Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Verzeichnis wichtiger Variablen und Parameter VI
1. Problemstellung 1
2. Auswirkungen eines Salary Caps auf die sportliche Ausgeglichenheit 2
2.1 Entstehung von Ungleichgewichten in einer unregulierten
Fu ßballliga 2
2.2 Erhöhung der sportlichen Ausgeglichenheit gewinnmaximierender
Klubs durch Einführung eines Salary Caps? 5
2.2.1 Salary Cap nach amerikanischem Vorbild 5
2.2.2 Salary Cap nach europäischem Vorbild 12
2.3 Zwischenfazit 19
3. Auswirkungen von Ausgabenbeschränkungen auf
das Investitionsverhalten von Fußballverein 22
3.1 Überinvestitionsrisiko in einer unregulierten Fußballliga 22
3.2 Minderung des Überinvestitionsrisikos durch
Beschr änkung der Ausgaben? 25
3.2.1 Gewinnmaximierendes Verhalten der Vereine bei
Investition in Spielstärke 25
3.2.2 Verhaltensänderung durch Einführung
eines Salary Caps 32
3.3 Zwischenfazit 38
III Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
4. Auswirkungen eines Salary Caps auf die Ausbildungsentscheidung von Fußballvereinen…………………………….40
4.1 Gegenwärtige Ausbildungsproblematik im Fußball………………….…….40 4.2 Ausbildungsanreiz durch Begrenzung der Gehaltsausgaben?.......................43
4.3 Zwischenfazit……………………………………………………………....60 5. Ausblick………………………………………………………………………..63
Anhang…………………………...……………………………...………………….65
Literaturverzeichnis…………………………………………………………...….VIII
IV Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Abbildungsverzeichnis
Abbildung
2.1: Auswirkung des nordamerikanischen Salary Caps auf die sportliche Ausgeglichenheit…………………………………………….10
2.2: Auswirkung des europäischen Salary Caps auf die sportliche Ausgeglichenheit…………………………………………….16
2.3: Auswirkung des europäischen Salary Caps
auf die sportliche Ausgeglichenheit, wenn nur ein Verein betroffen ist.……….19
3.1: Gemischte Investitionsstrategien in einem unregulierten Wettkampf….…...….29
3.2: Überinvestitionsrisiko in Abhängigkeit der Siegprämienrelation in einem unregulierten Wettkampf……………………….31
3.3: Gemischte Investitionsstrategien nach Einführung eines Salary Caps…………35
3.4: Überinvestitionsrisiko in Abhängigkeit der Siegprämienrelation nach Einführung eines Salary Caps………………………37
4.1: Ausbildung bei gleichmäßiger absoluter Weitergabe einer Gehaltssummenobergrenze……………………………………………….47
4.2: Ausbildung bei gleichmäßiger prozentualer Weitergabe einer Gehaltssummenobergrenze……………………………………………….49
4.3a: Ausbildung des talentierten Spielers bei Weitergabe einer Gehaltssummenobergrenze zu Lasten der weniger talentierten Spieler….52
4.3b: Ausbildung des weniger talentierten Spielers bei Weitergabe einer Gehaltssummenobergrenze zu Lasten der weniger talentierten Spieler….55
V Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
4.4a: Ausbildung des Starspielers bei individueller Gehaltsobergrenze……………..57
4.4b: Ausbildung des weniger talentierten Spielers bei individueller Gehaltsobergrenze……………………………………………59
VI Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Verzeichnis wichtiger Variablen und Parameter
: Durchschnittserlös des Vereins i
: Steigungsparameter der Erlösfunktion
: Gesamtkosten des Vereins i
: Grenzkosten des Vereins i
: Fixkosten für Kapital des Vereins i
: Kosten der Ausbildung in Abhängigkeit des Ausbildungsniveaus
Gehaltsobergrenze, Salary Cap, Gehaltssummenobergrenze, nach Version .
