Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Konzepte von Wissen. 3
2.1 Wissen in der Philosophie. 3
2.2 Das Wissensverständnis in den Gesellschaftswissenschaften. 4
2.2.1 Wissen als Handlungsvermögen 4
2.2.2 Der subjektive Wissensbegriff 5
2.2.3 Der Systemtheoretische Ansatz 6
2.2.4 Differenzierung in den Erziehungswissenschaften 8
2.2.5 Implizites, explizites und bildliches Wissen 9
2.3 Konzepte von Wissen - ein kurzes Fazit 12
3. Wissensgesellschaft. 13
3.1 Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft 13
3.2 Merkmale der Wissensgesellschaft 15
3.3 Lebenslanges Lernen 16
3.4 Probleme der Wissensgesellschaft. 18
3.5 Ausblick: Wissensmanagement als eine Folge der Wissensgesellschaft. 20
4. Fazit 22
5. Literaturverzeichnis. i
5.1 Bücher. i
5.2 Aufsätze und Artikel i
5.3 Sonstige Internetquellen ii
I
1. Einleitung
1. Einleitung
Was ist Wissen und was ist die Wissensgesellschaft? Diese Begriffe zu definieren ist nicht einfach, weil beide Konzepte schwer greifbar und abstrakt sind. Wissen wird häufig in der Umgangssprache verwendet, ohne zu bedenken, was dieses Wort genau bedeutet. Leute sprechen davon, dass sie Wissen in der Schule oder in der Universität erworben haben und meinen damit Kenntnisse und Fähigkeiten. Man sagt oft im Alltag, dass wir eine Sachlage wissen und wir meinen aber, etwas verstanden haben. Das sind Beispiele von Wissen, die illustrieren wie komplex dieser Begriff doch ist. 1 „„Wissen“ ist zum eindrucksvollen, autoritätsheischenden und Fortschrittlichkeit signalisierenden Paradigma avanciert - was eigentlich für so ein altes und unspektakuläres Wort erstaunlich ist - und wird daher nicht nur reichlich wahllos und unreflektiert verwendet, es wird auch beliebig kombiniert, damit vergewaltigt, verzerrt und entleert […].“ 2
Die Unsicherheit des Wissensbegriffs dient als Grundlage für die zahlreichen Diskussionen, ob unsere Gesellschaft eine Wissensgesellschaft ist oder nicht. 3 HELMUT WILLKE sieht Anzeichen dafür, dass die neue Form unserer Gesellschaft die Wissensgesellschaft sein wird. „Das Konzept der Wissensgesellschaft setzt einen wesentlich anspruchsvolleren, kognitiven Wissensbegriff voraus, als in dem fast schon zum Ritual verkürzten Verweis auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien als konstitutives Merkmal einer Wissensgesellschaft der Fall ist, auch wenn die Digitalisierung der Information und Kommunikation sicher ein hervorstechendes Merkmal einer Wissensgesellschaft ist.“ 4 Der Wissensbegriff beinhaltet hier neben dem gespeicherten Informationswissen auch Daten und Fakten sowie inhaltliches Basiswissen. Die Komplexität von Wissen ist oftmals der Grund, warum das Modell der Wissensgesellschaft mit den Konzepten des Wissensmanagements verbunden wird. 5 Der Begriff Wissensgesellschaft trifft auf eine große Resonanz in den öffentlichen Diskussionen, weil er interessante Fragen über die Zustände und Entwicklungen von modernen Gesellschaften aufwirft. Durch diesen Begriff werden beispielsweise Probleme von gesellschaftlichen Institutionen wie dem Staat oder der Wissenschaft aufgezeigt. 6
1 Vgl.Reinmann,Gabi(2008):WissenundInformationimZeitalterdesInternets.InUnescoheute1/2008,S.1215. Unter:http://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/unescoheute/uh12008/uh108_s1215.pdf(Zugriffam 18.09.09),S.12.
2 Kübler,HansDieter(Hg.)(2009):MythosWissensgesellschaft.GesellschaftlicherWandelzwischenInformation,Me dienundWissen;eineEinführung.2.,durchges.underw.Aufl.Wiesbaden:VSVerl.fürSozialwissenschaften,S.89.
3 Vgl.Reinmann,a.a.O.2008,S.12.
4 Wiesner,Gisela/Wolter,Andrä(Hrsg.)(2005):DielernendeGesellschaft.LernkulturenundKompetenzentwicklungin derWissensgesellschaft.Weinheim,München:JuventaVerlag,S.33.
