Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Hauptteil 4
1. Begriffserklärung 4
1.1 Marxistisch-Leninistische Grundlagen 4
1.2 Marxistische Bewegungen 6
2. Ziele und Entwicklungslinien seit Gründung der DDR 8
2.1 Die antifaschistisch-demokratische Schulreform (1945-1949) 8
2.2 Der Aufbau der sozialistischen Schule (1949-1961/62) 10
2.3 Die Gestaltung des entwickelten sozialistischen Bildungssystems
ab 1961/62 11
3. Polytechnische Bildung im Zusammenhang mit Entwicklungen im
Berufsbildungssystem 13
3.1 Idee und Neuorientierung der polytechnischen Bildung 13
3.2 Berufsvorbereitung als Aufgabe der allgemein bildenden Schule 15
3.3 Entwicklungen im Berufsbildungssystem 16
4. Einflüsse der Reformpädagogik 18
III. Schlussteil 20
IV. Literaturverzeichnis 21
V. Anhang 22
Verwendete Abkürzungen
Abb. -Abbildung BRD -Bundesrepublik Deutschland DDR -Deutsche Demokratische Republik EOS -Erweiterte Oberschule FDJ -Freie Deutsche Jugend KPD -Kommunistische Partei Deutschlands POS -Polytechnische Oberschule SED -Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SPD -Sozialdemokratische Partei Deutschlands WTR - Wissenschaftlich - technische Revolution
I. Einleitung
„Die DDR war mit dem ausdrücklichen Ziel angetreten, die beiden zentralen Aufgaben eines jeden Ausbildungssystems - Heranbildung des politischen Bewusstseins und der Ausbildung marktfähiger Qualifikationen - in einer neuen Ausbildungsstruktur zu ordnen und sich somit von dem traditionsgeleiteten Dualen System deutlich abzusetzen.“ 1
Dieses Zitat von Horst Biermann, aus seinem nach der Wende veröffentlichten Werk, bringt einige wesentliche Merkmale der Zielvorstellungen von Bildung und Erziehung in der ehemaligen DDR auf den Punkt. Es taucht jedoch ebenfalls in ein Themengebiet ein, welches aufgrund des immer größer werdenden Abstands zum Mauerfall, sowie eines nunmehr schon vorhandenen generationsspezifischen Informationsgefälles, dem Leser große Informationslücken offenbart. Obwohl die DDR zwar längst der Vergangenheit angehört, wird man im Alltag immer wieder an die Teilung des einstigen Deutschen Reiches erinnert. Ob bei vergleichenden Arbeitslosenraten, demografischen Entwicklungen oder gar der Wettervorhersage wird stets in Ost- und Westdeutschland unterschieden und zeugt von dem einstigen Bruch.
Das Ziel dieser Arbeit soll sein, dem Leser Einblicke zu geben, welche Bildungsziele der Staatsapparat unter Führung der SED zu erreichen versuchte, ihren Verwirklichungen nachzugehen und die begleitenden und vollzogenen institutionellen Veränderungen aufzuzeigen, sowie der Analyse des in der DDR grundlegend anders aufgefassten Begriffes von Bildung und Erziehung.
Um den Gesamtkomplex nachhaltig verstehen zu können ist es zudem unerlässlich, den politisch - ideologischen Unterbau des beschriebenen Systems kennenzulernen, der untrennbar mit den jeweils getroffenen Entscheidungen zusammenhing und die Grundlage für jegliches Agieren darstellte.
Anschließend soll das Augenmerk auf das Wesensmerkmal der sozialistischen Bildung gelegt werden, der polytechnischen Bildung. In diesem Teil wird auf die immer wieder aufgeworfene Frage der frühen Berufsorientierung und - beratung eingegangen, sowie das Augenmerk auf die Justierung des Berufsbildungssystems auf die Erfordernisse der wissenschaftlich- technischen Revolution gelenkt. Neben einem abschließenden Fazit soll, um die Verknüpfung zu einem weiteren Modul 2
1 Siehe: Biermann, Horst (1990): Berufsausbildung in der DDR. Zwischen Ausbildung und Auslese. Opladen:
Leske+ Budrich, S.6
Seminar herzustellen, auf die Versuche der Reformpädagogik eingegangen werden, das in den Augen der DDR-Machthaber als stimmig angesehene Bildungskonzept zu beeinflussen und zu modifizieren.
II. Hauptteil
1. Begriffserklärung
1.1 Marxistisch-Leninistische Grundlagen
Auch ein noch so kurzer Abriss des ehemaligen DDR-Bildungssystems kommt nicht ohne eine Einführung in die von Marx und Engels propagierten Grundthesen aus und würde lediglich eine monografische Sicht darstellen, ohne die politisch-ideologischen und weltpolitischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, auch hinsichtlich des Hintergrundes, dass sich die Pädagogik der DDR bis zum 1. Dezember 1989 als marxistisch-leninistisch definierte und viele ihrer Postulate aus Schriften marxistischer Klassiker abgeleitet hat. 2 Die Werke stellten jedoch weniger konkrete Konzepte für die praktische Gestaltung eines Bildungssystems dar, sondern waren vielmehr Ausgangspunkt für politische Handlungsanweisungen, auf denen das zukünftige System gründen sollte.
