Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Überblick über die Schweizer Bankenstruktur 5
2.1 Definition einer Bank und ihr Aufgabengebiet 5
2.2 Besonderheiten der Bankenrechnungslegung 7
2.3 Bankengruppen 10
3 Ausgangslage 1980 15
3.1 Volumenverteilung 15
3.2 Personal 21
3.3 Organisationsstruktur 23
3.4 Technischer Stand 25
3.5 Produkte und Dienstleistungen 27
4 Entwicklung 1980 - 2000: Strukturwandel des Sektors 29
4.1 Der gesamte Finanzsektor rückt näher zusammen 29
4.2 Volumenverteilung im Wandel - Trend zum indifferenten Geschäft 32
4.3 Konzentration und Wandel des Bankensektors 47
5 Grundlagen des Wandels 60
5.1 Technische Entwicklung 60
5.2 Immobilienkrise und Refinanzierung 65
5.3 Neue Denkansätze 68
5.4 Entwicklung der gesetzlichen Grundlagen 71
5.5 Geänderte Bankenorganisation 75
5.6 Produkte 80
6 Zusammenfassung und Ausblick 85
7 Index 87
8 Quellenverzeichnis 90
2
Reto Reichenbach 2002
1 Einleitung und Rahmenbedingungen
Die Schweiz genoss lange Zeit den Ruf,
der
Finanzplatz weltweit zu sein. Der Beitrag
der Finanzindustrie an das Schweizer Bruttosozialprodukt, den Arbeitsmarkt und an das internationale Ansehen war bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts beträchtlich und konnte anschliessend sogar nochmals gesteigert werden. Die allgemeine Wachstumsphase der Schweizer Bankenwelt auf allen Ebenen wurde in den 90er-Jahren allerdings stark gebremst und schwenkte hinsichtlich einiger Aspekte in eine neue Richtung. Bilanzsumme, Erträge und Rentabilität wurden zwar nochmals gesteigert, demgegenüber war aber eine starke Reduktion der Anzahl Banken und deren Niederlassungen sowie eine Stagnation des Personalbestandes zu beobachten, wobei sich gleichzeitig die Gewichtung der Geschäftserträge sowie der Bilanzpositionen stark veränderte. Begleitet wurde die Strukturänderung durch eine rasante technologische Entwicklung sowie neue Beratungsansätze und Produkte, welche in dieser Form noch wenige Jahre zuvor kaum bekannt gewesen waren. Mittlerweile hat sich aufgrund verschiedener Entwicklungen die oben erwähnte internationale Einstufung des Schweizer Finanzplatzes geändert: Die Schweiz gilt heute als
einer
der Finanzplätze weltweit. Die geschilderte Entwicklung an sich ist bereits bekannt und wurde auch entsprechend in verschiedenen Veröffentlichungen dokumentiert beziehungsweise kommentiert. Die vorliegende Lizentiatsarbeit unterscheidet sich in folgenden Punkten von bisherigen Untersuchungen oder auch Kommentaren zur beobachteten Strukturänderung:
Ø
Einerseits wird der Fokus auf einen aus historischer Sicht sehr engen Zeitrahmen
gelegt, welcher die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts stellvertretend für die gesamte Entwicklung der modernen Schweizer Bankenwelt in der Nachkriegszeit und andererseits die 90er-Jahre als Jahrzehnt des Umschwunges in eine neue Richtung berücksichtigt. Im Vergleich zu Veröffentlichungen mit wirtschaftlich geprägtem Hin-tergrund handelt es sich demgegenüber bereits um einen sehr langen Betrachtungszeitraum, da Wirtschaftskommentare in der Regel einen kürzeren Zeithorizont zugrunde legen.
Ø Bei den meisten bisherigen Veröffentlichungen handelt es sich um stark isolierte Einzelbereiche des Schweizer Bankwesens oder um die Betrachtung einer einzelnen Bankengruppe. Bei der vorliegenden Abhandlung handelt es sich um den Versuch, Aspekte der reinen Produktivitätsentwicklung mit denjenigen der technologischen Entwicklung, der Personalpolitik sowie des gesetzlichen Umfeldes zu verschmelzen, um somit den angesprochenen Strukturwandel fassbar zu machen und zu erklären.
Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung der bewegten jüngsten Bankengeschichte aufzuzeigen und zusammenfassend einen kurzen Ausblick in die nächste Zukunft zu wagen.
3 © Reto Reichenbach 2002
Fragestellung und Die folgenden Fragestellungen stehen hierbei im Zentrum:
Ziele
Ø Wie äusserte sich der Strukturwandel, welcher in der Öffentlichkeit als „Konzentra-
Ø WelchenÄnderungen unterlagen die Bilanzpositionen sowie die hauptsächlichen Ertragsquellen der Schweizer Banken?
Ø Welches waren die Antriebsfaktoren für den beobachteten Strukturwandel ?
Der enge Rahmen einer Lizentiatsarbeit bedingt einige Einschränkungen bei der Ausar-
beitung der einzelnen Aspekte. Die Diskussion und Interpretation der einzelnen beobachteten Entwicklungen wird stark eingeschränkt, um den Einbezug einer Vielfalt von verschiedenen Faktoren zu ermöglichen. Das internationale Umfeld der Schweizer Bankenwelt wird zudem nur punktuell zur Überprüfung allgemeiner Trends berücksichtigt. Das gleiche gilt für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie Zinsen, Wechselkurse und Inflation, welche nur als Verstärker und nicht als Auslöser einer Trendwende bezeichnet werden können.
