Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Der schleppende Durchbruch der Hose für die Frau 4
2.1 Ein kurzer Abriss über die Entwicklung der männlichen Hose 4
2.2 Über Hosenkämpfe 5
2.3 Die Mode um die Zeit der Französischen Revolution 7
2.4 Biedermeierkleidung und Kriegshosen 7
2.5 Die Weimarer Jahre 8
2.6 Die Arbeitshose Lotte 8
3 Die Weiterentwicklung der weiblichen Hose ab den 60er Jahren 9
3.1 Die Jeanshose als politisches Statement und Teil der Jugendkultur 9
3.2 Die neue Jeanshose - zurück zu alten Zeiten? 10
4 Rahmentheoretische Überlegungen zur Hosengeschichte 10
5 Körpererfahrungen und Körpergrenzen 12
5.1 Männliche und weibliche Körperkonzepte im Vergleich 12
5.2 Wie die Hose in die Körperkonzepte hineinpasst 14
6 Ausblick 15
7 Literaturverzeichnis 17
2
1 Einleitung
Abgesehen vom Minirock hat wohl kaum ein anderes Kleidungsstück in der jüngeren westlich geprägten Kulturgeschichte für so viel Aufsehen und öffentliche Auseinandersetzung gesorgt, wie der Durchbruch der Hose für die Frau.
Um zu verstehen, warum das weibliche Beinkleid einen derartigen Aufschrei nach sich zog, muss man einen kurzen Blick in die Emanzipationshistorie der Frauen werfen, denn die Hose besäße - so die Meinung einiger Wissenschaftler - einen symbolischen Gehalt, der sich aus der Macht der männlichen Spezies speise. 1 Geläufig ist beispielsweise der Ausdruck die „Hosen anhaben“ 2 , was soviel bedeuten kann, wie: der Bestimmende, Machthabende sein. Doch erschöpft sich das Hosenthema bereits daran, dass heute Frau und Mann wie selbstverständlich Hosen tragen?
Inwieweit sind kulturelle Prägungen und Rahmungen wie das Hosentragen wandelbar beziehungsweise flexibel für das Subjekt verhandelbar / ausgestaltbar und welche normativen Vorgaben haben dabei für die Akteure nach wie vor nicht an Geltungsvermögen verloren? In dieser Hausarbeit operiere ich mit volkskundlich und soziologisch durchleuchteten Rahmenanalysen und bringe diese mit Körper- und dazugehörigen Kleidungskonzepten zusammen, um meiner Fragestellung nachzugehen. In diesem Zusammenhang wird es auch um das Problem gehen, wie Machtverhältnisse sich in die geschlechtlichen Körper einschreiben und mithilfe von langer Beinkleidung möglicherweise manifestieren oder dekonstruieren lassen. Die Spieltheorie von Johan Huizinga liefert für die Bearbeitung der Rahmentheorie ebenfalls wichtige Impulse.
Laut Johan Huizinga ist ein wesentliches Charakteristikum für sowohl den Menschen als auch für bestimmte Tiere das Spiel, da das Spiel eine irrationale Handlung sei, die dem sonstigen zweckgerichten Leben entgegenstehe. Ein Spiel läuft nach bestimmten Regeln ab, 3 die man auch als frames oder Rahmen bezeichnen könnte.
Zunächst ging auch die kulturanthropologische Forschung von relativ starren festgelegten Rahmen aus, wie sie beispielsweise in der Literatur von Gregory Bateson 4 und Erving Goffman 5 auftauchen. Im Laufe der Jahre wurde der Rahmen jedoch als stärker modulierbar angesehen, wie bei Don Handelman 6 , Victor Turner 7 und vor allem Alfred Schütz 8
1 Vgl. Metken 1996, S. 9.
2 Metken 1996, S.37.
3 Vgl. Huizinga 1998, S.1-3.
4 Vgl. Bateson 1981.
5 Vgl. Krüger 2006, S. 43-45.
6 Vgl. Handelman 2004.
7 Vgl. Turner 1995.
3
nachzulesen ist.
