Inhalt
1. Einleitung 4
2. Der Gesprächsverlauf in seiner Form und Inhalt. 5
3. Die Bedeutung der Position des Gesprächs im Roman 8
4. Die Darstellung des Teufels 11
4.1. Prižival’šþik, šut und lakej 11
4.2. Die Transzendenz innerhalb Dostoevskijs Realismus. 12
5. Ivans Wesen 15
5.1. Das Rätsel 15
5.2. Innere Gespaltenheit 15
5.3. Rationalist, Nihilist und Atheist 16
5.4. Assimilation mit dem Teufel 16
6. Die Krankheit als Triumph des Bösen. 18
6.1. Intellekt und die Krankheit 18
6.2.Ivans „euklidischer Verstand“ als Ursache für das Böse 19
7. Schluss 21
8. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel die Analyse des Dialogs zwischen der Figur Ivan Karamasov und seinem imaginären Gesprächspartner, der Figur des Teufels. Die Untersuchung wird zunächst in folgenden Schritten vorgenommen: Zum einen wird der Dialog zwischen Ivan und dem Teufel auf seine Form und Inhalt hin betrachtet. Als nächstes soll die Bedeutung der Position des Gesprächs im Romanganzen untersucht werden. Das Gespräch findet zwischen der Entlarvung des Mörders und der Nachricht von seinem Tod statt. Welchen Zusammenhang hat das Gespräch mit seiner Position im Roman? Ferner wird die Besonderheit der „teuflischen“ Erscheinung dargestellt und interpretiert. Dabei sollen folgende Fragen untersucht und beantwortet werden: Weshalb lässt Dostoevskij, der als ein Realist gilt, die für den Realismus ungewöhnliche Figur des Teufels in seinem Roman auftreten? Welche Bedeutung hat diese Figur für die Entwicklung des Romans und seiner Protagonisten?
Einer genaueren Betrachtung wird auch die Figur Ivan Karamasov unterzogen. Zunächst sollen Ivans Wesen, Ivans Rätselhaftigkeit entschlüsselt werden. Ferner soll im Zusammenhang mit Ivans Rationalismus seine Erkrankung betrachtet werden. Welchen Beitrag leistet Ivans Dialog mit dem Teufel, um die Figur Ivans transparent zu machen?
4
2. Der Gesprächsverlauf in seiner Form und Inhalt
Zu Beginn des Unterkapitels „ýert. Košmar Ivana Fedoroviþa“ berichtet der Erzähler über Ivans Gesundheitszustand. Dabei laute die Arztdiagnose: In Ivans Zustand seien die Halluzinationen möglich. 1 Nach dem Bericht über Ivans Gesundheitszustand wird vom Erzähler die Figur des Teufels eingeführt. Im Anschluss an die Beschreibung des Teufels, auf die in den kommenden Kapiteln ausführlicher eingegangen sein wird, fängt der Teufel das Gespräch mit Ivan an. Der Teufel spricht Ivan auf den letzten Besuch bei Smerdjakov an, das darauffolgende Gespräch knüpft also da an, wo der Ursprung für Ivans inneren Konflikt angesiedelt ist. 2
Zunächst wirkt der Teufel unterwürfig, er zeigt sich über das Duzen mit Ivan erfreut: [...].“ 3 (II, S. 321) Das Duzen „„„„ ,
der beiden Figuren zeigt, dass unter ihnen eine gewisse Vertraulichkeit herrscht. Die Selbstverständlichkeit, mit der Ivan seinen Besucher duzt, zeigt wie nah ihm diese Gestalt steht. Dem Gespräch kann entnommen werden, dass der Teufel Ivan nicht zum erstenmal erscheint: „„„„„„„ , , .“ (II, S. 321); „„„ , , ...“ (II, S. ! 322); „’’’ , ?’ .“ (II, S. 322); „„ , .“ (II, S. 322); „„, , ,
[...].“ (II, S. 322). Daraus geht hervor, dass Ivans Gast für ihn kein
Fremder oder Unbekannter ist.
