Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
4
2. Sachanalyse des Themas
2.1 Diakonie und Innere Mission - Begriffsklärung
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und biblischer Hintergrund
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2.2 Johann Hinrich Wichern
7
2.2.1 Zeitgeschichtliche Einordnung
9
2.2.2 Das Leben J.H. Wicherns
2.2.3 Wichern und das Rauhe Haus 13
2.2.4 Die Rede Wicherns zur Inneren Mission auf
dem Wittenberger Kirchentag 16
2.3 Weitere einflussreiche Personen der Diakonie 18
2.3.1 Theodor Fliedner 18
20
2.3.2 Friedrich von Bodelschwingh
21
2.4 Diakonie in der NS-Zeit
2.5 Diakonie Heute - In Münster 22
3. Didaktische Analyse des Themas 24
31
4. Methodische Analyse des Themas
Literaturverzeichnis 38
2
1. Einleitung
In der vorliegenden Bachelorarbeit wird das Thema „Johann Hinrich Wichern und die Anfänge der Diakonie“ für den ev. Religionsunterricht nutzbar gemacht werden. Dieses kirchengeschichtliche Thema wurde gewählt, da den Schülerinnen und Schülern mit dessen Hilfe ein Vorbild im sozialen Handeln präsentiert werden kann. Des Weiteren kann dieses Thema christliche Wurzeln sozialen Handelns aufzeigen und zur Nächstenliebe motivieren. Die Nutzbarkeit soll durch eine Dreiteilung erreicht werden. Im ersten Teil wird das Thema und dessen Bestandteile ausführlich aufgearbeitet. Es werden die Begriffe „Diakonie“ und „Innere Mission“ geklärt und in den biblischen Hintergrund eingebettet. Im Anschluss wird die Person Johann Hinrich Wichern dargestellt. Dabei wird auf die Zeitgeschichte, das Leben und das Wirken der Person eingegangen. Dadurch entsteht ein möglichst komplettes Bild. Anschließend werden kurz die Personen Theodor Fliedner und Friedrich von Bodelschwingh vorgestellt, um die vielfältigen Wirkungsweisen der diakonischen Arbeit zu verdeutlichen. Zum Ende der Sachanalyse wird noch auf die weitere Geschichte der Diakonie eingegangen und das Diakonische Werk Münster kurz skizziert, um einen Ortsbezug zu schaffen. Der zweite Schritt besteht in der didaktische Analyse. In diesem Teil der Arbeit geht es darum, das Thema mit der Schule in Verbindung zu bringen. Da es sich um ein kirchengeschichtliches Thema handelt, könnte es der Fall sein, dass die Schülerinnen und Schülern zu Beginn nicht richtig motiviert sind. Dies gilt es durch einen interessanten Unterricht, in dem auf die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen eingegangen wird, zu ändern. Im letzten Schritt der Arbeit wird das Thema „Johann Hinrich Wichern und die Anfänge der Diakonie“ einer sechsstündigen Unterrichtseinheit, als Thema zu Grunde gelegt.
3
2. Sachanalyse des Themas
In der folgenden Sachanalyse wird der Unterrichtsgegenstand „Johann Hinrich Wichern und die Anfänge der Diakonie“ eingehend erläutert. Nicht alles, was hier fachlich vorbereitet wird, findet Eingang in den Unterrichtsentwurf, da es den Umfang einer Unterrichtseinheit sprengen würde. Die gründliche Vorbereitung, dient der fachlichen Vorbereitung der Lehrkraft Bearbeitet werden Themen, die das Verständnis des Unterrichtsgegenstandes fördern.
