I. Einleitung
II. Ursachen des Mauerbaus 3
1. Die kontroverse Deutschlandpolitik der beiden deutschen Staaten vor 1961 3
2. Die Entwicklung der DDR in den 50er Jahren 5
III. Der Mauerbau vom 13. August 1961 und seine unmittelbaren Folgen 7
IV. Vom Mauerbau zur Wiedervereinigung Deutschlands 10
1. Entwicklung des Verhältnisses zwischen BRD und DDR bis 1989 10
12 2. Von der Stabilisierung der DDR nach 1961 bis zur Krise und dem Zerfall des SED-Regimes Ende der 80er Jahre
V. Schluss 14
VI. Anmerkungsverzeichnis 16
VII. Literaturverzeichnis 25
VIII. Anlagen 29
I. Einleitung
Die deutsche Frage, die seit dem 19. Jahrhundert auf die politische Gestalt Deutschlands vor allem im Rahmen der anderen europäischen Staaten abzielt, wird von Historikern häufig in eingeengter Bedeutung auf die Entwicklung der beiden Staaten auf deutschem Boden nach Ende des zweiten Weltkriegs bezogen. 1 Sie umfasst sowohl die kontroversen politi-
schen Systeme der Bundesrepublik Deutschland auf der einen und der Deutschen Demokratischen Republik auf der anderen Seite, als auch die Hintergründe und Maßnahmen, die zur Teilung Deutschlands und schließlich zur Wiedervereinigung 1989/90 führten. Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945 erfuhr Deutschland eine Aufteilung. Wurden zunächst vier Besatzungszonen der Siegermächte eingerichtet, so entstanden 1949 daraus die beiden getrennten Staaten Bundesrepublik und DDR. Beide Staaten entwickelten sich immer weiter auseinander, sodass sie über 40 Jahre lang unvereinbar nebeneinander existierten. Hinzu kam, dass sich beide Staaten an der Frontlinie der von den beiden Supermächten USA und UdSSR angeführten feindlichen Blöcke gegenüberstanden. Erst durch die Lockerung der Blockstrukturen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts und einer Annäherungen der beiden deutschen Staaten, aber auch durch innere Probleme der Ostblockstaaten und speziell der DDR wurde schließlich eine Wiedervereinigung 1989/90 möglich.
Die Errichtung der Berliner Mauer 1961 schuf im Rahmen dieser Entwicklung neue Verhältnisse 2 , die in verschiedene Dimensionen einzuordnen sind. So bedeutet der Mauerbau das Eingeständnis des Versagens des SED-Systems 3 , aber auch die Herstellung einer gewissen Normalität in der Mitte Europas. 4 Andere Autoren betonen in diesem Zusammen-
hang die symbolische Bedeutung der Mauer für die Zementierung der deutschen Teilung und die Zerstrittenheit der beiden Blöcke in Europa nach 1945. 5 Wenn man jedoch eher im
Rahmen der Gesamtentwicklung von 1961 bis 1989 nach der Rolle des Mauerbaus sucht, so stellt sich die Frage, ob sie lediglich als ein kurzfristig geschickt genutztes Werkzeug der Ulbricht-Regierung zu sehen ist, um die politische Führung der DDR und den Staat selber zu stabilisieren, oder doch längerfristig als Anfang vom Ende der sozialistischen SED-Herrschaft. 6
Obwohl zur Entwicklung in Deutschland nicht nur innerdeutsche, sondern in hohem Maße e- hören 7 ,behandelt die vorliegende Arbeit in erster Linie die Entwicklung der deutsch-
deutschen Beziehungen sowie die innere Entwicklung der DDR, da hier entscheidende
1
Weichen für den geschichtlichen Ablauf gestellt wurden. In den Fällen, in denen die außerdeutschen Ereignisse eine besonders wichtige Rolle spielten, werden sie allerdings auch erwähnt werden.
