Gliederung
1. Einleitung
2. Das qualitative Interview
2. 1. Begriff und Zielsetzung
2. 2. Anwendungsmöglichkeiten und Anwendungsbereiche
2. 3. Formen des qualitativen Interviews
2. 4. Auswertung nicht- standardisierter Interviews
3. Das Interview
3. 1. Durchführung
3. 2. Probleme und Fehler
4. Quellenangabe
2
1. Einleitung
Meine Hausarbeit befasst sich mit dem Thema : Das nicht - standardisierte Interview als qualitativ orientiertes Forschungsdesign. Ich werde mich mit qualitativen Interviewformen, zu denen das nicht - standardisierte wie auch das teil - standardisierte Interview gehören, beschäftigen. Im ersten Teil meiner Arbeit gehe ich auf Begriff und Zielsetzung qualitativer Befragungen und ihre Anwendungsmöglichkeiten ein. Darüber hinaus ist auch eine Betrachtung der verschiedenen Formen und der Auswertung qualitativer Interviews wichtig. Hier werde ich speziell die nicht -standardisierte Befragung betrachten.
Im letzen Teil meiner Arbeit werde ich mich auf das gehaltene Interview beziehen. Hier gehe ich sowohl auf die Durchführung wie auch auf die Auswertung ein. Am Ende meiner Hausarbeit werde ich mich mit Fehlern und Problemen beim Halten und bei der Auswertung meines Interviews beschäftigen.
2. Das qualitative Interview
2. 1. Begriff und Zielsetzung qualitativ orientierter Befragungen
Die Befragung ist die häufigste Methode sozialwissenschaftlicher Datenerhebung. Das Interview ist eine künstliche Befragungssituation, in der sich die interagierenden Personen fremd sind. Die Beziehung zwischen Interviewer und Befragten ist asymmetrisch, da fast alle Initiativen vom Interviewer ausgehen und sozial folgenlos sind. 1 Sozialwissenschaftliche Befragungen lassen sich
nach mehreren Kriterien klassifizieren. Dies wäre zum einen, die Unterscheidung zwischen mündlichem und schriftlichem Interview. Darüber hinaus spielt das Interviewerverhalten eine wichtige Rolle. Bei mündlichen Befragungen unterscheidet man zwischen harten, neutralen und weichen Interviews. Das Ausmaß der Standardisierung ist ein weiterer wichtiger Unterscheidungspunkt. In einigen Quellen wird statt dem Begriff der Standardisierung, der der Strukturierung analog benutzt.
In vollstandardisierten Interviews ist die Abfolge und der Wortlaut der einzelnen Fragen eindeutig und verbindlich vorgegeben. Im halb - oder teil - standardisierten Interviews sind die Fragen in einem Leitfaden festgelegt. Im nicht - standardisierten ( auch freien, offenen oder qualitativen ) Befragung wird ein theoretischer Rahmen in der Form eines Gesprächsleitfadens vorgegeben. Atteslander lehnt den Begriff des nicht - standardisierten Interviews ab, “ weil es kein Gespräch gibt, das nicht in irgendeiner Weise strukturiert ist “. Deshalb bezeichnet er diese Art der Befragung als wenig strukturierte Interviews. 2 Ich schließe mich seiner Meinung an, werde aber aus Gründen
der Verständlichkeit weiter den Begriff des nicht - standardisierten Interviews nutzen. Auf diese Form der Befragung möchte ich nun näher eingehen. Man nutzt sie, um Informationen zu einem bisher wenig erforschtem Thema zu erlangen. Der Forscher wird von lockeren Hypothesen geleitet. Das Gespräch wird ohne Fragebogen durchgeführt, so dass der Interviewer über einen hohen Freiheitsspielraum verfügt und sich in der Gesprächsführung individuell dem Befragten anpassen kann. Die jeweils nächste Frage ergibt sich aus den vorangegangenen Aussagen. Die Reaktionsmöglichkeit des Befragten sollte möglichst groß sein, er spricht etwa 80 % der
1 Siehe Spöhring ( 1989 , S . 147 f )
2 Siehe Atteslander ( 1995 , S . 160 )
3
Interviewzeit. Das nicht- standardisierte Interview ist mündlich, der Interviewer nutzt offene Fragen. Diese Befragungen können weitaus informativer sein als standardisierte Interviews, im ungünstigen Fall, zum Beispiel bei mangelhafter Interviewerkompetenz, allerdings auch eher völlig wertloser als diese. 3 Deshalb setzen nicht - standardisierte Interviews erhöhte Anforderungen an
den Forscher voraus. Neben der Fähigkeit aufmerksam zuzuhören und den Gesprächspartner nicht zu unterbrechen muss der Interviewer auch auf Kommentare und achten und sicherstellen, dass genügend Informationen zu den relevanten Themen gewonnen werden.
