Universität Stuttgart Historisches Institut Mittlere Geschichte Proseminar: Der Investiturstreit Wintersemester 2002/2003
Die Zusammenhänge des Gegenkönigtums Rudolfs von Rheinfelden mit der
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Position Brunos 4
3. Die Grundlagen des Königtums in der Partei des Gegenkönigs 4
3.1. Die Erhebung Rudolfs in der Königswahl S.4
3.1.1. Die Wähler 4
3.1.2. Die Ansprüche und die Rolle der fürstlichen Wähler 5
3.2. Die Kirchenreform im Gegenkönigtum. 6
3.2.1. Die Bedeutung der Reformkirche als Institution
f ür die Legitimität des Königtums in der Auffassung
der Partei des Gegenkönigs. 7
3.2.2. Kirchenreformerische Einflüsse bei der Königserhebung 8
3.3. Die Rolle und Funktion Rudolfs. 9
4. Die politische Realität des Gegenkönigtums und die Rolle Gregors VII. 10
4.1. Die Rolle Gregors. 10
4.1.1. Kirchliche und kirchenreformerische Interessen
hinter der neutralen Haltung Gregors VII. 10
4.1.2.Politische Hintergründe der Haltung Gregors VII. 12
4.2. Verlauf und Ausgang des Gegenkönigtums 13
5. Fazit. 14
6. Literaturverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Eine der wichtigsten Quellen zum Gegenkönigtum Rudolfs von Rheinfelden ist Brunos Buch vom Sachsenkrieg. Trotz der Einseitigkeit der Gesta, die aus Brunos sächsischer, antisalischer Perspektive erzählt, zeigen sich die tatsächlichen Gegebenheiten der Königsherrschaft Rudolfs, die de facto eine Herrschaft über ein regnum Saxonium war. Die Grundlage für das Gegenkönigtum fand sich in der antisalischen Opposition und der Verbindung zwischen der fürstlichen Wahlgruppe um Rudolf mit der Kirchenreform und ihren Anhängern.
Diese Hausarbeit wird sich zunächst kurz mit der Position des Verfassers des Buchs vom Sachsenkrieg, des Klerikers Bruno befassen.
Als nächstes wird die Arbeit auf die Ansprüche und Hintergründe der Partei Rudolfs und ihr Verhältnis zur Reformkirche eingehen. Hierbei ist zum einen der Einfluss der Fürsten, zum anderen der Einfluss der Anhänger der Kirchenreform zu berücksichtigen. Selbstverständnis, Ansichten und Absichten lassen sich besonders anhand der Wahl in Forchheim und den in Brunos Buch vom Sachsenkrieg inserierten Briefen an Gregor VII. nachzeichnen. In diesem Zusammenhang ist sowohl deren Verhältnis zur Kirchenreform und dem Reformpapstum wichtig als auch die Rolle, die die antisalische Partei dem Papst als Repräsentant der Reformkirche zugedacht hatte. Als zweiter Punkt wird die tatsächliche Position Gregors VII. behandelt, der im Sinne der „iustitia“ den Königstreit auf deutschem Boden entscheiden wollte, um damit auch die Vormachtstellung des Papstes in der Kirche und gegenüber der weltlichen Herrschaft im Sinne der Kirchenreform zu festigen. Vor dem Hintergrund einer geplanten Entscheidung der Königsfrage in einer von ihm geleiteten Versammlung gewährte er zunächst implizit beiden Königen Anerkennung im diplomatischen Diskurs und nahm politisch eine neutrale Haltung ein. Auf die faktische Teilung des Reiches - Rudolf übte die Königsherrschaft in Sachsen aus, in Schwaben behaupteten sich die Anhänger des Gegenkönigs ohne das Rudolf die königliche Herrschaft ausüben konnte und in den übrigen Herzogtümern des Reiches blieb Heinrichs IV. Herrschaft anerkannt - hatte Gregor VII. so keinen Einfluss. Seine eigenen Ansprüche und Ziele ließen sich nicht durchsetzen. Die Anerkennung Rudolfs und Bannung Heinrichs IV. 1080 hat keinen Einfluss auf die Lösung der Königsfrage. Das Gegenkönigtum Rudolfs von Rheinfelden endete mit dessen Schlachtentod, also in der militärischen Auseinandersetzung.
