Gliederung:
1. Einleitung 3
2. Heidenproblematik im „Reinfried von Braunschweig“ 4
2.1. Allgemeine Einordnung 4
2.2. Inhaltszusammenfassung 5
2.3. Heidenkampf 6
2.3.1. Reinfrieds Ankunft im Heiligen Land 6
2.3.2. Gegenwehr der Heiden und Belagerung 7
2.3.3. Ausbruch der Christen 8
2.3.4. Zweite Belagerungsphase 8
2.3.5. Zweikampf 9
2.3.6. Verhandlungen um die Zwangstaufe 11
2.3.6.1. Argumentation des Perserkönigs gegen eine Zwangstaufe 11
2.3.6.2. Reinfrieds Überlegungen und Entscheidung gegen die Zwangstaufe 11
3. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Kreuzzugsdichtung „Reinfried von Braunschweig“ (im Folgenden mit RvB abgekürzt). Im Rahmen des Referates zum Seminar „Kreuzzugsdichtung“ habe ich mich mit dem Textausschnitt zum Taufgespräch zwischen Reinfried von Braunschweig und dem Perserkönig im RvB beschäftigt. In dieser Arbeit soll dieses Thema ausgebaut werden und in das Gesamtwerk und im Speziellen den Kreuzzugsteil eingeordnet werden.
Das Besondere an diesem Abschnitt ist die Tatsache, dass dem heidnischen Perserkönig die Taufe erlassen wird. Angesichts der zuvor beschriebenen, äußerst brutalen Vorgehensweise der Kreuzritter ganz im Sinne des ‚miles christianus’ ist dieser Bruch in der Erzählung widersprüchlich und wirft Fragen auf. Gunda Dittrich-Orlovius zum Beispiel deutet diesen 1 . Widerspruch als Zeitklage des Autors gegenüber der Kreuzzugsideologie Ich möchte untersuchen, wie sich dieser Widerspruch zwischen der traditionellen Vorgehensweise und dem Toleranzgedanken im RvB niederschlägt, ob sich eventuell noch mehr Kritik an der allgemeinen Kreuzfahrerpraxis den Heiden gegenüber findet, wie sich diese darstellt und welche Lösungsansätze geboten werden.
Daraus ergibt sich folgendes Thema: Die Auseinandersetzung mit der Heidenproblematik und insbesondere der Zwangstaufe im „Reinfried von Braunschweig“. Für die Bearbeitung des Themas habe ich mich zuerst anhand der Fachliteratur mit den Entstehungsumständen und dem Aufbau des RvB auseinandergesetzt, um mir einen Überblick zu verschaffen. Anschließend habe ich den Kreuzzugsteil gelesen und bezüglich des Umgangs mit den Heiden exzerpiert und eine Interpretation vorgenommen. Diese Ausführungen habe ich mit Meinungen aus der verwendeten Fachliteratur ergänzt. Dementsprechend gestaltet sich die Gliederung meiner Arbeit chronologisch anhand des Handlungsverlaufs im RvB.
1 Dittrich-Orlovius, S. 115f.
3
2. Reinfried von Braunschweig
Da sich meine Arbeit mit der Heidenproblematik und insbesondere der Zwangstaufe beschäftigen wird, stellt die folgende Einordnung nur einen kurzen Abriss zu Autor und Datierung des RvB dar, um die Thematik in das Gesamtwerk richtig einordnen zu können. Anschließend gebe ich einen knappe Inhaltszusammenfassung, um den Textabschnitt der Heidenkämpfe im RvB zu lokalisieren. Der Punkt 2.3. behandelt den wichtigsten Teil der Arbeit: Der Analyse und Gliederung des Textabschnittes zum Umgang mit der Heidenproblematik und dem Toleranzgedanken im RvB.
2.1.Allgemeine Einordnung
Wichtig ist, dass der Autor und die Entstehungszeit des Werkes unbekannt sind, und sich die zeitliche Einordnung somit schwierig gestaltet. Zumal das gesamte Werk ein Fragment geblieben ist und u.a. der Epilog, in dem eventuell derartige Hinweise zu finden wären, nicht überliefert wurde. Allerdings finden sich im Text einige Hinweise zur Datierung und Bestimmung des Autors.
