestand bis zum
Kriegsende 1918 nun nur noch vom Stilfser Joch an der Schweizer Grenze bis zum westlichen Ufer des
Gardasees. Siehe: V. Anhang, 1.1
aussichtsloser werdenden Stellungskrieg wurde zur Eroberung einzelner Gipfel letztendlich auf eine gängige Kriegsmethode der West- und Ostfront zurückgegriffen, dem Minenkrieg. Für strategisch wichtige Geländegewinne wurden Sprengstollen unter feindliche Stellungen getrieben, um zum Zeitpunkt „x“ ganze Bergmassive mitsamt den Besetzern in die Luft zu sprengen.
Der erste Teil der nachfolgenden Arbeit soll für den Leser eine Hinführung von der Kriegserklärung Italiens bis zu den ersten Minierungen darstellen und den Aspekt beleuchten, welche Beweggründe die kriegsführenden Parteien zur Aufnahme eines Minenkrieges veranlassten. Anschließend soll eine Einführung in das Wesen und die Taktik dieser Kampfmethode folgen, um eine Grundlage für die nähere Betrachtung einzelner Minierungen an der Dolomitenfront zu schaffen und einen Vergleich zwischen den Ereignissen zu ermöglichen. Dies ist die Intention des 3. Teils, welcher dem Leser am Ende die Möglichkeit geben soll, selber über den Sinn dieser Kriegsführung zu urteilen und zu überlegen, ob man von einer taktisch nachhaltigen Kriegsmethode oder einer grundlosen Kräfteverschwendung reden sollte. Den nachfolgenden Teil möchte ich dem Aspekt der menschlichen Bewältigung widmen, um die enorme physische und psychische Gewalt dieses Krieges und der explizit beschriebenen Kriegsführung zu verdeutlichen. Im Schussteil werde ich ein Resümee über den gesamten Themenkomplex ziehen und einige Schlussfolgerungen formulieren.
In der allgemeinen Kriegsliteratur wird der Nebenkriegsschauplatz seinem Namen gerecht und wird entsprechend spärlich behandelt. Heinz von Lichem war der erste deutschsprachige Autor, der eine ineinander übergehende Gesamtdarstellung des Gebirgskrieges verfasst hat, daher zählen seine Bücher zur Basisliteratur. Erst in der neueren Zeit haben sich weitere Autoren, wenn auch sehr spezifisch, mit einigen Frontabschnitten und Gipfeln befasst und die dortigen Geschehnisse genauer analysiert. Der Minenkrieg wird von den meisten Autoren seltsamerweise nur kursorisch gestreift, weshalb die Bände von Robert Striffler auf diesem Gebiet ebenfalls zur Basisliteratur gehören. Italienische Literatur zum Gebirgskrieg ist vorhanden, wenn auch nicht in gleicher Fülle wie in der deutschen Sprache, deutsche Übersetzungen sind zudem rar. Zu den menschlichen Aspekten findet man in der gesamten mir bekannten Literatur nur vereinzelte Einwürfe, weshalb dieser Punkt anhand der Quellen am problematischsten ist. Nicht desto trotz zieht sich dieser Punkt wie ein roter Faden durch alle Werke hindurch und wird aufgrund seiner Besonderheit gesondert thematisiert.
II. Hauptteil
1. Geschichtliche Hinführung zum Minenkrieg
1.1 Kriegseintritt
Mit dem Doppelmord an dem österreichischen Thronfolgerpaar, Erzherzog Ferdinand und seiner Gattin Sophie in Sarajewo am 28. Juni 1914, nahm die Geschichte des 1. Weltkrieg ihren Lauf. Trotz dieser ungeheuren Provokation schreckte der ÖU Kaiser Franz Joseph I. jedoch vor militärischen Reaktionen zurück, was seiner Abneigung gegenüber jeglichen militärischen Aktionen entsprach 5 . Bis zuletzt setzte der Kaiser den kriegszugewandten Kreisen entgegen, was mit der Kriegserklärung ÖU an Serbien am 27. Juli 1914 mit dem berühmten Manifest „An meine Völker“ ein jähes Ende nahm.
Während ÖU und Deutschland in den bisher schwersten Waffengang ihrer Geschichte eintraten, blieb das Königreich Italien als Mitglied des Dreibundvertrages 6 neutral.
Zur Erreichung der damaligen politischen it. Ziele der Irredenta 7 wurde mit dem Kriegsbeginn eine neue Chance zum Vorantrieb gesehen und es wurden erneut Verhandlungen mit ÖU über die Abtretung des Trentino geführt, wozu ÖU im Frühjahr 1915 letztendlich auch bereit gewesen wäre 8 . Die ebenfalls aufgenommenen Verhandlungen Italiens mit den Alliierten versprachen allerdings lukrativere territoriale Gewinne, was am 4. Mai 1915 zur Kündigung des Dreibundvertrages führte und am 23. Mai 1915 die einseitige Kriegserklärung Italiens an ÖU nach sich zog. Die historische Gerechtigkeit verlangt klar zu stellen, dass ÖU in einen aufgezwungenen Krieg eintrat, der von Italien gewollt und provoziert worden war.