5 Vgl.Ebd.
6 Vgl.Stehr,Nico(2006):AktuelleProblemederWissengesellschaft:Bildung,ArbeitundWirtschaft.In:Kempter,Klaus/ Meusburger,Peter(Hg.):BildungundWissensgesellschaft.Berlin,Heidelberg:SpringerVerlag,S.363.
1
1. Einleitung
Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit den Themen Wissen und Wissensgesellschaft auseinandersetzen, beschäftigen sich auch mit dem Themenkomplex Wissensmanagement. Dies spiegelt sich in den zentralen Werken, die dieser Arbeit zu Grunde liegen, wider. JOSEF MAISCHs (2006) „Wissensmanagement am Gymnasium. Anforderungen der Wissensgesellschaft“, beleuchtet vor allem die Konzepte von Wissen und hebt auch einige Aspekte der Wissensgesellschaft hervor. Die Dissertation von MATTHIAS KRÄMER (2003) „Der Einfluss informeller Kommunikation auf innerbetriebliches Wissensmanagement“ gibt ebenfalls einen guten Einblick in die Konzepte von Wissen und das Wissensmanagement. Vor allem seine kritische Betrachtung von Teilaspekten des Wissensbegriffs ist sehr hilfreich. Die Beispiele aus der Praxis vereinen diese mit der Theorie. Zudem ist WERNER WIATERs Werk (2007) „Wissensmanagement. Eine Einführung für Pädagogen“ zu nennen. Darin sind wertvolle Informationen zu den Wissenskonzepten und der Wissensgesellschaft enthalten. Ergänzend sind die Publikationen von dem deutschen Soziologen NICO STEHR (2001) „Wissen und Wirtschaften. Die gesellschaftlichen Grundlagen der modernen Gesellschaften“ und sein Aufsatz „Moderne Gesellschaften“ zu nennen. Darin wird vor allem das Wissenskonzept „Wissen als Handlungsvermögen“ sehr ausführlich beschrieben. Zuletzt beschreibt HELMUT WILLKEs (1998) „Systemisches Wissensmanagement“ sämtliche Aspekte der Wissenskonzepte sehr ausführlich. 7
In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Wissen für unsere Gesellschaft heute hat. Es werden einige definitorische Ansätze von Wissen aus der Philosophie, den Gesellschafts-, den Erziehungswissenschaften und der systemtheoretische Ansatz vorgestellt. Es gibt eine Unterscheidung der Wissensarten Implizites, Explizites und Bildliches Wissen. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird die Thematik der Wissensgesellschaft näher beleuchtet. Hier werden die Entwicklung zu einer Wissensgesellschaft, ihre Merkmale und Probleme und das Konzept des Lebenslangen Lernens diskutiert. Zum Schluss dieses Kapitels gibt es einen kurzen Einblick über das Wissensmanagement als eine mögliche Folge der Wissensgesellschaft.
7 Vgl.Willke,Helmut(1998):SystemischesWissensmanagement.Stuttgart:LuciusundLucius,S.389.
2
2. Konzepte von Wissen
2. Konzepte von Wissen
„Wissen“ spielt immer schon eine große Rolle in der Entwicklung der Menschheit. Darum wird der Begriff des Wissens in sehr unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen verwendet. 8 Wissen ist der Leitbegriff der Wissensgesellschaft und hat in den verschiedenen Kontexten andere Bedeutungen. Durch die Allgegenwart von Wissen ist es nicht einfach zu definieren, was es genau ist, bzw. was es bedeutet. So ist es erforderlich den Wissensbegriff im Hinblick auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Orte, an denen Wissen erworben und verwendet wird, differenziert zu betrachten. 9
In dieser Arbeit ist „Wissen“ der Schlüsselbegriff, um verstehen zu können, was die Wissensgesellschaft ist. Im Folgenden werden verschiedene Perspektiven des Wissensbegriffs und ihm zu Grunde liegenden Konzepte vorgestellt und diskutiert. Es handelt sich um eine subjektive Auswahl der aktuellen Perspektiven. Es wird versucht einen Querschnitt durch die verschiedenen Wissenschaften zu ziehen. Je nach wissenschaftlicher Perspektive gibt es verschiedene Schwerpunkte bzw. Differenzierungen.
