Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort 2
2 Von der Globalisierung 2
3 Globalisierung und ihre Folgen 3
3.1 Weltrisikogesellschaft 3
3.2 Weltinnenpolitik 4
4 Der Begriff „Politik“ 7
5 Nonkilling 7
5.1 Das Streben nach Frieden 7
5.2 Kompetenz zum Nichttöten 9
5.3 Von der strukturellen Revolution 10
5.4 Nichttötende Gesellschaften 11
6 Fazit 12
Literatur I
1 Vorwort
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Versuch, zwei unterschiedliche Theorien hinsichtlich ihrer Möglichkeiten des Auf-Einander-Beziehens zu untersuchen. Zum Einen beinhaltet es Überlegungen zur Möglichkeit einer nicht tötenden Gesellschaft, im Original „Nonkilling“ genannt. Diese zunächst einmal politikwissenschaftliche These stammt von einem Professor a. D. der „University of Hawaii at Manoa“, Glenn D. Paige. Es wird von mir der Versuch unternommen, diese Theorie in Verbindung zu bringen mit dem, was Ulrich Beck die „Weltrisikogesellschaft“ nennt (vgl. D I E K M A N N/P R E I S D Ö R F E R: Umweltsoziologie). Zu diesem Zwecke ist es von Nutzen, sich zunächst einmal Gedanken über die Hintergründe einer postulierten Weltgesellschaft zu machen, bevor ich auf die Theorie von Paige eingehe, indem ich sie kurz vorstelle. Ich werde beginne daher mit einer kurzen Einführung in die Begriffe „Globalisierung“, „Weltrisikogesellschaft“ und „Weltinnenpolitik“, wobei die beiden letztgenannten Begriffe Beck’scher Prägung sind und orientiere mich dabei an den Definitionen und Zugrundelegungen der Soziologie.
2 Von der Globalisierung
Unter dem Begriff der Globalisierung versteht man gemeinhin die Entwicklung komplexerer Beziehungen, insbesondere im Bereich der Konsumgutproduktion und der Wirtschaft im Allgemeinen. Es entwickeln sich dabei Handelsbeziehungen, die nicht mehr lokal etabliert und verankert sind und dabei auch eher regionalen Handel betreiben, sondern bei denen etwa Produktionsprozesse international ausgelagert werden. So können beispielsweise innerhalb eines einzigen Produktionsprozesses Einzelteile in einer anderen Nation, sogar auf einem anderen Kontinent, hergestellt werden, als sie zusammengebaut werden. Teilweise werden dabei Einzelteile und teilweise vormontierte Teile mehrfach um den Globus transportiert. Die unterschiedlichen Kosten wie etwa Lohn(neben)kosten, sehr niedrige Handelszölle oder Steuern sorgen dabei dafür, dass die Produkte trotz der zusätzlichen Mehrkosten für beispielsweise den Transport noch immer günstiger produziert werden können, als wenn sie vor Ort an einer einzigen Betriebsstätte produziert und montiert werden. Naturgemäß ergeben sich daraus verschieden Probleme, insbesondere für die ausgebeuteten Massen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Es entwickeln sich unmenschliche Produktionszusammenhänge in der ganzen Welt, die sozial eigentlich
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unerwünschte Folgen wie Kinderarbeit, Menschenhandel, Massensuizide 1 , sklavenähnliche Beschäftigungsverhältnisse et cetera mit sich bringen, die aber dem Endprodukt nicht mehr anzusehen sind. All diese Mechanismen sind einzig dazu da, Produktionskosten zu senken und damit die Gewinnmarge der Produzenten zu erhöhen. An diesen komplexen Problemfeldern der globalisierten Welt sind, wie Jeffrey D. Sachs schreibt „(. . .) viele Akteure beteiligt, die Teil des Problems sind und daher auch ihren Teil zur Lösung beitragen müssen“ (S A C H S: Wohlstand für Viele, S. 387).
Die Soziologie kennt die Globalisierung auch als „zusammenwachsen der einzelnen Gesellschaften der Welt zu einer Weltgesellschaft“ (Werner Fuchs-Heinritz in F U C H S - H E I N R I T Z et al.: [Hrsg.]: Lexikon zur Soziologie, S. 250), diese „Weltgesellschaft“ ist dabei abhängig davon, dass sich die einzelnen Teile des Systems für einander „kommunikativ erreichbar“ machen (vgl. Niklas Luhmann, ebd., S. 738). Diese notwendige Bedingung erklärt, warum der Prozess der Globalisierung verstärkt erst in modernen Zeiten auftreten konnten. Zwar gab es schon immer weltumspannende Handelsnetze, etwa das historisch gut belegte Netz der Wikinger auch in die arabischen Länder (D E R S P I E G E L G E S C H I C H T E: Die Wikinger), doch waren dies stets einzelne, kleinere Handelsparteien. Durch die rasante Entwicklung kommunikativer Möglichkeiten - hier ist insbesondere das Internet zu nennen - ist es heute möglich, in Echtzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Computerprogramme machen diese Kommunikation über Kabelleitungen ebenso möglich wie die interkulturelle Kommunikation durch Übersetzungsprogramme ermöglicht wird.