Schon zu beginn seines Fieberwahns, identifiziert Ivan seine Vision als einen Teil seines Ichs: „„„ , , , ... , .“ (II, S. 322)
Das Gespräch entwickelt sich zu einem zunehmenden Monolog des Teufels. Der Teufel wirkt Ivan überlegen, er teilt Ivan seine eigenen Gedanken mit. Ivan befindet sich gegenüber Teufel in der Defensive. Ivan wehrt sich, indem er versucht, den Teufel als nicht real, als eine Wahnvorstellung zu entlarven: „„„ , , . [...] .“ (II, S. 322). Doch der Versuch, diese
1 Vgl. Brat’ja Karamazovy II, S. 319.
2 Dazu ausführlicher im Kapitel 3. 3 Der Primärtext: Dostoevskij, Fedor Michailoviþ: Brat’ja Karamasovy. Kniga I, II. Moskva: AST
2001 wird im laufenden Text mit Bandnummern und Seitenzahlen in Klammern zitiert.
5
Teufelsvision loszuwerden, scheitert trotz Ivans Argumente gegen die Existenz des Teufels.
Auffallend ist Ivans Stimmungswechsel im Dialog mit dem Teufel: „- ,.“ (II, S. 321); „- , ---- .“ (II, S. 322); „- ! , ! -.“ (II, S. 322) Selbst
Ivans „Besuch“ stellt seine Stimmungsschwankungen billigend fest: „-, - .“ (II, S. 322) Der Stimmungsumbruch im Gespräch mit dem Teufel ist ein Zeichen für Ivans innere Unruhe. Diese „emotionale Ambivalenz“ 4 ist ein Beleg für Ivans Erkrankung, für seine innere Unausgeglichenheit. Die Zweiteilung der inneren Welt ist repräsentativ für den Protagonisten Ivan.
Ivans mysteriöser Besucher bildet eine Parallele zu seiner inneren Spaltung, indem er paradoxe Aussagen macht:
,
Die von Ivan mit siebzehn Jahren erfundene Legende von dem Mann, der Quadrillion von Meilen geht, sagt Ivans eigenen Weg voraus. Der Teufel, seine Halluzination, spricht diesen Wunsch aus:
,
S. 333)
Die Aufgabe des Teufels besteht darin, das Lasterhafte anziehend darzustellen. Er wiederholt viele böse Gedanken Ivans, indem er sie in schöne Aphorismen umwandelt. 5 Der Teufel provoziert Ivan, indem er ihn an seine mutigsten, verwegensten, frechsten Ideen erinnert. Die Anekdote über den Atheisten soll dabei bezeugen, dass im Nihilisten Ivan immer der Glaube an Gott existierte. Der Teufel ist also nicht nur der Verführer, sondern Ivans Gewissen, das ihn quält. 6
Das Ziel des Teufels ist, Ivan seine Existenz zu beweisen 7 , er nennt es eine neue Methode:
--:
4 Kuznecov, Lebedev, S. 121.
5 Vgl. Šþennikov, S. 322.
6 Vgl. Šþennikov, S. 323.
7 Vgl. Doerne, S. 85.
6
Nach Reber ist die Unentschlossenheit zwischen Glauben und Unglauben „die größte Qual für den Menschen.“ 8 Ivan will an Gott glauben, da er zu dem Teufel sagt, dass er an ihn glauben will 9 , so könne er zu dem Glauben durch „Positivum ex negativo“ 10 gelangen. Jedoch da er den Teufel ablehnt, lehnt er auch Gott ab.
Das Gespräch zwischen Ivan und dem Teufel wird in Form eines Dialogs geführt, in dem der Teufel die tonangebende Rolle einnimmt. Das Gespräch mit dem Teufel ist Ivans Dialog mit sich selbst. Das Gespräch impliziert Ivans Frage nach Identität, die Suche nach seinem wahren Ich. An das Gute glaubt Ivan nicht, aber das Böse will er ebenfalls nicht akzeptieren.
8 Reber, S. 40.
9 Vgl. Reber, S. 40.
10 Reber, S. 40.
7
Arbeit zitieren:
Marianne Wenz, 2004, Ivan Karamazovs Dialog mit dem Teufel in Fedor Dostevskijs Roman "Brat'ja Karamazovy", München, GRIN Verlag GmbH
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