Viele der marxistischen Thesen wurden in der vor der Weimarer Republik 3 herrschenden Phase der Monarchie von der KPD im Konzept der kommunistischen Machtergreifung 1848 (Manifest der Kommunistischen Partei) umformuliert und in ihr Programm aufgenommen. Besonders prägend sind hierbei Aussagen über die öffentliche und unentgeltliche Volkserziehung, sowie die Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion, an der laut Marx jedes Kind ab dem 9.Lebensjahr teilnehmen sollte. Dieser definierte die ‚Erziehung der Zukunft’ über die produktive Arbeit nicht nur als Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Erziehung vollseitig entwickelter Menschen.“ 4 Diese polytechnische Ausbildung schloss sich mit der geistigen und körperlichen 5 Erziehung zu Marx’ umfassenden Erziehungsbegriff zusammen.
2 Vgl.: Fischer, Andreas (1992): Das Bildungssystem der DDR. Entwicklung, Umbruch und Neugestaltung nach
1989. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 6
3 Die Weimarer Republik existierte von 1919 bis zu Hitlers Machtübernahme 1933.
4 Stimulus-Formel: Wenn der Mensch von den Umständen gebildet wird, so muss man die Umstände menschlich
bilden. Siehe: Klein, Helmut (1974): Bildung in der DDR. Grundlagen, Entwicklungen, Probleme. Reinbek bei
Hamburg: Rowohlt, S. 18
5 Militärische Übungen
Ebenso propagierte er die Bedeutung der Frau als produktive Kraft, denn die Volkswirtschaft verlangte alle verfügbaren Arbeitskräfte zur schnellen Erreichung des vollkommenen Kommunismus, um eine wirtschaftlich ausreichend stabile Grundlage zu schaffen. Nach dem Übergang der Produktionsmittel ins
Gemeineigentum sollte auch die Einzelfamilie zu existieren aufhören und die Pflege und Erziehung der Kinder zu einer öffentlichen Angelegenheit werden; dies war für Marx geradezu ein Maßstab für gesellschaftliche Höherentwicklung. 6 Viele für die DDR charakteristischen Bildungselemente waren daher von den Begründern des Marxismus übernommen: öffentliche und staatliche Erziehung aller Kinder, Trennung von Schule und Kirche, Verbindung von Erziehung und materieller Produktion zu polytechnischer Bildung und Teilhabe der Frau an der Produktion und Vergesellschaftung frühkindlicher Erziehung. Hinzukommend waren Marx und Engels von einem pädagogischen Optimismus überzeugt, nämlich der Vervollkommnungsfähigkeit der Menschen in einer künftigen gerechten und humanen Gesellschaftsordnung. An dieser anknüpfend sahen sie die Arbeitsteilung als unnatürlichen Prozess an, welche einen unnötigen Abgrund zwischen den Menschen auftat, den es zu beseitigen galt. „Ursprünglich unterscheidet sich ein Lastträger weniger von einem Philosophen als ein Kettenhund von einem Windhund. Es ist die Arbeitsteilung, welche einen Abgrund zwischen ihnen aufgetan hat.“ 7 Niemand könnte sich an einer ihm zugewiesenen Arbeit definieren, sondern muss im vollkommenen Kommunismus in seiner Erziehung das ganze System
durchwandern, wobei sich der Übergang durch persönliches Interesse oder gesellschaftliche Bedürfnisse vollzieht, ganz nach dem Motto ‚jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen’ ; feste Arbeitskreise würden der Vergangenheit angehören. Dies implizierte eine restlose Auflösung aller bisherigen Klassen. Allem voran stand daher die Entmachtung der Monarchie und der bestehenden Bourgeoisie. Marx vermutete jedoch, dass dem vollkommenen Kommunismus eine Übergangsphase vorausgehen würde, in der die Arbeitsteilung und das Leistungsprinzip notgedrungen weiter bestehen würden, um eine wirtschaftlich gefestigte Ausgangsbasis zu schaffen. Lenin prägte später im Anschluss an diese Worte die Unterscheidung vom ‚Kommunismus’ und
6 Mit dem Ziel der Frau als voll produktiver Arbeitskraft musste der Erziehungs- und Bildungsauftrag von
Dritten übernommen werden.
7 Siehe: Fischer, Andreas, S. 13
Arbeit zitieren:
Christian Hempel, 2009, Ziele und Entwicklungslinien des DDR-Bildungssystems, München, GRIN Verlag GmbH
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