Inhalt
1. Einleitung 3
2. Das Ehebild 3
2.1. Die Ehe in der Bibel 3
2.1.1. Altes Testament 3
2.1.2. Neues Testament. 4
2.2. Die Ehe allgemein im Mittelalter 6
2.2.1. Ablauf und Voraussetzungen einer Hochzeit 6
2.2.2. Die Munt 8
2.2.3. Ehebruch und Scheidung 9
2.3. Die Ehe im „Ackermann aus Böhmen“ 10
3. Das Frauenbild 13
3.1. Die Frau im Mittelalter 13
3.1.1. Eva und die Frau im Mittelalter 14
3.1.2. Arbeit und Bildung 15
3.1.3. Erb- und Vermögensrecht im Mittelalter. 16
3.1.4. Idealbild und Schutz der mittelalterlichen Frau. 17
3.2. Die Rolle der Frau im „Ackermann aus Böhmen“ 18
4. Schluss. 21
5. Literaturverzeichnis. 22
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1. Einleitung
Der Ackermann aus Böhmen ist eines der bekanntesten Werke des Mittelalters und war deshalb des Öfteren Untersuchungsgegenstand der Forschungsliteratur. Diese Untersuchungen konzentrierten sich jedoch meistens auf die herausragende rhetorische Leistung, die in dem Werk des Johannes von Tepl vorliegt.
Diese Arbeit wird einen anderen Weg gehen. Sie wird sich nicht mit den rhetorischen oder stilistischen Feinheiten des Ackermanns aus Böhmen beschäftigen, sondern ihr Hauptaugenmerk auf inhaltliche Komponenten legen. Das Thema wird dabei das Ehe- und Frauenbild sein. Um dieses im Ackermann aus Böhmen vollständig analysieren zu können, ist es zuvor wichtig, darzustellen wie die Ehe und die Frau im Mittelalter allgemein aufgefasst wurden. Bei der Ehe wird zuvor auch noch die Ehe in der Bibel zusammenfassend dargestellt, da die biblischen Vorgaben für die Menschen im Mittelalter von großer Bedeutung waren. Bei der Darstellung von der Ehe in der Bibel und im Mittelalter und der Frau im Mittelalter wird dabei rein beschreibend vorgegangen. Auf persönliche Meinungen oder Deutungen, aus welchen Traditionen diese Begebenheiten entstanden sind, wird verzichtet. Bei der Analyse des Ehe- und Frauenbild im Ackermann aus Böhmen jedoch wird darauf eingegangen, inwiefern es mit den allgemeinen Vorstellungen des Mittelalters übereinstimmt und sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede werden herausgestellt.
2. Das Ehebild
Die Ehe spielt insofern eine wichtige Rolle im Ackermann aus Böhmen, als dass das Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod nur deshalb zustande kommt, weil der Ackermann den Verlust seiner Ehefrau Margarethe beklagt. Bevor auf das Ehebild im Ackermann aus Böhmen eingegangen wird, wird zunächst das Ehebild in der Bibel und allgemein im Mittelalter dargestellt.
2.1. Die Ehe in der Bibel
Da das Ehebild des Mittelalters grundlegend von der Kirche und somit auch von den Überlieferungen der Bibel geprägt war, ist es wichtig auch das Ehebild in der Bibel kurz darzustellen. Hierbei muss man zwischen dem Alten und dem Neuen Testament unterscheiden.
2.1.1. Altes Testament
Auch wenn die Institution der Ehe noch nicht namentlich im Alten Testament erwähnt wird, gibt es doch bereits in der Schöpfungsgeschichte Hinweise wie die Beziehung zwischen Mann und Frau geschaffen sein sollte. So heißt es im ersten Buch Mose 2,24: „Darum wird ein
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Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden ein Fleisch.“ Dieses Zitat zeigt, dass es schon in der Bibel gewollt ist, dass der Mann und auch die Frau ihr Elternhaus verlassen, um eine eigene Familie zu gründen. Auch wenn diese Lebensgemeinschaft nicht mit dem Begriff Ehe benannt wird, ist es doch deutlich zu erkennen, dass zumindest ein Vorgänger der Ehegemeinschaft beschrieben wird. Die Funktion dieser Lebensgemeinschaft im Alten Testament wird besonders erkennbar im ersten Buch Mose 1,28: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde […]“. Mann und Frau sollen sich vermehren und somit einerseits eine Familie gründen und andererseits den Fortbestand des menschlichen Geschlechts sichern. 1 Schon im Alten Testament findet man eine Ablehnung gegenüber der Polygamie und des Ehebruchs. So heißt es in der Bibel „Mein Sohn, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest eine andere?“ (Spr 5,20) und „Aber wer mit einer Verheirateten die Ehe bricht, der ist von Sinnen; wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das.“ (Spr 6,32). Die Regeln, die mit der Ehe oder eheähnlichen Lebensgemeinschaft einhergehen, werden zum Teil auch in den Zehn Geboten deutlich. So heißt es im zweiten Buch Mose „Du sollst nicht ehebrechen.“ (2.Mose, 20,14) und „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.“ (2.Mose, 20,17). Ehebruch hatte im Alten Testament in etwa die gleiche Bedeutung wie heute. Es beinhaltete also Untreue in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Ehebruch beging dabei sowohl der untreue Teil der Lebensgemeinschaft, als auch der Partner, mit dem er sich einließ. Bestraft wurde der Ehebruch mit dem Tod.
