Stimmung hervorruft. Ein weiteres wichtiges Formmerkmal ist die Verwendung von Kreuzreimen, welche mit dem Reimschema „a-‐b-‐a-‐b“ bezeichnet werden können. Desweiteren fällt der Gebrauch von Enjambements auf, welche nicht auf einfache Verssprünge beschränkt sind, sondern auch zum Teil zwei Strophen miteinander verbinden, was zum Beispiel in Strophe 8 und 9 besonders hervorsticht: „Und mit dem genießt, // Was, von Menschen nicht gewußt / Oder nicht bedacht“ (V. 32-‐34). Diese Sprünge zeigen ein Gefühlschaos beim lyrischen Ich, hervorgerufen durch seelischen Schmerz und Einsamkeit.
Da es sich bei diesem Gedicht aus einem typischen Gedicht aus der Strömung des Sturm und Drang handelt, ist eine enge Verbundenheit zur Natur deutlich zu erkennen. Die Natur besitzt in diesem Gedicht einen besonders hohen Stellenwert, da sie für zweierlei steht. Zum einen spiegelt sie die Seelenlandschaft des lyrischen Ichs wieder und zum anderen hat die Natur eine heilende Funktion, welche dem verlassenen Individuum bei der Leidensüberwindung hilft. An dieser Stelle wäre das Motiv des Mondes zu erwähnen. Der Mond, welcher direkt nur im Titel erwähnt wird ist der Adressat, was durch die Anrede „An den Mond“ (vgl. Titel) deutlich wird. Im weiteren Gedicht wird der Mond nur indirekt erwähnt, das heißt mit „Du“, was darauf schließen lässt, dass der Mond einen Freund des lyrischen Ichs symbolisieren soll.
Insgesamt lässt sich das Gedicht in drei Sinnabschnitte (1. und 2. Strophe, 3. - 7. sowie 8. und 9. Strophe) unterteilen. Desweiteren sind Brüche sowie einzelne Stationen der Genesung des lyrischen Ich zu erkennen auf die ich in der Analyse der einzelnen Strophen noch genauer eingehen werde.
Im ersten Sinnabschnitt, welcher sich über die ersten beiden Strophen erstreckt steht das lyrische Ich allein und verlassen in einer mondbeschienenen Landschaft. Der Eindruck der Einsamkeit wird beim Leser dadurch hervorgerufen, dass das Ich nachts in einem „Tal“ (Z. 1) steht, fernab von jeglicher Zivilisation. Der in Vers 2 erwähnte „Nebelglanz“ besitzt zwei Funktionen. Zum einen sollen so die schleierhaften Gedanken des lyrischen Ichs herausgearbeitet werden und zweitens wird so die Orientierungslosigkeit dargestellt. Zur Verdeutlichung dessen dient eine Synästhesie
„Füllest […] still mit Nebelglanz“ (V. 1/2). Desweiteren wird in den ersten beiden Strophen die oben angesprochene Heilung vorweggenommen: „Lösest endlich auch einmal / Meine Seele ganz.“ (V.3/4) In der zweiten Strophe wird durch den Vergleich „Wie des Freundes Auge mild“ (V.3) der Mond als Freund hervorgehoben. Auffallend sind die hier verwendeten Personifikationen wie zum Beispiel „Füllest wieder Busch und Tal“ (V. 1) und „Breitest […] deinen Blick“ (V. 1/2), welche den Mond als ein lebendiges Wesen erscheinen lassen. Außerdem wird hier ganz deutlich die Funktion als Trostspender der Natur herausgearbeitet, welche durch den lindernden Blick (vgl. V. 6) das lyrische Ich in seiner Liebesqual tröstet.
Doch schon mit der nächsten Strophe, welche den nächsten Sinnabschnitt einleitet, werden die Qualen des lyrischen Ich beschrieben: „Wandle zwischen Freud´ und Schmerz / In der Einsamkeit“ (V. 11/ 12). Der zweite Abschnitt des Gedichts lässt sich als einen sentimentalen Rückblick verstehen, in der das lyrische Ich sich an seine Genesung vom Liebesschmerz erinnert. Hier ist ein Indiz zu finden, welche auf die Epoche der Aufklärung hindeutet. Das „Herz“, welche im Allgemeinen für das Gefühl steht wird hier ebenfalls in Verbindung mit Emotionen gebracht. In dieser Strophe arbeitet Goethe mit zwei Gegensätzen „Froh-‐ und trüber Zeit“ (V. 10) sowie „Wandle zwischen Freud´ und Schmerz / In der Einsamkeit“ (V. 11/ 12). Sie stellen die Veränderung im Leben des lyrischen Ichs dar.
Genau diese Veränderung wird in den Strophen vier bis sieben thematisiert. Nach einem inhaltlichen Bruch, spricht das lyrische Ich nun eine zweite Naturerscheinung an, den Fluss: „Fließe, fließe lieber Fluß!“ (V. 13) Er soll den Schmerz wegspülen und so eine Genesung ermöglichen, was durch die Alliteration des Buchstabens F verdeutlicht wird. Der Fluss stellt im Gegensatz zum Mond den Strom des Lebens und mit ihm alle Vergänglichkeit dar. Sein früheres Leben, seine Erinnerungen und sein Glück „[r]ausche[n]“ (V. 21) einfach weg und stattdessen treten Trauer und Schmerz in sein Leben: „So verrauschten Schmerz und Kuss / Und die Treue so.“ (V. 15) Dies lässt darauf schließen, dass es sich um eine verlorene Liebe handelt, der das lyrische Ich nachtrauert. Dieser Eindruck wird noch einmal durch die Leidensausrufe des lyrischen
Arbeit zitieren:
Tom Schnee, 2011, Johann Wolfgang von Goethe - An den Mond - Interpretation , München, GRIN Verlag GmbH
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