die Probleme der Nachkriegszeit in Deutschland, die ihm in weiterer Folge verschiedene Preise heimbrachten und ihn zur bekannten, einflussreichen Persönlichkeit in literarischen, philosophischen und aufständischen Kreisen werden ließ. Dies führte dazu, dass sich Böll ab den 60er Jahren auch gegen Instanzen wie die katholische Kirche und die Bundesrepublik Deutschland sowie deren Politiken äußerte.
Ab den 60er Jahren nahm Böll Lehrtätigkeiten an den Universitäten Frankfurt und Prag auf, was mit einer zunehmenden Aufständigkeit und Protestaktivitäten verbunden war. Im Jahre 1969 wurde Böll Mitglied des Verbands deutscher Schriftsteller und ist von 1971 bis 1974 Vorsitzender des internationalen PEN-Clubs (vgl. Sowinski 1993: S. 19). Im Folgenden sollen die Grundsätze des PEN Clubs beschrieben werden, da diese v.a. im Kontext Heinrich Bölls und des bearbeiteten Werks bedeutsam werden.
è Der Pen Club ist eine internationale Vereinigung von Schriftstellern, die 1921 gegründet wurde folgende Grundsätze vertritt: 1. Literatur kennt keine (politischen) Grenzen. 2. v.a. in Kriegszeiten soll Kunst (& Literatur) geschützt werden 3. gegenseitige Achtung der Nationen & ungehinderter Gedankenaustausch 4. Freiheit der Presse: gegen wahrheitswidrig Veröffentlichungen, vorsätzliche Fälschungen und Einstellungen von Tatsachen für politische und persönliche Zielen. (vgl. http://www.penclub.at/) Das Jahr 1972 war für Heinrich Böll aufgrund von zwei Tatsachen bedeutsam: Erstens erhielt Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur, zweitens entstand im selben Jahr das Werk „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. Grundlage dafür bildet ein im gleichen Jahr publizierter Artikel im Spiegel unter dem Titel: „Will Ulrike Meinhof Gnade oder freies Geleit?“, der zu einer öffentlich, kontroversen Diskussion führte, da Böll mit seiner Stellungnahme für einen fairen Prozess für die RAF Mitglieder und einen zivilisierten Umgang mit den inhaftierten RAF Mitglieder plädierte.
à Unter der RAF versteht man die „Rote-Armee-Fraktion“, eine linke Terrororganisation, gebildet von jungen Studenten der 60er, 70er, und 80er Jahren, die als eine Nachkriegsterrororganisation in Deutschland bezeichnet
werden kann. Sie zeichneten sich durch Tätigkeiten wie dem Kidnapping von Politikern etc. aus.
Ausgangspunkt für den von Böll publizierten Artikel im Spiegel war ein Bericht der Bild Zeitung in der Mitgliedern der RAF ohne jegliche Anhaltspunkte des Mordes bezichtigt wurden (vgl. www.boell.de). Diese Unterstellungen haben Heinrich Böll derart aufgebracht, dass er mit einer Erklärung im Spiegel reagierte, in der er die Methoden der Blätter des Springer Verlags (insbes. der Bild Zeitung) kritisierte (vgl. der Spiegel, 10.01.1972). Daraus entstand eine kontroverse, monatelange Diskussion um Heinrich Böll, da die Bild Zeitung Böll nun der Mitgliedschaft in der RAF und als Sympathisant für Selbige betitelte. Diese Diskussion (v.a. durch die Bild Zeitung) brachte Bölls Person in den Medienmittelpunkt und verwickelte ihn in eine medial gesteuerte ‚Hetzjagd‘ (vgl. www.boell.de). Dies führte bishin zur öffentlichen Aufforderung an Böll die Präsidentschaft des PEN-Clubs zurückzulegen (vgl. ebd.). Damit wurde Böll durch den Sensationalismus der Medien zur medial „gejagten“ Figur. Dieses Erlebnis hat der Schriftsteller in seinem 1974 erschienen Werk „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ thematisiert. Angemerkt soll an dieser Stelle noch werden, dass das bearbeitete Werk nicht die einzige böllsche autobiografische Verarbeitung von Erlebnissen ist, sodass Böll Zeit seines Lebens private Erlebnisse in seinen Werken verarbeitete. Zeugnis dafür sind ebenso seine zahlreich erschienenen Kriegsromane. Das Werk:
