INHALTSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS V
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
ABK VI
1 Einleitung 1
1 1
2 Geschichtliche Entwicklung des Stiftungswesens und ursprüngliche Motive zur
Errichtung von Stiftungen 5
2.1 Antike Stiftungen: Übertragung von Vermögen und Verwaltung von
Gotteseigentum 5
2.2 Stiftungen zu Zeiten des römischen Kaiserreiches: Sicherung des Seelenheils
und der Beginn der Wohltätigkeit 5
2.3 Das Mittelalter als das Zeitalter der Stiftungen schlechthin 6
2.4 Zeitstrahl deutscher Stiftungen: Vom Mittelalter bis in die Neuzeit 8
2.4 8
3 Die verschiedenen Stiftungs Rechtsformen 10
3.1 Allgemeine Eigenschaften von Stiftungen 10
3.2 Stiftungen öffentlichen Rechts: Der Staat als Stifter 10
3.3 Die rechtsfähige Stiftung des Privatrechts (BGB Stiftung) 12
3.3.1 Gründung und Anerkennung einer rechtsfähigen Stiftung des
privaten Rechts 12
3.3.2 Das Stiftungsgeschäft unter Lebenden 12
3.3.3 Das Stiftungsgeschäft von Todes wegen 13
3.3.4 Exkurs: Die Bürgerstiftung - Kollektives bürgerschaftliches
Engagement 14
3.4 Nichtrechtsfähige, treuhänderische oder unselbstständige Stiftungen 15
3.4.1 Merkmale treuhänderischer Stiftungen 15
3.4.2 Exkurs: Kirchliche Stiftungen - Ausdruck religiöser Nächstenliebe 17
3.4.2.1 Die rechtsfähige kirchliche Stiftung 17
3.4.2.2 Die kirchliche Treuhandstiftung am Beispiel der evangelischen
Landeskirchenstiftung Württemberg 18
Landeskirchenstiftung 18
4 Unternehmerische Motivation zur Errichtung von Stiftungen 20
4.1 Die Form der Unternehmensträgerstiftung 20
4.1.1 Die Stiftung Co. KG: Verbindung von Flexibilität und Kontinuität 22
4.2 Die Form der Beteiligungsträgerstiftung 23
4.2.1 Die Familienstiftung: Bestandssicherung von Familienunternehmen
und Förderung der eigenen Nachkommen 24
4.2.1.1 Familienstiftungen mit eingebundener Wohltätigkeitsfunktion 26
4.2.2 Die (gemeinnützige) Stiftungs GmbH: „der Name macht s “ 26
4.2.2.1 Vorteile der gemeinnützigen Stiftungs GmbH gegenüber
rechtsf ähigen Stiftungen 27
II
4.3 Die Form der Doppelstiftung 28
4.4 Bekannte unternehmensverbundene Stiftungen und die Motive ihrer
Stiftungsv äter 30
4.4.1 Die Carl Zeiss Stiftung 1889 - 2004 und heute 30
4.4.2 Die Bertelsmann Stiftung 31
4.4.3 Die Robert Bosch Stiftung GmbH 33
4.5 Der Blick über die unternehmerischen Vorteile hinaus: Was Menschen
allgemein zum Stiften motiviert 34
4.5.1 Gründungmotive in der Realität: Eine Studie des BDS und der
Bertelsmann Stiftung 36
Bertelsmann 36
5 Stiftungen und ihr Nutzen für die Gesellschaft 37
5.1 Der moralische Imperativ des Stiftens 37
5.2 Das Stiftungswesen als wachsender Akteur im Dritten Sektor 38
5.2.1 Stiftungserrichtungen 1960 - 2009 40
5.3 Zivilgesellschaftliches Engagement in Zahlen 41
5.3.1 Die größten Stiftungen privaten Rechts nach Vermögen 41
5.3.2 Die größten Stiftungen privaten Rechts nach Gesamtausgaben 42
5.3.3 Stiftungsaufkommen nach Großstädten und Bundesländern 44
5.3.4 Verteilung der Stiftungszweckhauptgruppen im Stiftungsbestand 46
5.4 Unternehmen übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft: Corporate
Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship ()CC 47
5.4.1 Wie äußern sich CSR und CC im Unternehmensbereich? 48
5.4.2 CSR in der Kritik: Strategie für das Gemeinwohl oder strategisches
Marketing ? 49
Marketing 49
6 Zusammenfassung und Schlussbemerkung 52
6 52
LITERATURVERZEICHNIS V
LITERATURVERZEICHNIS V
LITERATURVERZEICHNIS V