2.1 Diakonie und Innere Mission - Begriffsklärung
und biblischer Hintergrund
Zu Beginn der thematischen Orientierung werden zunächst die Begriffe „Diakonie“ und „Innere Mission“ näher beleuchtet, um das weitere Verständnis zu sichern. Dies ist unbedingt notwendig, um die weitere Thematik zu verstehen. Der Begriff „Diakonie“ hat seine Wurzeln im griechischen Wort diakonía 1 . Es bezeichnet den Akt des Dienens oder des Helfens, sowie das damit verbundene Amt. Außerdem wird es heute auch als Bezeichnung für die organisierte Form diakonischen Handelns im Rahmen der Evangelischen Kirche gebraucht. Der Begriff erscheint im Neuen Testament und bezieht sich zu Beginn nur auf den erbrachten Dienst als solchen. Später wird Jesus als Diakon bezeichnet, der auf die Erde kommt, um den Menschen zu dienen. Der Text des Lukasevangeliums überliefert, das Jesus sich beim letzten Abendmahl als Diener bezeichnet hat. In der urchristlichen Gemeinde wird Diakonie mehr und mehr als spezifisches Amt verstanden. Die Diakone haben die Aufgabe sich um die sozial Bedürftigen der Gemeinde zu kümmern 2 . In Apostelgeschichte 6,1
1 Vgl. Kaiser, Jochen-Christoph: [Art.] Diakonie I: Kirchengeschichtlich. In: RGG. Hrsg von Hans Dieter Betz, Don S. Browning, Bernd Janowski und Eberhard Jüngel. Bd. 2, 4., völlig neu bearb. Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck 1999. S.792
2 Vgl. Kaiser, Jochen-Christoph: Diakonie - Begriff und Bedeutung. In: Schule in evangelischer Trägerschaft. Hrsg. von Christel Ruth Kaiser, Volker Elsenbast, Jürgen
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werden zum Beispiel Witwen als Bedürftige genannt, die sonst bei der täglichen Versorgung nicht beachtet wurden. Im weiteren Verlauf des Kapitels werden nicht nur Diakone ausgewählt, sondern auch der Dienst der Verkündigung und der Dienst an Bedürftigen beziehungsweise der Dienst der Versorgung werden voneinander getrennt. In der Apostelgeschichte werden die für die Bedürftigen zuständigen, jedoch noch nicht explizit als diákonoi bezeichnet 3 . Es ist zu erkennen, dass hier keine Hierarchie vorherrscht. Dies ändert sich aber in der weiteren Kirchengeschichte. In der Alten Kirche wurden Diakone als solche bezeichnet, sie unterstützten den Prediger und versorgten in seinem Auftrag die Armen und Bedürftigen. Doch als sich immer mehr das dreistufige Ämterschema „Bischof -Presbyter - Diakon“ durchsetzt, wird eine Hierarchiesierung dieser eigentlich genuinen Aufgabe der Glaubenspraxis deutlich 4 . Der Diakon wird zu einem nachgeordneten Priester. Erst mit der Reformation wurden Stimmen laut, das Amt des Diakons wieder aufzuwerten und gleichberechtigt neben das der Verkündigung zu stellen. Dies geschah insbesondere in der Reformation calvinistischer Ausprägung. Die Diskussion, ob der Diakon dem Priester gleichgestellt werden kann oder nicht, ist bis heute nicht beendet. Der Dienst am Bedürftigen wird in der Reformation und bis ins 20.Jh als Armenpflege bezeichnet und nicht mehr als Diakonie 5 . Der zweite Begriff, der in diesem Kapitel eine Erklärung benötigt, ist der Begriff der „Inneren Mission“. Dieser Begriff ist eine Neuschöpfung des 19.Jh., die maßgeblich von Johann Hinrich Wichern, im weiteren Verlauf der Arbeit Wichern genannt, mitgeprägt wurde 6 . Er führte den Begriff „mit einer neuen Akzentsetzung religiös-protestantischen Hilfehandelns [ein]“ 7 . Die Innere Mission, er benutzte den Begriff seit 1843
