Tab. 1: Gemeinsame Merkmale alternativer Ernährungsformen (Quelle: Mod. nach [1-3])
Gründe für die wachsende Beliebtheit alternativer Kostformen dürften das steigende Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung, die begrenzte Belastbarkeit des Gesundheitssystems und die Suche nach alternativen Wegen in der Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten sein. Hier ist vor allem an die wachsende Anzahl von Erkrankungen des Verdauungssystems, bösartiger Tumore, Rheumatische Erkrankungen und Gicht sowie Allergien zu denken. Trotz aller Fortschritte in der schulmedizinischen Therapie bleiben viele dieser Krankheiten nach wie vor kaum beeinflussbar. Im Folgenden werden Entstehung und Prinzipien der Hay’schen Trennkost vorgestellt, um anschließend eine Bewertung dieser alternativen Ernährungsform aus ernährungsphysiologischer Sicht vornehmen zu können.
Historische Grundlagen der Hay’schen Trennkost
Begründer der Hay’schen Trennkost ist der amerikanische Arzt Dr. William Howard Hay (1866-1940), der an einer als unheilbar geltenden Bright’schen Nierenerkrankung (Schrumpfniere) und starkem Übergewicht (110 Kilogramm) litt. Aus diesem Anlass entwickelte er sein 1907 erstmals veröffentlichtes Konzept der Trennkost. Während seiner Krankheit inspirierten ihn Berichte über die
körpereigenen Heilkräfte des im Himalaya lebenden Hunza-Volkes. Die Nahrungsgrundlage dieser Volksgruppe bildeten ausschließlich naturbelassene Lebensmittel wie Gemüse, Früchte, Nüsse, Brot aus vollem Korn, Milch und Käse. Zusätzlich sorgte die tägliche Feldarbeit für reichlich Bewegung. Diese Kostform wurde zum Ausgangspunkt der Ernährungslehre von Hay, die er mit einer grundsätzlichen Kritik an der Technikgläubigkeit der modernen Industriegesellschaft verband. So führte er die Zivilisationskrankheiten wie Gicht, Rheuma, Verstopfung, Darmentzündung, Magengeschwüre, Gallensteine und Asthma auf eine Missachtung der Naturgesetze zurück. Ab sofort ernährte sich Hay nur noch mit naturbelassenen, vollwertigen Lebensmitteln und gesundete nach eigenen Angaben vollständig. In Deutschland und Europa verbreitete der Homburger Arzt Dr. Heinrich Ludwig Walb (1907-1992) Hays Ernährungsgrundsätze in leicht abgewandelter Form in seiner eigenen Klinik. Seit 1989 sorgt Walbs Mitarbeiter und Nachfolger als Klinikchef, Dr. Thomas Heintze, für die weitere Verbreitung von Hays Ernährungskonzept. Schätzungen zufolge beträgt die Zahl der Trennköstler hierzulande zwischen ein und fünf Millionen [1, 4].
Prinzipien
Kernpunkt der Hay’schen Trennkost ist die Trennung, d. h die zeitlich versetzte Aufnahme, von proteinreichen und kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Sie basiert auf Hays „chemischen Verdauungsgesetzen“, nach denen Proteine und Kohlenhydrate im menschlichen Verdauungstrakt nicht gleichzeitig optimal aufgespalten und resorbiert werden können. Er begründete diese Annahme damit, dass protein- und kohlenhydratspaltende Enzyme unterschiedlich wirken: Pepsin benötige zur Proteinspaltung ein saures Milieu, während die Verdauung von Kohlenhydraten (Stärke) mit Hilfe von Ptyalin im basischen Milieu ablaufe. Da jedoch der Magen nicht gleichzeitig sauer und basisch sein könne, gelänge bei einer Mahlzeit, die sowohl Proteine als auch Kohlenhydrate enthält, der Kohlenhydratanteil (Stärkemehle) unverdaut in den Dünndarm, wo er zu gären und zu faulen begänne. Eine weitere Theorie von Hay lautet, dass die übliche „westliche“ Mischkost eine „Übersäuerung“ des Körpers verursacht. Dieser Säureüberschuss im Organismus könne die geringen basischen Reserven leicht erschöpfen und die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Gicht und Rheuma bis hin zu Herzinfarkt und Krebs fördern [1, 8]. Zudem könne das Gehirn keine funktionellen Höchstleistungen mehr erbringen, was schlechte Urteilskraft, mangelndes Konzentrationsvermögen und Müdigkeit zur Folge habe. Eine solche „Übersäuerung“ hat nach Hay vier Hauptgründe:
Unnatürliche Lebensmittel: „Zuviel an raffinierten und denaturierten Kohlenhydraten“, wie Weißmehl, Weißbrot, Zucker und polierter Reis, „zuviel an Protein und Kohlenhydraten“,
„verzögerte Verdauung“, vor allem weil rohes Gemüse und Vollkornprodukte in der Nahrung fehlen,
„falsche Zusammensetzung der Nahrung“, d. h. kohlenhydrat- und proteinreiche Nahrungsmittel in einer Mahlzeit [1].
Um dies zu vermeiden, müsse man etwa dreimal mehr basenbildende als säurebildende Nahrung aufnehmen (siehe Tab. 2).
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, 2011, Trennkost - ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie: neuer Titel erschienen: Trennkost - ein Überblick
Sven-David Müller hat einen neuen Text hochgeladen
Outlines & Highlights for the United Nations and Changing World Politi...
Cram101 Textbook Reviews
Mit über 170köstlichen Rezepte...
Lothar Walb, Thomas Heintze, Peter Lehmann
0 Kommentare