Die Bankenstatistik der Schweizerischen Nationalbank wird als Grundlage der statisti- berücksichtigte
Quellen
schen Auswertungen verwendet. Die Schweizerische Nationalbank wurde im Rahmen der im Bundesgesetz vom 23. Dezember 1953 ihr zugeschriebenen Aufgaben unter anderem mit der statistischen Auswertung des Schweizer Bankgeschäftes betraut. Das statistische Material ist somit als verlässlich einzustufen und aufgrund der nach Artikel 24 der Verordnung zum Bankengesetz für alle Banken geltenden Rechnungslegungs-vorschriften als einheitlich zu betrachten 1 . Wo nicht anders vermerkt, beruhen sämtliche grafischen Darstellungen auf der Statistik der Schweizerischen Nationalbank der Jahre 1980 bis 2000. Die Befragung von rund 100 Bankangestellten verschiedener Schweizer Banken, welche den betrachteten Zeitraum vollumfänglich oder auch nur teilweise mitgemacht haben, wie auch Sekundärliteratur aus dem genannten Zeitraum und Kommentare aus Zeitschriften beziehungsweise Tageszeitungen ergänzen das Bild. Die in der eigenen Erhebung gesammelten Aussagen sind aufgrund der nicht repräsentativen Menge und Verteilung auf alle Bankengruppen statistisch gesehen nicht relevant, werden aber in ihrer Eigenschaft als Zeitzeugenberichte in die Untersuchung mit einbezogen. Fachliteratur bezüglich Gesetzgebung, Bankenführung und Rechnungslegung dienen zur Abgrenzung des Grundrahmens, um die statistischen Auswertungen richtig deuten zu können.
4 © Reto Reichenbach 2002
2 Überblick über die Schweizer Bankenstruktur
Um die Schweizer Bankenwelt dem Historiker etwas näher zu bringen, werden auf den folgenden Seiten in einer kurzen Zusammenfassung die Aufgaben einer Bank umrissen, die verschiedenen Bankengruppen definiert und ein Einstieg in die Grundlagen der Bilanz und Erfolgsrechnung der Schweizer Banken gegeben. Zu beachten ist hierbei, dass die Darstellung der Bankenrechnungslegung auf rudimentäre Eckbegriffe reduziert wurde, welche dem Fachbereich in keiner Weise gerecht werden, für die Betrachtung der untersuchten Entwicklung im Bankensektor aber ausreichend erscheinen.
2.1 Definition einer Bank und ihr Aufgabengebiet
Die ursprüngliche Aufgabe einer Bank besteht in der sogenannten Finanzintermediation, das heisst, dem Zusammenbringen der Nachfrage und des Angebotes von Kapital. Ein funktionierender Geldumlauf bildet die Basis für eine gesunde Wirtschaft, wobei im volkswirtschaftlichen Kreislauf die Banktätigkeit die Drehscheibe zwischen Produzenten und Konsumenten darstellt 2 .
2 Quelle für grafische Darstellung = Schweizerische Bankiervereinigung: BankingToday.ch /
Bankwesen und Zahlungsverkehr, Basel 1997 / Kapitel: Geld, Bank und Wirtschaft, S. 17 5 © Reto Reichenbach 2002
Die Finanzintermediation war in der Schweiz bereits im Mittelalter - wenn auch nicht
als umfassende Bankentätigkeit im heutigen Sinn - bekannt. Hierbei war die Kreditnachfrage über Jahrhunderte hinweg infolge der sehr guten finanziellen Lage der Eidgenossenschaft nur gering. Das Kapitalangebot, welches zu ansehnlichen Teilen aus der lukrativen Belieferung verschiedener Kriegsparteien zum Beispiel in den Burgunderkriegen oder dem dreissigjährigen Krieg stammte, übertraf die Nachfrage bei weitem. Selbst noch im 18. Jahrhundert war die bankmässige Organisation der Kreditnachfrage in der Regel kaum notwendig. Die primäre Aufgabe der wenigen Schweizer Banken des 18. Jahrhunderts bestand in der Bereitstellung von Anlageinstrumenten, welche einen Kapitalexport ermöglichten. Die Schweizer Banken besassen somit offenbar schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen international guten Ruf als Anlagebankenen, welcher sich bis in die heutige Zeit fortsetzt 3 . Die ursprüngliche Aufgabe der Kapitalvermittlung wurde im Laufe der Jahrzehnte ergänzt durch weitere Dienstle istungen wie Zahlungsverkehr, Wertschriftenhandel, Vermögensverwaltung undaufbewahrung, Anlageberatung sowie die Produktion und den Vertrieb verschiedenster weiterer Finanzprodukte.
