II
ABSCHLUSSARBEIT
in der Veranstaltung Gesundheits-Betriebswirt/in (FH)
an der FHM, Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung
vorgelegt von
Daniela Schmitten
III
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 1
1.1 Ausgangssituation 1
1.2 Problemstellung 2
1.3 Aufbau und Zielsetzung 2
2 Gesundheit 3
2.1 Begriffsbestimmung 3
2.2 Gesundheitsdienstleistungen 3
2.2.1 Begriffsbestimmung 3
2.2.2 Arten der Gesundheitsdienstleistungen 4
2.3 Gesundheitsziele 4
2.3.1 Begriffsbestimmung 4
2.3.2 Erreichbarkeit von Gesundheitszielen 4
3. Prävention 5
3.1 Begriffsbestimmung 5
3.1.1 Zielbedingte Arten der Prävention 5
3.1.2 Weitere Arten der Prävention 5
3.2 Effizienz im Gesundheitswesen 6
3.3 Möglichkeiten der Kostenentlastungen 7
3.3.1 Nutzung von Gesundheitsmaßnahmen der GKV 7
3.3.2 Bewegungs- und haltungsorientierte Maßnahmen 8
3.3.3 Alexandertechnik 9
3.3.4 Sportliche Aktivitäten im Focus 10
3.3.5 Sensibilisierung des Kostenbewusstseins als Stellenwert der Prävention 11
3.3.6 Präventionsgymnastik zur Verringerung von Fehlzeiten am Arbeitsplatz 12
3.3.7 Chronische Erkrankungen 12
3.3.8 Selbsthilfegruppen 13
3.3.9 Rehabilitationsmaßnahmen 13
3.4 Kosten der GKV für Maßnahmen zur Verhaltensprävention 14
3.5 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWIG) 17
IV
4 Telemedizin 19
4.1 Begriffsbestimmung 19
4.2 Arten der Telemedizin 19
4.3 Telematik im Gesundheitswesen 20
4.4 Ziele der Telemedizin 20
4.5 Elektronische Gesundheitskarte 21
4.5.1 Anwendungsmöglichkeiten für Versicherte 21
4.5.2 Sicherheit 22
5 Telemedizinische Projekte in der Anwendung 22
6 Zusammenfassung und Ausblick 25
6.1 Zusammenfassung der Telemedizin 25
6.2 Zusammenfassung der Prävention 26
6.3 Ausblick 26
7 Literaturverzeichnis 27
V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ATG: Aktionsforum Telematik im Gesundheitswesen BGF: Betriebliche Gesundheitsförderung BMG: Bundesministerium für Gesundheit BMI: Body-Mass-Index BSI: Bundesamt für Sicherheit bspw: beispielsweise d. h.: das heisst DMP: Disease Management Programme eGK: Elektronische Gesundheitskarte ePA: Elektronische Patientenakte EHIC: Europäische Krankenversicherungskarte FDH: Fachverband Deutscher Heilpraktiker G-BA: Gemeinsamer Bundesausschuss gematik: Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH ggf: gegebenenfalls GKV: Gesetzliche Krankenversicherung GVG: Kölner Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -Gestaltung e.V. HBA: Heilberufsausweis KIS: Krankenhausinformationssystem KVK: Krankenversichertenkarte MDK: Medizinischer Dienst der Krankenversicherten MDS: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. MKT: Mobile Kartenterminals NFD: Notfalldaten QWiG: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen SGB: Sozialgesetzbuch VBG: Verwaltungs-Berufsgenossenschaft VSD: Versichertenstammdaten WHO: World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation)
1
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Das Gesundheitssystem ist einer der größten Wirtschaftsbereiche in Deutschland. Immer wieder rücken Fragen des Gesundheitswesens in den Focus wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen. Der Lebensverlängerungsprozess ist ein Grundmechanismus des demografischen Wandels und fordert unsere volle Aufmerksamkeit. Auf der einen Seite bereichern immer älter werdende Menschen unsere Gesellschaft mit Erfahrung und ihrem Engagement. Andererseits verursachen sie höhere Gesundheitsausgaben durch Vermehrung von chronischen Leiden, psychischen Erkrankungen und vermehrter Pflegebedürftigkeit. Dies wirft einige Fragen auf: Ab welchem Lebensalter beginnen die kostenintensiven Krankheiten? Ist eine Eingrenzung möglich? Oder sind es überhaupt nicht die „Alten“, sondern beginnt der Erkrankungsprozess schon viel früher und betrifft auch jüngere Menschen in unserer Gesellschaft? Die Zahl der Neuerkrankungen bei Krebsleiden, bspw. Brustkrebs oder Gebärmutterhalskrebs ist steigend.
