Lob und Anbetung Gottes im Judentum
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 1
2 LOB UND ANBETUNG GOTTES IM TENACH 3
2.1 Durch Opfer 3
2.2 Durch Gebet. 3
2.3 Durch Gesang und Musik 5
3 LOB ND ANBETUNG GOTTES NACH DER ZERSTÖRUNG DES ZWEITEN TEMPELS 6
4 LOB UND ANBETUNG GOTTES IM HEUTIGEN JUDENTUM 7
4.1 Studium der Thora und der Schriften als Lob Gottes. 9
4.2 Gebet als Lob Gottes 10
5 FAZIT 12
6 ANHANG: EXKURS 15
6.1 Lobpreismusik von / für messianische(n) Juden 16
6.2 17
6.3 Zusammenfassung 17
7 BIBLIOGRAPHIE 19
7.1 Anhang 22
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Lob und Anbetung Gottes im Judentum 1
1 Einleitung
Wird im Christentum über Menschen jüdischen Glaubens gesprochen, so folgt unweigerlich eine gewisse Assoziation mit Gesetzlichkeit und starrer Religiosität. 1 Die Thora, auf welcher der jüdi-
2 Seltenwird beachtet, dass für einen Juden das Gesetz im Dienst des Lebens steht 3 und gerade im Judentum eine sehr hohe Gottesfurcht 4 und auch eine grosse Gottesliebe 5 vorhanden ist, welche seinesgleichen sucht. Das Loben von Gott als Schöpfer, Herr und Liebender seines Volkes Israel 6 ist auch im modernen Judentum immer noch ein zentrales Thema.
In freikirchlichen - christlichen Gemeinden wird dem Lob Gottes vor allem durch das Singen von Liedern Ausdruck verliehen. Dabei bedient man sich den Möglichkeiten und Ausdrucks-formen der modernen Musik und drückt in den Liedtexten die Beziehung zwischen Gott und Geschöpf aus. Diese Form des Lobpreises Gottes geht auf die Neuordnungen des levitischen
1 Diese Feststellung bezieht sich auf eigene Beobachtungen des Verfassers durch langjährige Beschäftigung mit dem Thema Judentum und Christentum. Dabei kann insbesondere festgestellt werden, dass die Juden mit dem allgemein vorhandenen Bild der Pharisäer aus dem Neuen Testament gleichgesetzt werden. Siehe zum Bild der Pharisäer in christlicher Literatur auch: Shmuel Safrai, Das jüdische Volk im Zeitalter des Zweiten Tempels (Neu-
seiner Gegner bekommt, und die Kritik, die an Heuchlern geübt wird, eine Kritik, die sich in den Büchern der ersten der Heiligkeit
Gottes und dem Festhalten an ihm das Ziel für den Menschen. David Flusser drückt die Spannung von Gebot und bedeutet, sie sind Bermerkungen eines Juden zur christlichen Theologie, (München: Chr. Kaiser Verlag, 1984), 80.
2 Ludwig Schneider, Schlüssel zur Thora: Rabbinische Gedanken zu den 54 Thora-Wochenlesungen (Holzgerlingen: Hänssler Verlag, 1999), 11. Die Ahnungslosigkeit der Christen gegenüber dem Judentum wird -Chorin, Betendes Judentum. (Tübingen: J.C.B Mohr, 1980), 206ff.
3 Roland Gradwohl, Was ist der Tal, 3. Aufl. (Stuttgart: Calwer Verlag, 1993), 23.
is- lichlebt der Jude im Bewusstsein, dass Gott sein Vater ist und ihn als sein Kind geschaffen hat. und bezieht sich dabei auf 5Mo 14,1. Vgl. dazu Jüdisches Lexikon
Ehrfurcht können dazu motivieren, Gottes Willen zu tun, doch den . Gunther Plaut (Hg.), Die Tora in
jüdischer Auslegung, Bd 5, (Gütersloh: Kaiser, Gütersloher Verlagshaus, 2004), 113f.
6 Schalom Ben-Chorin, a.a.O., 141.
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Lob und Anbetung Gottes im Judentum 2
Dienstes in der 1. Chronik durch König David zurück. 7 Er hat sich geisterfüllte und fachlich gute Musiker ausgesucht, welche Tag und Nacht Gott im Tempel mit ihren Liedern angebetet und besungen haben. 8
Nun haben wir im christlichen Glauben mit den Juden zusammen die gemeinsame Grundlage des Pentateuch, der Schriften und der Propheten. Während die Christen in der Bibel das Alte Testament und das Neue Testament haben, so gründet der Glaube der Juden auf dem Tenach. 9 Wie bereits Paulus in Römer 11 zum Ausdruck bringt, haben wir als Christen dieselben Wurzeln wie die Juden. 10 Die Christen sind aber
aufgepfropfte Zweige und dürfen der Fettigkeit und der Wurzel des edlen Ölbaumes aus Gnade teilhaftig werden.
