INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung 1
II. Hauptteil
1. Vom Lateinischen ins Spanische 3
2. Bedeutungswandel 4
3. Wortbildung 4
4. Entlehnung 4
III. Semantischer Wandel 5
1. Definition
2. Die Ullmannsche Theorie 5
3. Aktuelle Definition nach Lehmann 6
4. Bedeutungsschwund, Bedeutungsinnovation und Polysemie 7
5. Tropen 8
a. Metapher 8
b. Metonymie 9
c. Generalisierung 9
d. Spezialisierung 9
IV. Grammatischer Wandel 10
1. Aktuelle Definition nach Lehmann 11
2. Beispiele für grammatischen Wandel 11
3. Bedingen sich semantischer und grammatischer Wandel? 14
4. Motiviertheit des Wandels 15
V. Schluss
Zusammenfassung 16
VI. Literatur 19
VII. Anhang 20
I. EINLEITUNG
Die gesprochene Sprache ist im Vergleich zur geschriebenen Sprache stets im Wandel und unterzieht sich stets Veränderungen. Der Sprachwandelprozess an und für sich ist schwierig zeitlich einzugrenzen. Gibt es einen Anfang einer Sprache? Wo liegt er? Sicherlich hat sich die Sprache parallel zur Evolution den Menschen und ihrer Umgebung angepasst. Im Laufe der Zeit haben sich immer neue Wörter gebildet, denen eine bestimmte Bedeutung zuzuordnen ist. Auf der anderen Seite gibt es heute bestimmte Wörter nicht mehr, die einmal alltäglich waren. Oder es gibt heute Wörter, die in ihrer Erscheinungsform anders auftreten, als noch in ihrer eigentlichen Ursprungsform. Signifikat und Signifikant, um hier Saussures exemplarische und allgemeingültige Darstellung eines Wortes zu erwähnen, wie wir es in seiner Bedeutung und in seiner Form erkennen, sind ständig im Wandel.
In der vorliegenden Hausarbeit soll an Hand von Beispielen zunächst untersucht werden, was semantischer und was grammatischer Wandel ist, also die Bedeutung eines Wortes und auf der anderen Seite die Grammatikalisierung eines Wortes.. Die Ergebnisse werden im Anschluss gegenübergestellt und in ihrer Abhängigkeit zu einander untersucht. Der Frage, ob es eine gewisse Reihenfolge in der Abfolge des Wandels gibt, soll ebenso im Verlauf der Arbeit nachgegangen werden. Die Forschung über Wandelprozesse in der Sprachwissenschaft ist vor allem durch Eugenio Coserius Untersuchungen geprägt, der in seinen Forschungen der Sprachwissenschaft ein leitendes Bild ausmacht. Im Juni 2010 veröffentlichte Professor Christian Lehmann, Professor für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Erfurt, auf seiner Homepage (s.u.) seine Forschungsergebnisse zu den Bereichen grammatischer und semantischer Wandel. Die Untersuchungen zu semantischen oder grammatikalischen Sprachwandelprozessen ist jedoch meines Erachtens vor allem Paul Gévaudan gelungen, der in seinem Buch Typologie des lexikalischen Wandels. Bedeutungswandel, Wortbildung und Entlehnung am Beispiel der romanischen Sprachen, das in Deutschland 2007 erschien, an verschiedenen Beispielen deutlich macht, wie sich Sprachwandel in semantischer und grammatikalischer Hinsicht vollzieht. Er bezieht sich in seinen Forschungen, wie man es dem Titel leicht entnehmen kann, ausschließlich auf die romanischen Sprachen. Ich möchte mich in dieser Arbeit an den Untersuchungen Gévaudans orientieren und einen Überblick über die
1
Veränderungen der Bedeutungen und Formen einzelner Wörter geben. Demnach lässt sich feststellen, dass sich die sprachwissenschaftliche Forschung aktuell diesem Thema widmet und noch immer nicht abgeschlossen ist.
