INHALT
Widmung / Seite 5
Dank / Seite 9
Vorwort / Seite 13
Kein Name ist ideal:
S äbelzahntiger,
S äbelzahnkatze,
Dolchzahnkatze
Seite 15
Machairodus :
Die Säbelzahnkatze
am Ur-Rhein
Seite 29
Funde von Säbelzahnkatzen
und Dolchzahnkatzen
aus aller Welt
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Dank
Für Auskünfte, mancherlei Anregung, Diskussion und andere Arten der Hilfe danke ich:
René Bleauanus, Gorinchem, Niederlande Javier Cácaeres, Madrid Thomas Engel, geologischer Präparator, Naturhistorisches Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz Förderverein Dinotherium-Museum e. V. Eppelsheim Dr. Jens Lorenz Franzen, ehemaliger Leiter der Abt. Paläoanthropolologie und Quartärpaläontologie
am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main, ab 1. 9. 2000 im Ruhestand und seitdem ehrenamtlicher Mitarbeiter, Titisee-Neustadt Dr. Martin Lödl, Leiter der 1. Zoologischen Abteilung, Naturhistorisches Museum Wien Professor Dr. Jorge Morales, Departamento de Palaeobiología, Museo Nacional de Ciencias Naturales-CSIC, Madrid
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Heiner Roos, Altbürgermeister, 1. Vorsitzender des Fördervereins Dinotherium-Museum e.V. Eppelsheim Dr. Oliver Sandrock, Hessisches Landesmuseum Darmstadt Dr. Marina Sotnikova, Geological Institute (GIN), Russian Academy of Sciences, Moskau Shuhei Tamura, Kanagawa, Japan Frank Wouters, Antwerpen, Belgien Kees van Hooijdonk, Rucphen, Niederlande
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Modell der Säbelzahnkatze Homotherium latidens aus dem Eiszeitalter, angefertigt von dem niederländischen Bildhauer Remy Bakker aus Rotterdam
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VORWORT
Die Säbelzahnkatze Machairodus
So groß wie ein heutiger Löwe oder sogar wie ein jetziger Tiger waren manche Arten der Säbelzahnkatzen-Gattung Machairodus - zu deutsch „Schlachtmesserzahn“, die 1833 von dem Darmstädter Zoologen und Paläontologen Johann Jakob Kaup (1803-1873) erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde. Der auch in Deutschland durch Funde nachgewiesene Machairodus aphanistus beispielsweise erreichte eine Schulterhöhe von 1,10 Meter und eine Kopfrumpflänge (ohne Schwanz) von zwei Metern. Noch stattlicher wirkte Machairodus giganteus mit einer Schulterhöhe von ca. 1,20 Meter und einer Kopfrumpflänge von schätzungsweise bis zu 2,40 Metern. Zum Vergleich: Ein heutiger Sibirischer Tiger bringt es auf eine Schulterhöhe von rund einem Meter und eine Kopfrumpflänge von mehr als zwei Metern. Verschiedene Arten der Säbelzahnkatze Machairodus lebten vom Mittelmiozän vor ca. 15 Millionen Jahren bis zum Ende des Pliozäns vor etwa 2,6 Millionen Jahren in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika. Diese Raubkatze mit krummsäbeligen Eckzähnen steht im Mittelpunkt des Taschenbuches „Die Säbelzahnkatze Machairodus“ des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst, der mehrere Werke über prähistorische Raubkatzen veröffentlicht hat. Das Taschenbuch „Säbelzahnkatzen“ ist Shuhei Tamura aus Kanagawa in Japan gewidmet, der den Autor bei mehreren Buchprojekten unterstützt hat.