Die rechtliche Definition einer Bank und der Bankentätigkeit ist im Schweizer Bundes-
gesetz über Banken und Sparkassen verankert, welches 1934 begründet wurde und seither mehrmals angepasst wurde. Eine Bank wird hier als ein Institut definiert, welches sich öffentlich zur Annahme von Kapital zur Einlage empfiehlt. Aufgrund des Fehlens einer genaueren Umschreibung, wie sich eine Bank von anderen Finanzgesellschaften unterschied, welche nicht dem Bankengesetz unterstellt waren, wurden als Hauptmerkmale die Verwendung der Bezeichnung Bank oder Bankier im Firmennamen sowie die tatsächliche Ausübung einer Finanzvermittlungstätigkeit herangezogen. Im Jahr 1990 wurde der Begriff der Finanzgesellschaft mit Bankencharakter abgeschafft, ab 1997 wurde eine Abgrenzung zwischen der Bankentätigkeit und dem reinen Effek-tenhandel geschaffen. Seither werden solche Unternehmen als Bank bezeichnet und den entsprechenden gesetzlichen Richtlinien unterworfen, welche hauptsächlich im Finanzsektor aktiv sind und welche insbesondere gewerbsmässig Einlagen von der Öffentlichkeit entgegennehmen oder welche sich in bedeutender Weise durch Banken refinanzieren, deren Beteiligung an ihrem Kapital gering ist. In beiden Fällen ist der Zweck, auf eigene Rechnung eine unbestimmte Anzahl von Personen oder Unterne hmungen zu finanzieren, mit welchen sie keine wirtschaftliche Einheit bilden 4 .
4
6 © Reto Reichenbach 2002
2.2 Besonderheiten der Bankenrechnungslegung
Bei den folgenden Ausführungen wird vorausgesetzt, dass die Grundlagen der Rechnungsführung hinsichtlich Bilanz und Erfolgsrechnung einer Unternehmung bekannt sind, weshalb nur auf banktypische Besonderheiten eingegangen wird, welche bei den Untersuchungen hinsichtlich Strukturänderungen der Bilanz- und Ertragspositionen von Relevanz sein werden
5
. Die oben beschriebene Finanzintermediation einer Bank spiegelt
sich in der Bilanz in Form von Aktiv- und Passivpositionen wieder. Die Bilanz gibt einen Überblick über die Vermögenslage einer Bank, wobei Forderungen beziehungsweise Verpflichtungen gegenüber anderen Banken getrennt von denjenigen gegenüber Nichtbanken auszuweisen sind. Die Rechnungslegung erfolgt im wesentlichen nach den allgemein gültigen Grundsätzen der Vollständigkeit der Jahresrechnung, Klarheit der Angaben, Wesentlichkeit der Angaben, dem Vorsichtsprinzip, der Fortführung der Unternehmenstätigkeit sowie der Stetigkeit in Darstellung und Bewertung. Die Stetigkeit der Darstellung wurde in den 90er-Jahren durch neue Rechnungslegungsvorschriften beeinflusst, welche die bislang geltende Mindestgliederung erweiterten. Die in der
Lizentiatsarbeit erarbeiteten statistischen Auswertungen können abgesehen von wenigen Ausnahmen dennoch unter dem Aspekt der stetigen Darstellung als aussagekräftig bezeichnet werden, da sich die neuen Vorschriften weitgehend auf eine Präzisierung der bisherigen Darstellung bezogen und die Rückführung in die vorher geltenden Positionen erlaubten. Im Februar 1995 traten die neuen Regeln in Kraft, welche ab Ende 1996 von allen Banken zu befolgen waren. Auf der Aktivseite der Bilanz mussten somit Wertschriften des Anlagevermögens seit 1996 getrennt ausgewiesen werden, gleiches galt auf der Passivseite für Wertberichtigungen und Rückstellungen. Vermehrte Transparenz konnte unter anderem auch durch eine getrennte Ausweisung verschiedener Reservepositionen erreicht werden 6 . Nach den Vorschriften für die Bankenrechnungslegung mussten einige ertragsmässig wichtige Geschäfte bilanzseitig nicht erfasst werden, welche in der Statistik der Schweizerischen Nationalbank aber dennoch ausgewertet wurden. Hierbei handelte es sich um Treuhandgeschäfte, Eventualverpflichtungen, unwiderrufliche Zusagen, Einzahlungs- und Nachschussverpflichtungen, Verpflichtungskredite und die Wiederbeschaffungswerte und Kontraktvolumen offener derivativer Finanzinstrumente 7 . Diese ausserbilanzmässigen Posten waren insofern wichtig, als sie unter anderem die Grundlage für das indifferente Geschäft bildeten, welches auf Seite 9 f vorgestellt wird. Die für das indifferente Geschäft wichtigste Position - Kundenvermögen in Wertschriftendepots - tauchten in keiner Bilanz auf, da es sich nicht
5 STG-Coopers & Lybrand: Rechnungslegungsvorschriften für Banken und Effektenhändler,
Basel 1997. Dieses Lehrbuch gibt einen detaillierten und kommentierten Überblick.