Depressionen bedingen erhöhte Liegezeiten bei Gemüts- und Suchterkrankungen im Krankenhaus 1 . In NRW wurden 2007 vier Millionen Menschen stationär behandelt, zwei Prozent mehr gegenüber 2006. Die Verweildauer lag bei durchschnittlich 8,5 Tagen; die Akuthäuser sanken auf 432, fünf weniger als im Vorjahr 2 .
Osteoporose wird häufig erst nach einem Knochenbruch diagnostiziert. Der Auslöser ist falsche Ernährung und Bewegungsmangel.
Ebenso lästig wie gefährlich ist das trockene Auge mit vielfältigen Ursachen. Neben trockener Luft oder Zigarettenrauch können auch hormonelle Störungen oder rheumatische Erkrankungen die Beschwerden verursachen. Zum Augenarzt gehen nur wenige. Die Folgen einer unbehandelten Erkrankung reichen von Schädigungen der Hornhaut bis zur Erblindung.
Auch Hörschädigungen, vielfach ausgelöst durch das permanente Hören lauter Musik über Kopfhörer (MP3-Player) steigen an.
Die Ausdünnung sozialer Netze, der Rückgang familiärer Pflegepotentiale und der Trend zu Singlehaushalten nehmen zu. Wer wird diese Menschen im Alter versorgen und pflegen, wenn es keine Angehörigen oder Freunde gibt? Dieser Prozess ist nicht mehr nur schleichend und die Kostenspirale schon jetzt weit aufgedreht.
1 Windhorst, 15.01.08, Veranstaltung in den Städt. Kliniken Bielefeld-Mitte.
2 Vgl. o.V. Deutsche Presse-Agentur, In: Westfalen-Blatt [01.08.2008].
2
1.2 Problemstellung
Neben der medizinischen Versorgung sollen vorrangig Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen helfen, die Lebensqualität zu verbessern und die Kosten des Gesundheitssystems langfristig zu senken.
Hier kristallisiert sich ein wichtiges Problem heraus: die effiziente Verteilung der Ressourcen für Gesundheitsdienstleistungen 3 . Die Kosten zur Erhaltung und Wiederherstellung von Ge-sundheit sollen möglichst gering gehalten werden. Anhand von Analysen werden nur Schätzwerte erreicht, da nicht erforderliche Folgekosten für die medizinische Versorgung entfallen 4 . Welche alternativen Therapieformen gibt es? Wie können Informationsdefizite abgebaut werden? Verständliche Aufklärung ist dringend geboten!
1.3 Aufbau und Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit ist zweiteilig gegliedert. Im theoretischen Teil wird die Prävention vom Verfasser eingehend betrachtet. Der zweite Teil widmet sich der praktischen Umsetzung der noch weitgehend unbekannten Telemedizin. Die wichtigsten Begriffsdefinitionen werden hierbei in den jeweiligen Gliederungsteilen aufgeführt.
Das Ziel ist es, unter dem Gesundheitsaspekt insbesondere die Prävention als auch die Telemedizin eingehend zu analysieren, um deren Wichtigkeit im Hinblick auf die Kostenreduzierung hervorzuheben. Schon jetzt engagieren sich viele Institute und Organisationen für ge-sundheitliche Vorsorge. Um Kosten und Nutzen effizient in Einklang zu bringen, ist eine Ur-sachenforschung nicht unerheblich. Vorsorgemaßnahmen sollten fortwährend genutzt werden, um Krankheiten weitgehend zu vermeiden bzw. frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Hier besteht bei den Bürgern noch ein großes Potenzial an umfassendem Aufklärungsbedarf.
Durch verschiedenste Angebote, Informationen, Beratungen und ganz konkrete Projekte zur Förderung gesunder Lebensstile sollen möglichst für alle Lebensbereiche gesundheitsfördernde Strukturen zur Verfügung gestellt und auch umgesetzt werden. Beispielhaft sei dafür das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) genannt. Das Institut bietet eine wissenschaftliche Informationsquelle für die Öffentlichkeit, Ärzte, Leistungsträger im Gesundheitswesen, Konsumenten und andere Interessierte, fungiert als unabhängiger Herausgeber von evidenzbasierten medizinischen Informationen für Bürger und Patienten, bietet aber keine individuelle Patientenberatung an.
3 Vgl. Kortendieck, 1993, S. 13
4 Vgl. Andersen, Mühlbacher, 2005, Die Evaluation von Prävention und Gesundheitsförderung In: Prävention 03/2005, S.78
3
2 Gesundheit
2.1 Begriffsbestimmung
Was ist Gesundheit? „Vor Gesundheit strotzen“, „Bäume ausreißen“ - sinnbildlich wird darunter verstanden, nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen und geistigen Fähigkeiten vollständig zu nutzen. Es gehört zu den menschlichen Fähigkeiten, sich als Individuum zu entfalten, zu lernen, Ziele zu entwickeln, zu verfolgen und zu erreichen. Soziale und emotionale Kontakte zu knüpfen, um selbständig, autonom und frei von Behinderungen und/oder Einschränkungen in einer bestimmten Umwelt zu leben und damit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schrieb am Gründungstag (22. Juli 1946) in ihrer Charta folgende Definition nieder: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen“ 5 .