Dementsprechend ist meine Arbeit in jeweils zwei Teile der Vor- bzw. Nachgeschichte des Mauerbaus gegliedert. Zum einen geht es um die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR und die jeweiligen deutschlandpolitischen Konzepte vor und nach dem Mauerbau. Zum anderen wird die innerstaatliche Entwicklung der DDR vor allem auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet behandelt. 8 Wenn auch in erster Linie die DDR-
Bevölkerung die Folgen des Mauerbaus zu tragen hatte, rücken hier Überlegungen, z.B. zu den Auswirkungen der Mauer auf das Leben der betroffenen Menschen, in den Hinter-grund; festzustellen ist jedoch, dass dies ebenfalls ein lohnenswertes Untersuchungsobjekt wäre. So weist z.B. Helke Stadtland in einer Bespre erungskultur [...]das
Bauwerk vom 13. August 1961 als Symbol für die Trennung von Familien und Freunden, für Aufsehen erregende Fluch
intensive Beschäftigung mit dem Alltag des Mauerbaus aber noch ausstehe. 9
Die Forschung hat seit dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs viele neue Erkenntnisse gewinnen können, da viele Quellen der internationalen Geschichtsbetrachtung zugänglich gemacht wurden und nicht mehr der ideologischen Kontrolle unterliegen. Somit hat sich die Quellenlage in den vergangenen 16 Jahren erheblich verbessert. 10 Seit
der Wiedervereinigung zeichnet sich in der historischen Darstellung der deutschen Nachkriegsgeschichte zunehmend eine Verschiebung ab. Während zuvor die Unterschiede der beiden Systeme in den Vordergrund gestellt wurden und die Teilung als schlüssige Folge der Systemgegensätze erschien, versuchen heutzutage andere Historiker, wie Christoph Kleßmann, der Besonderheit der deutsch-deutschen Situation dadurch gerecht zu werden, dass sie nicht mehr in erster Linie das Trennende betonen, sondern auf der Suche nach Gemeinsamkeiten oder auch gegenseitiger Beeinflussung sind. 11
Als Standardwerke für das Thema der vorliegenden Arbeit dienten zwei Bücher von Chris- n 12 - 13 , da
sie die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 und dem Ende der Regierungszeit Ulbrichts 1970 umfassend und detailliert beschreiben. Sie geben Einblicke in die politische, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung der beiden Staaten und ermöglichen somit ein gesamtheitliches, wissenschaftliches Arbeiten. Ebenso geben viele weitere
2
Autoren diese Standardwerke als Quellen für ihre Erarbeitungen an. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen des Historikers und Autors Christoph Kleßmann zur Teilung und Integration Deutschlands weisen ihn darüber hinaus bis in die jüngste Vergangenheit als Experten für die deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte aus. 14
II. Ursachen des Mauerbaus
1. Die kontroverse Deutschlandpolitik der beiden deutschen Staaten vor 1961 Vor der eigentlichen Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland im Westen und der Deutschen Demokratischen Republik im Osten im Jahre 1949 15 hatten sich die beiden Staaten bereits politisch, wirtschaftlich sowie gesellschaftlich weit voneinander entfernt. 16
Den politisch-ideologischen Hintergrund dieser Entwicklung bildet das zunehmende Aus-einanderdriften der westlichen und östlichen Machtinteressen. 17 So fürchteten die Westalli-
ierten nach Beendigung des Krieges ein mögliches Übergreifen der Sowjetunion auf ganz Deutschland. Durch diese Einschätzung der Ziele der UdSSR brachen alte ideologische Gegensätze der Vorkriegszeit wieder auf, die auf beiden Seiten wieder den Wunsch aufleben ließen, in Europa Interessensphären abzustecken. Dieser Entfremdungsprozess zwischen Ost und West mündete Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in eine Spannungssituation, den Kalten Krieg, und hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung in Deutschland. 18
Nach der Gründung der beiden Staaten in Deutschland war die weitere Entwicklung durch zwei Hauptlinien gekennzeichnet. Zum einen trachteten beide Staaten danach, dem jeweils anderen Staat die Existenzberechtigung abzusprechen. Diese Haltung manifestierte sich in Kampfbegriffen der DDR wie "sogenannter Bundestag" oder "Spalterparlament" 19 , aber
auch in Formulierungen aus dem Westen, wie z.B. in der Regierungserklärung Adenauers
staatliche Organisation des deutschen Volkes 20 Zum anderen waren die politischen und
wirtschaftlichen Spielräume beider Staaten in der ersten Zeit nach der Staatsgründung noch begrenzt.