6 Schweiz. Nationalbank: Das Schweiz. Bankwesen im Jahre 1995, Zürich 1996, S.16 ff
7 Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 17 7 © Reto Reichenbach 2002
um bankeigene Mittel handelte. Zusammenfassend lässt sich die Bilanz einer Schweizer Bank wie folgt darstellen 8 :
Die Erfolgsrechnung verfolgt den Zweck, den Ertrag der verschiedenen Geschäftsbereiche transparent zu machen. Die oben erwähnten neuen Rechnungslegungsvorschriften
hatten insofern Auswirkungen auf die Darstellung der Gewinn- und Verlustrechnung, als ab 1996 die Erfolge der Hauptgeschäftsarten Zinsengeschäft, Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie Handelsgeschäft gestaffelt mit Subtotalen auszuweisen waren. Auch der übrige ordentliche Erfolg sowie der Geschäftsaufwand wurden von 1995 an separat dargestellt. Wertberichtigungen, Abschreibungen und Verluste wurden als ausserordentlicher Ertrag beziehungsweise Aufwand ausgewiesen. Die in der vorliegenden Arbeit ausgewiesenen Nettogewinne beziehen sich soweit möglich auf das Total dieser Kategorien nach Steuern. Die Darstellung der effektiven Ertragslage wurde dahingehend erschwert, dass Artikel 669 des Schweizer Obligationenrechts die Bildung beziehungsweise Auflösung von stillen Reserven zur Ausgleichung von Ertragsschwankungen explizit zuliess, wodurch sich die Rechnungslegungsvorschriften vom internationalen Standard unterschieden. Wurde allerdings durch die Auflösung von stillen Reserven das ausgewiesene Ergebnis wesentlich besser dargestellt als das tatsächlich erwirtschaftete, musste die Auflösung offengelegt werden 9 . Diese Reserven waren in der Bilanz bis 1995 nicht sichtbar und dienten der Gewinn- und Dividendenstabilisierung 10 . Ab 1996 war die Bildung beziehungsweise Auflösung von stillen Reser-
9
10 8 © Reto Reichenbach 2002
ven auf Stufe der Einzelunternehmung entsprechend dem Obligationenrecht zwar i mmer noch erlaubt, hingegen waren sie in der Konzernrechnung nicht mehr gestattet 11 . Die Erfolgsrechnung einer Schweizer Bank lässt sich wie folgt darstellen 12 :
Grundlegend wird bei den von einer Bank generierten Erträgen zwischen zwei Katego-
rien unterschieden, welche einerseits aufgrund der Rechnungslegung voneinander abgegrenzt werden, andererseits aber auch unter dem Aspekt des im beobachteten Zeitraum vollzogenen Strukturwandels von Interesse sein werden. Hierbei handelt es sich um das klassische Zinsdifferenzgeschäft sowie das indifferente Dienstleistungsgeschäft, welche an dieser Stelle definiert und auf den Seiten 19 beziehungsweise 38 ff näher untersucht werden. Das differente Geschäft - oder auch Zinsdifferenzgeschäft - bezieht sich auf die bereits erwähnte Aufgabe der Bank als Finanzintermediär, welcher von seinen Kunden vereinfacht gesagt Kapital zur Anlage entgegennimmt und auf der anderen Seite Kapital zur Finanzierung von Unternehmungen und Immobilien zur Verfügung stellt. Für die Sparkapitalien und Anleihen, welche auf der Passivseite der Bankbilanz figurieren, bezahlt die Bank einen Passivzins und erhält demgegenüber für das Finanzierungskapital, welches sie dem Markt zur Verfügung stellt, einen (höheren) Aktivzins. Zum indifferenten Geschäft gehören nebst der Vermögensverwaltung auch die Wertschriftenaufbewahrung (Depotgeschäft), Börsen- und Emissionsgeschäft, Devisen-handel, Dokumentargeschäft und verschiedene entgeltliche Beratungen und Abwicklungsarbeiten (Finanzplanung, Erbteilung, etc.). Die Bank erhält für diese Dienstleistungen Kommissionen oder erzielt auch auf dem Handel mit bankeigenen Wertschriften Kursgewinne. Diese Erträge sind nicht bilanzwirksam, weshalb sie als indifferent be-
11 Schweiz. Nationalbank: Das Schweiz. Bankwesen im Jahre 1995, Zürich 1996, S. 16 ff
12 Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 42
9 © Reto Reichenbach 2002
zeichnet werden. Folgende Grafik gibt einen Überblick über die verschiedenen Ertragsarten am Beispiel einer Universalbank , welche sämtliche Geschäftsarten a nbietet 13 :
2.3 Bankengruppen
Der Vergleich verschiedener Banken, welche unterschiedliche Zielgruppen bedienen, wird durch die Bildung von Gruppen typähnlicher Banken möglich. Um die Transparenz der statistischen Auswertungen zu erhöhen und strukturelle Veränderungen detailliert aufzeigen zu können, wird im Folgenden weitgehend auf die Gruppenbildung der Schweizerischen Nationalbank abgestützt 14 . Die Gruppierung präsentierte sich beinahe im gesamten betrachteten Zeitraum unverändert wie folgt:
Die meisten Kantonalbanken wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ge- Kantonalbanken
gründet. Das Bankengesetz verstand bis 1999 unter diesem Begriff Banken, welche durch kantonalen gesetzlichen Erlass errichtet worden waren und für welche der Ka nton in der Regel mit der sogenannten Staatsgarantie haftete 15 . Mit der Revision des Bankengesetzes von 1999 reduzierte sich die Verpflichtung der Staatsgarantie und die
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Kantonalbanken wurden neu der Aufsicht der Eidgenössischen Bankenkommission unterstellt. Das wichtigste Kriterium ist seither die Beteiligung des Kantons, welcher mindestens einen Anteil von einem Drittel des Kapitals beziehungsweise der Stimmen halten muss. Die öffentlich-rechtliche Anstalt stellte per Ende 2000 mit 17 von 24 Kantonalbanken die häufigste Rechtsform dar, 5 Kantonalbanken waren gemischtwirtschaftliche Aktiengesellschaften und nur 2 Kantonalbanken reine Aktiengesellschaften. Als Eigenkapitalgeber trat auch bei diesen grösstenteils der Kanton auf, welcher dem Gläubiger (d. h. dem Bankkunden) gegenüber im Falle der Insolvenz des Institutes haftete. Innerhalb der Gruppe gab es markante Unterschiede betreffend Bilanzgrösse und Marktauftritt. Grundsätzlich handelte es sich um Universalbanken mit einem ausgeprägten Spar- und Hypothekargeschäft 16 .
