Inhalt Seite
1. Einleitung 1
2. Massenkommunikation und interpersonale Kommunikation 2
2.1 Stimulus-Response-Modell 3
2.2 Two-Step Flow of Communication 3
2.3 Diffusion 4
2.4 Multi-Step Flow of Communication 5
2.5 Zusammenfassung 5
3. Meinungsführerschaft in Werbung und Marketing 6
3.1 Meinungsführer und ihre Merkmale 7
3.1.1 Decatur-Studie 8
3.1.2 Zusammenfassung 10
3.2 Einsatz von fiktionalen Meinungsführern 10
3.2.1 Informationsagenten 11
3.2.2 Symbolische Meinungsführer 11
3.2.3 Testimonials 12
3.2.4 Virtuelle Meinungsführer 13
3.2.5 Product Placement 13
3.2.5.1 Werbewirkung des Product Placement 14
3.2.5.2 Ein prominentes Beispiel 15
3.3 Werbung tut gut 16
4. Schlußbetrachtung 18
5. Literatur 21
Anmerkung
Diese Arbeit folgt der alten Rechtschreibung
1. Einleitung
Über die Wirkung von Massenmedien wird laufend geforscht und diskutiert. Eine Reihe von Definitionen und eine Vielzahl von Ansätzen, Theorien und Modellen macht die Beschäftigung mit diesem Thema zu einer fast unübersichtlichen Landschaft. Oft werden Medienwirkungen bloß nachge- wiesen, nicht aber erklärt. Im Zusammenhang mit jeder (neuen) Medien- technologie wie dem Internet werden Hoffnungen und Ängste diskutiert: Das Ergebnis ist oftmals apokalyptisch und fällt zugunsten einer negativen Sichtweise aus. Großes, teilweise stark übertriebenes Einflußpotential wird den Medien vor allem im Bereich der Werbung zugesprochen (vgl. Eisenstein 1994: 176). Egal, wer oder was beworben wird – die Kritik läßt nicht lange auf sich warten. Unter anderem herrscht die Annahme, die Massenmedien stimulierten durch redaktionelle und werbliche Beiträge schädliches und konfliktäres Konsumverhalten, außerdem Ausweich- Verhalten: „Verdrängung von Schwierigkeiten durch Flucht in den Konsum“ (vgl. Eicke 1991: 63). Wir gelten als Opfer von Medien und Werbung, jede Form der Einflußnahme auf unser (Kauf-)Verhalten gilt als Angriff auf unser Bewußtsein.
Viel interessanter, als von einer Allmachtstheorie der Massenmedien und einer manipulativen Macht der Werbung auszugehen, sind die Fragen: Was machen die Menschen mit den Medien? Bei welchen Einstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen haben die Massenmedien Einfluß? Wie gestaltet sich der Prozeß der Meinungsbildung? Woran orientiert sich das Konsumverhalten? Wer bewegt dazu, bestimmte Haltungen einzunehmen: Sind es Meinungsführer? Welche Eigenschaften müssen Menschen haben, um als Meinungsführer zu fungieren und als solche akzeptiert zu werden? Besonders an dieser Frage ist die Werbewirtschaft interessiert; nicht zuletzt deshalb erfährt das Meinungsführer-Konzept größtes Intreresse seitens der Werbetreibenden.
Mit dem Phänomen der Meinungsführer insbesondere in der Werbung beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Die ‘Werbeweiterpflanzer’, wie Meinungsführer auch bezeichnet werden könnten, wirken als Multiplikatoren; es ist interessant, wie die Werbewirtschaft mit dieser Zielgruppe umgeht.
Kommunikation ist eine komplexe Netzwerkstruktur, in der unzählige Variablen - wie beispielsweise das Bildungsniveau, der Lebenslauf oder das soziale Umfeld – eine entscheidende Rolle spielen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, daß interpersonale Kommunikation nicht ihre Bedeutung verliert. Wir wissen, wie unglaublich „störrisch und vergesslich“ wir sein können, wenn es um die Aufnahme ungewollter Werbebotschaften geht (vgl. Horx 2000: B3). Wir sprechen und diskutieren mit anderen Menschen, argumentieren und bringen Meinungen zum Ausdruck. Gleichzeitig hören wir Meinungen anderer, nehmen diese an oder lehnen sie ab. Nur wer völlig isoliert lebt und überhaupt keine persönlichen Kontakte pflegt, kann sich interpersonaler Kommunikation entziehen.