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Rekonstruktion der Säbelzahnkatze Machairodus aus dem Miozän von 1902
Rekonstruktion der Dolchzahnkatze Smilodon von Charles Robert Knight (1874-1953) von 1905
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Kein Name ist ideal:
Säbelzahntiger, Säbelzahnkatze,
Dolchzahnkatze
Gleich vorweg: Die Namen Säbelzahntiger, Säbelzahnkatze und Dolchzahnkatze sind allesamt mehr oder minder problematisch. Der vor allem gerne von Laien, aber auch von manchen Wissenschaftlern verwendete Ausdruck Säbelzahntiger weckt vielleicht die falsche Vorstellung, dieses Tier sei eng mit dem heutigen Tiger verwandt und immer so groß wie dieser. Auch der etwas modernere Begriff Säbelzahnkatze ist unzutreffend, weil die Eckzähne (Fangzähne) bei den verschiedenen Formen dieser Raubtiere nicht haargenau wie ein Säbel aussehen. Zudem klingt der Wortteil „katze“ bei einem bis zu tigergroßen Tier zumindest für Laien etwas merkwürdig.
Nicht nur auf Gegenliebe stößt die Aufsplitterung in Säbelzahnkatzen (englisch: saber-toothed cats, scimitar-toothed cats oder scimitar cats) und Dolchzahnkatzen (englisch: dirktoothed cats). Säbelzahnkatzen heißen - dieser Einteilung zufolge - nur schlanke Gattungen wie Machairodus und Homotherium mit verhältnismäßig langen Beinen sowie kürzeren, breiteren, stark gebogenen, krummsäbelartigen Eckzähnen. Dolchzahnkatzen wie die Gattungen Megantereon und Smilodon dagegen waren eher robust gebaut, besaßen kurze und kräftige Beine, einen gestreckten Körper und trugen längere und schmalere Eckzähne. Verwirrend ist aber, dass die 1999 beschriebene neue Gattung Xenosmilus sowohl Merkmale von Säbelzahnkatzen als auch von Dolchzahnkatzen in sich vereint. Überdies können viele Laien mit dem Begriff Dolchzahnkatzen wenig anfangen, weil ihnen seit lan-
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Amerikanischer Zoologe Theodore Gill (1837-1914)
Dinofelis auf einer
Zeichnung des japanischen Künstlers Shuhei Tamura aus Kanagawa
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ger Zeit nur die Namen Säbelzahntiger oder Säbelzahnkatze vertraut sind.
In der wissenschaftlichen Systematik gehören die Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen zu den Höheren Säugetieren (Eutheria), Raubtieren (Carnivora), Katzenartigen (Feloidea), Katzen (Felidae) und Säbelzahnkatzen (Machairodontinae). Der amerikanische Zoologe Theodore Gill (1837-1914) hat die Unterfamilie der Machairodontinae 1872 erstmals beschrieben.
Echte Säbelzahnkatzen existierten vom Mittelmiozän vor etwa 15 Millionen Jahren bis zum Ende des Eiszeitalters (Pleistozän) vor etwa 11.700 Jahren. Wenn in der Literatur noch ältere Säbelzahnkatzen erwähnt werden, handelt es sich dabei um Formen, die man heute als falsche Säbelzahnkatzen oder Scheinsäbelzahnkatzen bezeichnet. Zähne und Knochen von Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen hat man in Nordamerika, Südamerika, Asien, Europa und Afrika entdeckt. Auch in Deutschland wurden Reste von Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen geborgen. Nur aus Australien liegen keine Funde vor. Die Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen werden in der Literatur oft in drei Stämme (Tribus) aufgeteilt: Metailurini, Homotheriini und Smilodontini. Zu den Metailurini gehören folgende Gattungen: Metailurus: Miozän in Europa und Asien Adelphailurus: Miozän in Nordamerika Dinofelis: Pliozän und Pleistozän in Afrika, Europa (Frankreich), Asien und Nordamerika
Ein Teil der Wissenschaftler rechnet die Metailurini heute nicht mehr zu den Säbelzahnkatzen (Machairodontinae), sondern zu den Kleinkatzen (Felinae). Zu den Homotheriini (saber-toothed cats, scimitar-cats) gehören folgende Gattungen:
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Schädel der Säbelzahnkatze Machairodus cultridens aus dem Obermiozän. Diese Art gilt heute als Synonym von Machairodus aphanistus.
