Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Historischer Hintergrund 4
a. „Monolinguistisches Selbstverständnis“ 4
3. Die Situation der Gegenwart 6
a. Deutsch wird unterschiedlich erworben 6
b. Spezifika des Spracherwerbs 7
c. Die Gogolins und Neumanns „Großstadtgrundschule“ -Studie (1997) 7
d. Sprach-/Leseerwerbssituation von Migrantenkinder 8
4. Vorteile und Nachteile der Mehrsprachigkeit 9
a. Den Kindern ist das Erlernen verschiedener Sprachen angeboren 9
b. Das Erlernen mehrerer Sprachen und der Einfluss dessen auf eine weitere
Fremdsprache S. 10
c. „Dynamisches Mehrsprachigkeitsmodell“ 10
5. Maßnahmen 11
a. Von 1964 bis 1990 11
b. Deutsch als Zweitsprache 11
c. Strukturen der Sprachförderung in Niedersachsen als Beispiel der
durchgef ührten Maßnahmen 12
d. Die Vorgehensweise 12
e. Fördermaßnahmen der Grundschule für Deutsch-als-Zweitsprache 12
6. Professionelle Kompetenzen der Lehrkräfte in mehrsprachiger Umgebung 14
a. Mangelnde Sprachkompetenz anstatt fehlender kognitiver Fähigkeiten 14
b. Kenntnisse der Lehrkraft 14
c. Michalaks Untersuchung der professionellen Lehrerkompetenzen 15
7. Schulischer Wandel durch bilinguale Klassen 16
a. Flexibilität der Lehrer 16
b. Teamteaching 16
c. Erfolgreiche Konsequenzen 16
8. Fazit 18
9. Literaturverzeichnis 19
2
2
1. Einführung
Die sprachliche Kommunikation spielt in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen eine zentrale Rolle. So gerät etwa die deutsche Sprache durch Migration in den Kontakt mit einer Vielzahl von Einwanderer-Sprachen. Es geht aber darum, sich über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg zu verständigen und möglichst vielen Menschen eine Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen: Sprachliche Vielfalt als Chance ansehen.
Ich habe mir als Ziel dieser Arbeit gesetzt, einen kurzen Überblick über die Mehrsprachigkeit in Deutschland zu geben. Mit einem Blick in die Vergangenheit soll zuerst verdeutlicht werden, wo und wie der Anfang der sprachlichen Vielfalt in Deutschland begann. Weiter soll der Leser mit der Situation von heute in Berührung kommen. Es wird gezeigt, wie die deutsche Sprache von den Menschen mit Migrationshintergrund erworben wird, mit welchen Schwierigkeiten sie es zu tun haben.
Den Kern dieser Arbeit bilden die Vorteile und Nachteile der Mehrsprachigkeit. Den Schwerpunkt habe ich auf die Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund gesetzt. Zusätzlich habe ich versucht, einen positiven Einfluss der Mehrsprachigkeit auf das Erlernen weiterer Sprachen zu verdeutlichen.
Die Maßnahmen des deutschen Bildungssystems bleiben auch nicht unberührt: Bestimmte Vorgehensweisen und Rahmenbedingungen diesbezüglich werden genannt.
Für wichtig hielt ich auch die Kompetenzen und die Arbeit der Lehrkräfte im mehrsprachigem Bereich wiederzugeben. Es soll gezeigt werden, wie verantwortlich sie ihre Aufgaben erfüllen und welche Fähigkeiten sie dafür mit der Zeit entwickeln. Als Letztes deute ich auf den Wandel hin, den die deutschen Schulen durch die Mehrsprachigkeit erfahren.
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2. Historischer Hintergrund
Die Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung fing an sich seit 1955 intensiv und regelrecht zu verändern. Seit 1955 begann die Einwanderung mit dem Anwerben von Arbeitskräften italienischer, griechischer, spanischer, portugiesischer, jugoslawischer, türkischer und anderer Herkunft. Die Menschen kamen als „Gastarbeiter“ nach Deutschland. Ab 1973 setzte sich die Zuwanderung nur durch Familienangehörige der Arbeitermigranten fort. Die eigentliche Zuwanderungswelle wurde gestoppt.