: Differenzbetrag in Zustand j
: Erwartete Gesamtausgaben
: Kumulierten Verteilungsfunktion
: Output, Produktivität eines Spielers in Abhängigkeit des Ausbildungsniveaus
: Marktgröße des Vereins i
: Grenzerlös des Vereins i
: Gewinnwahrscheinlichkeiten des Vereins i in Abhängigkeit der Investitionshöhe der Vereine i,j
: Erlös in Abhängigkeit der Marktgröße und Talenteinheiten
: Investitionshöhe der Vereine i,j
: Siegprämie des Vereins i
: Maximallohn
VII Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
: Mindestlohn
: Lohn eines Spielers in Abhängigkeit des Ausbildungsniveaus
: Anzahl an Talenteinheiten des Vereins i
: Prozentsatz zur Ermittlung der Gehaltsobergrenze
: Sensor für Sensibilität der Gewinnwahrscheinlichkeit bei Veränderung der Investition in Spielstärke
: Differenzbetrag zwischen Output und Lohn
: Kürzungsparameter
: Gewinn des Vereins i
: Ausbildungsniveau
: Überinvestitionsrisiko in Abhängigkeit der Sieprämie
1 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
1. Problemstellung
Zunehmend wird von Fußballfunktionären eine Gehaltsobergrenze (sog. Salary Cap) für den europäischen Fußball gefordert (vgl. Kesenne, 2003, S.4). Die dabei einhergehende Diskussion ist so alt, wie die Salary Caps selbst. Befürworter sehen sich in der zunehmenden Verschuldung europäischer Fußballvereine und der steigenden sportlichen Unausgeglichenheit bestätigt, und greifen nicht selten auf positive Erfahrungen der nordamerikanischen Profiligen zurück. Die Formel scheint einfach: Der ökonomische Wettbewerb muss beschränkt werden, um den sportlichen zu erhöhen. Gegner zweifeln an der Wirksamkeit oder lehnen einen regulierenden Eingriff in den Fußballmarkt ab.
Ausgehend von der Unsicherheitshypothese, die besagt, dass der Wert einer Liga mit dem Grad an Unsicherheit über den Ausgang eines sportlichen Wettbewerbs steigt, wird mithilfe eines mikroökonomischen Modells untersucht, inwieweit ein Salary Cap die Spannung eines Wettbewerbs erhöhen kann und inwieweit es legitim ist, sich auf erfolgreiche Ergebnisse nordamerikanischer Salary Caps zu stützen, die in ihrer Ausgestaltung mit der europäischen Variante wenig gemein haben.
Der Überschuldungsproblematik von Fußballvereinen wird anhand eines spieltheoretischen Modells auf den Grund gegangen, wobei untersucht wird, ob die plakativ geäußerte Gefahr der Überinvestition tatsächlich gegeben ist und ob das mögliche Überinvestitionsrisiko durch einen Salary Cap gesenkt werden kann.
Die einseitige Fokussierung in der öffentlichen Diskussion auf diese beiden genannten Aspekte vernachlässigt weitere Bereiche des Profifußballs, die durch eine Gehaltsobergrenze betroffen werden. Durch eine arbeitsmarktökonomische Analyse der Wirkung einer Gehaltsrestriktion auf die Ausbildungssituation, leistet diese Arbeit einen kleinen Beitrag, übersehe Effekte zu durchleuchten.
2 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
2. Auswirkungen eines Salary Caps auf die sportliche Ausgeglichenheit
„Oh Lord, make us good, but not that good” (Neale, 1964, S. 2).
