Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung:
Qualit ats anderungen bei klassischen und hedonischen Preisin-
dizes 3
2 Anwendung der hedonischen Methode auf Computerpreise 6
2.1 Annahmen des linearen Modells 7
2.2 Regressionsanalyse 8
2.3 Wirtschaftspolitische Implikationen 11
3 Zusammenfassung und Diskussion 12
4 Literaturverzeichnis 13
5 Anhang 14
5.1 Sch atzgleichung und Testergebnisse 14
5.2 Scatterplots 16
5.3 Tabellen 18
2
1 Einleitung und Problemstellung:
Qualit¨ ats¨ anderungen bei klassischen und he-
donischen Preisindizes
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Qualit¨ ats¨ anderungen auf Preise und damit Preisindizes. Die Wahl auf das Beispiel der Computerpreise fiel vor allem aus zwei Gr¨ unden: zum einen liefern die ausgew¨ ahlten Merkmale von Computern deutliche Ergebnisse, was die Methodik verst¨ andlicher macht; zum anderen ist die Betrachtung des Sektors ” Computer“ nahe
liegend wegen der dort zu beobachtenden kurzen Innovationszyklen und damit schnell wechselnden qualitativen Eigenschaften. Man denke in diesem Zusammenhang vor allem an Arbeitsspeicher (RAM), Prozessorgeschwindigkeit oder Festplattenkapazit¨ at.
Problematisch werden solche Produktinnovationen bei der Berechnung von Preisindizes, da diese ¨ ublicherweise keine Qualit¨ ats¨ anderungen erfassen. Die heute weit verbreitete Berechnungsmethode f¨ ur Preisindizes nach Laspeyres, wie sie z.B. im Rahmen der amtlichen Statistik der Bundesrepublik Deutschland verwendet wird, liefert die Preis¨ anderung eines festen Waren-korbes im Vergleich zu einem Basisjahr. Dieser Warenkorb wird nur in relativ großen zeitlichen Abst¨ anden den sich stets ¨ andernden qualitativen Produkteigenschaften angepasst. F¨ ur G¨ uter, deren Eigenschaften sich im Zeitverlauf de facto nicht ¨ andern (Eier, Brot, Milch, B¨ ucher usw.), birgt diese Methode keine Probleme - wohl aber f¨ ur solche G¨ uter, die einer st¨ andigen Verbesserung ausgesetzt sind (Computer, Elektroger¨ ate etc.).
In den vergangenen Jahren wurden daher verschiedene Methoden entwickelt und vorgeschlagen, Qualit¨ ats¨ anderungen bei der Berechnung amtlicher Preisindizes zu ber¨ ucksichtigen. In Deutschland wird dazu h¨ aufig die Methode der ” Verkettung im ¨ uberlappenden Zeitraum“ (Hoffmann 1998) her-
angezogen: es wird eine Reihe von Indizes berechnet, die zwei benachbarte,
3
in zeitlicher N¨ ahe liegende Perioden umfassen, wobei die Ausgabenstruktur der jeweils vorgelagerten Periode zur Gewichtung dient. Im Rahmen dieser Berechnungen sollen Qualit¨ atsunterschiede also durch zeitn¨ ahere Gewichtungen an Aktualit¨ at gewinnen. Alternativ dazu wird oft das sogenannte direkte Verfahren zur Korrektur von Preisdifferenzen auf Grund von Qualit¨ atsunterschieden verwendet; hierbei werden Marktpreis¨ anderungen gedanklich in reine“ Preis¨ anderungen und in die Geldwerte der Qualit¨ ats¨ anderungen zer-
”
legt. Je nachdem, ob diese beiden Effekte in die gleiche oder in entgegensetzte Richtungen wirken, k¨ onnen also Aussagen dar¨ uber getroffen werden, ob bzw. wie stark Preisanstiege auf Qualit¨ ats¨ anderungen zur¨ uckzuf¨ uhren sind.
Diese beiden Methoden stießen jedoch bald an ihre Grenzen, da auf Grund st¨ andiger Qualit¨ ats¨ anderungen vor allem kurzfristige Preisentwicklungen nicht oder nur unzureichend wiedergegeben werden konnten. Bei diesen kurzfristigen, in der Regel monatlichen Berechnungen trat und tritt ein systematischer Fehler auf, der sich im Zeitverlauf immer mehr selbst verst¨ arkt. Neben den reinen Berechnungsmethoden stießen die Statistischen ¨ Amter zunehmend auf das Problem des Auffindens geeigneter Datenquellen, aus denen die Preise entnommen werden k¨ onnen, da sie hier nicht mehr auf eigene erhobene Daten st¨ utzen konnten, sondern immer mehr die Daten z.B. von Meinungsforschungsinstituten heranziehen mussten. 1
Ein anderer, sehr viel versprechender Ansatz zur Ber¨ ucksichtigung von Qualit¨ atskorrekturen und Preis¨ anderungen wurde bereits zwischen den Weltkriegen vorgestellt: 2 die hedonischen Preissch¨ atzungen. Diese Methode geht
von der Idee aus, dass ein heterogenes Gut nichts anderes ist als eine Kombination von ” einzelnen, wohldefinierten (homogenen) Produkteigenschaften“
1 Das Statistische Bundesamt soll sich auf die eigenen erhobenen Daten st¨ utzen. Diese Daten stammen aus Volksz¨ ahlungen (die im Schnitt alle 10 Jahre stattfinden) sowie der j¨ ahrlichen 1%-Repr¨ asentativstatistik (Mikrozensus).