Die Kulturwissenschaften, die also lange Zeit dem interpretive turn verhaftet waren, vollzogen den Wandel vom Sinnbild der Kultur als Text, die als unabänderliche Struktur gedacht wurde, hin zu performativen Topoi, die sich durch ihren Prozesshaftigkeit auszeichnen. Im performative turn werden Bedeutungen immer wieder neu ausgehandelt, so die Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann - Medick. 9
Die aktuelle Forschungssituation in der Körper- und Geschlechterdebatte zeichnet sich durch poststrukturalistische Denkweisen aus, wie sie auch Judith Butler oder Michel Foucault formulieren. 10
Als Kleidungsforscherinnen sind Gundula Wolter 11 , Martha Bringemeier 12 , Sigrid Metken 13 und Beate Krieg 14 zu nennen, die ich für die Entwicklungsgeschichte und damit verbundenen Symbolgeschichte der Hose im Allgemeinen herangezogen habe und für das sich anschließende Jeans-Phänomen zog ich Daniel Friedmans 15 und Elke Dettmers 16 Werke zu Rate. Von Karen Heinze 17 habe ich einen Aufsatz über die Distinktion in Kleidungsfragen zur Zeit der Weimarer Republik verwendet, um den Übergang in die moderne Kleidungspraxis zu gestalten und anhand der soziologischen Körperkonzepte Michael Meusers 18 werde ich auf die konstitutiven Machtverkörperungen eingehen, die den Kleidungswandel der Frauen jahrhundertelang blockierten.
2 Der schleppende Durchbruch der Hose für die Frau
2.1 Ein kurzer Abriss über die Entwicklung der männlichen Hose
Die erste schriftlich bekannte Erwähnung der Hose geht auf den Griechen Diodor von Sizilien zurück, dem die Hose im 6. Jahrhundert vor Christus am germanischen Reitervolk aufgefallen war. Die Germanen bezeichneten die Hose als Brake. 19 In Rom wurde das eroberte Gallien später „Gallia bracata, das hosentragende Gallien“ 20 genannt. Wie die Hose betitelt wurde, wandelte sich im Laufe der Epochen. Im Mittelalter hieß sie bei
8 Vgl. Krüger 2006, S.49-53.
9 Vgl. Bachmann-Medick 2006, S. 7, 38.
10 Vgl. Moebius 2008.
11 Vgl. Wolter 1988.
12 Vgl. Bringemeier 1985.
13 Vgl. Metken 1996.
14 Vgl. Krieg 2002.
15 Vgl. Friedman 1988.
16 Vgl. Dettmer 1985.
17 Vgl. Heinze 2000.
18 Vgl. Meuser 2005.
19 Vgl.Metken 1996, S.12-13.
20 Metken 1996, S.13.
4
den Germanen „broks“ 21 als Bezeichnung für die „knie- oder knöchellangen Barbarenhosen“ 22 . Das Wort entwickelte sich über das althochdeutsche „pruoh zu bruoch und bruch“ 23 , womit schließlich die Bekleidung der Schamregion der Ritter bedeckt wurde, eine Art Untergewand.
Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren Hosen als Beinlinge, die Füße und Schenkel bedeckten, bekannt. Damals tauchte auch zum ersten Mal das verwandte Wort „hosa“ auf, das dem germanischen Ursprung „huson“ für Hülle entnommen wurde. Bruch und Hosen wuchsen zu einem Kleidungsstück zusammen, den Oberhosen. 24
2.2 Über Hosenkämpfe
In den ersten Lebensjahren vergangener Jahrhunderte war die Bekleidung der Jungen und Mädchen noch dieselbe. Beide bekamen aus Gründen der Hygiene Kittel, Röckchen oder Kleid angezogen. Dies änderte sich bei den Jungen im Alter von 4, 5 oder 8 Jahren, die dann behost wurden. Dieser Zeitpunkt, mit dem die Weihe zum männlichen Geschlechtswesen beschlossen wurde, war somit ein einschneidendes Erlebnis, das von den Jungen mit dem Gefühl von Stolz begleitet wurde. 25 Folgendes Zitat stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert:
Insgesamt hat sich die
unterschiedlich entwickelt. Während die Hose gemeinsam mit dem Rock viele Jahrhunderte ein fester Bestandteil der Männerkleidung war, galt für Frauen die Kleidermode als unverzichtbar. Was der Norm entsprach, legten zunächst die Herrscher in den einzelnen Staaten fest, die ihre Mode dann in die nachfolgenden Stände
weiterdurchreichten. 27 Dass sich die Frauen nicht ewig mit den gesellschaftlich vorgegebenen Strukturen abgefunden haben, lässt sich schnell an den zahlreichen Bilddarstellungen und Erzählungen über die sogenannten Hosenkämpfe nachweisen. Die Hosenkämpfe waren ein