2.1 Entstehung von Ungleichgewichten in einer unregulierten Fußballliga
Warum entstehen Ungleichgewichte? Sind diese negativ zu bewerten? Zur Beantwortung dieser Fragen muss zunächst festgelegt werden, wie sich die Wohlfahrt einer Fußballliga bestimmt. Die wichtigste Determinante ist die Unsicherheit des
sportlichen Ausgangs. Wird von der Gültigkeit der Unsicherheitshypothese 1 ausgegangen, steigt der Wert einer Fußballliga bzw. der Wert des Meisterschaftsrennes mit der Spannung des Ausgangs der Meisterschaft und folglich besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Spannung und der Anzahl an Vereinen, die noch Einfluss auf den Ausgang des Rennens nehmen können (vgl. Dietl/Franck 1999, S. 10). Vereine profitieren daher von möglichst vielen starken, gleichzeitig gerade noch schwächeren, Konkurrenten. In der Literatur wird diese Situation nach Neale (1964) als „Louis-Schmeling Paradox“ bezeichnet (vgl. Neale 1964, S.1ff.). Aus ökonomischer Sicht maximierte der Schwergewichtsweltmeister Joe Louis bei seinem Kampf gegen Max Schmeling seinen Gewinn aufgrund ähnlicher Stärke und der Konkurrenzfähigkeit Schmelings. Die Erhaltung ähnlich starker Mitbewerber, in der Literatur häufig auch als assoziative Konkurrenz (vgl. Heinemann 1995, S.186.) oder Kooperenz (vgl. Zieschang, Woratschek, Beier 2004, S.7) bezeichnet, manifestiert den Unterschied des Fußballmarkts zum herkömmlichen ökonomischen Wettbewerbsmarkt, der durch antagonistisches Verhalten der Teilnehmer einer Marktseite geprägt ist, deren Ziel die Bekämpfung der Konkurrenten zur Erhöhung der Gewinne ist.
1 In der sportökonomischen Literatur wird diskutiert, inwiefern diese richtig ist. Szymanski (2005) vertritt
die Meinung, dass Spieler dort spielen sollten, wo deren Grenzproduktivität am höchsten ist.
3 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Meisterschaftsrennen 2 und Spannung des sportlichen Wettkampfes können folglich als ein Teamprodukt aufgefasst werden, an dessen Produktion alle der Liga angehörenden Vereine beteiligt sind (vgl. Alchian/Demsetz 1972, S.779 ff.; Dietl/Franck 1999, S. 11.). Tätigt ein Verein vom Ligadurchschnitt abweichende Talentinvestitionen, kann dies zu einer Beeinträchtigung der sportlichen Ausgeglichenheit und damit einhergehend zu einem Rückgang des Ligagesamtgewinns führen (vgl. Franck 2000, S. 56). Die überhöhte Investition eines Klubs verursacht einen negativen externen Effekt auf alle anderen Klubs: Lassen die ihren Kader unverändert, sinkt die für den Ausgang des Wettkampfes entscheidende relative Stärke, wodurch eine geringe Spannungsintensität entsteht, die zu verminderten Vermarktungseinnahmen führt (vgl. Enderle 2000, S. 19ff.; Swieter 2002, S.72ff.). Ungleichgewichte in einer unregulierten Liga sind folglich aus Sicht des Kollektivs negativ zu bewerten.
Warum kommt es zu überdurchschnittlichen Investitionen der Vereine, obwohl dadurch der Ligagesamtgewinn sinkt? Dies liegt daran, dass, neben dem Unsicherheitsfaktor als entscheidender Determinante der Wohlfahrt einer Liga, Vereine Anreize haben, durch erhöhte Spielstärkeinvestitionen ihren individuellen Gewinn zu maximieren, und es folglich zu einer Diskrepanz zwischen individuellen Anreizen der Vereine und den kollektiven Anreizen einer Liga kommt. Von einer Erhöhung ihrer Qualität profitieren diese Vereine demnach ausschließlich individuell, während die negativen Nachfrageeffekte durch einen Rückgang an Spannung von der gesamten Liga getragen werden. Anreize, überdurchschnittliche Investitionen in Spielstärke zu tätigen, steigen mit der Höhe der individuellen Erlöspotentiale. Vereine haben aufgrund unterschiedlicher Einzugsgebiete oder differierenden Fanrückhalts in der Bevölkerung inhomogene Erlöse durch Fernsehübertragungen oder Merchandising. Je höher der finanzielle Erfolg bei sportlichem Triumpf ausfällt, desto größer ist die Bereitschaft Investitionen in Spielstärke zu tätigen. Die Konsequenz sind unterschiedliche sportliche Leistungsfähigkeiten. Ein positiver Zusammenhang zwischen finanzieller
2 Das Produkt Meisterschaft unterliegt einem zweistufigen Produktionssystem, bei dem in der ersten Stufe
auf Vereinsebene die Vorbereitung und Bereitstellung der Inputfaktoren stattfindet und in der zweiten
Stufe die Produktion des vermarktungsfähigen Produktes „Meisterschaft“ durch Kooperation der Klubs
gemeinsam hergestellt wird. Von Relevanz für dieses Kapitel ist nur die zweite Produktionsstufe, weshalb
die erste vernachlässigt wird.
