Prozesskostenrechnung als Managementinstrument in Unternehmen der Automobilindustrie
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGS - UND TABELLENVERZEICHNIS II
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS III
1 PROBLEMSTELLUNG UND GANG DER UNTERSUCHUNG. 1
2 PROZESSORIENTIERTE KOSTENRECHNUNG 3
2.1 WESEN DER PROZESSKOSTENRECHNUNG 3
2.2 ZIELE DER PROZESSKOSTENRECHNUNG 5
2.3 ABGRENZUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG 6
3 METHODIK DER PROZESSKOSTENRECHNUNG 9
3.1 ANALYSE DER PROZESSE 9
3.2 ERMITTLUNG DER PROZESSGRÖßEN 12
3.3 BILDUNG DER PROZESSKOSTENSÄTZE 14
4 PROZESSKOSTENRECHNUNG IM KOSTENMANAGEMENT 15
4.1 PROZESSKOSTENRECHNUNG ALS MANAGEMENTINSTRUMENT 16
4.2 PROZESSKOSTENRECHNUNG IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE 18
5 KRITISCHE WÜRDIGUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG 20
LITERATURVERZEICHNIS 22
I
Prozesskostenrechnung als Managementinstrument in Unternehmen der Automobilindustrie
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis
2.1 EINSATZFELDER UND GRUNDPRINZIPIEN VON ABC, PKR UND GRENZPLANKOSTENRECHNUNG 8
3.1 SCHEMATISIERTE PROZESSHIERARCHIE 11
3.2 ERMITTLUNG DER PROZESSKOSTENSÄTZE ANHAND EINES BEISPIELS 14
II
1 Problemstellung und Gang der Untersuchung
Im Zuge des seit Mitte des letzten Jahrhunderts stetigen technologischen Fortschritts und der Globalisierung der Märkte sind Unternehmen einem zunehmendem Wettbewerbsdruck und z.T. grundlegend gewandelten Markt- und Produktionsbedingungen ausgesetzt.
Der technologische Wandel führt vor allem durch den fortschreitenden Automatisierungsgrad 1 der Fertigung in Industrieunternehmen zu einer fortwährenden Substitution von Arbeit durch Kapital. 2 Dies bedeutet, dass eine deutliche Verschiebung des Verhältnisses von Lohnkosten zu Investitionskosten stattfindet. Im Gegenzug steigt durch den Einsatz moderner Produktionstechnologien die Komplexität der Produktionsprozesse. Somit nimmt der Umfang der planenden, steuernden und überwachenden Tätigkeiten, also der indirekten Unternehmensleistungen 3 , zu. 4 Auch Rationalisierungs-und Diversifikationsbemühungen, welche aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks auf den globalisierten Märkten erforderlich sind, bedingen gemeinkostentreibende Aktivitäten, wie bspw. die Planung und Steuerung von Logistikprozessen oder die Entwicklung von Produktvarianten. 5 Die Automobilindustrie zeigt die Entwicklung zur gemeinkostenintensiven Produkt- und Variantenvielfalt besonders deutlich. So ermöglichte der technologische Fortschritt zunächst in den USA den Wandel von handwerklich organisierten Manufakturen zur Massenfertigung weniger Modelle. 6 Aufgrund der veränderten Nachfragebedürfnisse auf den globalen Märkten, zeichnet sich die Automobilindustrie heute durch ein breites Produkt- und Variantenspektrum aus. 7 Mit dem technologischen Fortschritt und den gewandelten Markt- und Produktionsbedingungen ist auch eine Verschiebung der Mitarbeiterstruktur einhergegangen. So übten noch vor fünfzig Jahren 90% der Beschäftigten in der Automobilindustrie
1 „Automatisierung […] beinhaltet das Übertragen von Entscheidungsfunktionen auf Maschinen und
Geräte, wobei nicht nur physische Bearbeitungsvorgänge, sondern zunehmend auch Steuerungs- und
Kontrollfunktionen einbezogen werden.“ Renner (1991), S. 10-11
2 Vgl. Braun (1996), S. 13
3 Indirekte Leistungsbereiche eines Unternehmens sind z.B. F&E, Beschaffung, Logistik, QS und Ver-
trieb, aber auch die klassischen Verwaltungsbereiche zählen dazu. Vgl. Kavandi (1998), S. 30
4 Vgl. u.a. Jórasz (2008), S. 181
5 Vgl. u.a. Scholz (2001), S. 121
6 Henry Ford, Gründer der Ford Motor Company, revolutionierte die industrielle Produktion durch ein
modernes Konzept der Fertigung im Automobilbau, das u.a. die Fließbandtechnik integrierte.