III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. I: Unternehmensträgerstiftungen ......................................................................... 21 Abb. II: Beteiligungsträgerstiftungen .............................................................................. 23 Abb. III: Doppelstiftungen ................................................................................................. 29 Abb. IV: Unternehmensbeteiligung der Carl‐Zeiss‐Stiftung ......................................... 31 Abb. V: Unternehmensbeteiligung der Bertelsmann Stiftung ..................................... 32 Abb. VI: Unternehmensbeteiligung der Robert Bosch Stiftung .................................... 34 Abb. VII: Drei Sektoren Modell .......................................................................................... 39 Abb. VIII: Stiftungserrichtungen 1960 ‐ 2009 ..................................................................... 40 Abb. IX: Stiftungserrichtungen 1990 ‐ 2009 ..................................................................... 41 Abb. X: Top 50 - Stiftungsdichte in Großstädten .......................................................... 44 Abb. XI: Stiftungsaufkommen nach Bundesländern ...................................................... 45 Abb. XII: Verteilung der Stiftungszweckhauptgruppen im Stiftungsbestand
(gewichtet) ............................................................................................................ 46 Abb. XIII: Gesellschaftliches Engagement und Verantwortung von Unternehmen .... 48
Abb. XIV: Relevanz von CSR für Stakeholder ................................................................... 50
IV
TABELLENVERZEICHNIS
Tab. I: Deutsche Stiftungen: 13. Jahrhundert bis heute ................................................ 8 Tab. II: Motivation der Stifterinnen und Stifter in Deutschland ................................ 36 Tab. III: Die größten Stiftungen privaten Rechts nach Vermögen (Verkehrswert) ... 42 Tab. IV: Die größten Stiftungen privaten Rechts nach Gesamtausgaben ................... 43
V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ABL alte Bundesländer
Anl.
AO
Art.
BDA
BDI
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.
BDS
BGB
CC
CD
Corporate Design CI
Corporate Identity Co. KG Compagnie Kommanditgesellschaft CSR
Corporate Social Responsibility DDR
Deutsche Demokratische Republik e.V.
eingetragener Verein EVZ
Erinnerung Verantwortung Zukunft (Stiftung) EwZ
Einwohnerzahl gGmbH gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung HGB
Handelsgesetzbuch
Hrsg.
i.d.R.
IDW
Institut der Deutschen Wirtschaft
Mrd.
NBL
n. Chr. nach Christus Non‐Governmental‐Organization NGO
NPO
Non‐Profit‐Organisation
VI
1 Einleitung
Motivation zur Arbeit
„Der Mensch kann in seinem kurzen und gefahrenreichen Leben einen Sinn nur finden, wenn er sich dem Dienst an der Gesellschaft widmet.“ 1
Mit dem weltweiten Spendenaufruf der US‐Milliardäre Bill Gates, Waren Buffet und 40 weiteren „superreichen“ Amerikanern, welche selbst versprachen mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, wurde auch in Deutschland eine rege Diskussion ausgelöst:
Einige Deutsche, wie z.B. die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Claudia Roth, hielten die Aktion für „eine gute Idee“ und für „ein gutes Vorbild“, andere hingegen ließ der Aufruf völlig kalt. Vor allen Dingen entfachte der Spendenaufruf hierzulande jedoch auch große Skepsis, ob einmalige Spenden denn tatsächlich eine dauerhaft wirksame steuerliche Regulierung ersetzen könnten. Kritiker forderten statt hohen Spenden eine höhere Besteuerung der Reichen. Dabei stammten die Stimmen, welche sich für eine „Reichensteuer“ aussprechen jedoch nicht nur aus den Reihen der weniger Betuchten oder von Seiten der Politiker und Wirtschaftsprofessoren. Der frühere Arzt Dieter Lehmkuhl z.B. ist einer von 23 deutschen „Superreichen“, die mittlerweile sogar eine Initiative gegründet haben, um sich für eine höhere Besteuer‐ ung von Vermögenden einzusetzen 2 .