2.1 Wissen in der Philosophie
Die griechischen Philosophen SOKRATES, PLATON und ARISTOTELES waren die Ersten, die sich mit dem Wissensbegriff auseinander setzten. Demnach ist Wissen eine begründbare, zu rechtfertigende oder demonstrierende Erkenntnis. Sie muss von der Vermutung, Meinung und dem Glauben abgegrenzt werden. 10 Wissen ist „im Unterschied zu […] Meinung und […] Glaube die auf Begründungen bezogene und strengen Überprüfungspostulaten unterliegende Kenntnis“. 11 Die Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass Wissen existiert und versuchen zu erklären wie dieses zu erlangen ist. Anderer Ansicht sind die Skeptiker. Sie glauben, dass die Menschen nichts wissen können.
Die Anhänger entwickelten zwei Denkrichtungen. Zum einen den Rationalismus, für den es nur vorläufige, aber keine grundsätzlich unlösbaren Probleme gibt. Beispiel ist die Wissenschaft der Mathematik, insbesondere die Geometrie. Vertreter des Rationalismus sind unter anderem IMMANUEL KANT und RENÉ DESCARTES. Der Empirismus ist als zweite Denkrichtung anzusehen. Er leitet die Erkenntnis auf die Sinneswahrnehmung der Menschen ab und steht daher im Gegensatz zum Rationalismus. Beispiel für den Empi-
8 Vgl.Maisch,Josef(2006):WissensmanagementamGymnasium.AnforderungenderWissensgesellschaft.Wiesbaden: VSVerlagfürSozialwissenschaften,S.36.
9 Vgl.Wiater,Werner(2007):Wissensmanagement.EineEinführungfürPädagogen.Wiesbaden:VSVerlagfürSozial wissenschaften,S.11ff..
10 Vgl.Maischa.a.O.2006,S.36.
11 Meyer,HermannJulius(1979):MeyersEnzyklopädischesLexikon.NeuntevölligneubearbeiteteAuflagezum 150jährigenBestehendesVerlags,Band25.Mannheim[u.a.]:Lexikonverlag:S.434.
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2. Konzepte von Wissen
rismus ist die Naturwissenschaft vertreten durch FRANCIS BACON und JOHN LOCKE. 12 BACONs Ausspruch „Wissen ist Macht“ besitzt auch heutzutage noch eine Gültigkeit. „Bacon behauptet, dass der besondere Nutzen des Wissens sich von seiner Fähigkeit ableitet, etwas in Gang zu setzen.“ 13 Der Ausspruch bedeutet, wer Wissen hat, kann einen Vorteil daraus ziehen. In der Renaissance war das Wissen wichtig, um die Zusammenhänge der Schöpfung besser zu verstehen. Daher war dieses Wissen auf die Anwendung des technischen Wissens, in Form von handwerklichem Wissen, begrenzt. 14
„Das Hauptargument der Skeptiker gegen die Dogmatiker war, dass der Aufbau des Wissens durch eine Folge von aufeinander bezogenen Rechtfertigungen kein sicheres Wissen ermögliche, da dies einen unendlichen Regress der Rechtfertigungen zur Folge hätte. Die Basierung dieses Regresses auf der Wahrnehmung […] führte zur Diskussion und Ablehnung der Objektivität der Wahrnehmung durch die Skeptiker.“ 15 In der Neuzeit wurde der Streit zwischen den Anhängern der klassischen Wissenstheorie und den Skeptikern zugunsten der Skeptiker entschieden. Der Kritische Rationalismus sagt, dass es vernünftig ist eine Hypothese probeweise zu betrachten. Vorrausetzung dafür ist, dass diese Hypothese ernsthafter Kritik und empirischen Prüfungen standgehalten hat. Dieser Standpunkt schlägt eine Brücke im Sinne der Rationalisten und Empiriker. Zudem gilt der Kritische Rationalismus als Vorläufer des modernen konstruktivistisch geprägten Wissensbegriffs, der heute die Geisteswissenschaften prägt. 16
2.2 Das Wissensverständnis in den Gesellschaftswissenschaften
2.2.1 Wissen als Handlungsvermögen
NICO STEHR definiert Wissen als „Fähigkeit zum sozialen Handeln (Handlungsvermögen) […], als die Möglichkeit, etwas in »Gang zu setzen«“. 17 Er sieht Wissen als ein symbolisches System, das die Realität strukturiert. Damit stellt Wissen ein Modell für die Wirklichkeit dar und es ist in der Lage die Realität zu verändern. 18 STEHR stützt seine Begriffswahl auf BACONs These, dass Wissen Macht bedeutet. Zudem sagt er, dass die menschliche Naturerkenntnis sowohl ein Ursachenwissen, als auch die Kenntnis der Handlungsregeln darstellt. Damit besitzt die menschliche Naturerkenntnis das Vermögen einen fraglichen Prozess in Gang zu setzen oder gar zu erzeugen. An der Veränderung
12 Vgl.Schmidt,Heinrich/Schischkoff,Georgi(1965):PhilosophischesWörterbuch.17.Auflage,Stuttgart:AlfredKröner Verlag,S.131ff.;Maischa.a.O.2006,S.36f..