Der Begriff Gesundheit und seine multiplen Assoziationen sind also unbestimmt und mit Erwartungen nahezu beliebig besetzt. Als dynamischer Prozess gesehen, schließt die Gesundheit alle Symptome des „Gesundsein“ und des „Krankseins“ ein 6 . Jeder Mensch hat irgendeine Art von Gesundheit, die durch ergänzende Parameter differenziert und in einem bestimmten Zusammenhang bewertet werden kann. Eine Definition des Inhalts von „auf Gesundheit“ bezogene Aufgaben ist deshalb unumgänglich. Angesprochen werden in dieser Arbeit die Gesundheitsdienstleistungen.
2.2 Gesundheitsdienstleistungen
2.2.1 Begriffsbestimmung
Gesundheitsdienstleistungen sind humane Dienste innerhalb der Gesundheitswirtschaft, die Menschen dabei unterstützen, Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Sie dienen der Erkennung und Behandlung von Krankheiten und helfen bei der Bewältigung von deren Folgen sowie dem Ausgleich von Selbständigkeitsverlusten. Die Grundlage aller gesundheitsbezogenen Dienstleistungen, die sich den Prinzipien der Handlungsrationalität, der Sinnhaftigkeit, der Reproduzierbarkeit und der Überprüfbarkeit verpflichten, ist das Erkennen der Ursachen eines Handlungsbedarfs 7 .
5 Vgl. Niehoff, 2008, S. 27.
6 Vgl. Niehoff, 2008, S. 26.
7 Vgl. Niehoff, 2008, S. 41.
4
2.2.2 Arten der Gesundheitsdienstleistungen 8
präventive Dienste (für Menschen, die „gesund“ sind und es bleiben wollen) •
therapeutische Dienste (für Menschen, die „krank“ sind und „gesund“ werden wollen) •
rehabilitative Dienste (für Menschen mit Selbständigkeitsdefiziten, die sie überwinden •
oder in ihrem Fortschreiten begrenzen wollen)
pflegerische Dienste (für Menschen, die nicht selbständig leben können) •
2.3 Gesundheitsziele
2.3.1 Begriffsbestimmung
Gesundheitsziele als ergänzendes Steuerungsinstrument im Gesundheitssystem dienen der Optimierung der Qualität von Prävention, Kuration, Rehabilitation und tragen zu einem wirtschaftlichen Ressourceneinsatz bei. Bisher wurden sechs Gesundheitsziele entwickelt:
a) Diabetes mellitus Typ 2: Das Risiko senken, früh erkennen und behandeln
b) Brustkrebs: Die Mortalität vermindern und die Lebensqualität erhöhen
c) Tabakkonsum: reduzieren und wenn möglich ganz einstellen
d) Gesund aufwachsen: Die Ernährung, die Bewegung und die Stressfaktoren verbessern
e) Die gesundheitliche Kompetenz erhöhen und die Patientensouveränität stärken
f) Depressive Erkrankungen: verhindern, früh erkennen und nachhaltig behandeln 9 .
2.3.2 Erreichbarkeit von Gesundheitszielen
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) legt unter dem Motto der Chancengleichheit großen Wert auf die Erreichbarkeit von allen Bevölkerungsschichten und -gruppen. In gekennzeichneten Bereichen wird ein umfassender Ansatz zur Gesundheitsverbesserung und entsprechenden Strukturen verfolgt. Dieser beinhaltet sowohl präventive Maßnahmen zur Vermeidung und ggf. frühzeitigen Entdeckung von Krankheiten als auch eine verbesserte Versorgung im Krankheitsfall. Neben der Stärkung der Selbsthilfe ist die Eigenverantwortung ein wichtiger gesundheitspolitischer Aspekt. Diese übergeordneten Kriterien wurden u. a. im Versorgungsalltag berücksichtigt. Im Rahmen eines Modellprojekts entstand ein Forum zur Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitszielen in Deutschland, das als Kooperations-verbund zur Weiterentwicklung des nationalen Gesundheitszieleprozesses eingesetzt wird.
8 Vgl. Niehoff, 2008, S. 26.
9 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit, Entwicklung nationaler Gesundheitsziele, 2008, In: http://www.bmg.bund.de/cln_110/nn_1168258/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/G/Glossarbegr iff-Gesundheitsziele.html?__nnn=true.
Arbeit zitieren:
Daniela Schmitten, 2008, Analyse von Gesundheitsdienstleistungen am Beispiel von Prävention und Telemedizin im Hinblick auf Kostenreduzierung im Gesundheitswesen, München, GRIN Verlag GmbH
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