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Inhaltsverzeichnis
1. Das Vorhandensein von Homosexualität trotz fehlender evolutionstheoretischer
Motivation 3
2. Knabenliebe im antiken Griechenland 4
3. Sodomie und Ketzerei im Mittelalter 6
4. Theorien im 19./20. Jahrhundert 8
5. Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in Deutschland 11
6. Muslimische Emigranten und die Homosexualität 13
7. Päderastische Riten auf Pazifikinseln 15
8. Homophobe Reggae-Songs in Jamaika 17
9. Kontraste in Südafrika 19
10. Homosexualität in Städten der USA 20
11. Einstellung zur Homosexualität abhängig von Entwicklung des Staates? 21
Literaturverzeichnis 23
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1. Das Vorhandensein von Homosexualität trotz fehlender evolutionstheoretischer Motivation
In der Wissenschaft wird immer nach dem Motiv gefragt, stets ist man auf der Suche nach einem Kausalzusammenhang, etwas, das konkret in Verbindung mit dem Objekt der Forschung steht. Homosexualität fällt nun in eines dieser Phänomen, die besonders erklärungsbedürftig sind, denn „(g)eht man von der grundsätzlichen biologischen Programmierung der Sexualität aus, so dürfte es aus evolutionstheoretischen Gründen Homosexualität eigentlich gar nicht geben." 1 Sie trägt nicht zur Arterhaltung bei. Nun ist es aber eine Tatsache, dass Homosexualität in der ganzen Welt und das schon seit Jahrtausenden weit in Verbreitung ist (sowohl bei den Menschen, als auch im Tierreich). Trotz der evolutionstheoretischen Wahrscheinlichkeit, dass sie längst durch eine sexuelle Selektion verschwunden oder zumindest sehr selten vorhanden sein müsste 2 , war und ist sie in sämtlichen Kulturen aller Zeitspannen ein stets präsenter Bestandteil jeder Gesellschaft. Ich werde nun vorerst einen kleinen Überblick über die jeweilige Beschaffenheit von Homosexualität in diversen Kulturen herstellen, den ich aus Gründen der Einfachheit in eine chronologische Reihenfolge setze, so weit dies möglich ist. Im Anschluss an diese konkreten Beispiele soll untersucht werden, worin existentiell gegebene Gründe für das Vorhandensein von Homosexualität bestehen und inwiefern sie sich in den jeweiligen Gesellschaften äußert. Denn „während sie in den westlichen Kulturen bis vor kurzem bei Männern völlig abgelehnt wurde und unter Strafe stand, ist sie z.B. bei einigen einfachen Kulturen Neuguineas zur gesellschaftlichen Regel geworden.“ 3 Die Frage ist nun, gibt es zwischen diesen stark divergierenden Unterschieden auch Gemeinsamkeiten? Lässt sich Homosexualität auch auf einen oder mehrere Punkte bringen?
Wie gesagt werde ich nun an erster Stelle einen knappen Überblick über Homosexualität im historischen Verlauf verschaffen, anschließend sollen ausgewählte Beispiele den aktuellen Stand im Vergleich veranschaulichen und zuletzt werden diese gegenübergestellt, um herauszuarbeiten, ob es eine Art Essenz von Homosexualität überhaupt geben kann, beziehungsweise, inwiefern die Gesellschaft mit ihr umgeht.
1 Kornadt, Hans-Joachim: Motivation im kulturellen Kontext. In: Trommsdorff, Gisela/Kornadt, Hans-Joachim
(Hg.): Erleben und Handeln im kulturellen Kontext. Göttingen 2007, S. 352
2 vgl. Kornadt, Hans-Joachim: Motivation im kulturellen Kontext. In: Trommsdorff, Gisela/Kornadt, Hans-
Joachim (Hg.): Erleben und Handeln im kulturellen Kontext. Göttingen 2007, S. 354
3 vgl. Kornadt, Hans-Joachim: Motivation im kulturellen Kontext. In: Trommsdorff, Gisela/Kornadt, Hans-
Joachim (Hg.): Erleben und Handeln im kulturellen Kontext. Göttingen 2007, S. 352
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Um das Ganze etwas zu vereinfachen, werde ich mich auf männliche Homosexualität beschränken. Die Arbeit dient weniger der Beantwortung essentieller Fragen, als vielmehr der Beschaffung eines kurzen Überblicks, beziehungsweise Einblicks in den Umgang mit Homosexuellen.