Die Bedeutung und die Erscheinungsform eines Wortes oder eines ganzen Ausdrucks beschäftigt die Wissenschaftler nun seit der Gründung jener Forschungsdisziplin, die sich durch Saussures Erkenntnis geprägt wurde. Er erkannte, dass sich jeder einzelne etwas anderes vorstellt, wenn er den Begriff Pferd hört. Das Wort in seiner Erscheinungsform ist die Abfolge der Buchstaben P-F-E-R-D. Sie ergeben diesen einen lautlichen Ausdruck, den der Hörer als das Säugetier mit vier Beinen erkennt, auf dem man reiten oder es als Arbeits- beziehungsweise Nutztier in der Landwirtschaft einsetzen kann. Doch die Vorstellung jedes einzelnen ist eine andere. So stellt sich der eine einen schwarzen Hengst vor, der andere eine weiße Stute und der Dritte wiederum sieht vor seinen Augen einen graugescheckten Schimmel. So lässt sich bereits hier erkennen, dass jede Vorstellung eines bestimmten Wortes oder eines Ausdrucks bereits gesammelter persönlicher Erfahrungen unterliegt, die sich ein ganz bestimmtes Bild in unserem Kopf erscheinen lassen.
Das Wort Leiter hat nun zwei verschiedene Bedeutungen. Zunächst ist die Erscheinungsform der Abfolge der Buchstaben L-E-I-T-E-R die Erscheinungsform des Wortes. Sie ist lexikalisch so festgesetzt und man findet das Wort im Wörterbuch wieder. Die Bedeutung jedoch ist nun kontextuell abhängig. Wenn der Sprecher von einer Gruppe erzählt, die einer bestimmten Führungsperson unterliegt, ist hier der Leiter im Sinne eines Gruppenführers die Rede. Im anderen Fall möchte der Sprecher einen Apfel, der weit oben am Baum hängt, pflücken. Nun braucht er eine Leiter, die ihm als Verlängerung dient um den Apfel vom Baum zu pflücken. Hier ändert sich nun die Bedeutung im Vergleich zum ersten Beispiel. Die Leiter dient hierbei als Hilfsmittel zur Ernte.
Hierdurch wird deutlich, dass die Semantik eines Wortes unterschiedlichen Situationen zuzuschreiben ist. Es muss demnach einen Zeitpunkt gegeben haben, als sich ein Wandel in der Semantik vollzogen hat. Irgendwann muss es außerdem diachronisch betrachtet eine zeitliche Phase gegeben haben, in der sich zwei unterschiedlichen Bedeutungen für das Wort Leiter herausgebildet haben.
Dieser und weiteren Fragen soll im weiteren Verlauf der Arbeit nachgegangen werden.
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HAUPTTEIL II. Vom Lateinischen ins Spanische
1. Zunächst gilt es zu untersuchen, wie sich ein bestimmtes Wort 1 verändert hat und auf welcher Ebene dies geschehen ist. Die folgenden Beispiele sind aus dem oben genannten Buch Gévaudans entnommen und zeigen sowohl die etymologischen Ursprungsformen in Lateinischer Sprache auf, als auch die Wörter in den heutigen romanischen Sprachen.