Dementsprechend kann die Kriminalerzählung die verlorene Ehre der Katharina Blum ebenso als autobiografisches Werk Bölls bezeichnet werden, in der er seine eigenen Erfahrungen mit der Boulevardpresse und dem Sensationsjournalismus verarbeitete. Zu Beginn seiner Erzählung überspitzt er dies durch die Vorinformation:
„Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ (Böll 1974: S.x)
Vor allem durch diese Anmerkung wird die Parallele zum eigenen Leben deutlich und der Kriminalroman zum autobiografischen Werk indem Böll mit dem Sensations-und Boulevardjournalimus „abrechnet“ indem er schlecht recherchierte Tatsachen, Behauptungen und Verleumdungen etc. kritisiert. Inhalt
Die Geschichte beginnt an einem Faschingsabend, dem 20. Februar des Jahres 1974 an dem Katharina Blum, eine 27-jährige geschiedene Haushälterin, die in einer Eigentumswohnung lebt und als sehr zurückgezogen und schüchtern gilt, an einem Faschingsfest bei ihrer Tante teilnimmt. Dort lernt sie den jungen Mann Ludwig Götten kennen und verbringt mit ihm die Nacht. Am nächsten Morgen wird Katharina Blum während des Frühstücks von der Polizei in ihrer Wohnung überrascht, da ihr Liebhaber Ludwig Götten als Bankräuber und Mörder verdächtigt wird. Katharina Blum wird denunziert Götten zur Flucht verholfen zu haben und für ihr Verhör festgenommen. Der Leiter der Fahndung ist Erwin Bezimenne. Er konfrontiert Katharina während ihrer Vernehmung mit mehreren für die Sache irrelevanten Angelegenheiten. Nach der (aufwendigen und genauen) Vernehmung wird Katharina Blum wieder in ihre Freiheit entlassen. Das der Fall der Katharina Blum alsbald das Interesse der Presse (insbesondere der ZEITUNG) nach sich zieht, braucht an dieser Stelle nicht länger geklärt zu werden. Woher die ZEITUNG allerdings die publizierten Informationen aus dem Verhör entnimmt ist jedoch vielmehr zu hinterfragen. Der Journalist der Zeitung Werner Tötges beginnt im Umfeld von Katharina Blum über sie zu recherchieren. Dabei werden Personen aus Katharinas Umgebung (ihre Arbeitgeber, Verwandten, Nachbarn und Verwandten sowie ihr Exmann und ihre todkranke Mutter) „befragt“ und deren Aussagen massiv fehlinterpretiert und verfälscht. Am nächsten Morgen erscheint unter dem Titel: „Räuberliebchen Katharina Blum verweigert Aussage über Herrenbesuche“ ein großer, Aufsehen erregender Artikel samt Foto von Katharina in der Zeitung. Darin wird Katharina Blum als langfristige Geliebte Göttens und dessen Beihelferin zur Flucht dargestellt, was neben wertenden Prädikaten über Katharina zu einem rufmordenden Pressebericht gegen Blum führt. Demzufolge wird Katharina in der darauffolgenden Zeit mit Drohbriefen und anonymen Anrufen überhäuft. In den folgenden Tagen erscheinen Artikel in der ZEITUNG in denen Blums (todkranke) Mutter als Mittäterin klassifiziert wird und auf Blums „kriminellen Bruder“, sowie
Arbeit zitieren:
MMag. Catrin Neumayer, 2009, Die verlorene Ehre der Katharina Blum - eine Inhaltsübersicht, München, GRIN Verlag GmbH
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