Mit der Debatte über eine Steuererhöhung für Reiche, rückte gleichzeitig auch das Thema „Stiftungen“ in das Interesse der Öffentlichkeit und der Politik. Denn auch in Deutschland engagieren sich viele Reiche (aber auch „Normalbetuchte“) freiwillig in Form einer Stiftung. Dabei haben Stiftungen in Deutschland schon eine jahrtausende‐ alte Tradition - jedoch wissen nur die wenigsten wie Stiftungen tatsächlich funktio‐ nieren und welche Beweggründe dazu führen können, Stiftungen zu errichten. Dies mag vor allen Dingen daran liegen, dass bisweilen nur sehr wenige Studien über das
1 zit. nach Albert Einstein 2 Hartwig (2010)
1
Stiftungswesen, deren Akteure und Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft bestehen. Dieses Unwissen mag somit auch der Grund dafür sein, weswegen trotz einer langen Stiftungstradition auch heute noch Missverständnisse oder Fehleinschätzungen im Hinblick auf das deutsche Stiftungswesen bestehen. Ziele der Arbeit
„Selbstlosigkeit ist ausgereifter Egoismus.“ 3
Vorurteilen, wie solchen, dass 29% der Bevölkerung der Meinung sind, „Stiftungen seien lediglich eine Art Steuersparmodell für Reiche“, „dienten nur zur Selbst‐ darstellung“ (17% nannten diesen Beweggrund), oder wie 25% angaben, „Stiftungen seien ein Spielzeug der Reichen“, soll mit dieser Bachelorarbeit entgegengewirkt werden. Gleichzeitig sollen Aussagen wie: „Stifter wollen Innovationen heran bringen“ (49% der Bevölkerung), „Stifter wollen eine bestimmt Not lindern“ (43%), „Stifter handeln aus Verantwortungsbewusstsein“ (50%) oder „Stifter wollen auf politischer Ebene etwas verändern“ (42%) gestützt werden 4 .
Dies soll erreicht werden, indem die Stiftung als „unbekanntes Wesen“ näher erklärt wird. Dabei soll die Arbeit nicht die Problematik einer Steuerregulierung für Reiche, oder die Thematik des Spendens erläutern. Diese Bachelorarbeit bezieht sich vor allen Dingen auf die Motivationen zur Stiftungsgründung in der Wirtschaft und darauf welche positiven Auswirkungen gemeinnützige unternehmensverbundene Stiftungen, neben staatlicher Unterstützung, für die Gesellschaft haben. Sie soll zeigen, dass ent‐ gegen des Vorurteils „Wo Politik ist oder Ökonomie, da ist keine Moral.“ 5 , durch unter‐ nehmensverbundene Stiftungen nicht nur die Stifter selbst, ihre Familien oder das Unternehmen, Vorteile erzielen, sondern, dass Stiften, auch in der Wirtschaft, sehr wohl etwas mit Moral und mit Ethik zu tun hat. Denn auch hier gilt größten Teils: „Die allerwichtigste Sache ist: Gutes tun, weil nur dafür der Mensch lebt.“ 6
3 zit. nach Herbert Spencer 4 Timmer (2005c), S. 3 5 zit. nach Friedrich von Schlegel 6 zit. nach Leo Tolstoi
2
Aufbau der Arbeit
Im ersten Teil (Kapitel 2) dieser Arbeit soll es um die geschichtlichen Hintergründe des deutschen Stiftungswesens gehen. Hier soll ein erster Eindruck entstehen, wie, wann und weswegen Stiftungen in der Vergangenheit in erster Linie entstanden. Dabei soll deutlich werden, dass Stiftungen in der Antike und im römischen Kaiserreich ursprünglich sehr wohl aus eigennützigen Motiven erwuchsen, dass sich diese Ein‐ stellung jedoch mit dem Ende des römischen Kaiserreiches und mit dem Anfang des Mittelalter änderte und sich das Stiftungswesen ab diesem Zeitalter von einem geistlichen in ein weltliches Stiftungswesen wandelte.