2 Z.B. bei Frederick Waugh (1928), der damals Preise landwirtschaftlicher G¨ uter untersuchte.
4
(Hoffmann 1998). Dabei wird im wesentlichen untersucht, wie die Preise und qualitativen Eigenschaften jener einzelnen homogenen Komponenten auf den Preis des untersuchten Gutes in der betrachteten Periode wirken. Der methodische Ansatz dieser Preisanalysen besteht aus dem Aufstellen eines linearen ¨ okonometrischen Modells, dessen Parameter durch Regression gesch¨ atzt werden.
Die soeben dargestellten Herangehensweisen haben unterschiedliche ¨ okonomische Hintergr¨ unde. Die Motivation der heute gebr¨ auchlichen Berechnungsmethoden f¨ ur Preisindizes ist in der Nutzentheorie zu finden: es wird ein Nutzenindex bestimmt, der das Verh¨ altnis der bei verschiedenen Preisen f¨ ur den gleichen Nutzen erforderlichen Ausgaben eines Haushaltes misst. Im Gegensatz dazu greifen hedonische Sch¨ atzungen nicht am Wirtschaftssubjekt (Haushalt bzw. Konsument oder Produzent), sondern an den G¨ utern, deren qualitative Eigenschaften untersucht werden. Dennoch k¨ onnen aus den Ergebnissen hedonischer Preissch¨ atzungen problemlos Indizes nach Laspeyres (sofern die Merkmalsauspr¨ agungen der ersten relevanten Periode entnommen sind) oder nach Paasche (wenn die Gewichte aus der Periode t stammen) gebildet werden. Ein solcher qualit¨ atsbereinigter Preisindex ist dann das Verh¨ altnis der Ausgaben einer bestimmten Kombination von Eigenschaften, die mit den impliziten Preisen der jeweiligen Periode bewertet werden.
Zun¨ achst werden im folgenden Abschnitt die n¨ otigen Annahmen getroffen, um die Computerpreise in Abh¨ angigkeit ausgew¨ ahlter Merkmale im Rahmen eines linearen Regressionsmodells sch¨ atzen zu k¨ onnen. Die wichtigsten Ergebnisse der Sch¨ atzung selbst werden im Abschnitt 2.2 vorgestellt. Schließlich werden im Abschnitt 2.3 aus den Ergebnissen der Sch¨ atzung einige wirtschaftspolitische Implikationen er¨ ortert.
5
2 Anwendung der hedonischen Methode auf
Computerpreise
Die wichtigsten Beitr¨ age zur Untersuchung von Qualit¨ ats¨ anderungen auf die Computerpreise stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren. Daher soll an Hand ausgew¨ ahlter Daten jener Zeit im Rahmen dieser Arbeit die hedonische Methode vorgestellt und diskutiert werden. Die erste gr¨ oßere Anwendung der hedonischen Methode auf Computerpreise stammt von Gregory Chow (1967). Er untersuchte damals die Wirkung von drei Variablen auf den (Miet-)Preis eines Computers: 3
1. Die Rechenzeit MULT 4 , so wurde angenommen, habe einen negativen
Effekt auf die Preise.
2. Als zweite Einflussgr¨ oße w¨ ahlte Chow die Speichergr¨ oße MEM, von der eine positive Wirkung vermutet wurde. Erw¨ ahnt sei an dieser Stelle, dass Chow die Gr¨ oße der Computerspeicher nicht direkt maß, sondern aus anderen beobachteten Gr¨ oßen konstruierte: MEM ist das Produkt aus der Zahl der Worte im Speicher (WORDS) und der Zahl der (bin¨ aren) Zeichen je Wort (BINARY * DIGITS).
3. Schließlich maß Chow die Zugriffszeit ACCESS. Diese Variable repr¨ asentiert die Zeit, in der der Rechner Informationen aus dem Speicher entnehmen konnte. Auch hier liegt ein positiver Zusammenhang nahe.
Die Wahl dieser Qualit¨ atsmerkmale wird durch die jeweiligen Korrelationskoeffizienten gest¨ utzt. Eine Bestimmung der Korrelationen liefert die in Tabelle 1 dargestellten Werte.
In dieser Matrix werden die Korrelationen aller Variablen untereinander dargestellt. Danach besteht zwischen Rechen- sowie Zugriffszeit und Preis
3 Chow’s Daten sind im Anhang beigef¨ ugt.
4 Im Original als “multiplication time“ angegeben, also die Zeit, die ein Rechner f¨ ur eine Multiplikation ben¨ otigt.
6
Arbeit zitieren:
Matthias Heilmann, 2001, Hedonische Preisindizes: Entwicklung der Computerpreise, München, GRIN Verlag GmbH
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