3
2. Die Position Brunos
Bruno, der Verfasser des Buchs vom Sachsenkrieg, war Sachse und zeigt dieses auch deutlich im Text, z. B. in dem er die Sachsen als die „Unsrigen“ 1 bezeichnet. Er stammte aus dem Umfeld des Erzbischofs Werner von Magdeburg, der zu den Führern des sächsischen Adelswiderstands gehörte 2 , die zu den wichtigsten Unterstützern Rudolfs zählten. 3 Somit war Bruno selbst der Partei des Gegenkönigs zu zurechnen. Die Perspektive des Buchs vom Sachsenkrieg ist die Perspektive der Partei des Gegenkönigs.
3. Die Grundlagen des Königtums in der Partei des Gegenkönigs 3.1. Die Erhebung Rudolfs im Königswahlprozess 3.1.1. Die Wähler in Forchheim
Das Gegenkönigtum Rudolfs beginnt mit seiner Wahl zum König auf dem Fürstentag in Forchheim am 13. März 1077. Wie Bruno schreibt „versammelten sich [während Canossa] die Sachsen und Schwaben zu Forchheim, doch waren auch Gesandte aus anderen Stämmen zugegen“ 4 . Tatsächlich handelte es sich bei den Anwesenden um einen „verhältnismäßig kleinen Kreis entschlossener Gegner Heinrichs“ 5 , eine ‚Absetzungspartei’ 6 , bestehend aus der sächsischen Adelsopposition um Otto von Northeim, den oberdeutschen Herzögen Rudolf von Rheinfelden (von Schwaben), Welf IV. und Berthold von Zähringen, den Erzbischöfen Siegfried von Mainz, Gebhard von Salzburg und Werner von Magdeburg, sowie den Bischöfen von Worms, Würzburg, Passau und Halberstadt. 7 Die wichtigsten genannten Teilnehmergruppen, zum einen den Sachsen, zum anderen der die Schwaben repräsentierenden Herzog Rudolf mit seinen Parteigängern Welf IV. und Berthold von Zähring, standen schon vor der Exkommunikation Heinrichs in Opposition zu diesem - bzw. wurde ihnen die Absicht nachgesagt, jenen stürzen zu wollen. 8 Die Behauptungen, es würde für „das Wohl des
1 Nostrates. Bruno: Brunos Buch vom Sachsenkrieg, in: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs des Vierten (FSGA 12), übersetzt: Frann-Joseph Schmale, Darmstadt, 1963, C. 91, S. 332 / 333 ; nostris. Bruno, C. 95, S. 338 / 339.
2 Franz-Joseph Schmale, Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs des Vierten (FSGA 12), S. 29ff.
3 s. u.
4 Interea Saxones et Suevi Forcheim conveniunt, sed et aliis regionibus legati aderant. Bruno, C. 91, S. 332 / 333.
5 Walter Schlesinger: Die Wahl Rudolfs von Rheinfelden zum Gegenkönig 1077 in Forchheim, in: Investiturstreit und Reichsverfassung (VuF 17), Hrsg.: Josef Fleckenstein. Sigmaringen ... , S. 72.
6 ‚Deposition faction’. Ian Stuart Robinson: Robinson. 1056 - 1106, Cambridge, 1999, S. 156 ; Jörgen Vogel: Gregor VII. und Heinrich IV. nach Canossa - Zeugnisse ihres Selbstverständnis, Berlin / New York, 1983, S. 40.
7 Vgl. Schlesinger, S. 71; Robinson, S. 167.
8 Zu den Sachsen: vgl.: Schlesinger, S. 70. Zu Rudolf: Hermann Jakobs: Rudolf von Rheinfelden und die Kirchenreform, in: VuF 17, S. 94, 110 ; Tilman Struve: Rudolf von Schwaben in der zeitgenössischen Historiographie, in: Ex Ipsis Rerum Documentis (Festschrift für Harald
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Arbeit zitieren:
Marc Regler, 2003, Die Zusammenhänge des Gegenkönigtums Rudolfs von Rheinfelden mit der Kirchenreform in Brunos Buch vom Sachsenkrieg., München, GRIN Verlag GmbH
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