seinem Tod 1856 an das Bett fesselte. 4 2. Gedichtanalyse
2.1 Formelemente
Das Gedicht „Sie saßen und tranken am Teetisch“ umfasst insgesamt fünf Strophen mit jeweils vier Zeilen, sodass es sich hierbei um „einfache Liedstrophen“ handelt. Das Gedicht ist im Kreuzreim mit dem Reimschema „abab“; „cdcd“; „efef“; „ghgh“ und „ijij“ gedichtet und hat als Versmaß den Jambus, da die erste Silbe jeweils unbetont und die zweite Silbe betont wird.
Außerdem befindet sich in der ersten Strophe ein unreiner Reim, da sich die Worte „viel“ (Zeile 2) und „Gefühl“ (Zeile 4) nur indirekt reimen. Weitere Auffälligkeiten lassen sich an der Form nicht feststellen. 2.2 Interpretationshypothese
Das Gedicht soll dem Leser vermitteln, dass die damalige Lebensform in Deutschland falsch war und an Missständen innerhalb einer Gesellschaft etwas getan werden muss, um etwas zu verändern. In der heutigen Zeit soll es die Polarisierung, die das deutsche Volk immer mehr teilt, anmahnen. 2.3 Hauptteil der Analyse
Dass es in den damaligen deutschen Staaten nach Ansicht Heines Missstände gab, zeigen einige Inversionen innerhalb des Gedichts. „Die Liebe muss sein platonisch.“ (Z. 5) „Der Domherr öffnet den Mund weit.“ (Z. 9)
Diese Inversionen sind Zeichen dafür, dass Heine etwas an der Lage der damaligen Zeit verändern will. Dies bringt er indirekt dadurch zum Ausdruck, dass er die richtig lautende Satzform verdreht. Diese Umdrehung der Sprache lässt sich auch auf das reale Leben übertragen. Dies hat man bereits öfter in der Geschichte zum Beispiel durch Revolutionen erlebt. Hieran glaubt Heine und hofft, dass nach der Französischen Revolution in Frankreich auch eine Inversion der Staatsform in Deutschland geschehen kann.
Des Weiteren befinden sich im Gedicht viele weitere Stilmittel. So gibt es bereits direkt zu Beginn des Gedichts eine Alliteration. „Sie saßen und tranken am Teetisch.“ (Z. 1)
4 nach Meyers Jugend Lexikon Seite 258
Diese Alliteration soll hervorheben, dass Leute an einem Teetisch sitzen. Dabei kann es sich fast nur um Adel und/oder Klerus handeln, da Tee im 19. Jahrhundert ein Luxusgut war und somit von Bauern und Handwerkern nicht leistbar gewesen ist. Außerdem will Heine andeuten, wer an dem Tisch saß und betont mit dieser Alliteration praktisch, dass es sich um reichere Leute gehandelt haben muss.
Als Ironie lässt sich die komplette dritte Strophe verstehen, da es hier so scheint, als habe der Domherr eine Beziehung mit einem Fräulein. „Der Domherr öffnet den Mund weit: Die Liebe sei nicht zu roh, Sie schadet sonst der Gesundheit. Das Fräulein lispelt: Wie so?“ (Z. 9-12)
Dieses Zitat bietet einige stilistische Mittel. Neben der weiter oben erwähnten Inversion bietet die erste Zeile ebenfalls eine Alliteration. Dadurch soll hervorgehoben werden, dass in Kürze etwas geschieht, was dem Domherr passieren wird oder dass der Domherr eine Aktion startet. In Zeile 12 erfährt man durch die Ironie den Sinn der Alliteration. Durch das Lispeln erweckt die Frau den Eindruck, als stecke sie in einer Beziehung oder Affäre mit dem Domherren. Dies ist ein Missstand, denn als (katholischer) Domherr dürfte man keine Beziehung zu einer Frau haben. Die Kritik durch diese Ironie erfolgt, da der Domherr als Klerus bereits Steuererleichtungen erhält, sich aber trotzdem nicht an die Regeln seines Amtes hält. Ein weiterer Missstand in der damaligen Bevölkerung ist somit aufgedeckt.
Des Weiteren besteht fast das komplette Gedicht aus Anaphern. Gleich neun der zwanzig Zeilen beginnen mit dem Artikel „die“, außerdem beginnen viele Zeilen mit dem Artikel „der“. Durch die Anaphern soll verdeutlicht werden, von wem die Rede ist. Gleichzeitig ist es aber auch ein „Fingerzeig“ auf den Adel, ein weiteres Zeichen dafür, dass er dem Adel zeigen wollte, was er falsch macht.. Auch hierdurch versucht der Autor, etwas zu verändern. Außerdem zeigt es, dass Heine zu den Personen Distanz üben will, da er scheinbar selber am Teetisch sitzt, aber trotzdem in der dritten Person Singular oder Plural schreibt, obwohl er auch ebenso gut hätte die erste Person Plural benutzen können.
Auch das „lyrische Ich“ im letzten Teil hat eine besondere Aufgabe der Kritik. „Am Tische war noch ein Plätchen; Mein Liebchen, da hast du gefehlt. Du hättest so hübsch, mein Schätzchen, Von deiner Liebe erzählt.“ (Z. 17-20)
Arbeit zitieren:
Simon Winzer, 2010, Analyse von "Sie saßen und tranken am Teetisch" von Heinrich Heine, München, GRIN Verlag GmbH
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