4 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Leistungsfähigkeit und sportlichem Erfolg ist von Lehmann/Weigand empirisch nachgewiesen worden (vgl. Lehmann/Weigand 1997, S.393). Unterschiedliche sportliche Leistungsfähigkeiten erhöhen wiederum die Einnahmedifferenzen zwischen den Vereinen, wodurch es zu einer Zunahme der Unausgeglichenheit kommt. Daraus resultiert die Abnahme des Spannungsgrades und aufgrund dessen die Abnahme des Zuschauerinteresses. Zweifellos ist damit der Ligawettbewerb umso unausgeglichener, je heterogener die Erlöspotentiale der Vereine sind.
Die Existenz europäischer Wettbewerbe („Superwettbewerbe“) verstärkt das beschriebene Problem. Teilnehmende Vereine können durch den daraus resultierenden erhöhten Umsatz Verluste der einheimischen Liga kompensieren. Durch Einnahmen über mehrere Spielzeiten können sich sogar große Unterschiede in der Finanzkraft der Vereine ergeben, sodass der Ligabetrieb aufgrund der Vorhersehbarkeit und sinkenden Unterhaltungswerts an Spannung verliert. Streben Vereine eine Dominanzposition in der einheimischen Liga an, entspricht dies für den jeweiligen Verein daher durchaus rationalem Verhalten. Dieses Verhalten würde von vollständig informierten, gewinnmaximierenden Vereinen erst dann unterbunden, wenn die zusätzlichen Erlöse aus internationalen Wettbewerben den Rückgang an Einnahmen der einheimischen Liga nicht mehr kompensieren würden (vgl. Swieter 2002, S.75).
Dieser Problematik kann man auf unterschiedliche Weise begegnen. Die Liga könnte auf Umverteilungsmaßnahmen setzten. Diese nivellieren die unterschiedlichen Marktpotentiale, mit der Folge, dass die Rendite der Investitionen in Spielstärke in allen Vereinen auf ein ähnliches Niveau geglättet wird. Dieser Mechanismus hat aber den Nachteil, dass, unter Umständen, Trittbrettfahrerverhalten begünstigt werden kann. Bei ausreichend hohen Umverteilungsbeträgen könnte für Vereine ein Anreiz bestehen, keine oder nur sehr geringe Investitionen in Talent zu tätigen (vgl. Franck 2000, S. 56). Der Salary Cap dagegen versucht, die Vorteile des Vereins mit höherem Erlöspotential durch Begrenzung des entscheidenden Inputs zu mindern. Ob eine Gehaltsobergrenze bezüglich des angestrebten Ziels der erhöhten sportlichen Ausgeglichenheit wirksam ist, wird im folgenden Kapitel untersucht.
5 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
2.2 Erhöhung der sportlichen Ausgeglichenheit gewinnmaximierender Klubs durch Einführung eines Salary Caps?
Obwohl in der sportökonomischen Literatur nicht selten von nutzenmaximierendem Verhalten ausgegangen wird, wird in den folgenden Ausführungen, aufgrund zunehmender Professionalisierungstendenzen im europäischen Fußball,
Gewinnmaximierung unterstellt 3 . Grundlage bietet ein Modell von Kesenne (2003) (vgl. Kesenne 2003, S.1ff.).