Frank, Cornelia Schäfer, Christoph Th. Scheilke und Friedrich Schweitzer. Bd. 6. Münster: Waxmann 2006. S.18
3 Vgl. Osiek, Carolyn: [Art.] Diakon/Diakonisse/Diakonat I: Neues Testament. In: RGG. Hrsg von Hans Dieter Betz, Don S. Browning, Bernd Janowski und Eberhard Jüngel. Bd. 2,
4., völlig neu bearb. Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck 1999. S.783 4 Vgl. Albrecht, Ruth: [Art.] Diakon/Diakonisse/Diakonat I: Kirchengeschichtlich. In: RGG. Hrsg von Hans Dieter Betz, Don S. Browning, Bernd Janowski und Eberhard Jüngel. Bd. 2, 4., völlig neu bearb. Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck 1999. S.784 5 Vgl. Kaiser, J.-C.: Diakonie - Begriff und Bedeutung. S.18 6 Vgl. Kaiser, J.-C.: [Art.] Diakonie I: Kirchengeschichtlich. S.792 7 Kaiser, J.-C.: Diakonie - Begriff und Bedeutung.. S.18
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in der Öffentlichkeit, hat nach Wichern zwei Bestandteile 8 . Zum einen die soziale Arbeit und die alte Armenpflege und zum anderen die Volksmission. Die Menschen wussten von dem Evangelium nichts mehr und hatten auch den Bezug zu den Kirchen verloren. Wichern war der Meinung, dass die Armut vieler Menschen in ihren eigenen Sünden begründet war. Er wollte mit der Volksmission eine Rechristianisierung der Bevölkerung bewirken. Der verfassten Kirche traute er nicht zu, sich um die aufkommende soziale Frage zu kümmern und so organisierte er die Arbeit der Inneren Mission in einem freien Verein 9 . Er hielt die verfasste Kirche für unflexibel und unspontan. Durch seine Stegreifrede zum Thema Innere Mission, während des Wittenberger Kirchentages 1848, erreichte er die Gründung des „Central-Ausschusses für die Innere Mission“. Die Rede zur Inneren Mission und die Person Johann Hinrich Wichern selbst werden im weiteren Verlauf der Arbeit näher betrachtet. Durch diesen Central-Ausschuss gelang es, alle schon bestehenden und noch zu gründenden Einrichtungen zur Bekämpfung der sozialen Frage unter einem Dach zu vereinen 10 . Der Ausschuss begann mit seiner Arbeit im Jahre 1849 und fungierte als Stabsstelle, die die Arbeit der Inneren Mission koordinierte 11 . Weiterhin ist zu sagen, dass Wichern die Arbeit der Inneren Mission öffentlichkeitswirksam durch die Fliegenden Blätter aus dem Rauhen Hause unterstützte 12 . Der Begriff „Innere Mission“ blieb cirka 120 Jahre bestehen 13 . Im Jahre 1956 verbanden sich die Innere Mission und das nach dem zweiten Weltkrieg 1945 gegründete Kirchliche Hilfswerk unter der Bezeichnung „Diakonisches Werk“. Das Kirchliche Hilfswerk war der Versuch der Kirchenführerkonferenz die soziale Arbeit in das Kirchenregiment einzubinden. Doch ebenso wie die Innere Mission ist auch das Diakonische Werk nach dem Verbandsprinzip aufgebaut 14 .
9 Vgl. Kaiser, J.-C.: [Art.] Diakonie I: Kirchengeschichtlich. S.792 10 Vgl. Philippi, Paul: [Art.] Diakonie I: Geschichte der Diakonie. In: TRE. Hrsg. von Gerhard Krause und Gerhard Müller. Bd. 8, 1.Auflage. Berlin: de Gruyter 1981. S.639f 11 Vgl. Kaiser, J.-C.: [Art.] Diakonie I: Kirchengeschichtlich. S.792 12 Vgl. Philippi, P.: [Art.] Diakonie I: Geschichte der Diakonie. S.640 13 Vgl. Kaiser, J.-C.: Diakonie - Begriff und Bedeutung. S.19 14 Vgl. Kaiser, J.-C.: [Art.] Diakonie I: Kirchengeschichtlich. S.794
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2.2 Johann Hinrich Wichern
In den nun folgenden Abschnitten wird das Leben der Person Johann Hinrich Wichern zeitgeschichtlich eingeordnet und sein Wirken und Handeln, näher unter die Lupe genommen.