In ihrer Dissertation, dem „Reimwörterbuch zum Reinfried von Braunschweig“ ordnet Elsa Mathilde Skrabal den Text anhand seiner Sprache nach dem Ausschlussverfahren in den 2 . alemannischen und schließlich schweizer Raum ein Bei der näheren sozialen und beruflichen Bestimmung des Autors gehen die Forschungsmeinungen allerdings weit auseinander. Der Autor sagt über sich selbst in einem persönlichen Exkurs, „dar zuo sô bin ich âne / geburt (...), / daz ich niht von der ritterschaft / 3 . Also bezeichnet er sich als nicht adelig, aber trotzdem kann weiz, wan diu ist mir verzigen.“
man davon ausgehen, dass er einer höheren Bildungsschicht angehört haben muss, denn der Text mit seiner verwobenen Handlung voller intertextueller Verweise muss von jemandem stammen, der des Lesens und vielleicht sogar Schreibens mächtig gewesen ist. Wolfgang Achnitz bezeichnet ihn in seiner Einleitung zu der Faksimileausgabe als Angehörigen der 4 . „verhältnismäßig kleinen Gruppe der litterati“
Zur Datierung liefert die Aussage im Text, dass sich die Stadt Akkon nicht mehr in 5 Die historische Eroberung der christlicher Hand befände, den wichtigsten Anhaltspunkt.
Stadt durch die Mamelucken fand am 18. Mai 1291 statt. Dementsprechend kann man die
2 Skrabal, S. 5f.
3 RvB, V. 12820ff.
4 Achnitz, S. IX.
5 RvB, V.17980.
4
Entstehung des RvB in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts einordnen. Achnitz weist darauf hin, dass die, der realen Niederlage in Akkon gegensätzliche, fiktive Eroberung des Heiligen Grabes im RvB ihre stärkste Wirkung kurz nach dem Fall der Stadt entfaltet haben musste 6 . und gibt als Entstehungszeitraum deshalb das letzte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts an
2.2.Inhaltszusammenfassung
Bei einer Zusammenfassung des Inhalts darf man nie vergessen, dass man nur ein Fragment vor sich hat. Der Text bricht in Vers 27627 am Ende der Seite mitten im Satz ab. Der erhaltene Text lässt sich in zwei, etwa gleich große Teile gliedern. Der Text beginnt mit dem Prolog, welcher ritterliche Tugenden und den Wert gesellschaftlichen Ansehens betont. In der ersten Hälfte des RvB wird die Werbungsgeschichte Reinfrieds von Braunschweig um die Prinzessin Irkane von Dänemark beschrieben. Weil Reinfried alle Turniere, die unter den Augen der Prinzessin abgehalten werden, und somit auch ihr Herz gewinnt, schickt sie ihn in den Minnedienst, um seine Liebe zu beweisen. Gleichzeitig wird Irkane von einem Ritter erpresst und Reinfried kehrt zurück, löst das Problem und nimmt Irkane zur Frau.
Es folgt der Binnenepilog mit Exkursen über die richtige Herrschaftsausübung. Im zweiten großen Teil zieht Reinfried aufgrund der schon zehn Jahre andauernden Kinderlosigkeit des Paares und eines Traumes von Irkane in den Kreuzzug. Die Motivation ist also nicht vorrangig die Heilssuche, sondern die Erhaltung der Dynastie. So geht Reinfried in den Heidenkampf und es folgt die Stelle, mit der ich mich im Folgenden genauer beschäftigen werde: Reinfried besiegt nach langer Belagerung durch die Heiden den Perserkönig und bewirkt die Freigabe des heiligen Grabes.
Anschließend reist Reinfried in den Kaukasus, zu dem Magnetberg. Unterwegs befreit er das Pygmäen-Volk von den Riesen, und unterstützt den König von Ascalon gegen den König von Assyrien und die Amazonen. Reinfried reist weiter vorbei an den Sirenen, an den Mast gebunden wie Odysseus.
Schließlich wohnt er einer Hochzeit der Königskinder von Ascalon und Assyrien bei und erhält dort Briefe von Irkane, in denen sie seine Heimkehr erbittet. Allerdings kommt es unterwegs zu einigen Verzögerungen. Er reist nach Hause über Baylon, hat auf See mit Piraten zu kämpfen und wird durch ein Unwetter schließlich auf eine einsame Insel verschlagen. An dieser Stelle endet der Text.
6 Achnitz, S. Xf.
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Arbeit zitieren:
2007, Die Auseinandersetzung mit der Heidenproblematik und insbesondere der Zwangstaufe im „Reinfried von Braunschweig“, München, GRIN Verlag GmbH
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