Gemessen an der Bilanzsumme, am Ertrag und der Anzahl der Beschäftigten stellten Grossbanken
die Grossbanken unter den Schweizer Banken mit Abstand die grösste Bankengruppe dar. Die Geschäftstätigkeit ging über die Schweizer Grenzen hinaus, das Interbankengeschäft wurde weitgehend durch sie betrieben. Die Zuordnung zu den Grossbanken beruhte in der Bankenstatistik der Schweizerischen Nationalbank zum Teil auf historischer Überlieferung. Ursprünglich wurden acht Grossbanken gezählt, seit den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Gruppe kontinuierlich reduziert. Im Jahr 1934 wurde die Banque d’escompte Suisse liquidiert, 1945 wurde das laufende Geschäft der Eidgenössischen Bank AG von der Schweizerischen Bankgesellschaft, dasjenige der Basler Handelsbank vom Schweizerischen Bankverein übernommen. Von 1945 bis 1989 wurden fünf Banken als Grossbanken deklariert ( Schweizerische Bankgesellschaft, Schweizerischer Bankverein, Schweizerische Kreditanstalt, Schweizerische Volksbank und die Bank Leu. Die Schweizerische Kreditanstalt und die Schweizerische Volksbank, welche beide der CS-Holding angehörten, figurierten seit 1997 unter den neuen Namen Crédit Suisse First Boston und Crédit Suisse. Nur ein Jahr später fusionierten die Schweizerische Bankgesellschaft und der Schweizerische Bankverein zur UBS AG, womit der Kreis der Grossbanken um ein weiteres Mitglied geschmälert wurde. Hinsichtlich Bilanzsumme, Ertrag und Anzahl Mitarbeiter waren die Grossbanken im Beobachtungszeitraum unter den Schweizer Banken dank ihrer Leaderrolle im Kredit- und Vermögensverwaltungsgeschäft die stärkste Gruppe (vgl. S. 32 ff), anzahlmässig handelte es sich im Jahr 2000 mit nur mehr drei statistisch erfassten Mitgliedern um die kleinste Gruppe (UBS AG, Crédit Suisse und Crédit Suisse First Boston) 17 . Die Zürcher Kantonalbank, welche aufgrund ihrer Grösse in verschiedenen Wirtschaftskommentaren der
16 Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 21
17 Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 22 f
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90er-Jahre bereits als Grossbank bezeichnet wurde, war übrigens in der statistischen Erfassung der Schweizer Nationalbank immer ein Mitglied der Gruppe der Kantonalbanken.
Ursprünglich handelte es sich bei der Gruppe der Regionalbanken und Sparkassen um Regionalbanken und
Sparkassen
Hypothekar-, Lokal- und Regionalbanken sowie ebenfalls nur regional tätige Sparkassen. Gegen Ende des Beobachtungszeitraumes war eine scharfe Abgrenzung zu anderen Universalbanken allerdings kaum mehr möglich, da sich das Geschäftsfeld der meisten dieser Banken stark ausgeweitet hatte. Vor allem der Geschäftsbereich der Kantonalbanken ähnelte stark demjenigen der Regionalbanken, einzig die Rechtsform und die noch stärkere regionale Begrenzung der Geschäftstätigkeit waren in den meisten Fällen Unterscheidungskriterien. Seit 1971 war ein Grossteil dieser Institute im Verband der Schweizer Regionalbanken organisiert, 1998 folgte für knapp hundert Mitglieder der Gruppe der Zusammenschluss zur RBA-Holding. Die Holding stellte ihren Mitgliedern verschiedene Gesellschaften zur Erbringung von Dienstleistungen zur Verfügung zum Zwecke der Nutzung gemeinsamer Ressourcen (interne Revision, Informatik, Personal, Kommunikation und Rechtsdienst) 18 .