2.1.2. Neues Testament
Im Neuen Testament finden sich einige Stellen, an derer man die Einstellung Jesus zur Ehe und auch zur Ehescheidung feststellen kann. Er lehnt die Scheidung einer Ehe ab und befürwortet somit sowohl die Ein- als auch die Dauerehe. So sind seine Worte im Evangelium nach Johannes wie folgt überliefert: „Wer sich scheidet von seiner Frau und freit eine andere, der bricht die Ehe; und wer die von dem Manne Geschiedene freit, der bricht auch die Ehe.“ (Luk 16,18). Negwer führt an, dass Jesus jedoch eine Ausnahme machte. Sollte die Frau die Ehe bereits gebrochen haben, steht es dem Mann frei, getrennt von ihr zu leben. Dies erlaube aber keine neue Heirat des Mannes. 2 Moses hatte dem Mann noch zugesprochen, sich von einer Frau zu scheiden. In diesem Falle musste er seiner Frau einen Scheidebrief ausstellen. Im Evangelium nach Markus ist überliefert, dass Pharisäer Jesus nach eben diesem
1 Vgl Negwer, Joseph: Die Ehe und die Familie in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments.
Düsseldorf: Verbandsverlag weiblicher Vereine 1957. S. 17.
2 Vgl. Negwer, Jospeh: Die Ehe und die Familie. a.a.O. S. 105
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Scheidebrief befragten und wie es sich damit verhielte. „Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härtigkeit willen hat er euch dies Gebot geschrieben; aber von Anbeginn der Schöpfung hat Gott sie geschaffen als Mann und Weib.“ (Mark 10,5). Seine klare Ablehnung der Scheidung macht er noch deutlicher durch seinen Ausspruch „Was denn Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ (Mark 10,9). Die absolute Ablehnung von der Ehescheidung findet sich auch bei Paulus.
„Paulus verkündet die absolute Unauflösbarkeit der zwischen Christen geschlossenen Ehe; er
präzisiert, wenn er dieses Gebot ausspreche, so tue er das nicht aufgrund seiner eigenen Autorität,
sondern im Namen des Herrn Jesu Christi, […]“ 3
Die Ehe zu Zeiten des Alten und Neuen Testaments war patriarchalisch. Die religiöse Stellung der Frau war für Jesus der dem Mann jedoch gleichbedeutend. Negwer stellt heraus, dass Jesus auch einer Ehebrecherin vergibt und im Allgemeinen zu vielen Frauen eine gute bis freundschaftliche Beziehung hatte. Ebenfalls auffällig sind die durchschnittlich viele Wunder, die Jesus an Frauen oder auf Wunsch von Frauen beging. 4 Zu Fragen der Ehe und der Stellung der Frau geht insbesondere Paulus in seinen Briefen etwas näher ein. Auch für ihn steht außer Frage, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist. Gleichzeitig betont er aber auch, dass beide im religiösen Sinne gleichberechtigt sind (vgl. Gal 3,27-28). Die Herrschaft des Mannes bedeutet keine willkürliche, alles erlaubende Herrschaft. Paulus vergleicht sie mit der Beziehung zwischen Jesus Christus und der Kirche (vgl. Eph 5,22-24). Dies beinhaltet zum einen, dass der Mann darauf achtet, dass seine Frau gottesfürchtig und fromm lebt, aber auch dass er sie liebt wie sich selbst. So schreibt Paulus an die Epheser: „Ihr Männer, liebet eure Frauen, gleichwie auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben […]“ (Eph 5,25) und
„So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der
liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehaßt; sondern nährt es und pflegt
es, gleichwie auch Christus die Gemeinde.“ (Eph 5,28-29).