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Machairodus: Miozän und Pliozän in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika
Xenosmilus: unterstes Pleistozän in Nordamerika Homotherium: frühes Pliozän bis spätestes Pleistozän in Europa, Asien, Afrika, Nordamerika und neuerdings auch Südamerika
Zu den Smilodontini (dirk-toothed cats) zählen folgende Gattungen:
Paramachairodus: mittleres bis oberes Miozän in Europa und Asien
Megantereon: Pliozän bis Mittelpleistozän in Europa, Asien, Afrika, Nordamerika
Smilodon: oberes Pliozän bis oberstes Pleistozän in Nord-und Südamerika
In Kino- oder Fernsehfilmen werden Säbelzahnkatzen bzw. Dolchzahnkatzen oft als sehr große und furchterregende Raubtiere dargestellt. Tatsächlich besaßen nur wenige Arten ungefähr die Größe eines heutigen Löwen (Panthera leo) mit einer Höhe von einem Meter und einer Gesamtlänge bis zu 2,80 Metern oder vielleicht sogar eines Sibirischen Tigers (Panthera tigris altaica) mit einer Höhe bis zu einem Meter und einer Gesamtlänge bis zu drei Metern. Imposante Maße hatten die Säbelzahnkatzen Machairodus giganteus (ca. 2,50 Meter Gesamtlänge, 1,20 Meter Schulterhöhe) und Homotherium crenatidens (mehr als zwei Meter Gesamtlänge, 1,10 Meter Schulterhöhe) sowie die Dolchzahnkatze Smilodon populator (etwa 2,40 Meter Gesamtlänge, 1,20 Meter Schulterhöhe), die in älterer Literatur oft als größte Art der Säbelzahntiger bezeichnet wird. Viele andere Arten waren kleiner als ein Leopard (Panthera pardus), der mit Schwanz bis zu 2,30 Meter lang ist, oder ein Ozelot (Leopardus pardalis), der insgesamt bis zu 1,45 Meter lang wird.
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Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen konnten ihren Unterkiefer bis um 120 Grad nach unten aufreißen. Das versetzte sie in die Lage, ihre langen Eckzähne voll einzusetzen. Gegenwärtige Katzen können ihre Kiefer nur um 65 bis 70 Grad öffnen.
Ober- und Unterkiefer der Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen waren durch ein Scharniergelenk verbunden. Ihr Gebiss hatte je nach Gattung oder Variation innerhalb derselben unterschiedlich viele Zähne. Bei Machairodus waren es 30 Zähne, bei Homotherium und Megantereon jeweils 28 Zähne und bei Smilodon 26 bis 28 Zähne. Davon abweichende Zahlenangaben beruhen darauf, dass der sehr kleine (rudimentäre) Backenzahn in beiden Oberkieferästen oft nicht in der Zahnformel erwähnt wird.
Lücken (Diastema) ermöglichten es, dass die Eckzähne beim Schließen des Maules aneinander vorbei gleiten konnten. Die Eckzähne dienten zum Packen, Festhalten und Töten der Beute, die Reißzähne zum Abbeißen von Fleischstücken, die unzerkaut geschluckt wurden. Die Reißzähne besaßen zackige Spitzen, die beim Beißen scherenartig aneinander vorbei glitten.
Über die Lebensweise der Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen gab und gibt es immer noch viele Diskussionen. Heute überwiegt die Ansicht, sie seien aktive Räuber gewesen. Gelegentlich heißt es aber auch, sie könnten sich als reine Aasfresser ernährt haben. Der niederländische Experte Kees van Hooijdonk aus Rucphen vermutet, Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen könnten versucht haben, anderen Raubkatzen die Beute abzunehmen, wenn sich Gelegenheit dafür bot. In Zeiten der Knappheit hätten sie vielleicht auch Aas gefressen. Wegen des teilweise recht großen Körpers mancher Arten nimmt man an, diese hätten recht stattliche Beutetiere zur Strecke bringen können.
Umstritten ist, ob Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen auch riesige erwachsene Rüsseltiere oder zumindest deren Jung-
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die Säbelzahnkatze Machairodus, München, GRIN Verlag GmbH
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