Anschließend soll in Kapital 3 die rechtliche Beschaffenheit des deutschen Stiftungs‐ wesens erläutert werden. Die verschiedenen Stiftungsrechtsformen (staatliche und private Stiftungen, sowie rechtsfähige und nichtrechtsfähige Stiftungen) sollen von‐ einander abgegrenzt werden und es wird ein kurzer Exkurs in die unterschiedlichen Stiftungsarten dargestellt.
Mit dem vierten Kapitel letztendlich beginnt der wesentliche Teil dieser Bachelorarbeit aus wirtschafts‐ und unternehmensethischer Sichtweise. An dieser Stelle wird näher auf die Stiftungsgestaltung im Unternehmensbereich eingegangen. Anhand der unter‐ schiedlichen Gestaltungsformen unternehmensverbundener Stiftungen sollen die Motive zur Stiftungsgründung in der Wirtschaft dargestellt werden. Einen besseren Einblick in die Motive unternehmensverbundener Stiftungen, bzw. ihrer Stifter, soll exemplarisch anhand drei großer deutscher Stifterpersönlichkeiten geschaffen werden. Anschließend soll eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und der Bertelsmann Stiftung Vorurteile gegenüber dem Stiftungswesen widerlegen. Dieses Kapitel soll somit sowohl die unternehmenspolitischen (eigennützigen) Motive zur Stiftungsgründung in der Wirtschaft herausarbeiten, jedoch auch darstellen, dass diese nicht die vordere Rolle, sowohl beim privaten, als auch beim unternehmerischen Stiften, spielen. Ausschlaggebend sind vor allen Dingen gemeinnützige Beweggründe.
3
Im anschließenden, fünften, Kapitel, möchte ich herausarbeiten welche positiven Aus‐ wirkungen das Stiftungswesen auf die deutsche Zivilgesellschaft hat, weswegen die moralischen Beweggründe Stiftungen zu errichten auch als „moralischer Imperativ“ bezeichnet werden könnten und konkrete Zahlen und Fakten darstellen, was Stif‐ tungen in Deutschland leisten und unterstützen. Die Rolle der Stiftungen im Dritten Sektor soll verdeutlicht werden und Grafiken und Tabellen sollen einen Überblick über das Vermögen, die Ausgaben, die Verteilung und die Förderungszwecke von Stif‐ tungen schaffen. Abschließend soll das Konzept der „Corporate Social Responsibility“ (kurz: CSR) und dessen Nutzen für die Gesellschaft in aller Kürze untersucht und kommentiert werden.
Zum Ende hin soll eine kurze Zusammenfassung, gefolgt von einem persönlichen Fazit, den Abschluss der Arbeit bilden.