So kann für die Situation der DDR prinzipiell festgestellt werden, dass diese einer umfassenden Kontrolle durch die UdSSR unterlag und innerhalb des Ostblocks keine eigenständige Haltung in ideologischen und machtpolitischen Fragen einnehmen konnte. Ursprüngliche Pläne der DDR, ein sozialistisches geeintes Deutschland zu schaffen, mussten vor diesem Hintergrund aufgegeben werden. Ziel wurde die internationale Anerkennung als
3
zweiter deutscher Staat und eine gefestigte Position im sozialistischen Ostblock. 21 1955
gehörte die DDR dementsprechend zu den Unterzeichnerstaaten des Warschauer Paktes und begann 1956 mit dem Aufbau der Nationalen Volksarmee (NVA). Im Jahre 1950 war
enkert.
Die Bundesrepublik Deutschland blieb aufgrund des Besatzungsstatuts (abgemildert durch das Petersberger Abkommen vom November 1949) noch bis 1955 unter der Kontrolle der stung, Außen- und
Finanzpolitik die wesentlichen Befugnisse vorbehielt. 22 Wirtschaftlich wurde die westdeut-
sche Kohle- und Stahlproduktion durch das Ruhrstatut kontrolliert. Trotz aller Beschränkungen setzte sich in der Bundesrepublik die Haltung Adenauers durch, weiterhin und verstärkt die politische und wirtschaftliche Nähe der Westalliierten zu suchen, um auf diesem Wege Zug um Zug die Beschränkungen der Souveränität aufzuheben. Gleichzeitig sollte ein ökonomisch und politisch erfolgreicher Weststaat attraktiv auf den östlichen Teil Deutschlands wirken. 23 Bis 1955 war die Politik der Bundesrepublik
dementsprechend darauf gerichtet, die Souveränität durch die Einbindung in übernationale Einrichtungen zu betreiben und eine eigene Isolierung dadurch zu verhindern, dass eine Isolierung speziell der DDR, von der man sich starr abgrenzte, betrieben wurde. 24 Umge-
kehrt entwickelte die Sowjetunion Mitte der 50er Jahre dem Westen gegenüber die Zwei-staatentheorie, die von der Existenz zweier selbstständiger deutscher Staaten als Nachfolger des Deutschen Reiches ausging. 25
Es würde an dieser Stelle und im Rahmen der Themenstellung zu weit führen, die Einzelheiten im Prozess der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und der außenpolitischen Orientierung nach Westen unter Adenauer darzulegen. Festzuhalten bleibt jedoch, dass im Jahre 1955 die Bundesrepublik Deutschland durch die Pariser Verträge ihre volle Unabhängigkeit erreichte. Den Hintergrund dafür bildeten die Gründung der Bundeswehr im gleichen Jahr und der Beitritt der Bundesrepublik zur 1949 gegründeten NATO. 26 Auf
wirtschaftlichem Gebiet orientierte sich die Bundesrepublik ebenfalls an einer Integration
- EWG). Die beiden deutschen Staaten standen somit unter dem Schutz militärischer Weltmächte, wurden darüber hinaus aber auch selbst Teil von Verteidigungsbündnissen und wirtschaftlichen Organisationen, deren Front
4
die Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR bildete. 27
Für die Entwicklung bis zum Bau der Mauer 1961 spielt jedoch nicht nur die langjährige spannungsgeladene Atmosphäre zwischen den beiden Teilen Deutschlands im Rahmen des Ost-West-Konfliktes eine Rolle, sondern auch die inneren Verhältnisse der DDR in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.