21 Metken 1996, S.14.
22 Metken 1996, S.14.
23 Metken 1996, S.14.
24 Vgl. Metken 1996, S.14.
25 Vgl. Metken 1996, S.28-29.
26 Metken 1996, S. 28.
27 Vgl. Bringemeier 1985, S.96.
5
Sinnbild für den Geschlechterkampf um die Vorherrschaft in der Ehe. 28 Die Art der medialen Darstellung der Auseinandersetzungen war unter anderem durch das Diktat der Kirche, die an den patriarchalen Strukturen festhielt, geprägt. So waren die Bildzeugnisse eher als Abschreckung gemeint und entsprachen nicht unbedingt dem Abbild der damaligen Wirklichkeit, da die meisten Frauen im Mittelalter und früher Neuzeit noch nicht politisch organisiert waren und somit noch keinen öffentlich wirksamen Zusammenschluss erzielen konnten, der sie dergestalt formiert hätte, dass sie tatsächlich die bestehende gesellschaftliche Ordnung ins Wanken hätten bringen können.
Es gab jedoch zum Beispiel ab Anfang des 17. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein einen Tag, an dem den Frauen eine Ausnahme gestattet war und das war das Barselhusfest (dän. Barsel -Niederkunft). Diese Feier fand am Tage einer Kindsgeburt statt, um sich mit der Wöchnerin, die die Schmerzen der Geburt zu ertragen hatte, zu solidarisieren. Zunächst wurde reichhaltig gegessen und dann viel Alkohol zu sich genommen. Auf dem Heimweg der beteiligten Frauen wurden dann von ihnen Männer gefangen und der Hosen entrissen. Das gewaltsame Entfernen der Hosen bedeutete einen Machtverlust für die Männer, die nun ungeschützt den Blicken und Handgreiflichkeiten der Frauen ausgesetzt waren. Am nächsten Tag fügten sich die Frauen jedoch wieder in ihre gewohnten Rollen ein, so dass es aussah, als wäre nichts passiert. Die geschädigten Männer verschleierten die körperlichen Übergriffe der Frauen, um nicht als machtlos zu erscheinen. Ein Mann ohne Hosen war für die damalige Zeit undenkbar. Wurde dies öffentlich, waren sie des Spottes der anderen Männer ausgesetzt. Sie galten als Pantoffelhelden und Versager, die es nicht schafften, die Oberhand in der Beziehung zu behalten. 29 Allerdings wurde eine Frau, die sich die Hose erkämpft hatte, ebenfalls denunziert, indem man sie als „Mannweib“ 30 beschimpfte. In Theateraufführungen belustigte man die Zuschauer beispielsweise in grausamer Manier über die von einer Frau erkämpfte Hose, indem man sie publikumswirksam in eine Tierhaut einnähen ließ. 31 Dennoch lassen die Hosenkämpfe
Rückschlüsse auf Wünsche und Ängste in der damaligen Gesellschaft sichtbar werden, denn im Alltag waren Frau und Mann zumindest was die Feldarbeit betraf, gleich wichtige Partner. Der Schein nach außen, dass dem nicht so sei, musste aber um jeden Preis gewahrt werden. 32
28 Vgl.Metken 1996, S.37.
29 Vgl. Metken 1996, S. 32-36.
30 Wolter 1988, S.7.
31 Vgl. Metken 1996, S.48.
32 Vgl. Bringemeier 1985, S.100.
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Arbeit zitieren:
Karen Breiholz, 2010, Die "zweite Haut" als distinktives Merkmal in der Geschlechterdebatte?, München, GRIN Verlag GmbH
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