Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Einführung in die Jugendsprache 4
2.1 Versuch der Definition der Jugendsprache 4
2.2 Merkmale und Register der sprachlichen Oberfläche der Jugendsprache 6
2.3 Die Kanak Sprak 9
3. Die empirische Untersuchung 12
3.1 Beschreibung der empirischen Untersuchung 12
3.2 Auswertung der empirischen Untersuchung 15
4. Fazit 19
5. Literatur- und Quellenangaben 20
6. Anhang 21
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1. Einleitung
Was guckst du? Bin isch Kino oder was?
Die deutsche Sprache hat sich schon immer verändert, aber gerade in den letzten Jahren hat sich eine Diskussion entwickelt, die Sprachwissenschaftler, Erzieher, Lehrer, Eltern und auch die Jugend beschäftigt. Diese Diskussionen beschäftigen sich mit der Jugendsprache und vor allem auch mit der Kanak Sprak, die eine Variation der Jugendsprache ist. Viele haben Angst, dass die deutsche Standardsprache ausstirbt. Denn was soll nur aus ihr werden, wenn die heutige Jugend erwachsen wird und ihr Sprachgut an die Kinder weitergibt? Sagen dann die Schulkinder die oben kursiv gedruckten Sätze, wenn sie sich von der Lehrperson provoziert fühlen? Wird die hochdeutsche Sprache dann von der Sprache der heutigen Jugendlichen geprägt? Wie beispielsweise von der Anredefloskel Alter lan, was gehtn ab bei dir? oder Moinsen Digger, gehs du auch Schule jetzt?
Da auch an mir diese Diskussionen nicht vorbeigegangen sind und ich die Auswirkungen der Jugendsprache häufig in meinem Umfeld miterlebe, war mein Entschluss schnell gefasst, eine Arbeit zu diesem Thema zu schreiben. Gerade weil dieses Thema bei weitem noch nicht so ausgiebig erforscht ist wie andere sprachliche Phänomene und viel zu selten Gegenstand an der Universität oder an der Schule ist, war meine Motivation groß, mehr zu diesem Thema zu erfahren.
Mit meiner Arbeit möchte ich einen Überblick zu dieser sprachlichen Besonderheit geben. Dazu habe ich mich zur Einführung in die Thematik mit einer Definition der Begrifflichkeit „Jugendsprache“ versucht, um anschließend ihre sprachlichen Register und Eigenheiten näher zu beschreiben. Auch die für meine Hausarbeit so wichtige Kanak Sprak hat in Punkt 2.3 mein Interesse geweckt und ich werde versuchen, sie in all ihren Facetten vorzustellen. Ich möchte in dieser Arbeit außerdem eine eigene empirische Untersuchung vorstellen, die sich mit der Jugendsprache an sich und der Kanak Sprak im Besonderen beschäftigt. Mit diesem Fragebogen wollte ich Faktoren ermitteln, die den Gebrauch dieser Sprachvariationen beeinflussen. Außerdem will ich eine von mir selbst aufgestellte These be- bzw. widerlegen. Die These lautet wie folgt: Deutsche Jugendliche sprechen die Kanak Sprak, um Teil der Gruppe zu werden und so Gruppenzugehörigkeit zu erfahren.
Manche der aus der Literatur entnommenen Beispiele mögen nicht mehr dem jetzigen Stand entsprechen, da die jugendsprachlichen Ausdrücke einer rasanten Änderung unterliegen und meine eigenen Erfahrungen auch schon wieder veraltet sind. Nichts desto trotz werde ich versuchen, ein möglichst aktuelles Bild der Jugendsprache darzustellen.
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Ich möchte zum Schluss noch darauf hinweisen, dass ich das generische Maskulinum verwenden werde.
2. Einführung in die Jugendsprache
Dieser Punkt meiner Hausarbeit soll den Bereich der Jugendsprache beleuchten und versuchen, den Begriff der Kanak Sprak zu erläutern. Ich werde die Schwierigkeiten beim Erklären des Begriffes „Jugendsprache“ darstellen und zugleich dennoch versuchen, eine Definition zu erstellen.