In vorliegender Arbeit soll dargestellt werden, wie sich das Gotteslob im Judentum aus dieser gemeinsamen Grundlage heraus bis in die heutige Zeit entwickelte 11 und welchen Stellenwert das Loben des Schöpfers für den gläubigen Juden von heute inne hat. 12 Zum Ende der Arbeit schliesslich soll in Kürze dargestellt werden, wie der Christ seine Praxis vom Gotteslob durch die gewonnenen Erkenntnisse erweitern kann. 13
7 In vorliegender Arbeit wird nicht weiter auf die Entwicklung von Lobpreis und Anbetung im Christentum eingegangen. Dazu wird auf folgende Standartwerke in deutscher und englischer Sprache verwiesen: Arne Kopfermann, Das Geheimnis von Lobpreis und Anbetung (Glashütten: C&P Verlag, 2009) und: Robert E. Webber, Worship old&new (Grand Rapids: Zondervan, 1994).
8 Siehe dazu: 1Chr 25, 1-7.
9 Der Tenach umfasst dieselben Bücher wie das Alte Testament (ohne Apokryphen) und ist in drei Hauptteile unterteilt: Die Thora (Pentateuch), die Newi-im (Prophetenbücher) und die Ketuwim (übrige Schriften). Das Wort Tenach ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der Hauptteile. Zu weiteren Ausführungen: Jüdisches Lexikon, Bd. 2, auch die Skizze 1 als An
10 Dwight Pryor, -, Jerusalem Brief Nr. 10 (1999): 1.
11 Als grober Überblick kann dazu die Skizze im Anhang 2 zu dieser k
12 Aufgrund des beschränkten Umfanges dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt bei der heutigen Praxis im Judentum.
13 Zur Erarbeitung der Thematik wurde soweit möglich auf die Konsultation christlich-evangelischer Literatur verzichtet. Damit soll dem Judentum Raum gegeben werden, sich von seinem Selbstverständnis her zu erklären. Um nicht nur bereits Geschriebenes zu verwenden, sondern auch das Herz des Juden zu spüren, fliessen in diese Arbeit zwei Gespräche mit kompetenten Personen ein. Dies ist einerseits eine Unterhaltung mit Frau Ruth Gellis, Verantwortliche für interreligiösen Dialog der Israelitschen Cultusgemeinde Zürich (Die Gemeinde versteht sich als orthodox, siehe dazu www.icz.org. Das Gespräch fand am 09.11.2010 in den Räumlichkeiten der betr. Gemeinde statt.) und andererseits Rabbiner Ben Ephraim, Gemeindeleiter der liberalen jüdischen Gemeinde Or-Chadasch in
16.11.2010 statt). Weiter wurde ein synagogaler Sabbath-Gottesdienst bei der Or Chadasch Gemeinde
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Lob und Anbetung Gottes im Judentum 3
2 Lob und Anbetung Gottes im Tenach
Die Ausführungen über die folgenden drei Aspekte der Gottverehrung im Tenach können nur einen hinführenden Charakter haben. Trotz aller Kürze sind die Beschreibungen für ein Verständnis der Praxis im heutigen Judentum unentbehrlich. Gleichzeitig wird aufgezeigt, dass die Christen im Alten Testament dieselben Grundlagen zur Gottverehrung finden wie die Juden im Tenach.
2.1 Durch Opfer
wird Gott sowohl durch Kain, als auch durch Abel ein
Opfer dargebracht und somit Gott gehuldigt. 14 Später wird von berichtet, und von Abraham, welcher bereit war, auf Gottes Anweisung seinen Sohn zu opfern, schliesslich aber davor bewahrt wurde und einen Widder als Brandopfer darbrachte. 15 Den Opferdienst definiert Baruch J. Schwartz folgend
biblical times until the destruction of the Seco 16 Durch die Darbringung des Opfers wurde Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott Ausdruck verliehen, sowie dem Wunsch, weiterhin unter Gottes Segen zu stehen, indem Gott ein Teil seiner grosszügigen Vorsorge zurückgegeben wird. 17
Mit der Zeit erhielt der Opferdienst eine gewisse Ordnung und fand in der Gemeinschaft
schliesslich in der Stiftshütte auch zentralisiert. 19 Dieser Prozess der Zentralisierung fand mit dem Bau des ersten Tempels durch Salomo seinen vorläufigen Abschluss. 20
2.2 Durch Gebet
Obwohl der Opferkult die ursprüngliche Form des Gottesdienstes darstellte und Gebete eher als spontane Anrufungen Gottes gesehen werden können, wurde Gott schon früh durch Gebete und
(27.11.2010) besucht, damit sich der Verfasser selber ein Bild der Formen vom Lob Gottes im Judentum machen konnte.
14 1Mo 4,3.
15 1Mo 22,13.
16 The Oxford dictionary of the Jewish religion, 598.
17 Ebd.
18 2Mo 24,5f.