2. Die Entwicklung der DDR in den 50er Jahren
Die nicht demokratisch gewählte, sondern von der sowjetischen Besatzungsmacht eingesetzte SED-Regierung sah sich großen nationalen sowie internationalen Schwierigkeiten ausgesetzt. 28 Hierbei ist nicht nur an die fehlende Anerkennung der DDR durch die Bun-
desrepublik Deutschland und die übrigen Westmächten zu denken, von der im vergangenen Kapitel die Rede war, sondern die DDR und ihre Regierung standen auch wirtschaftlich noch längere Zeit nach ihrer Staatsgründung 1949 nicht auf eigenen Beinen. 29
Während in der Bundesrepublik die Regierung Adenauer die weiter oben geschilderte stabile Außenpolitik durch eine entsprechende erfolgreiche Innen- und Wirtschaftspolitik zusätzlich absichern konnte, hinkte die SBZ und spätere DDR, z.B. durch die hohen Repa-rationsforderungen der Sowjetischen Besatzungsmacht und deren Demobilisierungsvorhaben, dem direkten Konkurrenten im Westen noch lange hinterher. 30
Auch die bereits Ende der 40er Jahre eingeführte Planwirtschaft in der DDR erwies sich als nicht effizient. Missernten und Fehlkalkulationen in der Planung gerade im ersten 5-Jahres-Plan, der 1951 in die Tat umgesetzt wurde, führten zu Nahrungsmittelknappheit und Missmut sowie Frustration unter der Bevölkerung, was wiederum in nicht endende Flüchtlingsströme in den kapitalistischen Westen mündete. 31 Besonders hart traf die DDR-
Wirtschaft die Abwanderung der bürgerlichen Intelligenz in den ersten Jahren ihres Bestehens. In der Bundesrepublik war nämlich in den 50er Jahren ein Prozess in Gang gekom- s- wachstum,verbunden mit Vollbeschäftigung, Preisstabilität bei Massenkonsum und geringe Staatsverschuldung bedeutete. 32
Die Anstrengungen der DDR wurden in den 50er Jahren daher vor allem von dem Willen getragen, den wirtschaftlichen Vorsprung der Bundesrepublik Deutschland aufzuholen, sie gar zu überholen. Auf diese Weise sollte die Bevölkerung keinen Grund mehr für eine Flucht in den Westen sehen. 33 Einen Rückschritt in diesem Prozess stellte dabei jedoch der Aufstand vom 17. Juni 1953 dar 34 , der als allgemeiner Widerstand gegen die Entwicklung
5
in der DDR zu interpretieren ist 35 und in dessen Verlauf die Sowjet-Armee die Aktivisten
des Volksaufstandes durch massivste Militärpräsenz zurückdrängte. [Die Ursachen dieses Aufstandes sind vielfältiger Natur und betreffen sowohl wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche und innenpolitische Faktoren.] 36
Bedeutsam für die weitere Entwicklung innerhalb der DDR und für das deutsch-deutsche Verhältnis ist der 17. Juni vor allem deshalb, weil immer weitere Teile der Bevölkerung in der DDR dem politischen Druck und der wirtschaftlichen Mangelsituation durch Flucht zu entkommen versuchten, die Führung der DDR demgegenüber eine verstärkte Abgrenzung gegenüber der Bundesrepublik und eine noch stärkere Bindung an die UdSSR einleitete und schließlich die Bundesrepublik sich auf ihrem freiheitlichen politischen und wirtschaftlichen Weg bestätigt sehen konnte. 37
Auch nach dem Aufstand hielt die DDR an der Politik des Sozialistischen Aufbaus fest und erhielt entsprechende Vorgaben direkt aus dem Kreml. Beispielsweise musste der zweite 5-Jahres- 38 1959 gegen den bereits zu-