1.2 Frontbesetzung
Der Schock über die it. Kriegserklärung saß in ÖU tief, zumal die größten Truppenteile an den Fronten im Osten, am Balkan und in Galizien gebunden waren.
5 Vgl.: Lichem, Heinz von: Gebirgskrieg 1915-1918. Band 2. Die Dolomitenfront von Trient bis zum
Kreuzbergsattel. 3 1988, S. 37
6 Mitglieder des Dreibundvertrages waren Deutschland, Österreich-Ungarn sowie Italien. Der Vertrag
bestand seit 1882. Seine zentrale Funktion war die europäische Friedenssicherung. Kuprian, Der
erste Weltkrieg im Alpenraum, S. 19
7 Ziel: Eingliederung aller italienischsprachigen Gebiete Österreich-Ungarns in das it. Königreich
8 Vgl.: Kuprian, Hermann J.W: Der erste Weltkrieg im Alpenraum. Erfahrung, Deutung, Erinnerung. Innsbruck
2006. (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs Band 23), S. 26
Dies wussten auch die it. Generäle und erhofften sich daher ein schnelles und problemloses Überrennen der Grenze. Hier kam nun jedoch die legendäre Tiroler Landesverteidigung zum Einsatz: Die Tiroler Standschützen 9 . Sie verteidigten mit Gendamarieposten und weiteren freiwilligen Gruppierungen die Landsgrenzen in den ersten Kriegswochen durch kühne Gipfelbesetzungen, Patrouillengänge und gezielte Täuschungsmanöver 10 , bis sie ca. zwei Wochen später durch reguläre Truppen, wie die Kaiserjäger oder die Kaiserschützen, verstärkt wurden 11 . Italien war von dieser Verteidigung überrascht und zögerte im entscheidenden Moment einen Angriff hinaus, was sich als eklatanter Fehler herausstellte, denn zu dieser Zeit hätten die gegnerischen Stellungen mühelos überrannt werden können. Doch nun waren die Höhen und Grate besetzt und Italien wurde in die im Gebirgskrieg unangenehme Position des Angreifers gedrängt 12 .
Diese Frontlinie wurde bis zur Auflösung der Dolomitenfront bis auf unbedeutende Geländeverschiebungen aufrechterhalten und Italien gelang während des gesamten Krieges kein Durchbruch 13 .
1.3 Gründe für Minierungen
Es bildete sich eine Kampflinie heraus, die beide Seiten immer verzweifelter zu durchbrechen versuchten. Die natürlichen Einfallslinien, hauptsächlich in tief gelegenen Tälern, wurden von Verteidigern sowie auch von den Angreifern schon im Zuge der Kriegsvorsorge vor 1914 mit Festungswerken, Talsperren und Fortifikationen verschiedenster Art 14 erfolgreich gesperrt und verteidigt, wodurch hier ein Durchkommen fast unmöglich gemacht wurde. So blieb als einzige Konsequenz: Das Ausweichen ins Hochgebirge.
Klimatische Verhältnisse wie Schneefall oder Lawinenabgänge zwangen die Parteien jedoch dazu, in nur sehr begrenzen Zeiträumen der Sommermonate größer
9 Alte und Junge Männer, die bei Kriegsausbruch nicht der Wehrpflicht unterlagen und aufgrund der
tief verwurzelten Schützentradition den Umgang mit Waffen gewohnt waren. Auch in Friedenszeiten
ist bis heute das primäre Ziel der Tiroler Schützenvereine die Landesverteidigung Tirols. Nichtmilitärische
und nichtaktive Landesverteidiger. Vgl.: Lichem, Heinz von: Der einsame Krieg. Erste Gesamtdokumentation
des Gebirgskrieges 1915-1918 von den Julischen Alpen bis zu Stilfser Joch. Bozen 5 1990, S. 36
10 Auf einen Frontkilometer entfielen nur 110 Gewehre.
11 Eine besondere Stellung nahm das deutsche Alpenkorps ein, welches die Frontverteidigung tatkräftig
unterstützte. Es wirkte aber nur im Hintergrund, da Deutschland erst 1916 den Krieg an Italien erklärte.
12 Wer zuerst eine hochalpine Position besetzt hat, kann diese fast durchwegs auch gegen starke
Angriffe abwehren. Oft genügen nur wenige Männer, um ein ganzes Grat- und Gipfelsystem beherrschen zu
können.
13 Vgl.: Lichem, Heinz von: Gebirgskrieg 1915-1918. Band 1. Ortler, Adamello, Gardasee. Bozen 3 1990,
, S.12-13 / Siehe: V. Anhang, 1.1
14 Von der Straßen- bis zur Flusssperre
Arbeit zitieren:
Christian Hempel, 2009, Minenkrieg an der Dolomitenfront, München, GRIN Verlag GmbH
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