DieDemokratisierungJapans PeterSchröder
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Theorie der Demokratisierung / Transformationsforschung 2
2.1 Systemtheorie 2
2.2 Strukturtheorie 3
2.3 Kulturtheorie 4
2.4 Akteurstheorie 5
3. Japans Vorgeschichte 5
3.1 Frühgeschichte bis zum Zweiten Weltkrieg 5
3.2 Fazit 7
4. Nachkriegszeit Wirtschaftswunder 8
5. Politische Strukturen und politische Kultur 10
6. Status Quo in Japan 13
7. Bewertung der Demokratie anhand der Transformationsforschung 14
8. Fazit und Ausblicke 17
Anhang
Literaturverzeichnis
DieDemokratisierungJapans PeterSchröder
1. Einleitung
Das 20. Jahrhundert wird nicht nur in den Kreisen der Politikwissenschaftler das Jahrhundert der Regimewechsel genannt. Nach der Ausbreitung der totalitären Herrschaftsregime in Russland, Italien und Deutschland, kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer schieren Demokratisierungswelle, die sich zunächst auf Deutschland, Italien und Japan bezog, anschließend auch Griechenland, Russland und China sowie Lateinamerika, Ostasien, Zentralasien und selbst Afrika ( vgl. Merkel, 2003: 207 ).
Diese Entwicklung wird gemeinhin in drei Wellen unterteilt, beginnend mit der nach dem Zweiten Weltkrieg, gefolgt vom Fall der letzten europäischen Diktatur in Griechenland 1974/75 und schließlich die dritte Welle nach dem Ende des Kalten Krieges ( vgl. Merkel, 2003: 207 f. ).
Mittlerweile ist sogar die Rede davon, dass über die Hälfte der Staaten und Weltbevölkerung demokratisch regiert werden ( vgl. Merkel, 2003: 208 ). Während sich die Politikwissenschaft aber bis in die 1970er Jahre vor allem mit den Gründen für das Scheitern der autokratischen oder militaristischen Unterdrückungsregimen beschäftigte, begann man mit der dritten
Demokratisierungswelle, das Interesse auf die Voraussetzungen und Möglichkeiten für eine nachhaltige Entstehung von Demokratien zu legen. In der Folge dieser Entwicklung wurden auch fehlerhafte Demokratien betrachtet und eine Analyse der sich fehlerhaft entwickelnden Systeme angestellt, die aus einem Wechsel hervorgegangen waren und sich langfristig zu installieren schienen ( vgl. Merkel, 2003: 209 f. ).
In dieser Arbeit soll Japan als ein Land der zweiten Demokratisierungswelle beispielhaft betrachtet werden, da es nach dem Zweiten Weltkrieg durch die USA besetzt wurde und, ähnlich wie Deutschland, durch externe Einflüsse demokratisiert wurde.
Die Besonderheiten der japanischen Vorgeschichte, welche das Volk sicherlich nachhaltig prägten, haben eine besondere Form der Demokratie hervorgebracht mit Hilfe derer nach der Analyse der aktuellen politischen Herrschaftsform Japans ein kleiner Ausblick auf mögliche Entwicklungen für die noch verbliebenen militaristischautokratischen asiatischen Länder gegeben werden soll. Das scheint besonders hinsichtlich der aktuellen Entwicklung in China sowie Nordkorea interessant.
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2. Theorie der Demokratisierung
Die wissenschaftliche Untersuchung der Demokratisierung eines Landes fällt der Transformationsforschung zu, welche sich in vier Theorieteile unterglieder lässt, anhand derer im Folgenden die japanische Entwicklung festgemacht werden kann ( vgl. Merkel, 2003: 210 ).
Dazu werden die Ansätze der System-, Struktur-, Kultur- und Akteurstheorie entsprechend erläutert.
Grundsätzlich gehen diese von verschiedenen Faktoren aus, welche den Demokratisierungsprozess begünstigen können oder diesem entgegen wirken. Hier sollen alle vier zur Untersuchung herangezogen werden, um ein möglichst deutliches Abbild des zu untersuchenden Landes zu schaffen.
2.1 Systemtheorie
Basierend auf der von Talcott Parson eingeführten funktionalen Differenzierung, die besagt, dass Gesellschafte bestimmte „evolutionäre Universalien“ ( vgl. Merkel, 2003: 211 ) , wie Bürokratie, Marktorganisation, universalistische Normen im Rechtssystem, demokratisches Assoziationsrecht und allgemeine, freie Wahlen, ausbilden müssen, um dauerhaft demokratisch sein zu können, entwickelte Luhmann seine autopoietische Systemtheorie. Dieser radikalisierte Parson’s Grundsatz und definierte die Teilsysteme als von einander unabhängig. Sie bildeten jeweils eigene, geschlossene Systeme, die sich gegen Übergriffe aus anderen Teilsysteme automatisch schützten, zum Beispiel vor einem Übergriff des politischen Systems ( vgl. Merkel, 2003:212 ). Würde ein Übergriff massiv erzwungen, so zeigten es besonders die kommunistischen und sozialistischen Staaten, leidet die Effizienz der einzelnen Teilsysteme, besonders das der Wirtschaft, und es kommt zu einer entsprechenden Destabilisierung dieser, welche sich schlussendlich auf das Ganze auswirkt ( vgl. Merkel, 2003: 212 ).