Verglichen zum Alten Testament ist bezüglich des Neuen Testaments also hauptsächlich die Änderung bezüglich der Ehescheidung zu betonen. Eine vor Gott eingegangene Ehe zwischen Mann und Frau kann von keinem Menschen wieder geschieden werden. Dies findet sich auch bei Hermann Volk: „Die in den Stand der Ehe treten, empfangen also nicht nur dieses Sakrament, vielmehr verbindet die Gnade dieses Sakraments beide unauflöslich.“ 5
3 Munier, Charles: Ehe und Ehelosigkeit in der Alten Kirche. 1.-3. Jahrhundert. Bern: Verlag Peter Lang AG
1987. S. XII.
4 Vgl. Negwer, Joseph: Die Ehe und die Familie. a.a.O. S.118f.
5 Volk, Hermann: Das Sakrament der Ehe. Münster: Verlag Regensberg 1952. S.22.
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2.2. Die Ehe allgemein im Mittelalter
Um das Ehebild im Ackermann aus Böhmen untersuchen zu können, ist es von Bedeutung auch das allgemeine Ehebild im Mittelalter, also zur Entstehungszeit des Ackermann aus Böhmen, darzustellen. Hierzu gibt es einige Quellen, die sich je nach Entstehungsort leicht unterscheiden können, so dass anzunehmen ist, dass es regionale Unterschiede gab. Auf diese wird im Folgenden jedoch nicht eingegangen, da dies den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde. Stattdessen wird versucht ein relativ einheitliches Bild der Ehe im Mittelalter darzustellen ohne auf regionale Besonderheiten einzugehen. Außerdem werden die Eheverhältnisse von Herrschern oder hohen Adligen nicht in besonderem Maße berücksichtigt, da sie für den Ackermann aus Böhmen keine Relevanz besitzen.
2.2.1. Ablauf und Voraussetzungen einer Hochzeit
Zu Anfang soll vorgestellt werden, wie Emil Friedberg 1864 in einer Vorlesung an der Universität Berlin den Ablauf einer Hochzeit in der mittelalterlichen Stadt beschreibt. Der Vater des Bräutigams hält beim Vater der Braut um deren Hand für seinen Sohn an und die Braut selber hat ebenfalls ihre Einstimmung gegeben. Die Väter trinken auf das Wohl des Paares, während dieses einen kurzen Kuss tauscht. Nach dieser Verlobung fängt die Braut mit ihren weiblichen Verwandten und Bekannten an die Brautausstattung zu nähen. Was sie selber nicht herstellen können, wird von Handwerkern produziert. Die sogenannten Hochzeitbitter übertrugen die Einladungen an die Gäste, nachdem sie von dem Brautpaar Wein eingeschenkt bekommen hatten. Wie viel sie bekamen, war gesetzlich festgelegt. Es war nicht unüblich am Tag vor der Hochzeit eine kleine Feier abzuhalten. Am Hochzeitstag selber versammeln sich sowohl die Braut mit ihrem Gefolge in ihrem Haus als auch der Bräutigam mit seinen Gästen in seinem Haus. Nach einem kleinen Festmahl zieht der Zug des Bräutigams zum Haus der Braut. Als die Glocken der Pfarrkirche läuten, machen sie sich alle gemeinsam auf den Weg zur Kirche. Zuerst liefen die Spielleute, dann die Braut mit ihren Freundinnen und schließlich der Bräutigam mit seinen Bekannten und Verwandten. Ebenso begleiteten Spaßmacher und Gaukler den Zug, um die Stimmung aufzuheitern. Vor der Kirchentür steht der Geistliche, vor den Braut und Bräutigam treten müssen. Er verkündet, dass hier eine Ehe geschlossen werden soll. Er fragt jeden der beiden, ob sie die Ehe eingehen wollen, lässt sie die Eheringe austauschen und erklärt die beiden zu einem Ehepaar. Alle gehen in die Kirche hinein, Braut und Bräutigam genießen das Abendmahl und danach ist die kirchliche Trauung zu Ende. Nun zieht der Zug entweder zurück zum Hochzeitshaus oder zum Rathaus mit dem Unterschied, dass Braut und Bräutigam nun nebeneinander gehen. Dort gibt es nun für alle Gäste ein Festmahl. Nach diesem öffnet das Brautpaar die Geschenke und
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Arbeit zitieren:
Jana Hölters, 2010, Das Ehe- und Frauenbild im "Ackerman aus Böhmen" von Johannes von Tepl, München, GRIN Verlag GmbH
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