2.2.1 Zeitgeschichtliche Einordnung
Als Wichern 21.4.1808 in Hamburg geboren wurde, war die Stadt bereits seit der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt 1806 von den Truppen Napoleons besetzt. Die Stadt war bemüht, während der Koalitionskriege neutral zu bleiben. Trotz dieser Neutralität konnte sich Hamburg nicht den Kriegswirren entziehen. Für Napoleon war die Stadt attraktiv, da sie die Möglichkeit bot, mit einer Kontinentalsperre einen empfindlichen Schlag gegen England zu führen. England reagierte seinerseits mit einer Blockade des Kontinents und unterband so die hamburgische Schifffahrt und den Handel. Daraus resultierte eine wachsenden Armut der Arbeiter, da sie deshalb ihre Arbeit verloren. Erst Ende Mai 1814 wurde Hamburg durch den Sieg der Verbündeten Staaten über Napoleon und dessen Abdankung befreit. Nach der Befreiung strömten die Geflohenen aus allen Himmelsrichtungen zurück nach Hamburg. Die wieder auflebende Schifffahrt und der damit aufkommende Handel zogen Arbeitskräfte an. Die Betriebe in der Stadt erholten sich jedoch nur langsam von der Besatzung. Da die Stadt von Wällen umgeben war, bot sie wenig Raum für wachsende Betriebe. Je mehr die Bevölkerung der Stadt wuchs, desto höher stieg die Arbeitslosigkeit. Große Teile des Proletariats hungerten und fristeten ihr Dasein in den Elendsquartieren der Vorstädte. Die 1788 von Caspar Voght gegründete Allgemeine Armenanstalt, welche von der Stadt verwaltet wurde, konnte die Not der Armen nicht beseitigen. Wichern erlebte diese Verhältnisse, da er in der Vorstadt St. Georg die Sonntagsschule leitete und im Besuchsverein tätig war. Die Not der Armen wurde noch einmal gesteigert, als 1842 ein großer Brand cirka 20000 Menschen obdachlos
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werden ließ.
Nicht nur in Hamburg, sondern auch über seine Grenzen hinaus, wandelte sich das Bild. Nach dem Ende des Ancien Régimes begann im Deutschen Bund und im Kaisertum Österreich der Vormärz, der auch Restauration genannt wird und den Zeitraum von 1815 bis 1848 umfasst. Kulturgeschichtlich wird der Zeitraum auch die Zeit des Biedermeier genannt 15 . In dieser Zeit kam es in Preußen zur Bauernbefreiung und zur Abschaffung des Zunftzwangs für das Handwerk. Das waren die Voraussetzungen für die Entstehung eines liberalkapitalistischen Wirtschaftssystems. Diese Zeit wurde bis zur Märzrevolution 1848 von einer Wirtschaftskrise beherrscht. Die Wirtschaftskrise wurde von anderen Problemen begleitet und verstärkt. So kam es beispielsweise zu einer Binnenwanderung von Ost nach West, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in einem solch großen Ausmaß verzeichnet wurde. Die Binnenwanderung hatte enorme Auswirkungen auf die Demographie in vielen Gebieten. Dazu kam eine als Pauperismus benannte neuartige Massenarmut. Der Pauperismus und die daraus resultierenden Hungerunruhen, wie zum Beispiel der Weberaufstand 1844, schreckten das Bürgertum auf und führten zu vielen Versuchen, die Massennot zu bekämpfen 16 . Doch nicht die notleidenden Armen waren, wie man vermuten könnte, die Träger der Märzrevolution 1848, sondern der deutsche Liberalismus und das Bürgertum. Die Revolution scheiterte und die Vertreter der alte Gewalt gewannen wieder die Oberhand. Ebenfalls in dieser Zeit veröffentlichten Marx und Engels ihr Kommunistisches Manifest, dem jedoch in dieser Zeit wenig Bedeutung zukam. Wichern hielt den Kommunismus für gefährlich, da dieser, seiner Meinung nach, die göttliche Ordnung zerstören wolle 17 . Wichern erlebte zudem noch die deutsch-dänischen Kriege 1850 und 1864, den preußisch-österreichischen Krieg 1866 und den deutsch-französischen Krieg 1870/71 18 . Es wird deutlich, dass die Zeit in der Wichern lebte und
15 Vgl. Heidenreich, Ulrich: Der Gründer des Rauhen Hauses. Johann Hinrich Wichern. In: Hamburgische Lebensbilder. Hrsg. vom Verein für Hamburgische Geschichte. Bd.13. Hamburg: Verein für Hamburgische Geschichte 1997. S.11f 16 Vgl. Kaiser, J.-C.: Diakonie - Begriff und Bedeutung. S. 23 17 Vgl. Heidenreich, U.: Der Gründer des Rauhen Hauses. Johann Hinrich Wichern. S.16 18 Vgl. Herrmann, Volker: [Art.] Wichern, Johann Hinrich. In: TRE. Hrsg. von Gerhard
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Arbeit zitieren:
Stephan Winkler, 2008, Johann Hinrich Wichern und die Anfänge der Diakonie als Thema des evangelischen Religionsunterrichts der Sek. I, München, GRIN Verlag GmbH
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