19 3Mo 17,8f, Vgl. dazu Baruch J. Schwartz, a.a.O., 599.
20 2Chr 2 und 6. Bezeichnenderweise hatte Salomo selber seinen bekannten Traum und die darin folgende Unterredung mit Gott unmittelbar nach der Darbringung eines Opfers in der Stiftshütte (2Chr 1,6ff).
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Gottesverehrung nur in Opfern bekunden, sucht Abraham, wenn er auch Altäre baut, seine Ver- 22 Moseehrte Gott nach dem Auszug aus Ägypten mit einem Lied: 23
Das stille Gebet wird durch die einfache Bäuerin Hannah bezeugt, welche im Tempel für
25
Patriarchen, Helden, Könige, Priester und Bauern rufen im Gebet zu Gott und bringen ihm ihre Nöte dar, in der Gewissheit, dass nur er helfen kann. Gleichzeitig wird Gott im Gebet immer auch der Dank entgegengebracht. 26 Im Buch der Psalmen kommt der Reichtum dieses Gebetslebens zum Ausdruck:
Buch der
Psalmen, welches das Gebetbuch und Gesangbuch der abendländischen Menschheit 27
Auch Rabbi Samson Raphael Hirsch ist sich der Bedeutung des Psalmbuches bewusst:
[sic] Psalmen, welche
Gott suchenden Menschengemütern Erhebung zu Gott vermitteln und ihnen Erleuchtung 28
Eine öffentliche Gottespreisung wird im Gebet von David anlässlich des Tempelbaus bezeugt. 29 Eingeleitet mit der Segensformel wird deutlich, dass es nicht in e 30 , mit der der König die Funktion des Vorbeters annimmt und das Volk in den Lobpreis Gottes
21 Schalom Ben-Chorin, a.a.O., 27.
23 Bibeltext nach der 1967 revidierten Elberfelder Übersetzung, zitiert
nach: Scofield Bibel, 4. Aufl. (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1997). Wenn nicht anders angegeben entstammen alle weiteren Bibelzitate dieser Übersetzung.
24 1Sam 1,13.
25 1Sam 2,2.
26 Encyclopaedia Judaica, a.a.O., 122.
27 Ebd.
28 Samson Raphael Hirsch, Psalmen, übersetzt und erläutert, (Basel, Zürich: Verlag Morascha, 1995), V.
29 1Chr 29,10-20.
30 Peter Ebenbauer, Eingekehrt in Gottes Zeit: Gebetstheologische Beobachtungen zu Lobpreis und Danksagung in biblischen und nachbiblischen Kontexten, In: Kontinuität und Unterbrechung: Gottesdienst und Gebet in
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Lob und Anbetung Gottes im Judentum 5
führt, als dessen Folge das ganze Volk seinen Gott preist und vor ihm auf die Knie fällt. Später hat Salomo, der Sohn von König David, die Wichtigkeit des Gebetes erkannt wenn er schreibt:
2.3 Durch Gesang und Musik
wird die Musik sehr früh erwähnt. Jubal ist als Vater der Harfen- und Flötenspieler genannt. 31 Er gilt als der mythische Vater der Musik. 32 Später in diesem Buch werden auch bereits der Gesang und das Tamburin angeführt. 33 Nach dem Auszug aus Ägypten war es Moses Schwester Mirjam, welche mit Tamburinen die Frauen im Tanz und im Lobgesang anführ- 34
Der König David schliesslich legte die Grundlagen für die Musik im ersten Tempel. Obwohl es ihm verwehrt war, den Tempel selber zu bauen, nahm er die Organisation von 24 Wachen der Leviten an die Hand, in welchen Sänger und Instrumentalisten vertreten waren. 35 4000
Morgen anzutreten, um den HERRN zu preisen und zu loben, und ebenso am Abend. 36 Shmuel Barzilai schreibt dazu:
k- instrumentenbegleitet, von Flöte, Harfe und Lyra, von Pauke und verschiedenen Zim-
war integraler Bestandteil des G-ttesdienstes und der Inspiration g-ttlicher Gegenwart 37
In diesem Tempeldienst wird auch der Ursprung vom Gesang Israels gesehen. 38 Die Instrumentalmusik und der Chorgesang nahmen zur Zeit des Tempels grossen Raum ein. 39
Judentum und Christentum. Hg. Albert Gerhards u.a. (München: Schöningh, 2005), 72f.
31 1Mo 4,21.
32 Shmuel Barzilai, Musik und Ekstase (Hitlavut) im Chassidismus (Frankfurt a. M.: Internationaler Verlag der Wissenschaften, 2007), 16.
33 1Mo 31,27.
34 2Mo 15,21.
35 1Chr 23 und 25.
36 1Chr 23,30.
37 Shmuel Barzilai, a.a.O., 17.
38 Ebd.
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David Jäggi, 2010, Lob und Anbetung Gottes im Judentum, München, GRIN Verlag GmbH
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