Der Begriff der Jugendsprache umfasst ein weites Feld. “Jugendsprache- ist das ein Jargon, ein (lexikalisches und phraseologisches) Register, eine Stilschicht, eine Varietät, ein Kommunikationsstil, ein Gemisch aus Alltags- bzw. Umgangssprache und Szenesprache, ein salopper, unkonventioneller, provokativer, spielerischer Sprachgebrauch- oder was eigentlich noch?“ 1
Schon Johannes Volmert zeigt in seinem Aufsatz, dass man viele Bereiche der Sprache beleuchten muss, um auch nur annähernd den Versuch machen zu können, Jugendsprache zu definieren. Noch schwieriger ist es bei dem von Feridun Zaimoglu geschaffenen Begriff „Kanak Sprak“, mit dem er sowohl dem Wort „Kanak(e)“ die negative Konnotation genommen hat, als auch das Phänomen dieses bestimmten Soziolekts näher beleuchtet beziehungsweise die Menschen für dieses Thema sensibilisiert hat.
2.1 Versuch der Definition der Jugendsprache
Augenscheinlich erscheint eine Definition des Begriffes „Jugendsprache“ sehr einfach: „Jugendsprache“ ist die von der Jugend verwendete Sprache; also gewissermaßen die Stimme der Jugendlichen. Diese Definition allerdings würde bedeuten, dass die Jugendsprache nur von der Jugend gesprochen werden würde und dass alle Jugendlichen dieselbe Sprache sprechen würden. „Gegenüber eher vorurteilsbeladenen Vorstellungen und Fiktionen wird Jugendsprache von Sprachwissenschaftlern heute als ein komplexes sprachliches Register angesehen.“ 2 Doch die Jugendlichen sprechen alles andere, nur nicht dieselbe Art der Sprache, die Erwachsene als Jugendsprache einstufen würden. Vielmehr ist die Jugendsprache
1 Volmert, Johannes: Jugendsprache- Jugendliteratur- und ihre Erforschung. In: Der Deutschunterricht. Heft 3, 2005, S. 85-91.
2 Schlobinski, Peter/ Kohl, Gaby/ Ludewigt, Irmgard: Jugendsprache. Opladen 1993. S. 12.
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von Gruppe zu Gruppe, von Region zu Region unterschiedlich, da sich die Jugendsprache als gruppeninterne Sprache versteht und so genutzt wird, um sich von der Erwachsenenwelt, aber auch von anderen jugendlichen Gruppen abzugrenzen. 3 Doch was ist „Jugend“ überhaupt? Die Zeitspanne zwischen dem Beginn der Pubertät, die zwischen dem 11. und dem 14. Lebensjahr einsetzt, und der Postadoleszenz wird gemeinhin als Jugend tituliert. 4 Besonders in dieser Zeitspanne ist der Einfluss der verschiedenen Welten, nämlich die der Eltern und die der Freunde, am größten und beeinflusst den Jugendlichen und seine Sprache enorm. Die meisten Jugendlichen sind auch in der Lage, den eigenen Sprachgebrauch ihrem Gegenüber anzupassen.
Das größte Problem meiner Meinung nach ist allerdings der heutige Trend der ewigen Jugend. Nie zuvor war der Zustand der Jugendlichkeit so beliebt wie heute, nie hatte Jugend einen so großen Stellenwert in unserer Gesellschaft, womit die Definition der Psychologie meiner Ansicht nach hinfällig wird. Um jung zu erscheinen, benutzen auch Menschen, die entwicklungspsychologisch nicht mehr in der Pubertät bzw. Adoleszenz/ Postadoleszenz anzusiedeln sind, jugendsprachliche Ausdrücke. Diese Form der künstlichen Jugendsprache ist nicht Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit, obwohl auch dieser Aspekt der Sprache reizvoll wäre. Doch meiner Auffassung nach ist diese Sprache keine Jugendsprache im eigentlichen Sinn; sie wird nur genutzt, um jugendlich zu wirken, und Teil der Jugend zu sein. Was viele Erwachsene und Wissenschaftler allerdings vernachlässigen, ist das breite Spektrum der Jugendsprache. Diese wird oft nur aufgrund einiger weniger Ausdrücke und Phraseologismen (z.B.: krass, fett, hammer, Was gehtn? Rein haun!) charakterisiert und findet ihre Aufmerksamkeit oft nur, wenn sie vulgär oder provozierend auf den Betrachter wirkt. Diese selektive Wahrnehmung entspricht allerdings nicht dem Inventar der Jugendsprache, welches in Punkt 2.2 näher erläutert werden soll. Diese eingeschränkte Sicht erweckt den Eindruck, dass Jugendsprache gelernt werden kann, was wohl auch den hohen Absatz der jugendsprachlichen Lexika erklärt. Doch durch die gruppeninternen Sprachvarianten wird jeder Versuch eines Erwachsenen, Jugendsprache zu sprechen, scheitern, da sie von Jugendlichen erkannt und als lächerlich empfunden werden wird. Trotzdem werden diese die Jugendsprache benutzenden Erwachsenen ihren Erfolg darin haben, sich von anderen Erwachsenen abzugrenzen, weshalb ihnen diese Methode vergönnt sein soll.