2.2.1 Salary Cap nach nordamerikanischem Vorbild
Zunächst wird das gewinnmaximierende Verhalten der Vereine in einer Liga, ohne exogene Regulierung betrachtet. Der Markt besteht zur Vereinfachung aus zwei Vereinen, von denen der große Klub annahmegemäß ein höheres Potential besitzt, talentierte Spieler und Zuschauer anzuziehen. Um die Analyse einfach zu halten, hängt der saisonale Erlös des Vereins i von der Marktgröße und der Anzahl an Talenteinheiten ab, wobei zur Vereinfachung wird von konstantem Talentangebot ausgegangen wird (vgl. Kesenne 2003, S.7). Die Talenteinheiten stellen die wichtigste Determinante der Siegesquote dar:
,
Marktgröße und Talenteinheiten haben einen positiven Effekt auf den Erlös, die Talenteinheiten verfügen außerdem über einen positiven, aber abnehmenden
3 Für eine Unterscheidung in gewinn- bzw. nutzenmaximierender Szenarien, siehe: Fort and Quirk
(2004).
6 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Grenzeffekt. Da Talenteinheiten einen positiven Einfluss auf die Siegesquote haben 4 , wird durch den abnehmenden Grenzeffekt der Tatsache Rechnung getragen, dass ein zu stark werdender Verein der sportlichen Ausgeglichenheit innerhalb der Liga schadet und eine angemessene Unsicherheit über den Spielausgang notwendig ist, um das Zuschauerinteresse aufrechtzuerhalten. Die Gesamtkosten des Vereins i setzten sich zusammen,
. (2.2)
Um die Situation möglichst praxisnah darzustellen, muss die Erlösfunktion die Bedingung erfüllen, dass der Verein mit größerem Erlöspotential zu jedem gegebenen Grenzkostenniveau für Talent mehr Talent einstellt als der Verein mit geringerem Erlöspotential. Folgende Form einer quadratischen Erlösfunktion erfüllt diese
Prämisse: 5
für i =1,2 und , (2.3)
wobei ein konstanter Steigungsparameter ist. Mit diesen Annahmen lässt sich das Kalkül der beiden Vereine in der Maximierung ihrer Gewinne zusammenfassen, die sich aus der Differenz zwischen Erlös und Kosten in Abhängigkeit der Talenteinheiten ergeben.
, für i =1,2 (2.4)
4 Vereinfachend ist durch die fixe Menge an Talent die Siegesquote = Anteil an Talent.
5 Beweis im Anhang A.
7 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Durch Nullsetzen der Ableitung von (2.4) nach und ergeben sich die Bedingungen erster Ordnung:
Unter der Annahme gewinnmaximierenden Verhaltens stellen die Vereine solange Talente ein, bis die marginalen Erlöse eines zusätzlichen Talents den Grenzkosten
für alle i, wobei c die markträumende Einheit der Kosten entsprechen,
für Talent darstellt. Damit ist im Gleichgewicht: . Im Gleichgewicht eines wettbewerblichen Spielermarktes entsprechen sich also die Grenzerlöse der beiden Vereine. Mit der Erlösfunktion (2.3) lauten die Grenzerlöse:
. (2.4)
Unter Beachtung der Relation lässt sich die Nachfrage nach Talent der beiden Vereine im Gleichgewicht folgendermaßen darstellen: 6
Aus den oben erläuterten Annahmen ist bekannt, dass und somit
ist. Das Ergebnis in (2.5) bestätigt, dass somit der größere Verein 1, aufgrund seines höheren Produktivitätsniveaus, im Gleichgewicht eine höhere Nachfrage nach Talent