Das Spanische weist heute in seinem Wortschatz eine Ansammlung an Wörtern auf, die der lateinischen Ursprungsform noch immer sehr ähnlich sind. Hier soll im Folgenden die Veränderungen in Weiterführung beziehungsweise Abwandlung am Beispiel sp. rueda ‚Rad‘ gezeigt werden. Seine lateinische Vorform ist lt. rota ‚Rad‘. (A) Sp. rueda ‚Rad‘ Å lt. rota ‚Rad‘
Das etymologische Erbwort rueda ist kontinuierlich in der spanischen Sprache tradiert worden. Diese lexikalische Kontinuität wird demnach erkennbar durch die Beibehaltung der etymologischen Ursprungsform in ihrer Bedeutung und Form. Das Signifikant und Signifikat werden beibehalten. 2
Der lexikalische Wandel passiert offenbar nicht von heute auf Morgen. Es dauert eine gewisse Zeit bis ein Wort, so wie wir es in seiner Form kennen und es uns durch Anlesen seiner Bedeutung bewusst geworden sind. Im nächsten Schritt wird es mit dieser Bedeutung in das grammatische System aufgenommen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass sich das Wort im Laufe seiner Veränderung mehr oder weniger verändert hat, sozusagen Höhen und Tiefen durchlaufen hat. Am Beispiel von lt. rota ‚Rad‘ sollen im Folgenden diese Höhen und Tiefen aufgezeigt werden. (B) Sp. rodilla ‚Knie‘ Å altsp. rodilla ‚Kniescheibe‘ (C) Sp. rodillada ‚Kniefall‘ Å sp. rodilla ‚Knie‘ (D) Sp. rótula ‚Kniescheibe‘ Å lt. rotula ‚Kniescheibe‘
1 Ein Wort ist eine lexikalische Einheit und nach Saussure das Verhältnis zwischen Signifikant und
Signifikat.
2 Der Lautwandel wird hier nicht berücksichtigt und bleibt deshalb unerwähnt.
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2. Während bei (B) das spanische Wort rodilla im Altspanischen noch ‚Kniescheibe‘ bedeutete, ist heute seine Bedeutung ‚Knie‘. Das heißt, dass rodilla im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel vollzogen hat, der heute bei ‚Knie‘ angekommen ist. Das Signifikant ist kontinuierlich weitertradiert worden, während das Signifikat nicht mehr das selbe ist. Die Semantik des Wortes hat sich also im Laufe der Zeit und der Sprachwandlung verändert.
3. Eine Wortbildung ist bei (C) geschehen. Dem Ursprungswort gegenüber liegt es in seiner Bedeutung nun verändert vor. Neben der semantischen Veränderung hat sich im Laufe der Zeit eine weitere morphologische Veränderung vollzogen. Das Suffix -ada tritt in der heutigen Form in Erscheinung. Es ist somit sowohl semantisch, als aber auch grammatisch verändert worden. Damit sich eine Differenzierung der Bedeutung klar ausmachen lässt, ist das Wort durch das genannte Suffix erweitert worden. Der Sprecher muss sich keine Gedanken machen, ob der Hörer ihn rein kontextuell oder auch ohne einen Zusammenhang versteht.
4. Der lexikalische Wandel im Beispiel (D) ist zwar weder semantischer, noch morphologischer Natur, jedoch ist er durchlaufen worden, da hier eine Entlehnung vorliegt. Das Wort ist, mit Ausnahme des betonungsweisenden Aktzenten, in seiner ursprünglichen Erscheinungsform kontinuierlich weitertradiert worden. Außerdem ist die semantische Bedeutung dieselbe geblieben.
Es ist festzuhalten, dass jedes spanische Wort, das seinen Ursprung im Lateinischen hat, entweder eine kontinuierliche lexikalische Tradierung oder eine lexikalische Veränderung vollzogen hat. Letzteres ist, wie in den Beispielen (B), (C) und (D) erläutert, Folge von Bedeutungswandel, Wortbildung oder Entlehnung. Somit ist es in den Wortschatz des Spanischen gelangt und in das grammatische System aufgenommen worden. Die Entwicklung eines Wortes ist einerseits somit ein Zusammenspiel aus den oben genannten Komponenten. Andererseits ist ein Wandel eines Wortes immer mit einer Abweichung der Ursprungsform verbunden - es tritt hier eine Diskontinuität auf. Erst das Erkennen auf Seiten des Rezipienten, des Zuhörers, trägt dazu bei, dass sich ein Wort verändern oder tradiert werden kann. Das heißt, es wird vom Hörer erkannt und in das sprachliche System aufgenommen, weil es eine bestimmte Bedeutung hat. Im Zuge dessen wird es schließlich vom Rezipienten weitertradiert, wenn dieser zum Sprecher wird. Der Kreis schließt sich somit.
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Arbeit zitieren:
Joachim Golly, 2010, Sprachwandelmuster: semantischer vs. grammatischer Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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