diese nicht mehr als gegeben wahrnehmen, sondern routiniert in unsere Alltagshandlungen implizieren, als Domestizierung der Medien (vgl. ebd. S. 15). Im beschriebenen Ansatz steht das Zuhause als Kontext der Medienaneignung im Vordergrund. Im Domestizierungsansatz als Forschungsfeld wurden erstmals ethnografische Forschungsmethoden zum Einsatz gebracht, mit welchen versucht wurde im „Häuslichen gesellschaftliche Fragen aufzuspüren“ (ebd. S. 19), was zum Ergebnis führte, dass die Integration der Medien in den Haushalt im Wesentlichen
vier Phasen unterliegt.
Diese vier Phasen sind: Anschaffung, Platzierung (inklusive Veränderung der Räume), Integration in die alltäglichen Routinen und als vierter Schritt werden die Veränderungen der Gesellschaft gesehen, die dieser Wandel mit sich bringt (vgl. Silverstone u.a. 1992: S. 20f in Röser 2007: S. 21). Dementsprechend eignet sich der Domestierzierungsansatz als disziplinärer Hintergrund für die gewählte Fragestellung, da das „Zuhause als relevanter Kontext der Medienaneignung“ (ebd.) neben den Veränderungen von Räumen die mit der Integration neuer Medien- und Kommunikationstechnologien in das Zuhause einhergehen, hinterfragt werden. Jutta Röser meint, dass das alltägliche Medienhandeln des Einzelnen geprägt durch soziodemografische Faktoren wie Schichtzugehörigkeit, finanzielle Lage, Familienstruktur etc. ist, was den häuslichen Medienkonsum zu einem gemeinschaftlichen Sache macht, die maßgeblich von heimischen Strukturen beeinflusst wird (vgl. ebd. S. 17). Daneben meint Röser, dass die mediale Kommunikation in enger Relation zur familiären Kommunikation steht (vgl. ebd.).
In der gewählten Fragestellung interessieren neben den familiären Bedeutungen eben auch die Bedeutungen der Musiknutzung für die Jugendlichen bzw. wie sich jugendliche Abnabelungs- bzw. Loslösungsprozesse (vom familiären Alltag) auf den Umgang und die Nutzung von Radio und Musik auswirken. Um Antworten auf die genannten Fragestellungen zu finden, entschied ich mich für die Durchführung offener Leitfadeninterviews, da eine offene Gesprächsstruktur den Befragten ermöglicht sich selbständig zu Themen zu äußern. Dadurch können die Bedeutungs-und Relevanzstrukturen der Befragten zugänglich werden einerseits, das Gesagte bleibt aber trotzdem zentriert auf das Thema andererseits. Ein im Vorhinein
2
entwickelter Leitfaden diente der Strukturierung des Interviewverlaufs und der späteren Vergleichbarkeit der Daten. Demnach konnten sich die Befragten durch den offenen Gesprächsstil frei über ihre familiäre Situation, ihre Wohnräume sowie ihre Radio- und Musikrezeption erzählen und in ihrem eigenen Ermessen ihre Erlebnisse und Wertigkeiten preisgeben. Zudem wurden mir dadurch der Einblick in teils sehr persönliche Themen und deren Valenz für die Interviewten möglich. Um eine gelungene Interviewsituation herzustellen ist die Erfüllung einiger Kriterien notwendig. Zu diese Kriterien zählt Mayering die Art des sprachlichen Zugangs, der Aufbau einer vertrauten Situation, neben der Neutralität (des/der Forschers/in) und Offenheit gegenüber anderen, möglicherweise mehr oder weniger relevanten Themen (vgl. Mayering 2002: S.69).