Die Raiffeisenbanken waren gemeinnützige, nach Ihrem Gründer F.W. Raiffeisen (1818 Raiffeisenbanken
- 1888) benannte, ortsweise organisierte Banken, welche ursprünglich nur im Spar-und Kreditbereich tätig waren. Der Kundenstamm der Raiffeisenbanken setzte sich vor allem aus mittelständischen Privatkunden und Kleinunternehmen der jeweiligen Region zusammen. Rechtlich gesehen handelte es sich bei den per 2000 rund 500 Raiffeisenbanken um Genossenschaften, welche durch entsprechende Anteilscheine gut 900'000 Genossenschaftsmitgliedern gehörten. Zusammengeschlossen waren die einzelnen Institute im Schweizer Verband der Raiffeisenbanken, welcher verantwortlich für die Unternehmensstrategie und -planung sowie für die Öffentlichkeitsarbeit, Produkteentwicklung, Liquiditäts- und Riskmanagement wie auch für eine einheitliche Informatik-plattform, Inspektorat und Revisionsstelle zeichnete. Demgegenüber wurden G eschäftsentscheidungen (beispielsweise bei der Gewährung einer Hypothek) vor Ort getroffen, um die Kundennähe zu gewährleisten. Eine verbandseigene Zentralbank regelte den Geldverkehr unter den einzelnen Mitgliedbanken, womit der Kredit- und Kapitalausgleich wie auch die Liquiditätserfordernisse der Gruppe gewährleistet wurden 19 .
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Unter der Bezeichnung Übrige Banken wird in der Statistik der Schweizerischen Natio- ÜbrigeBanken
nalbank eine heterogene Gruppe verstanden, welche grundsätzlich in schweizerisch beherrschte und andererseits in ausländisch beherrschte Banken zu unterteilen ist. Bei den schweizerisch beherrschten Banken wurden im Beobachtungszeitraum drei Untergruppen unterschieden: Handelsbanken, Börsenbanken und Andere Banken. Die Institute für Kleinkredite und Konsumfinanzierung bildeten bis 1998 eine weitere Untergruppe, anschliessend waren sie Bestandteil der Untergruppe Andere Banken. Ha ndelsbanken wurden aufgrund der Struktur der Bilanz und der Erfolgsrechnung diejenigen Banken bezeichnet, für welche im Aktivgeschäft die Kontokorrentkredite sowie Diskontkredite an Handel, Industrie- und Gewerbe nebst Hypothekargeschäften charakteristisch waren. Bei den Börsenbanken waren demgegenüber Hypothekarkredite nur von geringer Bedeutung, auch Spareinlagen von Kunden fehlten meistens. Andere Banken wurden diejenigen Banken genannt, welche nur schwer einer der übrigen Gruppen zugeordnet werden konnten. Bei den Auslandbanken handelte es sich zum Grossteil um Gründungen aus den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu beachten ist, dass es sich wie bei allen anderen betrachteten Banken um Institute handelte, welche nach Schweizer Bankenrecht geführt, zum überwiegenden Teil aber durch Ausländer beherrscht waren (sei es durch Stimmenmehrheit oder durch einen anderen beherrschenden Einfluss, beispielsweise durch die Zusammensetzung der Anteilseigner, Geschäftsleitung oder des Verwaltungsrates) 20 .
Zu unterscheiden sind bei der Bankengruppierung die Bezeichnungen
Filialen ausländi-
scher Banken und die oben erwähnten Auslandbanken. Gemeinsam war beiden Banktypen die vom Ausland aus gesteuerte Geschäftstätigkeit sowie die mehrheitlich ausländische Kundschaft 21 . Die Auslandbanken waren in der Gruppe Übrige Banken erfasst, da es sich um selbständige Bankinstitute handelte. Die Filialen ausländischer Banken waren hingegen nur Niederlassungen, welche sowohl wirtschaftlich als auch rechtlich der ausländischen Muttergesellschaft zugeordnet wurden. Die unter dieser Gruppe zusammengefassten Bankinstitute konzentrierten sich vor allem auf das Interbankengeschäft mit dem Ausland sowie Treuhandgeschäfte 22 .
Die
Privatbanken
waren die ersten Banken in der Schweiz. Da sich dieser Name im
Sprachgebrauch weitgehend etabliert hat, wird er im Folgenden anstelle der offiziellen Bezeichnung Privatbankiers verwendet. Die ersten Institute wurden Mitte des 18.
20 Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 25
21 - Schweiz. Nationalbank: Das Schweiz. Bankwesen im Jahre 1979, Zürich 1980, S. 16 f
- Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 25
22 Schweiz. Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2000, Stäfa 2001, S. 26 13 © Reto Reichenbach 2002
Jahrhunderts gegründet, viele weitere folgten gegen Ende des Jahrhunderts. Keines wurde als reines Bankgeschäft eröffnet, alle waren gleichzeitig Grosshändler, Kommissionäre oder Spediteure. Mit der Effizienzsteigerung des Verkehrswesens, der fortschreitenden Industrialisierung und der damit einhergehenden wachsenden Arbeitsteilung zogen sie sich zunehmend auf das Bankgeschäft zurück. Privatbanken warensoweit sie sich nicht öffentlich zur Entgegennahme fremder Gelder empfahlen - entsprechend dem Schweizer Bankengesetz nicht zur Veröffentlichung ihrer Jahresrechnung sowie der Zwischenbilanzen verpflichtet, was die statistische Auswertung insbesondere der Erträge zu Beginn der 80er Jahre verunmöglicht. Die Privatbanken haften aufgrund der Rechtsform (Einzelfirma, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft) entsprechend dem schweizerischen Obligationenrecht dem Gläubiger gegenüber nicht nur mit dem Gesellschaftskapital und den Reserven sondern auch mit dem persönlichen Vermögen, weshalb dieser Bankengruppe auch heute noch seitens der Anlegerschaft grosses Vertrauen geschenkt wird. Das Hauptgeschäft der Privatbanken konzentriert sich traditionell auf das Geschäft der Vermögensverwaltung, das Wertschriften- und das Emissionsgeschäft. Die Führung von Kundenkonten, die Finanzierung von Immobilien und Unternehmungen sowie der entsprechende Zahlungsverkehr fielen im Vergleich zum Typ der Universalbank weitgehend weg 23 .