Medien sind ein Teil unserer Gesellschaft und ihnen kann weder Allmacht noch Ohnmacht zugesprochen werden. Viel wichtiger ist, welche Prozesse auf beiden Seiten – der des Mediums und der des Rezipienten – ablaufen. Sowohl Kommunikator als auch Rezipient haben ein Interesse an der Mediennutzung. Daß besonders die Werbewirtschaft dabei ein ökono- misches Interesse verfolgt, ist ohne Zweifel. Doch sollte der Nutzen für den Konsumenten nicht ausschließlich auf sein Informationsbedürfnis reduziert werden. Der Mensch läuft trotz „Mediatisierung“ (Merten 1994: 317) nicht Gefahr, zu ‘Eigentum’ zu werden. „Individuen kann man nicht ‘aufkaufen’. Sie haben immer einen Eigensinn, eine Störrischkeit, die sich nicht funktionalisieren läßt“ (Horx 2000: B3). Mit anderen Worten: Die Medien spielen ihr Spiel mit uns, aber wir spielen unser Spiel auch mit den Medien 1 .
2. Massenkommunikation und interpersonale Kommunikation
Wie wirken Massenmedien auf das Individuum? Wie mächtig sind sie: allmächtig oder o hnmächtig? Ist die interpersonale Kommunikation der Massenkommunikation unterzuordnen, entsteht sie nur durch diese? Sind die Medien fähig, Einstellungen der Rezipienten zu ändern und deren Meinung zu bilden? Welche Bedeutung hat Individualkommunikation im Meinungsbildungsprozeß? Die Medienwirkungsforschung versucht, diese
1 Diese Ansicht behält beiderlei Grundansätze der Medienwirkungsforschung im Auge: den
medien- sowie den publikumszentrierten Ansatz.
und andere Fragen zu beantworten – eine wirkliche und abschließende Klärung steht allerdings noch aus 2 (vgl. Mast 1994: 47).
2.1 Stimulus-Response-Modell
Zu Beginn dieses Jahrhunderts bewegte sich die Massenkommunikations- forschung resp. die Medienwirkungsforschung hauptsächlich im Rahmen des Stimulus-Response-Modells: Die klassische Reiz-Reaktions-Theorie ging davon aus, daß alle Menschen auf einen bestimmten Reiz gleich reagieren müßten (vgl. Mast 1994: 47). Zugrunde lag außerdem die Annahme, die Gesellschaft bestehe aus einer Masse. Die einzelnen Individuen seien voneinander isoliert und extrem abhängig von den Massenmedien; diese hätten deshalb eine starke Wirkung. So entstand die These von der großen Beeinflussungs- und Manipulationsmacht der Medien. Das Stimulus-Response-Modell ist ein [extrem] medienzentrierter Ansatz, der Massenkommunikation einseitig vereinfacht und die Rückwirkung der Rezipienten auf das Medium unbeachtet läßt.
2.2 Two-Step Flow of Communication
Auf der Basis der Reiz-Reaktions-Theorie und der Studie „The People´s Choice“ 3 von Paul F. Lazarsfeld, Bernard Berelson und Hazel Gaudet wurde später ein weiterer Ansatz entwickelt: Der Two-Step Flow of Communication ( Zweistufenfluß der Kommunikation). Hier lag die Annahme zugrunde, Meinungen seien wesentlich stärker durch interpersonale Kommunikation als durch Massenmedien geprägt. Neu an diesem weiterhin medienzentrierten Ansatz war die Entdeckung von Meinungsführern (englisch: opinion leaders), die eine direkte Medienwirkung auf die Empfänger unterbrechen. Nur Opinion-leader werden von den Medien erreicht und beeinflußt. Der Zweistufenfluß ist eine Verflechtung von Massenkommunikation und interpersonaler Kommuni- kation: Meinungsführer übernehmen eine Relaisfunktion (Übermitteln me-
2 Auch diese Arbeit erhebt keinen Anspruch darauf, eine endgültige Antwort oder ab-
schließende Klärung geben zu können.
3 „The People´s Choice“ ist nachzulesen bei Lazarsfeld, Paul F./ Bernard Berelson/ Hazel
Gaudet 1948. Untersucht wurde das Wahlverhalten während der amerikanischen
Präsidentschaftswahl von 1940.
dialer Inhalte) und Verstärkerfunktion (Beeinflussung der Personen ihres Umfelds) (vgl. Eisenstein 1994: 98). Anschaulicher ausgedrückt: Eine Person, der Opinion-leader, rezipiert Informationen aus einem Massenmedium und gibt diese an eine andere Person, den Opinion-follower, weiter. Opinion-leader haben einen besonderen Einfluß auf die Meinungsbildung von Individuen, die kein großes Interesse an bestimmten Themen zeigen, sich vergleichsweise selten oder gar nicht den Massenmedien zuwenden und stärker durch interpersonale Faktoren beeinflußt werden: Opinion-follower.