4
2 Geschichtliche Entwicklung des Stiftungswesens und ursprüngliche Motive zur Errichtung von Stiftungen
2.1 Antike Stiftungen: Übertragung von Vermögen und Verwal‐ tung von Gotteseigentum
Die ersten bekannten Stiftungen der Antike wurden auch als „universitas bonorum“ bezeichnet, was so viel bedeutete wie: mit Vermögen ausgestattete Organisation 7 . Das erste geschichtlich belegte Beispiel einer solchen Einrichtung, ist die Akademie‐ Stiftung des griechischen Philosophen Platon. Dieser vermachte sein Vermögen seiner Philosophenschule, damit diese sich auch nach seinem Tod voll und ganz der Philosophie widmen konnte, ohne dabei in finanzielle Sorge zu geraten 8 . Aber nicht nur das Motiv der Vermögensübertragung war für die antiken Stifter relevant. In der Zeit der ägyptischen Könige und Priester sollten gestiftete Schenk‐ ungen oder Gaben vor allem die göttliche Betreuung im Jenseits sichern. So stifteten die Ägypter Grundstücke, Sklaven oder wertvolle Tempelschätze, um sich ihr Dasein im Totenreich erträglicher zu machen. Im Laufe der Zeit bildete sich sogar eine Priesterschaft, welche die angehäuften gestifteten Güter verwaltete. Große Wirtschafts‐ unternehmen wie öffentliche Bäder, Ölfabriken, Brauereien, Mühlen, Bäckereien und Banken lagen somit in Händen der ägyptischen Tempelpriester und galten als stif‐ tungsartiges Göttereigentum 9 .
2.2 Stiftungen zu Zeiten des römischen Kaiserreiches: Sicherung des Seelenheils und der Beginn der Wohltätigkeit
Auch zur Zeit des römischen Kaiserreiches wurde viel gestiftet. Doch, ähnlich wie in der Antike, handelten die Stifter ihrer Zeit vielmehr aus Eigennutz, um ihr Ansehen zu steigern und sich ihr Seelenheil zu erkaufen, als aus moralischer Überzeugung. So
7 Graf Strachwitz (2009), S. 28 8 Allgäuer (2008), S. 13 9 Ebd., S. 81
5
wollten die römischen Stifter vor allem die Herzen der Menschen gewinnen, indem sie Theater, öffentliche Gebäude oder Gedenkstätten errichteten, und damit Ruhm, Anerkennung und darüber hinaus sogar „Unsterblichkeit“ erlangten. Wohltätigkeitsstiftungen, wie wir sie heute kennen, waren den Menschen im röm‐ ischen Kaiserreich anfangs noch nicht bekannt. Es fehlte an Mitleid und Barmherzig‐ keit, da man Armut als eine Art Unglück ansah. Erst zwischen 96 - 98 n. Chr. gründete Kaiser Nerva sogenannte Alimentenstiftungen, welche freigeborene, arme Kinder durch Gewährung von Unterhalt unterstützen sollten 10 .
Unter Konstantin dem Großen letztendlich wurde die Religion zur „Staatsreligion“ und erhielt einen rechtlich dominanten Status. Zu dieser Zeit kristallisierte sich auch der christliche Stiftungsgedanke heraus, jedoch existierte noch kein Begriff, welcher die „Stiftung“ als solche definierte. Dennoch galt das gestiftete Vermögen auch damals schon einem dauerhaften Zweck, welcher von privaten Freigiebigkeiten abgegrenzt wurde 11 . So sollten z.B. nach Kaiser Justinian (534 n. Chr.) die „ehrwürdigen Häuser“ zur Versorgung von Armen, Kranken, Fremden und Waisen „in Ewigkeit bestehen“ und ihre „nie erlöschenden frommen Werke“ vollziehen 12 .
2.3 Das Mittelalter als das Zeitalter der Stiftungen schlechthin
Auch zur Zeit des Mittelalters existierten noch keine moralischen oder gesetzlichen Vorschriften für das Stiftungswesen. Jedoch hätte man sie schon zu dieser Zeit als eine „spezifische Form der Verfügung von materiellen Werten zur Realisierung bestimmter Zwecke“ beschreiben können, welche „auf Dauerhaftigkeit zielte“. Vor allem Karl der Große verpflichtete verschiedene Grundherren zur nachhaltigen Fürsorge der Armen, indem sie Armenhäuser und Herbergen unterhalten sollten. Nach seinem Tod jedoch, verfielen diese Wohltätigkeitsanlagen. Stiftungen dagegen
10 Allgäuer (2008), S. 13 f. 11 Pickert (2005), S. 23 ff. 12 Borgolte (2008), S. 4
6
lebten in abgewandelter Form weiter und waren auch im Mittelalter hauptsächlich von religiösen Überzeugungen geprägt 13 .