Im Zuge der Erhebung habe ich vier Jugendliche zu ihrer Musik- und Radionutzung befragt. Um geschlechterspezifische Unterschiede festzustellen wurden je zwei männliche und je zwei weibliche Jugendliche interviewt. Alle Befragten sind zwischen 16 und 17 Jahre alt und leben noch im elterlichen Haushalt. Die befragten Personen kannte ich bereits vor der Untersuchung. Dies erleichterte die Befragung erheblich, da ich durch eine frühere berufliche Zusammenarbeit mit den Probanden/innen bereits deren Vertrauen gewonnen hatte und sofort deren Bereitschaft und Interesse an der Mitarbeit an der Befragung erhielt. Ich entschied mich nach längerer Überlegung für bestimmte Jugendliche, die ich aufgrund ihrer Reife und Aufgeschlossenheit auswählte. Alle Interviews wurden im elterlichen Haushalt der Befragten durchgeführt, was hauptsächlich in meinen Bemühungen eine entspannte Gesprächssituation herzustellen und Einblick in das soziale Umfeld der Jugendlichen zu erhalten, begründet ist. Um die Radio- und Musikrezeption im elterlichen Zuhause und die zugrundeliegenden Bedeutungen zu hinterfragen, mussten die Interviewdaten ausgewertet werden, damit Rückschlüsse aus dem Gesagten gezogen werden konnten. Nach der Lektüre verschiedener Publikationen zu Auswertungs- und Analysemethoden für qualitative Daten entschied ich mich für die „Grounded Theory“ die im Folgenden kurz erläutert werden soll.
3
Die Grounded Theory, zu Deutsch „gegenstandsbezogene Theoriebildung“ (Mayering 2002: S. 103) ist ein Verfahren, „das schon während der Erhebung Schritte der […] Theoriebildung zulässt“ (ebd.). Das heißt mit der Methode der Grounded Theory wird das empirische Material verglichen und die Theorieentwicklung verläuft prozesshaft auf der Basis der Daten (vgl. Glaser/Strauss 2005: S.15). In der Grounded Theory liegt der „Schwerpunkt auf der Generierung einer Theorie auf den Daten [...] in denen diese Theorie gründet.“ (Strauss 1998: S.50). Dabei werden Daten systematisch analysiert und mittels Vergleichen mit Kodes versehen (vgl. ebd. S.51). Die Besonderheit der Grounded Theory ist, dass die Datenerhebung nie vollständig oder abgeschlossen ist, weil sich immer wieder neue Memos ergeben können (vgl. ebd. S.56). Unter Memos versteht man Auswertungskategorien, sog. Kodes, die man verschiedenen Passagen oder Aussagen zuordnet, die mit Samplings (Beispielen) untermauert werden. Werden die einzelnen Kodes bzw. Memos miteinander in Bezug gesetzt kann die (mögliche) Theorie entstehen. Die Entwicklung dieser Memos passiert durch das sog. Kodieren. Mit der Grounded Theory wird also nicht nur die im Vorhinein festgelegte Fragestellung auf ihre Veri-oder Falsifizierung hin überprüft, sondern Theorien werden durch den soeben beschriebenen Prozess offen aus den gewonnen Daten entwickelt. Den Vorteil dieser Methode sehe ich vor allem im offenen Zugang zu den Daten, sodass der/die Forscher/in sich auf das einlassen kann was ihm/ihr die Daten sagen und damit auch Wendungen oder unerwartete Aspekte in die theoretischen Überlegungen mit einbeziehen kann, was der Offenheit als Paradigma der qualitativen Forschung entspricht.
Demnach wurde versucht das gewonnene Interviewmaterial mit Kategorien zu strukturieren und diese zueinander in Bezug zu setzen. In weiterer Folge wurden die verschiedenen Interviews und die daraus entstandenen Memos miteinander verglichen, woraus sich folgende Kategorien ergaben: - das Radio als verbindendes Medium für die Familie, - das Radio als Rückzugs- bzw. Abnabelungsmöglichkeit der Eltern sowie - das Radio als Kompensationsmedium gegen das Alleine-Sein.
4
Arbeit zitieren:
MMag. Catrin Neumayer, 2010, Musik, Medien und Jugendkultur - Jugendliche und Radionutzung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Rundfunk und Unterhaltung: neuer Titel erschienen: Musik, Medien und Jugendkultur - Jugendliche und Radionutzung
Catrin Neumayer hat einen neuen Text hochgeladen
Basics of Qualitative Research: Techniques and Procedures for Developi...
Juliet Corbin, Anselm Strauss
Basics of Qualitative Research: Techniques and Procedures for Developi...
Juliet Corbin, Anselm Strauss
The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research
Barney G. Glaser, Anselm L. Strauss
Five Ways of Doing Qualitative Analysis: Phenomenological Psychology, ...
Frederick J. Wertz, Kathy Charmaz, Linda M. McMullen
Five Ways of Doing Qualitative Analysis: Phenomenological Psychology, ...
Frederick J. Wertz, Kathy Charmaz, Linda M. McMullen
Learning from Strangers: The Art and Method of Qualitative Interview S...
Robert Stuart Weiss
0 Kommentare