Die nachstehenden Gruppen der Bankenstatistik der Schweizerischen Nationalbank
werden in der vorliegenden Arbeit nicht näher betrachtet. Bei der Gruppe Institute mit besonderem Geschäftskreis handelte es sich um Banken und bankähnliche Institute, welche aufgrund ihrer begrenzten Aufgaben kaum einem wirtschaftlich bedingten Strukturwandel unterlagen beziehungsweise nicht im Zentrum der Fragestellung stehen, da es sich teilweise nur um Dienstleister der untersuchten Geschäftsbanken handelte. Konkret geht es hierbei um die Schweizerische Zentralbank sowie die SIS SegaInterSettle-Clearingstelle. Die Gruppe der Finanzgesellschaften wird weitgehend unkommentiert gelassen, da es sich nur um bankähnliche Institute handelte, welche seit dem Inkrafttreten des revidierten Schweizer Bankengesetzes vom 1. Februar 1995 in dieser Form nicht mehr existierten und somit auch nicht mehr statistisch von der Nationalbank erfasst wurden 24 . Aufgrund des sehr begrenzten Marktanteiles bleiben auch die Privatbanken sowie die Filialen ausländischer Banken in der vorliegenden Arbeit oftmals unkommentiert, obwohl sie als Imageträger für den Schweizer Bankenplatz eine gewichtige Rolle spielten.
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3 Ausgangslage 1980
In diesem Kapitel wird die Verteilung des Schweizer Bankgeschäftes auf die verschiedenen Marktteilnehmer zu Beginn der beobachteten Periode untersucht. Die Sichtung statistischer Kennzahlen der vorangegangenen zwei Jahrzehnte lässt den Schluss zu, dass die dargestellten Werte das Resultat einer kontinuierlichen Entwicklung ohne grosse Verschiebungen unter den einzelnen Bankengruppen und ohne grundlegende Änderungen der Ertragsarten sowie der Bilanzstruktur sind. Grössere Veränderungen struktureller Art konnten erst anschliessend, vor allem in den 90er-Jahren, beobachtet werden, weshalb die detaillierte Betrachtung des Ausgangspunktes 1980 sowie der gesamten 80er-Jahre stellvertretend für die Entwicklung der vorangegangenen Jahrzehnte als ausreichend erscheint.
3.1 Volumenverteilung
Unter diesem Stichwort wird nachstehend einerseits die Bilanzstruktur der verschiedenen Bankengruppen zu Beginn des Untersuchungszeitraumes, andererseits aber auch die volumenmässige Verteilung der Ertragsquellen untersucht. Die Darstellung der Anzahl Banken sowie deren Niederlassungen wie auch die Personalstruktur runden diesen Teil der Betrachtung ab. Die folgende Grafik gibt einen ersten Überblick, welche Bank-
typen hinsichtlich der Bilanzsumme am Gesamtmarkt welchen prozentualen Anteil hat-
lerdings nur durch die Analyse der Bilanzsumme wichtige Geschäftszweige des indifferenten Geschäftes nicht darstellbar. Anlässlich eines Vortrages in Vaduz gab Josef Akkermann diesbezüglich zu bedenken, dass im Zeitraum von 1988 bis 1998 die japanischen Bankhäuser gemessen an der Bilanzsumme weitgehend ihre führende Stellung einbüssten. Aus der internationalen Liste der weltweit zehn grössten Bilanzenschwergewichte verabschiedeten sich in den untersuchten Jahren vier Vertreter der japani-15 © Reto Reichenbach 2002
schen Gruppe, welche zu Beginn des untersuchten Zeitraumes noch sieben Plätze besetzt gehalten hatte. Die Analyse der Bilanzsumme lässt also keinen direkten Rückschluss auf den Marktanteil sowie die Stabilität der jeweiligen Bankengruppe zu. Die von Ackermann empfohlene Untersuchung der Marktkapitalisierung als Index für den wahren Marktanteil macht auf internationalem Niveau zwar Sinn, kann in der vorliegenden Studie allerdings nicht auf den Schweizer Markt appliziert werden, da ein Grossteil der untersuchten Institute zwischen 1980 und 2000 nicht börsenkotiert war und auch heute noch nicht ist 25 . Eine Auswertung der Bilanzstruktur lässt hingegen interessante Schlüsse auf die Refinanzierungsstruktur der Schweizer Banken zu. Nachstehende Darstellungen beschränken sich auf eine Auswahl der wichtigsten Bilanzpositionen sowie auf einen Zusammenzug der diesbezüglich fünf grössten Bankengruppen
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Banken waren durch Forderungen im gleichen Umfang gegenüber Banken gedeckt, womit dieser Anteil an der Gesamtbilanzsumme als Ausgleichsgefäss unter den Banken betrachtet werden kann.