2. Knabenliebe im antiken Griechenland
Schon der Begriff „Homosexualität“ lässt sich zum einen Teil auf ein griechisches Wort zurückführen, nämlich auf „ όμοĩοϛ“, was so viel wie „gleich, gleichartig“ bedeutet. 4 Daraus lässt sich schlussfolgern, dass ein Homosexueller sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. (Real gesehen hat Karl Maria Benkert den Ausdruck erstmalig im Jahr 1869 gebraucht, als er ein dreiteiliges System von Sexualtypen aufstellte. 5 ) Wenn man allerdings von Homosexualität in der griechischen Antike spricht, gebraucht man häufiger den Begriff „Päderastie“, was sich mit „Knabenliebe“ übersetzen lässt, beziehungsweise mit der „Liebe zu Knaben“.
Päderastie in der Antike lässt sich schwer mit Homosexualität in unserer Zeit vergleichen. Tatsächlich handelte es sich um eine Art institutionalisierte Form von sexuellen Beziehungen zwischen einem Mann und einem männlichen Jugendlichen. Die sexuelle Komponente war unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei der pädagogische Anspruch eine zentrale Rolle einnahm. 6 Die Belege dafür sind hauptsächlich bei Platon, sprich aus dem vierten Jahrhundert vor Christus zu finden. Dieser sieht „in der „echten“ Knabenliebe als Verbindung gleichgeschlechtiger Menschen ein engeres Verhältnis als in der ehelichen Gemeinschaft, denn der Liebhaber (…) liebt in dem Knaben das ihm ähnliche Wesen, das er nach seinen Vorstellungen formen und sich angleichen kann.“ 7 Der Liebhaber wird damit also auch zum Erzieher. Entscheidend für den Liebhaber, auch Erastes genannt, war keine festgelegte Altersgrenze, sondern lediglich eine physisch-psychische Überlegenheit, die jedoch durch sein höheres Alter als das des Geliebten, des Eromenos, bedingt sein sollte. 8 Der Eromenos hingegen war üblicherweise in einem Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren.
4 Gemoll, Wilhelm/ Vretska, Karl: Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch.
München, Düsseldorf, Stuttgart 2006, S. 576
5 vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen
Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.54
6 vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S. 163
7 Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen
Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S. 38/39
8 vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S. 164
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In der Regel lernten die Männer die Jugendlichen auf Sportplätzen, wie der Palästra oder dem Gymnasion, kennen, wobei sie diese mit Geschenken umwarben. 9 Üblich waren Tiergeschenke, doch auch Geld wurde den Knaben bisweilen ausgehändigt. Dieses in der Öffentlichkeit anzunehmen war allerdings „nicht standesgemäß und entsprach in keinem Fall den ethischen Normen Platons.“ 10 Prostitution konnte sogar dazu führen, dass dem jeweiligen Knaben die Ausübung seiner Bürgerrechte verwehrt wurde, da „der Gesetzgeber der Meinung war, daß einer, der seinen Körper anderen verkaufte, um ihnen willfährig zu sein (…), auch nicht zögern würde, die Interessen der Gemeinschaft als ganzer zu verkaufen.“ 11
Ziel einer päderastischen Beziehung war immer noch die pädagogische Ausrichtung. Dem Eromenos sollten durch den Erastes gesellschaftliche Ideale nahe gebracht werden, es war die Aufgabe des Liebhabers, den Geliebten zu männlicher Tugend und sittlicher Tadellosigkeit zu erziehen. 12 Die Konzentration liegt - wie allerdings erwähnt werden muss - hauptsächlich auf Athen, denn gewiss „verhielten sich die griechischen Völkerstämme nicht alle gleich bezüglich der Knabenliebe“. 13 Geht man aber von Platons Ansichten aus, so beinhaltete diese Art männlicher Freundschaft „einen pädagogischen Anspruch an den Erasten, den Eromenos zu führen, anzuleiten und ihm ein moralisches, nacheiferungswürdiges Vorbild zu sein, wofür er Bewunderung, Zuneigung und meistens auch sexuelle Befriedigung von dessen Seite erntete.“ 14 Das Ausmaß und die Ausgestaltung sexueller Kontakte gestaltete sich gewiss recht unterschiedlich in den einzelnen Epochen im antiken Griechenland. Pauschal lässt sich wohl sagen, dass der interkrurale Verkehr, sprich das ledigliche Reiben des Penis zwischen den Oberschenkeln des Eromenos, die gesellschaftlich akzeptierte Form von Sexualverkehr zwischen Mann und Knabe war. Durch Analverkehr würde der Knabe nämlich gedemütigt werden, da seine männliche Identität dadurch in Frage gestellt worden wäre. 15 Wurde es in der Öffentlichkeit bekannt, dass ein Knabe sich freiwillig durch Analverkehr in eine passive, weibliche Rolle begeben hatte, warteten in der Gesellschaft nur Spott und Verachtung auf ihn. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass in der Realität auch andere Praktiken ausgeübt worden waren.