Um 1989 gab es eine neue Welle. Dieses Mal kamen Aussiedler aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion sowie Flüchtlinge und zeitbedingte Arbeitermigranten. Man nimmt jedoch an, dass zurzeit etwa 7 Millionen ausländische Staatsangehörige in Deutschland leben. 1
a. „Monolinguistisches Selbstverständnis“
Im Laufe der deutschen Geschichte wird im Allgemeinen ein Misstrauen gegenüber fremden Sprachen und Fremdsprachigen beobachtet. Der selbstverständliche Anstand diesbezüglich durchzieht sich seit der Antike, seit die Griechen damals schon die Anderssprachigen als „Barbaren“ oder „Sprecher unschöner Sprachen“ bezeichneten. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts betrachtete man die Zwei - oder Mehrsprachigkeit sogar für die „normale“ sprachliche Entwicklung als gefährdet. So Eduard Bochers Mahnruf:
Aber es soll auch nicht außer Acht gelassen werden, dass in der Vergangenheit, im selben 19. Jahrhundert Menschen das Privileg der fremden Sprachen erkannt haben. Damals schon waren die fremden Sprachen eine zwingende Beständigkeit für technische, ökonomische und
1 Vgl.: Haug, S. Zum Verlauf des Zweitspracherwerbs im Migrationskontext. Eine Analyse der Ausländer, Aussiedler und Zuwanderer im Sozio-ökonomischen Panel. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. Vol. 8. Nr. 2. S. 264. 4
wissenschaftliche Entwicklungen und wichtiger noch, ein Bindemittel der Nation. 2 So Humboldts Beobachtung:
Heutzutage kann man sich diesbezüglich glücklich schätzen, da fast alle gegenwärtigen Nationen ausnahmslos zugeben, dass viel Nutzen aus dem Umgang mit fremden Sprachen gezogen werden kann:
„Je größer die regionale, soziale, kulturelle Mobilität der Menschen wird, je weiter wir heute
herumkommen, desto bunter, abwechslungsreicher, mehrsprachiger (...) wird unser eigener
individueller Sprachgebrauch, unser Idiolekt“ Mario WANDRUSZKA. 4
2 Vgl.: Gogolin, I. Stichwort: Mehrsprachigkeit. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. Vol. 3. Nr. 4. S. 535.
3 Humboldt, W. v. (1907). Ueber die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues. In A. Leitzmann (Hrsg.), Gesammelte Schriften Wilhelm von Humboldt (6. Bd.). Berlin: Behr.
4 Vgl.: Fürstenau, S. Mehrsprachigkeit als Voraussetzung und Ziel schulischer Bildung. Migration und schulischer Wandel: Mehrsprachigkeit. 2011. S 28. 5
3. Die Situation der Gegenwart
Die guten Deutschkenntnisse sind die grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Eingliederung in das Schulbildungssystem und Arbeitsmarkt. Sie erleichtern auch die zu planende Partnerschaften und Freundschaften mit den einheimischen Deutschen. Sie stellen eine Hilfe für die problemlose Integration in das Aufnahmeland dar. Und letztendlich geben sie die Möglichkeit den Einwanderern bedingt eine zusätzliche Sprache zu erlernen und somit ihre intellektuellen Fähigkeiten zu erweitern.
a. Deutsch wird unterschiedlich erworben
Der mündliche und schriftliche Erwerb der deutschen Sprache verläuft bei den verschiedenen Einwanderungsgruppen entsprechend unterschiedlich. Es steht fest, dass die zugewanderten Kinder bessere Deutschkenntnisse besitzen als die Erwachsenen. Hier liegt ein in der Sprachforschung bekannter Alterseffekt vor, der zeigt, dass das Alter den Zweitsprachenerwerb positiv beeinflusst. Dieser Effekt wird meistens auf das Zusammenspiel von biologischer, sozialer und kognitiver Faktoren zurückgeführt. Daraus folgt, dass noch später in Deutschland geborene Personen mit Migrationshintergrund entsprechend noch bessere mündliche und schriftliche Deutschkenntnisse haben. Diese Menschen werden von der Geburt an mit der deutschen Sprache konfrontiert oder setzen sich mit ihr von Geburt an auseinander. 5
Die seit 90er Jahren zugewanderte Aussiedler und Zuwanderer besitzen auch bessere Kenntnisse im Deutsch als die Arbeitermigranten der 60er Jahre. Man vermutet, dass die Ursache dafür die den Aussiedlern und Zuwanderern angebotenen Sprachkurse sind. Zu dem besseren Erwerb der deutschen Sprache kommt noch hinzu, dass die zugewanderten Personen in ihrem Herkunftsland eine höhere Schulbildung oder einen Abschluss einer weiterführenden Schule hatten. Dies erklärt sich dadurch, dass der Besuch einer höheren Schule generelle intellektuelle Fertigkeiten vermittelt, die das Erstreben einer Zweitsprache erleichtert. Man spricht hier von dem einhergehenden Humankapital. 6 Die Tatsache, dass die Aussiedler und Zuwanderer bessere Sprachkenntnisse aufweisen begründet sich auch noch dadurch, dass die deutsche Sprache bei ihnen in der Familie gesprochen werden konnte, dass sie sie von ihren Eltern oder Großeltern gelernt haben konnten oder zumindest, dass sie gehört haben konnten, wie in der Familie Deutsch
5 Vgl.: Haug, S. Zum Verlauf des Zweitspracherwerbs im Migrationskontext. Eine Analyse der Ausländer, Aussiedler und Zuwanderer im Sozio-ökonomischen Panel. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. Vol. 8. Nr. 2. S.276.
6 Vgl.: ebd.
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Arbeit zitieren:
Swetlana Krieger, 2011, Sprachliche Vielfalt - Vorteile und Nachteile der Mehrsprachigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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