Kritikpunkt dieser Theorie ist die unzureichende Differenzierung zwischen vermittelten Informationen und Einstellungen. Nicht jede Informationsver- mittlung endet in Beeinflussung. Unklar bleibt auch, ob Informationen (und Themen) oder Meinungen vermittelt werden. Desweiteren bleiben jene Personen unberücksichtigt, die mitunter völlig isoliert ihren Lebensalltag verbringen und keine Sozialkontakte [also auch keine Kontakte zu Meinungsführern] pflegen, sich dagegen aber verstärkt den Medien zuwenden.
2.3 Diffusion
Mit der Differenzierung zwischen Transmission (vermittelter Information) und Persuasion (vermittelter Einstellung) beschäftigt sich die Diffusionsforschung: Unterschieden wird zwischen Diffusion und Adoption. Diffusion bezeichnet die Ausbreitung eines Gegenstands, die Verbreitung von Innovationen in einem Personenkreis 4 (vgl. Hoffmann 1976: 225). Adaption bezeichnet den Prozeß der Annahme [oder Ablehnung] des Gegenstands resp. der Innovation durch das Individuum. Der Adoptionsprozeß umfaßt Phasen wie das Kennenlernen, Abwägen und Annehmen. Opinion-leader tragen als „Vermittlergruppe“ die Diffusion in die Mehrheit (Opinion-follower) hinein. (Vgl. Hoffmann 1976: 32) Zu welcher Zeit und wie schnell eine Person den Gegenstand adoptiert, hängt von vielen Einflüssen vor allem sozialer Art ab.
4 „Im weitesten Sinne stellt Innovation immer eine Neuerung dar, wobei es sich entweder
um etwas absolut Neues oder um die Modifikationen bereits vorhandener Techniken,
Gegenstände und Ideen handeln kann“ (Eisenstein 1994: 100).
Quote paper:
Nicola Mager, 2000, "Bin ich schon drin?" - Werbung, Medien und ihre Meinungsführer, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Sprachkritik (Anglizismen, Fachsprache) - Konzept für die Unterrichtse...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Charakteristika von Meinungsführern
Interpersonelle Kommunikation ...
Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology
Termpaper, 24 Pages
Gewaltforschung - Welche Wirkung hat Gewalt in den Medien?
Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Unterrichtsentwurf für die 10. Klasse eines Gymnasiums: Pro - Contra -...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 15 Pages
Werbeeffizienz als Rahmenbedingung für die Marktkommunikation - Indik...
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 39 Pages
Literarische Sozialisation zwischen Pubertät und Adoleszenz
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Unterrichtsentwurf - Diskussion zu Themen aus dem Bereich "Segen ...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 26 Pages
Kinder und Fernsehen unter dem Aspekt von Gewaltwahrnehmung und Angstb...
Intermediate Diploma Thesis, 36 Pages
Jenseits des Wörtlichen - Theorien zu indirekten Sprechakten
German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 35 Pages
Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Die Finanzierung einer Tageszeitung
Communications - Media Economics, Media Management
Termpaper, 21 Pages
Unterrichtseinheit zum Jugendroman 'Ich knall euch ab'
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 18 Pages
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Master's Thesis, 72 Pages
Die kognitive Entwicklung nach Jean Piaget: Lernpsychologische Implika...
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Arbeitsteilige Erarbeitung, Anwendung und Reflexion ausgewählter Metho...
Business economics - Trade and Distribution
Lesson Plan, 25 Pages
Theoretische Aspekte des Lernfeldkonzeptes
Pedagogy - Job Education, Occupational Training, Further Education
Termpaper, 17 Pages
Drama "Voll auf der Rolle": Erarbeitung und Reflexion von Sz...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 9 Pages
Nicola Stefani's text "Bin ich schon drin?" - Werbung, Medien und ihre Meinungsführer is now available as a printed book
Nicola Stefani has published the text "Bin ich schon drin?" - Werbung, Medien und ihre Meinungsführer
Nicola Stefani has uploaded a new text
Fachwörterbuch Marketing, Werbung und Medien. Dictionary of Advertisin...
Deutsch-Englisch. English-Germ...
Boris Pawlenka, Karen Heumann
Werbung in der Medien- und Informationsgesellschaft
Eine kommunikationswissenschaf...
Gabriele Siegert, Dieter Brecheis
Meinungsführer in der interdisziplinären Forschung
Bestandsaufnahme und kritische...
Matthias Dressler, Gina Telle
Grundlagen und theoretische Pe...
Heinz Bonfadelli, Thomas N. Friemel
0 comments