Tab. 1: Indikationen und Kontraindikationen des Heilfastens (Quelle: Mod. nach [2, 4, 5])
Fastenformen
Die nachfolgende Vorstellung weitverbreiteter Fastenformen konzentriert sich auf die Grundform des therapeutischen Fastens, dem Heilfasten, dessen Diätplan - mit Ausnahme des totalen Fastens - in den übrigen Fastenformen lediglich variiert wird:
Heilfasten nach Buchinger
Beim Heilfasten handelt sich dabei um einen Begriff, den Dr. Otto Buchinger (1878-1966) zuerst im Jahre 1935 prägte. Damit verbindet er das ärztlich betreute, stationäre multidisziplinäre Fasten, das die drei Dimensionen des Menschen berücksichtigt (medizinisch, psychosozial, spirituell) und sich sowohl für Prävention und Therapie als auch für das „Fasten für Gesunde“ anbietet. Das Heilfasten ist keine Therapieform, die man einfach zu Hause durchführen kann, da eine wesentliche äußere Voraussetzung dafür der Abstand vom Alltag ist. Dieser ist nur in speziellen Fastenkliniken unter Aufsicht erfahrener Fastenärzte immer gewährleistet. Für Buchinger stellte das Fasten nur die Bedingung für die Entfaltung der menschlichen Seele dar. Beim Heilfasten geht es also nicht um profanes Abspecken um jeden Preis. Die Gewichtsreduktion steht nicht im Vordergrund, sondern ist eine positive Begleiterscheinung [5, 6]. Buchinger legte großen Wert auf die religiöse, spirituelle und psychotherapeutische Wirkung des Fastens. Dementsprechend sind Bewegung (z.B. Wandern, Schwimmen),
Psychotherapie, Physiotherapie und naturheilkundliche Verfahren (z. B. Atemschulung, Akupunktur, Massage, Bäder, Sauna, Homöopathie),
Entspannungstherapie (z. B. Yoga, Autogenes Training und Meditation) und ein Nachsorgeprogramm zur Ernährungsumstellung feste Bestandteile einer Heilfastenkur. Begonnen wird sie mit einem Entlastungstag, an dem die Fastenden hauptsächlich Kohlenhydrate aufnehmen (Energiezufuhr 600 Kilokalorien). Der Entlastungstag kann als Obst- oder Reistag gestaltet werden. Das eigentliche Fasten wird am Morgen mit einer gründlichen Darmreinigung durch die Einnahme von 40 Gramm Glaubersalz (Natriumsulfat) auf 0,75 Liter Wasser eingeleitet. Der Fastende sollte jede „Mahlzeit“ (Tab. 2) langsam und bewusst verzehren.
Tab. 2: „Fastenmahlzeiten“
(Quelle: Mod. nach [2, 4, 6])
Eine Fastenkur dauert 21 bis 28 Tage, da nach Buchinger die entscheidenden Prozesse der „Entgiftung und Reinigung“ erst in der dritten Woche beginnen. An jedem zweiten Tag wird ein Einlauf mit Kamillenauszug verabreicht zur Abführung von „Schlackenresten“. Wichtig ist die richtige Durchführung des „Fastenbrechens“ (engl. breakfast). Buchinger empfiehlt den langsamen, bewussten Verzehr eines Apfels am Mittag sowie eine ungesalzene Kartoffelsuppe mit Gemüse am Abend. Abschließend folgen drei bis vier kohlenhydrat- und ballaststoffreiche „Aufbautage“, in denen die Kalorienmenge schrittweise von 800 über 1000 und 1200 auf 1600 Kilokalorien gesteigert wird [2, 4, 5].
Tee-Säfte-Fasten
Bei dem klassischen Tee-Säfte-Fasten handelt es sich um eine reine Trinkkur nach Otto Buchinger, die im deutschsprachigen Raum am häufigsten angewandt wird. Über gewisse Fastengetränke nimmt man einige Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich. Erlaubt ist neben verdünnten Frucht-und Gemüsesäften, Kräutertees, die mit Honig gesüßt werden, und sehr viel Wasser, auch ein Teller Suppe um die Mittagszeit. Da man dem Körper lediglich Flüssigkeiten verabreicht, bleibt der Verdauungsapparat weitgehend unbelastet. Besonders geeignet ist das Tee-Säfte-Fasten bei moderat bis stark Übergewichtigen. Schlanke Personen sollten eher Abstand halten, genau wie Menschen, die unter entzündlichen Prozessen im Magen-Darm-Bereich leiden.