6 Zwischenschritt im Anhang A.
8 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
. Die sportliche Ausgeglichenheit oder Competitive Balance innerhalb der Liga kann durch den Differenzbetrag , der die Spanne zwischen den Nachfragen nach Talent der beiden Klubs bemisst, ermittelt werden. Je geringer der Differenzbetrag ist, desto höher ist die sportliche Ausgeglichenheit. Für den nicht regulierten Fall ist der Differenzbetrag zwischen dem großen und kleinen Verein erwartungsgemäß positiv:
Die Gehaltsobergrenze nach nordamerikanischem Vorbild 7 limitiert die Gehaltssumme eines Vereines durch einen fixen Betrag, dessen Höhe für alle Vereine identisch ist (vgl. Kesenne 2003, S. 5). Der Ausdruck Gehaltsobergrenze ist in diesem Zusammenhang
etwas irreführend, denn sie ist vielmehr eine Gehaltssummenobergrenze. 8 Die Höhe der Obergrenze errechnet sich durch die Summe der Bruttoerlöse der Vorsaison aller Vereine, dividiert durch die Anzahl der in der Liga befindlichen Klubs, multipliziert mit einem gegebenen Prozentsatz.
als auch der Prozentsatz α werden in
Kollektivverhandlungen zwischen den Klubbesitzern und der Spielergewerkschaft
festgesetzt (vgl. Kesenne 2003, S.5). 9 Somit sehen sich die Vereine folgender Restriktion gegenüber:
7 Beispielsweise der Salary Cap in der NBA (National Basketball Association).
8 Im Folgenden werden die Begriffe „Gehaltsobergrenze“, „Gehaltssummenobergrenze“ und „Salary
Cap“ synonym verwendet.
9 Der NBA-Salary Cap zwingt Vereine mit geringerem Etat Minimumaufwendungen für Gehälter
aufzubringen, sodass dieses Design in seiner Wirkung einem Mindestlohn ähnelt. Kesenne folgert aus
9 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Die marginalen Kosten c für Talent multipliziert mit den Talenteinheiten , also die Gehaltssumme, dürfen die Maximalsumme für Gehaltsausgaben nicht überschreiten. Ein näherer Blick auf die Gleichung (2.8) zeigt, dass die Gehaltsobergrenze einen hyperbolischen Verlauf annimmt.
diesem Umstand, dass in gewissem Umfang Quersubventionierung erfolgen muss, um potentiellen
finanziellen Verlusten schwacher Vereine, die durch die Obergrenze entstehen können,
entgegenzuwirken. Eine derartige Ausgestaltung des Regulierungsinstruments entspricht einer
Kombination von Salary Cap und Finanzausgleich. Um den isolierten Effekt dieser
Gehaltssummenobergrenze zu modellieren, werden allerdings Mindestaufkommen sowie
Ausgleichszahlungen vernachlässigt. Dies ist unbedenklich, da die Wirkungen (in vermindertem Maße)
bestehen bleiben.
10 Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fußball
Abbildung 2.1: Auswirkung des nordamerikanischen Salary Caps auf die sportliche Ausgeglichenheit. Quelle: Kesenne (2000), S. 426.
Abbildung 2.1 verdeutlicht die Marktgleichgewichte vor und nach Einführung eines Salary Caps. Der Ursprung des großen Vereins ist auf der linken Seite des Diagramms, der des kleinen Vereins auf der rechten. Die Abszisse kennzeichnet die Anzahl an Talenteinheiten , die Ordinate bildet die Kosten für Talent ab. Der Abstand zwischen den beiden Ursprüngen gibt die gesamte vorhandene Menge an Talenten an. Diese graphische Darstellung ist aufgrund der vereinfachenden Annahme einer konstanten Menge an Talent möglich. Jede zusätzliche Einheit an Talent hat daher einen doppelten Effekt. Sie verstärkt die eigene Mannschaft um eine Talenteinheit und schwächt gleichzeitig die Mannschaft des Konkurrenten um eine Talenteinheit. Im unregulierten Fall weisen beide Vereine fallende Nachfrage- oder Grenzerlöskurven auf. Da der Markt für Verein 1 größer ist, befindet sich seine Nachfrage nach Talent für jedes Gehaltsniveau oberhalb der Nachfrage von Verein 2. Die Ordinatenabschnitte entsprechen den Marktgrößen des jeweiligen Vereins, die
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Denis Gloger, 2009, Die Auswirkungen einer Gehaltsobergrenze im europäischen Fussball, München, GRIN Verlag GmbH
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