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erziehen würde, sagt diese nur, dass Anna auf ihr weiteres Leben vorbereitet werden müsse und sie so spätere Belastungen und Schicksalsschläge besser ertragen könne. Es wird durch verschiedene Beispiele in dem Text deutlich, dass die Mutter nicht möchte, dass die Tochter sich vor irgendeiner Situation fürchten muss. So bringt sie ihr zum Beispiel das schwimmen im tiefen Flussbett bei. Anna selbst sagt über sich aus, dass sie überhaupt keinen eigenen Willen hatte und sogar nur die Wünsche besaß, die der eigenen Mutter gefallen hätten. Die Abhängigkeit zu der Mutter wird vor allem durch die zweckmäßige Heirat deutlich. Durch Annas Gedanken wird dem Leser deutlich, dass sie sich vor Alexander Matveevich fürchtet und keine Sympathie zu ihm verspürt. Als jedoch die Mutter Anna von der arrangierten Hochzeit erzählt, zeigt sie der Mutter ihre wahren Gefühle nicht. Sie unterstützt diese Entscheidung der Mutter viel mehr, indem sie ihr vergewissert, dass sie ihr niemals widersprechen würde und dass sie die Wünsche ihrer Mutter wie ein Gesetz behandeln würde. Anschließend teilt die Mutter ihr Ratschläge zu, wobei sie betont, dass der Ehemann nun das wichtigste in Annas Leben sei und sie ihm immer gehorchen müsse. So wird sie in Zukunft keine Anweisungen von ihrer Mutter erhalten, sondern von ihrem Ehemann oder von dessen Mutter. Aus unserer heutigen Sicht würden wir bei solch einer Erziehung von einer Unterdrückung des Kindes reden. Wir würden davon ausgehen, dass das Kind nicht glücklich sein kann.
Anders bei Anna Labzina: Sie beschreibt diesen Zeitabschnitt als eine glückliche Phase ihres Lebens und beschreibt ihre Mutter als Vorbild und Heilige. Wo auch immer die Mutter war, brachte sie Frieden und den Segen Gottes mit. Auch beschreibt Anna sich selbst nicht als vollständig gefügige Tochter. Das Klettern in den Bäumen wurde ihr verboten. Dennoch ging sie stillschweigend in den Wald und brachte dort ihren Brüdern das Klettern bei. Wäre Anna zu diesem Zeitpunkt so gefügig gewesen, wie man es zuerst denkt, dann wäre sie gar nicht mehr geklettert. So verstieß sie absichtlich gegen das Verbot ihrer Mutter. Ebenso kann die Situation des Schwimmens im tiefen Flussbrett falsch verstanden werden. Die Mutter möchte die Tochter auf die Zukunft vorbereiten und sie alles lehren. Jedoch kann diese Art der Erziehung die Fürsorge der Mutter widerspiegeln. Die Aussagen über die Mutter würden diese These unterstreichen. Sie sei barmherzig und sie hätte ihr ganzes Leben christlichen Werken gewidmet. Vielleicht ist ihre Tochter eines ihrer christlichen Werke? Rückblickend beschreibt Anna auch, dass sie die Befehle der Mutter mit Freuden ausgeführt habe. Wie sieht es jedoch mit der arrangierten Hochzeit aus? Die Einstellung der Tochter
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wird in dieser Situation nicht ganz deutlich, da sie keine klare Meinung hat. Sie widersetzt sich den Anweisungen der Mutter nicht. Jedoch zeigen die Tränen, die sie verweint, wie sie wirklich empfindet. Auf die Rechtfertigung ihrer Erziehung und die damit verbundene Beschreibung der Mutter, welche schrecklichen Schicksale Anna treffen können, reagiert Anna undurchsichtig.: „It was as if she had forseen my fate, which held all these things in store for me.“ Es stellt sich die Frage, ob diese Aussage auf den weitern Verlauf ihres Lebens und das Zusammenleben mit ihrem Mann gemünzt ist? Wie verlief ihr Eheleben mit Alexander Matveevich? Und wird dort für den Leser ein klares Bild über Anna selbst gegeben?
Der Beginn ihrer Ehe ist mit einer Abneigung gekennzeichnet, die von Anna ausgeht. Sie kann die arrangierte Hochzeit nicht nachvollziehen und fragt ihre Mutter, ob diese Entscheidung wirklich zwingend sei. Die Mutter zeigt in dieser Situation großes Einfühlungsvermögen, weist jedoch Anna zurecht und erteilt ihr Ratschläge. Diese sollen Anna zeigen, dass sie sich dem Ehemann und dessen Mutter unterwürfig zeigen soll. Außerdem solle sie beiden mit Respekt und Liebe begegnen. Im Laufe ihres Ehelebens zeigt sie moralische Stärke, aber ebenso auch Schwäche, die sich in ihrer Unterwürfigkeit widerspiegelt. In der ersten Woche stellt sich schon die erste schwierige Situation. Die Mutter wird sterbenskrank und wird in die Stadt gebracht. Auf dem Weg dorthin liegt die Mutter in der Kutsche, damit sie sich nicht bewegen muss. Anna möchte in dieser Situation ihre Mutter unterstützen und bittet Alex, zur Mutter gehen zu dürfen. Alex macht ihr deutlich, dass er nun für sie entscheidet und sie ab jetzt nur für ihn lebt: „From now on your love should be all mine […].“ Er verbietet ihr, zu der Mutter zu gehen. Anna zeigt in diesem Gespräch zuerst Stärke, weil sie ihm widerspricht. Zieht sich im Verlauf des Gespräches jedoch zurück und gibt klein bei. Zu solch einer Situation, in der Anna sich angepasst zeigt, kommt es in der Ehe des öfteren. Alex bestimmt Annas komplettes Leben. Er macht ihr die Unterschiede vom Mann und Frau deutlich, die zu jener Zeit relevant waren. So nutzt er seine Machtposition und trifft sämtliche Entscheidungen. Am Anfang ihrer Ehe sucht Anna den Rat ihrer kranken Mutter, die sie jedoch jedes Mal ermutigt, ihm zu gehorchen. Das bedeutet für Anna, dass sie keine andere Chance hat als sich ihrem Mann zu fügen. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1772 wendet Anna sich an die Mutter ihres Ehemannes. Diese schenkt ihr Aufmerksamkeit und gibt ihr den Halt, den sie in dieser Ehe braucht. Sie schildert sich in vielen Situationen nicht nur als unterwürfig und angepasst, sondern auch als naiv. Vor allem in der Personenkonstellation zwischen
Arbeit zitieren:
Pia Brinkkoetter, 2010, Stellt Anna Labzina sich in ihren Memoiren „Days of a Russian Noblewoman“ als unterdrückte Frau dar?, München, GRIN Verlag GmbH
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