Rohsäftefasten
Beim Rohsäftefasten wird dem Körper in drei bis fünf kleineren Mengen über den Tag verteilt etwa 750 Milliliter Saft zugeführt, davon sind 300 Milliliter Obstsaft, 300
Milliliter Gemüsesaft und 150 Milliliter Heilpflanzensaft (jeweils frisch gepresst). Um Beschwerden zu vermeiden, sind säurearme Früchte, wie Pfirsiche, Birnen, Trauben, Mandarinen oder Mangos, zu bevorzugen. Heilpflanzensäfte (erhältlich in Reformhaus, Apotheke oder Bioladen) werden aus frischen Wurzeln, Blättern, Blüten oder Früchten von solchen Pflanzen gepresst, deren Wirkung eindeutig erwiesen ist. So regt eine Mischung von Brennnessel-, Löwenzahn- und Artischockensaft die Darm-, Leber- und Nierenfunktion an. In Säften befinden sich kaum unverdauliche Bestandteile wie beispielsweise Zellulose. Deshalb werden sie auch unmittelbar vom Körper absorbiert. Darüber hinaus wird der Körper mit Beta-Karotin, Vitamin C, Flavonoiden und vielen anderen sekundären Pflanzeninhaltsstoffen versorgt. Das Rohsäftefasten eignet sich daher gut bei Mangelerscheinungen, häufigen Infekterkrankungen, Übergewicht und zur Gesundheitsvorsorge. Eher untauglich ist sie bei Menschen mit empfindlicher Reaktion auf Fruchtsäuren, sensiblem Magen und Magenschleimhautentzündung.
Schleimfasten
Wer sich zum Tee- und Saftfasten (noch) nicht entschließen kann, ist eventuell beim Schleimfasten besser aufgehoben, da diese Variation des Fastens ein besseres Sättigungsgefühl hervorruft. Diese Fastenart wird hauptsächlich bei Magen- und Darmempfindlichkeit empfohlen. Hierbei wird warmer Hafer-, Gersten, Buchweizen, Leinsamen- oder Reisschleim in kleinen Schlucken getrunken. Der Schleim kann auch aus Leinsamen oder anderen quellenden pflanzlichen Bindemitteln zubereitet werden. Eine Wochenendkur soll Unwohlsein und Schwäche beseitigen, wirkt appetitanregend und regelt den Stuhlgang.
Molkefasten
Beim Molkefasten wird 1 bis 1,5 Liter Kur-Molke (eine mit Eiweiß und Kohlenhydraten angereicherte Molke) in kleinen Portionen über den Tag verteilt getrunken. Ganz wichtig ist es, dass zusätzlich genügend getrunken wird: bis zu 3 Liter Wasser, ungezuckerte Kräutertees oder Früchtetees sollten pro Fastentag getrunken werden. Erlaubt ist auch die Zugabe von frisch gepresstem Saft und ein wenig Obst und gedünstetem Gemüse, um den Geschmack etwas zu verbessern. Kur-Molke ist kalorienarm, enthält viel Kalzium und Eiweiß und wirkt durch den enthaltenen Milchzucker mild abführend. Eher untauglich ist diese Kur bei häufigen Durchfällen und Molkeunverträglichkeit.
Totales Fasten (Null-Diät)
Bei der Null-Diät sind lediglich kalorienfreie Getränke (2 bis 3 Liter täglich) sowie Vitamine und Mineralstoffe als Nahrungsergänzungsmittel erlaubt. Das totale Fasten wurde aufgrund des hohen Verlustes an Eiweiß (Muskulatur) und des fehlenden Lernens im Umgang mit einer dem Bedarf angepassten Mischkost in der Adipositastherapie aufgegeben und durch das so genannte
proteinsubstituierte Fasten ersetzt.
Proteinsubstituiertes Fasten/proteinmodifiziertes Fasten
Der Eiweißabbau (durch eine negative Stickstoffbilanz), der beim totalen Fasten auftritt, kann bereits durch die Zufuhr von etwa 50 Gramm biologisch hochwertigen Proteins (z. B. Molkeneiweiß, Eialbumin) verhindert werden. Da sich die
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, 2011, Fasten, Heilfasten und Nulldiät ernährungswissenschaftliche bewertet, München, GRIN Verlag GmbH
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