So stand hinter der Errichtung einer Stiftskirche oder eines ‐krankenhauses meist die Ansicht, dass Gott dieses fromme Werk im Jenseits mit seiner Gnade belohnen würde. Die Menschen im christlichen Mittelalter orientierten sich dabei vor allem an Aussagen der Bibel, die ihnen das ewige Seelenheil versprachen. Somit diente eine Stiftung, oder wie sie zu jener Zeit genannt wurde - eine „pia causa“ ‐ nicht nur als ethische Gabe für die Bevölkerung, sondern vor allem zur Verehrung und Beschwichtigung Gottes 14 . Die mittelalterlichen Stiftungen waren dabei kein direktes Eigentum von Kirchen oder Klöstern. Jedoch lehnten sie sich häufig an diese an und wurden von ihnen unterstützt und beaufsichtigt. Dies betraf vor allen Dingen gestiftete Spitäler, die neben den Notleidenden auch den Stiftern selbst im Alter eine Behausung bieten sollten. Der Abt von St. Martin in Köln (1142/47) z.B. stellte seinen Bürgern Grund und Boden zur Verfügung, damit diese mit finanzieller Unterstützung der Mönche ein Spital errichten konnten, in dem sich ein „Laien‐Bruder“ um die „Fürsorge, den Dienst und die Betreuung der Armen“ bemühen sollte.
Als „Zeugen“ dieses Gründungszeitalters existieren auch heute noch einzelne er‐ haltene und weitergeführte Einrichtungen. So etablierte König Friedrich I. („Barba‐ rossa“), nicht nur seine eigenen Stiftungen, sondern unterstützte darüber hinaus auch andere Stifte, wie z.B. das Spital von Walter von Ellingen in Mittelfranken, welches Arme beherbergte und Almosen verteilte. Barbarossa gab dieses Spital an seinen Enkel, Kaiser Friedrich II. weiter, welcher das Haus im Jahre 1216 dem Deutschen Orden vermachte. Dort lebte die Stiftung unter dem Schutz des Königs bis 1796. Genau 200 Jahre später, im Jahr 1996 wurde die Stiftung wieder aufgenommen ‐ das Spital wird seither unter bürgerlicher, „weltlicher“ Leitung als Altenheim geführt. Andere Beispiele sind das Behindertenheim Johannishof in Hildesheim (seit 1161), der Hospitalfonds Sankt Benedikti in Lüneburg (seit 1127), sowie das „Gesundheitshaus“ in Münster/Westfalen (exaktes Datum ist leider nicht bekannt) 15 .
13 Allgäuer (2008), S. 85 14 Ebd., S. 13 15 Borgolte (2008), S. 5
7
2.4 Zeitstrahl deutscher Stiftungen: Vom Mittelalter bis in die Neuzeit
Die weitere Entwicklung der Stiftungen ist insgesamt eine Differenzierung in weltliche und kirchliche Stiftungen. So wurden die von Kirchen und Klöstern gestifteten oder betreuten Einrichtungen, wie Hospitale oder Pilgerherbergen von diesen weitergeführt. Jedoch entstanden gleichzeitig auch Stiftungen in Städten, die weitgehend unter bürgerlicher Hand verwaltet wurden. Sogenannte Bruderschaften, städtische Honoratioren oder Gremien des Stadtregiments errichteten weltliche Stif‐ tungen zur Unterstützung von Armen und Kranken. Die wohl älteste bekannte weltliche Stiftung ist die von Jakob Fugger, welche 1521 gegründet wurde und auch heute noch besteht 16 .
Die wichtigsten Geschehnisse des Stiftungswesens sollen zur Verdeutlichung in einem Zeitstrahl aufgeführt werden.
16 Allgäuer (2008), S. 88
17 In Anlehnung an: Stiftungen in Raum und Zeit aus „60 Jahre Bundesverband Deutscher Stiftungen“
8
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Bianca Alle, 2010, Stiftungen: unternehmerische Motivation und gesellschaftlicher Nutzen, München, GRIN Verlag GmbH
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