3 Globalisierung und ihre Folgen
Ungeachtet der kommunikativen Vernetzungsmöglichkeiten, die die moderne Lebensweise mit all ihren technischen Neuerungen und Entwicklungen bietet, schlägt Beck andere, erweiterte Interpretationen der Globalisierung vor. Es handelt sich dabei zum Einen um die Weltrisikogesellschaft, welche ich im nächsten Teil darstelle, zum Anderen um eine neue Form der Politik, nämlich der Weltinnenpolitik - diese stelle ich im Anschluss an die Weltrisikogesellschaft vor.
3.1 Weltrisikogesellschaft
Die modernisierte Struktur der wechselseitigen Dependenzen einzelner Akteure der Weltgesellschaft bietet nicht nur Chancen des kommunikativen Ausgleichs, sie birgt auch Gefahren in sich, die traditionalere Gefahren bei Weitem übersteigen. Es handelt sich dabei um Gefahren, die als nicht-intendierte Handlungsfolgen die gesamte Welt umspannen, hier insbesondere ökologische
1 Etwa indischer Baumwollarbeiter, (vgl. S H I VA et al.: Seeds of Suicide - The Ecological and Human Costs of Globalisation of Agriculture).
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und menschenrechtliche Gefährdungen. Diese Gefährdungen sind von einer neuen Qualität, zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch bereits etablierte „(. . .) Sicherungsinstitutionen nicht mehr beherrschbar sind“ (D I E K M A N N/P R E I S D Ö R F E R: Umweltsoziologie, S. 25). Diese globalen Risiken sind nach Beck nicht länger versicherbar, da ihre Kosten unberechenbar sind und insbesondere „(. . .) einen Bumerang-Effekt, der das Klassenschema sprengt“ (Beck, zitiert nach ebd.) beinhalten. Man kann also aufgrund der globalen Auswirkungen modernisierter Industrie- und Produktionsstrukturen die folgenden Punkte festhalten, an denen sich diese von bekannten Risiken unterscheiden: Sie
1. sind globaler Natur und „(. . .) machen nicht vor nationalen Grenzen halt“ (ebd., S. 26) 2. sind zum großen Teil irreversibel (zum Beispiel das Absterben der Korallenriffe). 3. sind oftmals unsichtbar (etwa das viel zitierte Ozonloch).
4. folgen einer Verteilungslogik, die die Risiken demokratisiert, entziehen sich also einer rein monetären Diskrepanz hinsichtlich der Möglichkeiten der Risikenabwehr. 5. verschärfen sich mit fortschreitender Modernisierung. (vgl. ebd.) Die Weltrisikogesellschaft zeichnet sich also dadurch aus, dass sie gemeinsam von Risiken betroffen ist, die über die menschliche Beherrschbarkeit weit hinausgehen und damit eine Art gemeinsame „unfreiwillige Klasse 2 von Betroffenen“ konstituiert.
3.2 Weltinnenpolitik
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den im Seminar behandelten Auszug aus Becks „Nachrichten aus der Weltinnenpolitik (B E C K: Nachrichten aus der Weltinnenpolitik, S. 127 ff.) Das Konzept der Weltinnenpolitik baut dabei zunächst einmal auf seine oben beschriebene Weltrisikogesellschaft auf.
Die supranationalen Risiken resultieren in einer ganz alltäglichen, nichtintentionalen Weltinnenpolitik, in der der „globale Andere“ (ebd., S. 9) bereits Bestandteil des Alltagslebens ist. Der von Beck etablierte Begriff der Weltinnenpolitik impliziert dabei qua natura die Frage danach, was „Globalisierung“ eigentlich sei, ob sie eine kulturelle Egalisierung beinhalte -oder gar die Ausbreitung globalen Reichtums? Die Weltinnenpolitik ist dabei ihrer Natur nach weder deduktiv erschließbar, noch sei sie, so Beck, eine normative Idealvorstellung, vielmehr
2 Klasse hier verstanden als Sammelbegriff für Menschen, die eine spezifische Nähe im sozialen Raum einnehmen. Sozialer Raum lässt sich dabei verstehen als eine Art „Koordinatensystems“. Die Akteure des sozialen Raumes sind dabei definiert durch ihre Disposition bezüglich Besitz an verschiedenen Formen von Kapital. Aufgrund dieses Besitzes lässt sich zudem die soziale Stellung jedes fraglichen Akteurs definieren (vgl. B O U R D I E U: Sozialer Raum und Klassen, S. 10).
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Arbeit zitieren:
Marcel Behringer, 2011, Nonkilling - Bedingungen und Möglichkeiten einer nicht tötenden globalen Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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