Das nicht- standardisierte Interview erfordert eine hohe Interviewerkompetenz und sehr viel Zeit, sowohl für die Befragung, als auch für die Auswertung der gewonnenen Texte.
2. 2. Anwendungsmöglichkeiten und Anwendungsbereiche
In diesem Teil meiner Hausarbeit möchte ich die Anwendungsmöglichkeiten und die Anwendungsbereiche nicht - standardisierter Interviews aufzeigen. Man nutzt diese Befragungsform, um ein fremdes soziales Milieu oder eine fremde Kultur zu erforschen, über die bisher noch wenig bekannt ist. Vor allen Dingen zur vertiefenden Untersuchung einzelner Befragter sind offene Interviews anzuwenden. Man kann mit ihnen die Bedeutung einer Antwort des Befragten klären und einen wichtigen einzelnen Aspekt der Meinung oder Einflüsse auf die Meinungsbildung ermitteln. Darüber hinaus ermöglichen nicht - standardisierte Interviews die Analyse komplexer Einstellungsmuster, die Ermittlung des Bezugsrahmens einer Person oder die Untersuchung seltener und abweichender Fälle. 4
Die Anwendungsbereiche nicht - standardisierter Interviews sind zu vielfältig, deshalb möchte ich nur einige aufzählen. In der Psychologie nutzt man sie in der Belastungs - und Bewältigungsforschung, in der Therapie - oder zur Medienforschung. In der Soziologie nutzt man offene Interviews zum Beispiel in der Geschlechter - , in der Jugend - , oder in der Milieuforschung. Aber auch in der Ethnologie, in der Politikwissenschaft und in der Pädagogik werden nicht-standardisierte Interviews angewandt.
2. 3. Formen des qualitativer Interviews
Ich möchte mich jetzt den verbreitetsten Formen der qualititiven Befragung zuwenden. Dazu zählen das narrative, das problemzentrierte, das fokussierte, das rezeptive und das Tiefen - oder Intensivinterview.
Das narrative ( erzählende ) Interview wurde von Schütze 1977 entwickelt. Es dient zur Erhebung von subjektiv erlebten Ereignissen und Ereignisketten und ist eine realitätgerechte Rekostruktion früheren Handelns. Der Befragte wird durch die Vorgabe einer zentralen Ausgangsthemenstellung aufgefordert frei und weitgehend ununterbrochen zu erzählen. Der Interviewstil ist weich bis neutral und überläßt dem Befragten den Orientierungsgrad der Erzählung. Bei Unklarheiten und zur Absicherung des Gehörten sollte der Interviewer nachfragen. Es gibt keinen Leitfaden - die jeweils folgende Frage ergibt sich aus den vorangegangenen Aussagen des Befragten. Das narrative Interview sollte ein bis drei Stunden dauern.
Das problemzentrierte Interview ist eingebunden in eine “ Methodenkombination von qualitativem
3 Siehe Spöhring ( 1989 , S . 156 )
4 Siehe Spöhring ( 1989 , S . 154 )
4
Arbeit zitieren:
Jörn Moch, 1997, Das nicht - standardisierte Interview als qualitativ orientiertes Forschungsdesign, München, GRIN Verlag GmbH
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