Die Verteilung der Nettoerträge lässt eher als die Bilanzsumme auf die Stärke der ein-
zelnen Bankengruppen schliessen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass nicht ausschliesslich die Präsenz am Schweizer Markt dargestellt wird, da einzelne Bankengruppen stark auslandlastig ihre Erträge erwirtschafteten (beispielsweise die Grossbanken und ein Teil der Kategorie der Übrigen Banken), andere Institute sich wiederum ausschliesslich i nländischen Geschäften widmeten (z. B. Regionalbanken, und Raiffeisenbanken). Als Nettoertrag wird im Folgenden der Jahresgewinn vermindert um allfällige Jahresverlu-
aufgrund erheblicher Bilanzkosmetik einzelner Banken zwar verfälschen, beeinflusst aber die Darstellung von langfristigen Tendenzen über einen Zeitraum von zwanzig Jahren nicht entscheidend. Die Berücksichtigung von Steuern ist insbesondere angesichts der Kantonalbanken angebracht, da deren Nettoerträge wie auch die Eigenkapitalrendite durch das Steuerprivileg positiv beeinflusst waren. 1980 erwirtschafteten die Grossbanken entsprechend obiger Auswertung rund 43% aller Nettoerträge aus dem Schweizer Bankensektor. Mit einem Viertel Anteil stellte die Gruppe der Übrigen Banken den zweitstärksten Mitbewerber. Innerhalb dieser Gruppe hatten die Handels- und Börsenbanken den grössten Anteil am erwirtschafteten Ertrag. Kantonal-, Regional-und Raiffeisenbanken trugen einen weiteren Viertel zum Gesamtertrag bei. Aufgrund fehlenden Zahlenmaterials werden die Privatbanken 1980 noch nicht erwähnt. Sie werden, wie auf S. 14 erläutert, in der offiziellen Statistik und dementsprechend auch in der vorliegenen Lizentiatsarbeit erst ab 1986 mit verlässlichem Zahlenmaterial bezüglich der Ertragslage berücksichtigt.
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Eine aufschlussreiche Grösse hinsichtlich der Effizienz der verschiedenen Bankengruppen ist der Ertrag, welcher nach Kosten und Steuern pro Mitarbeiter verdient wurde. Diese Gegenüberstellung macht verschiedenes deutlich: Die Finanzgesellschaften waren
gesellschaften deshalb nicht berücksichtigt. Hieraus kann Folgendes abgelesen werden: Die Filialen ausländischer Banken wie auch die Übrigen Banken erwirtschafteten pro Mitarbeiter rund 50% bis 100% mehr als die Kantonal-, Regional-, Raiffeisen- oder auch Grossbanken. Zum Teil ist dieses Bild ebenfalls durch das weitgehende Fehlen von nicht mit Eigenmitteln zu unterlegenden Aktivgeschäften bei diesen beiden Bankentypen beeinflusst. Zugleich kann das Ergebnis durch die damals noch gültigen Rech-nungslegungsvorschriften verfälscht sein, welche es zuliessen, die Ertragslage ganzer Konzerne (somit insbesondere der Grossbanken) durch die Bildung von stillen Reserven deutlich nach unten oder oben zu korrigieren. Auch wird den üblichen Schwankungen von Gewinnen und Personalbestand bei der punktuellen Auswertung keine Beachtung geschenkt. Diese Effekte werden erst in der langfristigen Betrachtung der Gesamtperiode (vgl. S. 45 ff) erkennbar.
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Die Auswertung der Bruttoerträge aus dem Zinsdifferenz- wie auch aus dem indifferenten Geschäft lässt eine Beurteilung der Ertragsverteilung der Schweizer Banken um 1980 zu, welche alleine aus der Bilanzsumme nicht abzuleiten ist. Die Verteilung ergibt
träge beinhaltet übrigen ordentlichen Erfolg inklusive allfälliger Beteiligungserträge oder Auflösungen von stillen Reserven. Hauptanteil am Zinsdifferenzgeschäft hatten zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihres Gesamtvolumens die Grossbanken sowie die Übrigen Banken und andererseits aufgrund des historisch gewachsenen Geschäftes die Regional-, Kantonal- und Raiffeisenbanken. Bei den Grossbanken und den Übrigen Banken war das indifferente Geschäft in Relation zum Zinsdifferenzgeschäft deutlich im Übergewicht. Kantonal-, Regional- und Raiffeisenbanken waren sehr zinslastig ausgelegt:
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Arbeit zitieren:
Reto Reichenbach, 2002, Strukturänderungen der Schweizer Banken 1980-2000, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Probleme von Multikanalstrategien im Bankvertrieb
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Seminararbeit, 31 Seiten
Mentoring - Ein Erfolgskonzept der Personalentwicklung
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 20 Seiten
Facility Management - Nutzungskostenoptimierung im kommunalen Bereich ...
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