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Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis -1-
Einleitung
1. Das Mittelalter
2. Das 19. Jahrhundert
3. Das 20. Jahrhundert
3.1 Der Erste Weltkrieg und die Weimarer Republik
3.2 Der Nationalsozialismus
Exkurs : Die Darstellung des Holocaust in der Kinder- und Jugendliteratur
3.3 Die Nachkriegszeit
3.3.1 Die Bundesrepublik Deutschland
3.3.2 Die DDR
4. Kinder- und Jugendliteratur heute
5. Fazit
Literaturangaben
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Einleitung
Kinder- und Jugendliteratur ist in Deutschland insbesondere in der Germanistik ein sehr gut erforschtes Thema. Viele Wissenschaftler wandten sich den diversen Aspekten, Fragen und Problemen, die diese Form der Literatur mit sich bringt, zu. So lässt sie sich auf ihren literarischen Wert hin ebenso untersuchen wie auf Unterschiede zur Erwachsenenliteratur, Unterschiede zwischen den einzelnen Genres oder im internationalen Vergleich.
Doch auch für die soziologische Forschung ergeben sich in Bezug auf die Kinder- und Jugendliteratur viele spannende Fragen. Zum Beispiel kann man den Stellenwert des Buches im Gegensatz zu anderen Medien, wie Internet oder Fernsehen untersuchen, sowie den Schaden oder Nutzen, der von diesen Medien für Kinder und Jugendliche jeweils ausgeht.
Da sich in der Kinder- und Jugendliteratur aber auch oft der gesellschaftliche Geist der jeweiligen Kultur und Zeit widerspiegelt stellt sich außerdem die Frage: Dient Kinder-und Jugendliteratur einer Gesellschaft dazu, junge Menschen nach ihrem Willen zu formen? Und wenn ja: Wie hat sich diese Tendenz im Laufe der Zeit entwickelt? Genau diesen Fragen soll im Rahmen der Arbeit nachgegangen werden. Dazu werden zunächst einige Epochen in Bezug auf ihre jeweilige Kinder- und Jugendliteratur hin untersucht und anhand von Beispielen vorgestellt: Das Mittelalter (Kapitel 1), das 19. Jahrhundert (Kapitel 2) und das 20. Jahrhundert (Kapitel 3), welches etwas ausführlicher dargelegt wird. 1 Hier sind insbesondere die Phasen Erster Weltkrieg und Weimarer Republik (Kapitel 3.1), der Nationalsozialismus (Kapitel 3.2), die Nachkriegszeit (Kapitel 3.3) und die Unterschiede zwischen BRD (Kapitel 3.3.1) und DDR (Kapitel 3.3.2) her-vorzuheben. Im 4. Kapitel wird dann die Kinder- und Jugendliteratur im Zeitraum nach der deutschen Wiedervereinigung behandelt, bevor in einem abschließenden Fazit noch einmal die wichtigsten Punkte der Arbeit zusammengefasst werden und die Frage geklärt wird, inwieweit sich die deutsche Kinder- und Jugendliteratur im Laufe der Zeit verändert hat.
1 Ausgeklammert wird im Rahmen dieser Arbeit aus Platzgründen die Zeit zwischen dem Mittelalter
und dem 19. Jahrhundert. Es lässt sich jedoch festhalten, dass in diesem Zeitraum die Kinder- und
Jugendliteratur sehr katholisch geprägt war, das lateinische Element jedoch nach und nach immer
mehr an Bedeutung verlor und sich das Schuldrama besonderer Beliebtheit erfreute.