13 Stehr,Nico(2001a):WissenundWirtschaften.DiegesellschaftlichenGrundlagendermodernenÖkonomie.Frankfurt amMain:Suhrkamp,S.62.
14 Vgl.Eid,Volker(2002):„Allewissenalles,aberkeinerweißBescheid.ÜberWissensOptimismusundfrustrierende Unübersichtlichkeit“.In:Rüdel,Reinhardt/Stadelhofer,Carmen(Hg.):WohingiltdieWissensgesellschaft?Interdiszipli näreBeiträgezuEntwicklungeninMedizin,Informatik,WirtschaftundBildungsowiezurGrenzsituationzwischenLeben undTod.Bielefeld:Kleine,S131.
15 Maischa.a.O.2006,S.37.
16 Vgl.Ebd.,S.37f..
17 Stehra.a.O.2001a,S.62.
18 Vgl.Stehr,Nico(2001b):ModerneWissensgesellschaften.In:AusPolitikundZeitgeschichteB36/2001,S.8.
4
2. Konzepte von Wissen
der Realität lassen sich die Erfolge und/ oder Folgen des menschlichen Handelns ablesen. 19 „Erkenntnis gewinnt an Distinktion oder Wert aufgrund seiner Fähigkeit, die Wirklichkeit zu verändern. Infolgedessen kann man Wissen als Fähigkeit zum sozialen Handeln definieren, als Möglichkeit, einem Vorgang eine neue Richtung zu geben. Wissenschaftliche Erkenntnisse oder technologisches Wissen sind also genau wie religiöses Wissen zunächst nichts anderes als Handlungsvermögen.“ 20
Wissen erfüllt nur dort eine aktive Funktion, wo es einen Entscheidungsspielraum oder Entscheidungsnotwendigkeiten gibt. Das heißt, es liegt beispielsweise kein Handeln vor, wenn ein Fabrikarbeiter eine Schraube nach Vorschrift herstellt. Diese Verhaltensweise bezeichnet STEHR als reproduktive Handlung, weil sie in einem rationalisierten Gefüge von Vorschriften ohne eine persönliche Entscheidung durchgeführt wurde. Das wissenschaftliche und technische Wissen haben in der modernen Gesellschaft einen hohen Stellwert, weil diese Wissensform immer neue Handlungsmöglichkeiten schafft. Diese Wissensform kann von Individuen, Unternehmen und vom Staat vorrübergehend angeeignet werden. 21
Ferner sieht STEHR Wissen als ein „Gemeingut (public good)“ 22 , das für alle da ist und nicht an Einfluss verliert sobald es bekannt wird. Wenn Wissen beispielsweise verkauft wird, so bleibt es dennoch das Eigentum seines ursprünglichen Produzenten. Dies steht im Gegensatz zur Ware, die wenn sie verkauft wird, den Eigentümer wechselt. Der ursprüngliche Produzent des Wissens behält auch nach dem Tauschprozess die Verfügungsgewalt über das Wissen. 23
2.2.2 Der subjektive Wissensbegriff
Das subjektive Verständnis von Wissen hat sich in den Gesellschaftswissenschaften gegenüber dem philosophischen objektiven Wissensbegriff konstituiert. Wissen gilt als Ergebnis unserer eigenen Konstruktionen, die auf der Basis unserer Erfahrungen entstehen. Die aus den Erfahrungen konstruierten Wissensnetze werden zur Interpretation der Wirklichkeit angewendet. Die Interpretationen müssen der alltäglichen Konfrontation mit der Umwelt standhalten und unterliegen einem dynamischen Anpassungsprozess. Zudem unterliegt Wissen unseren Emotionen. Daher können unangenehme Situationen ausgeblendet werden, weil diese Erfahrungen mit Emotionen verbunden sind. Demzufolge ist Wissen ein Teil unserer Persönlichkeit und stiftet Identität. 24
19 Vgl.Ebd.
20 Ebd.
21 Vgl.Ebd.,S.8f..
22 Ebd.,S.9.
23 Vgl.Ebd..
24 Maischa.a.O.2006,S.38.
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Michaela Buchner, 2009, Die Bedeutung von Wissen für unsere heutige Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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