9 vgl. Dover, Kenneth: Homosexualität in der griechischen Antike. München 1983, S.55
10 Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen
Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S.165
11 Dover, Kenneth: Homosexualität in der griechischen Antike. München 1983, S.26
12 vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S.170
13 Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen
Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S.38
14 Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen
Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S.39
15 vgl. Dover, Kenneth: Homosexualität in der griechischen Antike. München 1983, S.94-97
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Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass diese Knabenliebe, die in einem pädagogischen Kontext steht, in einem Idealfall Bildung und Liebe verbreitet, folglich als Bestandteil einer Kultur zur Bereicherung ebendieser führt.
3. Sodomie und Ketzerei im Mittelalter
Das Beispiel der Homosexualität in der Antike hat gezeigt, dass es nicht einfach ist, ein klares Bild davon zu erfassen, schon allein aus dem Grund, da die „alten Griechen“ selbst eine andere Einstellung zur Homosexualität hatten, als wir es heute in unserer Kultur haben, und auch gar nicht von „Homosexualität“ gesprochen hätten. Das verhält sich im Mittelalter nicht anders.
Im alten Testament heißt es: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Greuel (Lev 18,22). 16 Ziemlich unmissverständlich werden gleichgeschlechtliche Beziehungen in der jüdisch-christlichen Tradition angeprangert, auch im neuen Testament beschreibt Paulus „den Geschlechtsverkehr unter Männern, selbst schon (als) Ergebnis der Abkehr von dem einen Gott, als Akt abseits der göttlichen Ordnung, „als Charakteristikum der heidnischen Welt“. 17 Dies alles läuft darauf hinaus, dass Menschen allein, um Nachkommen zu zeugen, miteinander den Geschlechtsverkehr ausüben sollten, und sonst aus keinem anderen Grund. Alles andere wäre Sünde. 18
Dennoch muss das Ganze sich einer kritischen Prüfung unterziehen, denn berücksichtigt man, dass „die Aussagen des 3. Buches Mose kaum Einfluß auf das frühe Christentum“ 19 hatten, muss die Ursache für die christliche Ablehnung der Homosexualität nicht in den biblischen Texten, sondern anderweitig begründet liegen. Der Begriff „Homosexualität“ ist im Mittelalter gar nicht vorhanden, am ehesten könnte man ihn durch „Sodomie“ ersetzen. Dies beruht auf einer reinen Interpretation des oströmischen Kaisers Justinian, welcher im Jahre 559 u. Z. homosexuelle Menschen für zahlreiche Naturkatastrophen verantwortlich machte, indem er behauptete, es sei die Strafe Gottes für ihr unzüchtiges Verhalten, wobei ihm „der Untergang der Stadt Sodom“ als Beispiel diente. 20
16 vgl. Lutterbach, Hubertus: Sexualität im Mittelalter. Köln, Weimar, Wien 1999, S.32
17 Lutterbach, Hubertus: Sexualität im Mittelalter. Köln, Weimar, Wien 1999, S.41
18 vgl. Lutterbach, Hubertus: Sexualität im Mittelalter. Köln, Weimar, Wien 1999, S.160
19 Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.6
20 vgl. Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.9-10
Arbeit zitieren:
Stefanie Tröstl, 2010, Der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität im kulturellen Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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