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1. Das Mittelalter
Bereits ab dem 8. Jahrhundert wurden lateinische bzw. lateinisch-deutsche Lehrwerke und Unterrichtshilfen für Schüler herausgegeben. Erst nach 1200 entwickelte sich jedoch eine eigenständige Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Die frühe Kinder- und Jugendliteratur war vor allem religiös ausgerichtet. Ein gutes Beispiel für diese Tendenz ist das Werk des Adeligen Geoffrey Chevalier de Latour-Landry „Der Ritter vom Turn“ (1493). Dieses Buch richtete sich insbesondere an Mädchen und sollte diese zu demütiger, gottergebener Frömmigkeit und zu einem sittsamen Betragen erziehen. 2 In der heutigen Zeit scheint dieses Buch für Kinder nicht mehr adäquat zu sein, da es sehr grausame Höllenstrafen schildert, die denjenigen erwarten, der sich nicht angemessen verhält. Denn im Mittelalter wurde der Mensch als Glied der Kirche und Eigentum Christi gesehen und die vorrangige Aufgabe der Erziehung war den Heilserwerb des Kindes zu gewährleisten 3 und diese zu Klerikern zu erziehen. Interessant ist sicherlich, dass bereits im Mittelalter Werke speziell für Mädchen verfasst wurden, die dazu dienen sollten, dass diese sich stets schicklich benahmen. 4 Die primäre Aufgabe der Kinder- und Jugendliteratur war also die Bekanntmachung mit der Heiligen Schrift, die religiöse Unterweisung und Belehrung, sowie das Kind in seinem Glauben zu bestärken und ihm eine Anleitung für das praktische Christentum zu bieten. 5
Ein weiteres Beispiel für ein erfolgreiches Werk aus dieser Zeit, dessen Wirkungsmacht im Übrigen bis ins 19. Jahrhundert reichte ist die Spruchsammlung „Disticha Catonis“ (Cato), die bereits im 3./4. Jahrhundert verfasst worden war. Sie war in Form eines Lehrgesprächs zwischen Vater und Sohn geschrieben worden und sollte Lebensmaxime, Klugheitslehren und Anstandsregeln vermitteln.
Zwischenfazit: Festhalten lässt sich, das im Mittelalter (und auch in der Zeit danach) die Kinder- und Jugendliteratur die Aufgabe der Erziehung übernahm. Kindern sollten die gesellschaftlichen Verhaltensweisen beigebracht werden und sie sollten zu gottesfürchtigen Bürgern erzogen werden.
2 Vgl: Brunken, Otto (2008): S. 1
3 Vgl: ebd: S. 4
4 Vgl: ebd: S. 13
5 Vgl: ebd: S. 11
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2. Das 19. Jahrhundert
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann man in der Literatur die beiden Lebensphasen der Kinder und Jugendlichen, die bis dahin beide als Vorbereitungsphase zum Erwachsenwerden begriffen wurden, voneinander zu unterscheiden. 6 Es entstand eine aufklärerische Kinder- und Jugendliteratur, die die spezifische kindliche Wesensart begriff und forderte, dass Kinder in der Literatur als Kinder bestätigt werden müssten. 7 Charakteristisch für das 19. Jahrhundert dürften vor allem die Märchen der Brüder Grimm sein, die in viele Sprachen übersetzt wurden und noch heute in modernerer, teils nicht ganz so grausamer Form einen wichtigen Teil der Kinderliteratur ausmachen. Schon im 18. Jahrhundert bekannten sich Autoren offen zu den Normen, nach denen Mädchen erzogen werden sollten, doch erst im 19. Jahrhundert flossen diese immer unterschwelliger in die Kinder- und Jugendliteratur mit ein. Dabei wurden Mädchen allerdings streng auf den Haushalt reduziert. Sie sollten Werte wie Demut, Sanftmut und Religiosität entwickeln. 8
Bereits seit Ende des ausgehenden 18. Jahrhunderts fanden sich in der Kinder- und Jugendliteratur nationalerzieherische Tendenzen. 9 Dabei konzentrierten sich die Autoren zumeist auf Persönlichkeiten und kriegerische Ereignisse, die für die Stärke der Nation stehen und im Falle von Persönlichkeiten die vaterländische Kultur repräsentierten. 10 Ein Beispiel für diese Form der Literatur wäre „Das Pfarrhaus zu Tannenrode“ (1886) von Brigitte Augusti, in dem eine Frau als Mann verkleidet ihren Vater im Dreißigjährigen Krieg auf einen Feldzug begleitet. Dieser Roman richtet sich an Mädchen, während „Durch Kampf zum Sieg“ (1880) von Andrä Heinrich Fogowitz als Jungenliteratur anzuführen ist. Die hauptsächliche Intention solcher Kriegserzählungen war es, dem Jungen Werte wie Mut, Kameradschaftlichkeit und Aufopferungsbereitschaft, die als typisch männlich definiert wurden, beizubringen. 11
Auch begannen bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts antisemitische Tendenzen in der Literatur aufzukommen, so etwa in dem Roman Rulaman (1878) von David Fried-