7 Vgl. Braun (1996), S. 18-19
1
Tätigkeiten mit direktem Produktionszusammenhang aus, während heute bereits jeder Zweite nur indirekt der Fertigung zuzuordnen ist. 8
Es zeigt sich also eine elementare Verschiebung der Kostenstruktur von direkt zurechenbaren (Lohn-)Einzelkosten zu Gemeinkosten. Dieser Wandel wurde vor allem durch die Studie „The hidden factory“ von J. G. Miller und T. E. Vollman im Jahre 1985 belegt, die über einen Zeitraum von über 100 Jahren einen signifikanten Anstieg des Gemeinkostenanteils an der Wertschöpfung von Industrieunternehmen in den USA nachwies. Millers und Vollmans Studie war richtungsweisend, da sie grundlegend in Frage stellte, ob die traditionellen Kostenrechnungsverfahren nach wie vor zur Ermittlung verursachungsgerechter Produktkosten geeignet sind. 9
Infolgedessen wurde Ende der 1980er Jahre in den USA von R. Kaplan und R. Cooper das Activity-Based Costing (ABC) entwickelt, welches sich auf alle nicht als Einzelkosten verrechenbaren Kosten - vor allem Fertigungsgemeinkosten - bezieht und die Kosten anhand von innerbetrieblichen Aktivitäten erfasst. In den USA war im Gegensatz zu den meisten Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die bereits zu diesem Zeitpunkt die Gemeinkosten im Rahmen der Plankostenrechnung verrechneten, keine voll entwickelte Kostenstellenrechnung vorhanden. 10 Daher entwickelte sich aufgrund der ungleichen Voraussetzungen parallel zum amerikanischen ABC die Prozesskostenrechnung (PKR) in Deutschland, welche von P. Horváth und R. Mayer konzipiert und maßgeblich geprägt wurde. 11 Mit der Entwicklung der PKR zielte man nicht darauf ab, die traditionellen Kostenrechnungsverfahren vollkommen zu ersetzen. Die PKR war vielmehr als Erweiterung gedacht, die die bestehenden Kostenrechnungssysteme - vor allem in den indirekten Leistungsbereichen - um prozessorientierte Kostenbegriffe ergänzen und damit das Problem der beanspruchungsgerechten Gemeinkostenverrechnung lösen sollte. 12
Vor mittlerweile 20 Jahren ist die PKR zum ersten Mal in der Fachliteratur thematisiert worden. In der Zwischenzeit sind zahlreiche Veröffentlichungen erschienen, die die Methodik der PKR dargestellt und sich kritisch mit ihr auseinandergesetzt haben. Fraglich ist jedoch, inwieweit die PKR in der Unternehmenspraxis einen Mehrwert für das Management schafft, indem es den Informationsgehalt der Kostenrechnungssysteme
8 Altmann (2009)
9 Vgl. u.a. Franz (2002), S. 264-265
10 Vgl. Horváth/Mayer (1993), S. 15
11 Bereits vor den Überlegungen Horváths und Mayers gab es Ansätze eine Prozesskostenrechnung einzu-
führen. So befasste sich bspw. bereits 1975 eine Arbeitsgruppe der Siemens AG mit der Entwicklung
einer „prozessorientierten Kostenrechnung“. Horváth/Mayer (1993), S. 15
12 Vgl. u.a. Knuppertz/Ahlrichs (2008), S. 118
2
fördert und damit Grundlagen für operative und strategische Entscheidungen schafft. Diese Seminararbeit soll anhand der Automobilindustrie, welche direkt oder indirekt jeden siebten Arbeitsplatz in Deutschland sichert 13 und als „Motor der deutschen Wirtschaft“ gilt, repräsentativ den heutigen Stellenwert der PKR im Kostenmanagement von Unternehmen untersuchen. Dazu erfolgt zunächst eine ausführliche Darstellung der PKR als Kostenrechnungsverfahren. Hierfür werden die Ziele und die Methodik der PKR erläutert sowie eine Abgrenzung ggü. klassischen Kostenrechnungsverfahren vorgenommen. Auf dieser Basis erfolgt die Darstellung der PKR als Instrument im Kostenmanagement und die Beurteilung eines zweckmäßigen Einsatzes in der Automobilindustrie.
2 Prozessorientierte Kostenrechnung
Eine Kosten- und Leistungsrechnung 14 erfüllt niemals einen Selbstzweck, sondern dient der Bereitstellung von Informationen für die Unternehmensführung (Management). In diesem Sinne ist ein Kostenrechnungssystem ein Informationssystem, das im Allgemeinen zwei Hauptfunktionen erfüllt: 15
1. Verursachungsgerechte Ermittlung, Analyse und Kontrolle der Kosten von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen des Unternehmens 2. Bereitstellung von Kosteninformationen für das Management zur Schaffung von Entscheidungstransparenz
Angesichts der inhomogenen Unternehmensstrukturen und je nach Kalkulationsobjekt sehr stark variierenden Ansprüche an die Kostenrechnung, ist eine hinreichende Erfüllung der Anforderungen kaum durch ein Verfahren abzudecken. Ein Kostenrechnungssystem beinhaltet daher i.d.R. mehrere Kostenrechnungsverfahren, die jeweils nur z.T. den Anforderungen an die Kostenrechnung gerecht werden. 16 So werden folgend die Merkmale und Ziele der PKR beleuchtet sowie ein Vergleich mit anderen Verfahren vorgenommen.
2.1 Wesen der Prozesskostenrechnung
Die PKR ist ein Kostenrechnungsverfahren, das sich an den Haupteinflussfaktoren der Gemeinkostenentstehung in den indirekten Leistungsbereichen (Gemeinkostenbereiche)
13 Wegner/Prüße (2007), S. 3
14 Im Folgenden umfasse der Begriff Kostenrechnung zur Vereinfachung auch die Leistungsrechnung
15 Vgl. u.a. Kaplan/Cooper (1999), S. 20
16 Vgl. u.a Kaplan/Cooper (1999), S. 30-49
3
Arbeit zitieren:
Johannes Kähm, 2010, Prozesskostenrechnung als Managementinstrument in Unternehmen der Automobilindustrie, München, GRIN Verlag GmbH
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