Lipset hat sich wiederum mehr an Parson orientiert und dessen Theorie weitergeführt, statt ihr zu widersprechen. Er formuliert eine deutliche und unbedingte Abhängigkeit der Fähigkeit zur Demokratisierung eines Systems und der Überwindung von Not und Armut in dem entsprechenden Land ( vgl. Merkel, 2003: 213 ). Diese Theorie, als deren Indikator das BIP eines Landes gilt, hat sich seit
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ihrer Entwicklung dauerhaft als haltbar erwiesen und dargelegt, dass ein Land umso demokratischer ist, bzw. die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es demokratisch ist oder wird, je entwickelter, im Sinner der westlichen Welt, es ist. Für die Systemtheorie lässt sich also zusammenfassend anhand der o.g. Autoren sagen, dass eine gewisse wirtschaftliche Grundvoraussetzung gesehen wird, die es ermöglicht, dass der Prozess der Demokratisierung überhaupt einsetzen und sich dauerhaft durchsetzen kann. Steigender gesellschaftlicher Wohlstand vermindert automatisch wirtschaftliche Ungleichheiten, wie die klassische Schere zwischen arm und reich, und schwächt Klassen- bzw. Standesdifferenzen innerhalb einer Gesellschaft, was wiederum zur Minderung extremer politischer Gruppierungen und Meinungen führt ( vgl. Merkel, 2003: 213 ).
2.2 Strukturtheorie
Im Grundverständnis bezieht sich die Strukturtheorie nach Moore sowie Rueschemeyer/Stephens/Stephens auf eine Machtbalance zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in einem Land, wodurch eine Demokratisierung ermöglicht wird ( vgl. Merkel, 2003: 214 f. ). Je mehr der Staat Wirtschaftsgüter und Ressourcen beherrscht, desto wahrscheinlicher ist entsprechend die Durchsetzung eines autoritären Regimes, wie am Beispiel der kommunistischen und sozialistischen Staaten deutlich wurde, aber auch an anderen autoritären Regimen. Als Motor der Demokratie sehen o.g. Autoren die Mittelschicht, bzw. die Arbeiterschicht, aus welcher die Mittelschicht erwachsen kann ( vgl. Merkel, 2003: 215 ).
Diese Theorie lässt sich durch den „Machtdispersionsansatz“ von Vanhanen erweitern, welcher besagt, dass je größer die Streuung der Machtressourcen in einer Gesellschaft ist, desto wahrscheinlicher ist eine Demokratisierung ( vgl. Merkel, 2003: 216 ).
Das Beispiel der europäischen Länder zeigt, dass dies zumindest nicht falsifiziert werden kann, denn in allen europäischen Staaten, besonders Deutschland und Frankreich, haben z.B. die Gewerkschaften, also die Arbeitnehmer, eine enorm starke politische Macht, die sie regelmäßig unter Beweis stellen. Auch die Einführung der Europäischen Betriebsräte ( EBR ), wenn auch an ihrer Wirkung gemessen erst am Beginn ihrer Entstehung, zeigt, dass es eine breite Streuung der Machtressourcen in Demokratien gibt.
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Diese Streuung verspricht bereits im Prozess der Demokratisierung die Ein- und Mitwirkung möglichst vieler Interessensgruppen sowie deren ständiges Mitwirken an der Politik.
Außerdem kann hierdurch verhindert werden, dass eine Gruppe eine andere unterdrückt und ihre eigene Stellung dadurch ausbaut und / oder manifestiert und sich der politischen Herrschaft habhaft macht ( vgl. Merkel, 2003: 216 ). Um diese Streuung der Machtressourcen messbar zu machen, hat Vanhanen einen ‚Indes of power resources‘ ( IPR ) entwickelt, welcher anhand der Messung und Verrechnung der Dispersion wirtschaftlicher, kognitiver und beruflicher Ressourcen in der Lage ist, deutlich zu machen, dass mit zunehmender Konzentration dieser drei Bereiche die Chancen auf nachhaltige Demokratisierung sinken. Die Ergebnisse dieser Methode sind dabei aussagefähiger, als die Beurteilung anhand des BIP eines Landes ( vgl. Merkel, 2003: 216 ).
2.3 Kulturtheorie
Die Kulturtheorie bezieht sich auf die religiösen und kulturell gewachsenen Eigenschaften einer Gesellschaft, welche sich einer intendierten Veränderung aufgrund ihrer psychologischen Eigenschaften weitestgehend entziehen ( vgl. Merkel, 2003: 217 ).
Die gesellschaftliche Untermauerung einer ggfs. installierten Demokratie entscheidet über deren Bestehen vor allem in Krisenzeiten. Daher ist eine widerspruchsfreie gesellschaftliche Kultur / Religion im Bezug auf die Akzeptanz eines demokratischen Regimes nötig. Dies ist entsprechend der Kulturtheorie beispielsweise beim Islam nicht der Fall, da hier religiöse Führer eine über dem Gesetz stehende Legitimation beanspruchen und dem zur Folge weitreichendere Kompetenzen, als die staatliche Obrigkeit einer Demokratie ( vgl. Merkel, 2003: 218 f. ). Das ‚Sozialkapital‘, bestehend aus ‚Normen der Reziprozität‘ und ‚Netzwerken des kooperativen, zivilen Engagements‘ entscheidet grundlegend über die Nachhaltigkeit einer Demokratie in einem Land. Es droht stets in einer Krise durch noch aus den Zeiten eines autoritären Regimes stammende vertikale Abhängigkeitsstrukturen wieder zu einem solchen Regime zurückzukehren ( vgl. Merkel, 2003: 216 f. ).
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Arbeit zitieren:
Peter Schröder, 2010, Die Demokratisierung Japans, München, GRIN Verlag GmbH
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