6 Vgl:Brunken, Otto (2008): S. 2
7 Vgl: Kaminski, Winfried (1998): S. 17
8 Vgl: ebd: S. 19
9 Vgl: Wilkending, Gisela (2008): S. 228
10 Vgl: ebd: S. 230 ff.
11 Vgl: Wilkending, Gisela (2008): S. 235
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rich Weinland, in dem eine „höhere“ Menschenrasse eine „nieder“ zu vernichten versucht. 12
Gleichzeitig gab es die jüdische Literatur, die sich speziell an Mädchen und Jungen jüdischen Glaubens richtete und deren Entwicklung seit den 1860er Jahren florierte. Diese Literatur sollte den Lesern ihre jüdische Identität vermitteln und stand ganz unter der Prämisse der Religionstreue. 13
Interessant ist, dass seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auch zum ersten Mal Unterhaltungsromane den Kinder- und Jugendliteraturmarkt eroberten. Dies hängt hauptsächlich mit den verbesserten Satz- und Drucktechniken zusammen, die die Herstellung günstiger Bücher ermöglichten. Dadurch bedingt erschienen zum Ende des 19. Jahr-hunderts „zahllose, nur auf kommerziellen Erfolg hin hastig geschriebene Unterhaltungsromane“ 14 . Gleichzeitig wurde seit 1893 das Fachblatt „Jugendschriften-Warte“ herausgegeben, welches Werbung für literarisch anspruchsvolle Texte machte und Unterhaltungsliteratur ablehnte. 15
Im Jahr 1896 kam die Streitschrift „Das Elend unserer Jugendliteratur“ von Heinrich Wolgast, einem Mitglied der Jugendschriftenbewegung und Kunsterziehungsbewegung, heraus. Diese Bewegungen glaubten an die Möglichkeit ästhetischer Erziehung und wehrten sich gegen die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen „zugunsten eines imperialistischen Nationalismus.“ 16
Zwischenfazit: Auch im 19. Jahrhundert übernahm die Kinder- und Jugendliteratur also wie bereits im Mittelalter die Aufgabe der Erziehung. Dies wird besonders deutlich an der Mädchenliteratur, welche dazu diente, jungen Frauen gottesfürchtiges Verhalten und ihre zukünftige Rolle als Hausfrau näher zu bringen. Auch Jungen wurden ihre zukünftigen Verhaltensweisen und dabei vor allem Charaktereigenschaften wie Kameradschaftlichkeit und Mut durch die Kinder- und Jugendliteratur dargelegt. Dies zeigt, dass auch im 19. Jahrhundert junge Menschen stark von der Literatur beeinflusst waren und beeinflusst werden sollten. Jedoch gab es auch einige Erwachsene, wie Heinrich Wolgast, die dies nicht guthießen und gerade die nationalerzieherischen Schriften beklagten.
12 Vgl: ebd: S. 232 ff.
13 Vgl: Völpel, Annegret (2008): S. 261 ff.
14 Vgl: Schikorsky, Isa (2003): S. 84
15 Vgl: ebd: S. 85 ff.
16 Kaminski, Winfried (1998): S. 25
Arbeit zitieren:
Christina Rokoss, 2009, Literatur für Kinder und Jugendliche, München, GRIN Verlag GmbH
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