vor in der Sowjetunion eingeführten 7-Jahres-Plan ersetzt werden. Dabei hatte als Folge eines gewissen Aufschwungs in der DDR-Wirtschaft und des entsprechend aufkommenden Wohlstandes für die Bevölkerung in den Jahren 1958 und 1959 eine Milderung der Flüchtlingsströme stattgefunden, sodass sie auf das niedrigste Niveau seit der Gründung der DDR zurückgingen. Als die Regierung dann aber feststellen musste, dass durch den neuen Wirtschaftsplan der Aufschwung nachließ, verfügte sie, die Gesamtkollektivierung der Landwirtschaft voranzutreiben, um die Kalkulierbarkeit von Erträgen und Vieh zu verbessern und mögliche Engpässe zu vermeiden. Dies geschah mit aller Härte. Bauern, die den Zusammenschluss in LPGs, zentral organisierten Bauerngemeinschaften, verweigerten, wurden unter extremen psychischen Druck gesetzt, indem sie als Klassenfeind abgestempelt und somit für die Gesellschaft als nicht weiter tragbar dargestellt wurden. Somit fanden in den Jahren 1959 und 1960 zwar keine Zwangsenteignungen der Bauern statt, jedoch erzwungene 39 Die Kollektivie-
rung konnte auf diese Weise relativ schnell vorangetrieben werden und war 1960 quasi beendet. Dennoch verringerte sich die Höhe der landwirtschaftlichen Erträge; die angestrebte Vollversor 40 . 41
Als Folge davon, aber auch aufgrund des erhöhten politischen Drucks 42 stiegen die Flücht-
lingszahlen in den Jahren 1960 und 1961 erneut stark an. Dadurch wurde einerseits deutlich, dass die Maßnahmen zur Sicherung der SED-Herrschaft unzureichend waren, ande-
6
rerseits bildete die unbefriedigende Lage in der DDR den Auslöser für die Krise, die die Ereignisse des 13. August 1961 herbeiführte.
III. Der Mauerbau vom 13. August 1961 und seine unmittelbaren Folgen Ähnlich wie in Deutschland im Ganzen vollzog sich seit Ende des zweiten Weltkrieges ein Teilungsprozess in der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin. Diese wurde in vier Besatzungszonen (Sektoren) unterteilt und erfuhr die politischen Auseinandersetzungen der 50er Jahre auf die gleiche Weise wie das übrige Deutschland, wenn nicht sogar noch intensiver, denn auch nach der Übertragung der Souveränität an die deutschen Staaten blieb für den 43 die Viermächteverantwortung der Siegermächte des
Zweiten Weltkrieges erhalten. Hatte schon speziell der Arbeiteraufstand in Ost-Berlin im Jahre 1953 die besondere Stellung der geteilten Stadt verdeutlicht, so verschärfte sich die Lage Ende der 50er Jahre. 1958 und 1960 wurden die Legitimation des Status West-Berlins und die Viermächteverantwortung durch den Parteichef der KPdSU, Chruschtschow, angezweifelt. 44 Dieser ließ erkennen, dass er auch vor einer militärischen Lösung der Meinungsverschiedenheit um Berlin nicht zurückschrecken würde. 45 In den
50erJahren hatte die Sow
Idee einer Wiedervereinigung Deutschlands gegen Neutralisierung vertreten. 1959 jedoch äußerte Chruschtschow sein Desinteresse gegenüber ähnlichen Vorschlägen deutscher Politiker aus den Reihen der SPD. 46
Auch im Rahmen der innerdeutschen Streitigkeiten wurde Berlin zunehmend zum Krisenfall. Seit der Abriegelung der innerdeutschen Grenze durch Stacheldraht im Jahre 1952, dem weiteren Ausbau der Sperrmaßnahmen nach dem 17. Juni 1953 und der Einschränkung des Reiseverkehrs 1957 wählten viele Flüchtlinge den Weg aus der DDR über Berlin, nnen. 47 Dabei waren die Fluchtgründe
sehr unterschiedlich, in erster Linie aber lag der Wunsch nach Freiheit und besseren Le- nwanderung zuden günstigeren 48
Die DDR-Führung reagierte darauf, indem sie ab 1956 damit begann, die Ein- und Ausreisebedingungen für die DDR allgemein und für Ost-Berlin im Besonderen zu verschärfen. Hierbei wurden sukzessive die Bedingungen für die Ausstellung von Visa verschärft sowie ab 1960 die Einreise für West-Berliner nach Ost-Berlin sowie die Ausreise für DDR-Bürger in den Westen komplett untersagt. 49
7
Arbeit zitieren:
Sebastian Clauß, 2006, Der Bau der Berliner Mauer im August 1961, München, GRIN Verlag GmbH
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