3 Volmert, Johannes: Jugendsprache- Jugendliteratur- und ihre Erforschung. In: Der Deutschunterricht. Heft
3, 2005, S. 85-91.
4 Schmidbauer, Wolfgang: Jugendlexikon Psychologie. Reinbek 1976. S. 104.
5
Jugendsprache ist eine spezifische Sprechweise, die die Standardsprache voraussetzt und diese schöpferisch abwandelt, stereotypisiert und spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels pflegt. 5
2.2 Merkmale und Register der sprachlichen Oberfläche der Jugendsprache
Die linguistische und soziologische Forschung konnte sich weitgehend auf fünf charakteristische Merkmale und Register für den Sprachstil der Jugendsprache einigen. Beginnen möchte ich, wie auch Johannes Volmert 6 , mit der Hyperbolik. Sie beschreibt die Übertreibungen und die Drastiken in den Benennungen und Beschreibungen der Jugendsprache. Sie bedient sich hauptsächlich aus dem Repertoire der adjektivischen Attribuierung und der adverbialen Verstärkung. Wie der Begriff der Hyperbolik bereits vermuten lässt, sind den Ausdrücken keine Grenzen gesetzt. Von riesig bis gigantisch sind alle Übertreibungen erlaubt. Auch die Präfixe bzw. Präfixoiden mit der emphatischsteigernden Funktion wie zum Beispiel mega-, ultra- usw. dienen den Hyperboliken. Außerdem werden auch entlehnte Wörter aus der Standardsprache zweckentfremdet, um allerdings in völlig umgedeuteter und umbewerteter Form verwendet zu werden. Dabei können sie sowohl für sehr positive, als auch für extrem negative Bewertungen genutzt werden. Beispiele hierfür wären krass, abartig, fett, brutal, tödlich usw.. Oft werden alle diese sprachlichen Merkmale indes inflationär gebraucht, was bei vielen Elementen zu einer sehr schnellen Entwertung führt. Zu erklären ist dies durch den Wunsch, zu schocken oder sich abzugrenzen. Indem zu viele zu oft diese Übertreibungen benutzen, entwertet sich die Wirkung und die Begriffe verlieren an Bedeutung, vor allem aber an Effekt. Dies wird von den Nutzern der Jugendsprache durch zusätzliche Adverbien bzw. Gradpartikel kompensiert. Verkürzungen, oft auch als „Comic- Sprache“ betitelt, sind ein weiteres sprachliches Register. Die wichtigste Quelle der „Comic- Sprache“ ist „- wie der Name schon sagt- die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa eingeführte Comic- Literatur amerikanischer Provenienz.“ 7 Sie zeichnet sich vor allem durch ihre dialogischen Interaktionen aus. Die Verkürzung bedient sich hauptsächlich zweierlei Typen:
5 Henne Helmut: Jugend und ihre Sprache. Berlin 1986. S. 208 ff.
6 Im folgenden beziehe ich mein Wissen über die sprachliche Oberfläche der Jugendsprache aus folgendem Aufsatz: Volmert, Johannes: Jugendsprache- Jugendliteratur- und ihre Erforschung. In: Der Deutschunterricht. Heft 3, 2005, S. 85-91.
7 Volmert, Johannes: Jugendsprache- Jugendliteratur- und ihre Erforschung. In: Der Deutschunterricht. Heft 3, 2005, S. 88.
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Arbeit zitieren:
Anke Rehder, 2009, Jugendsprache - Analysen zu einer aktuellen empirischen Untersuchung, München, GRIN Verlag GmbH
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