Inhalt
Einleitung 4
Über Michael N. Ebertz 4
1 Gesellschaftliche Pluralisierungsprozesse und ihr Einfluß auf Kirchlichkeit 5
1.1 Die heutige Situation der Kirche in der Gesellschaft 5
1.2 Die gesellschaftliche Einbindung und Funktion von Kirche 6
1.3 Vielschichtige Pluralisierungsprozesse 7
1.3.1 Strukturelle Pluralisierung 7
1.3.2 Kulturelle Pluralisierung 8
1.3.3 Individuelle Pluralisierung 9
1.3.4 Kirchliche Binnenpluralisierung 11
1.4 Zusammenfassung 12
2 Die Offizialisierung des Fegefeuers und Krisen des Jenseitstrialismus 13
2.1 Die Geschichte der Offizialisierung des Fegefeuers 13
2.1.1 Die Urkirche 13
2.1.2 Augustinus und Origenes 13
2.1.3 Von Gregor dem Großen bis zum Römischen Katechismus 14
2.2 Krisen des Jenseitstrialismus 15
2.2.1 Die Reformation 15
2.2.2 Das französische Bürgertum im 17. und 18. Jahrhundert 15
3 Analyse eschatologischer Predigten in Hinblick auf die Vorstellungen
von Himmel, Hölle und Fegefeuer 16
3.1 Hinführung 16
3.2 Die Auswahl der Predigten 17
3.3 Explizite Erwähnung von "Himmel", "Hölle" und" Fegefeuer" 17
3.4 Der traditionelle und der neue eschatologische "Code" 19
3.4.1 Der traditionelle Code 19
3.4.2 Die Erosion des traditionellen eschatologischen Codes 21
2
3.5 Der Wandel in den Jenseitsvorstellungen 22
4 Der Einfluß sozialer Veränderungen auf die Jenseitsvorstellungen 23
4.1 Hinführung 23
4.2 Der Wandel in den Jenseits- und Gottesvorstellungen 24
4.3 Die Verschiebung der Machtverhältnisse 25
4.4 Die Kirchen als „funktionales Anhängsel“ des Wohlfahrtstaats 26
4.5 Zusammenfassung 27
5 Beurteilung des Wandels im Gottesbild und im Jenseitsglauben 27
5.1 Welche Richtung ist die richtige? 27
5.2 Ein Gott, der uns ernstnimmt 28
5.3 Der geschenkte Himmel 29
5.4 Zeitgemäße Verkündigung 29
Literaturverzeichnis 31
3
Einleitung
Die Frage, was uns Menschen nach dem Tod erwartet, hat die Menschheit schon immer beschäftigt und liegt wohl im Wesen des Menschen selbst begründet. Mit dem Aufkommen des Christentums wurde ihm eine Antwort gegeben, die ihm Erlösung und ewiges Leben verheißt. Zu dieser Antwort gehören u.a. die Vorstellungen von Himmel, Hölle und Fegefeuer. Diese Jenseitsvorstellungen haben sich allerdings im Laufe der Geschichte verändert.
Die Kirche, die diesen Glauben tradiert und verkündigt, und die sehr lange großen Einfluß auf die Menschen und Gesellschaften hatte, hat ihre einstige gesellschaftliche Position allerdings weitgehend verloren. Auch sie mußte sich verändern und sich der Gesellschaft anpassen, um ihre Botschaft weiterhin glaubwürdig verkündigen zu können. Der Soziologe Michael N. Ebertz hat untersucht, wie sich der Jenseitsglaube von Himmel, Hölle und Fegefeuer im Laufe der Geschichte verändert hat und welche Zusammenhänge es dabei mit gesellschaftlichen Veränderungen gab. Dazu hat er u.a. Predigten analysiert, die von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit hinein reichen und eschatologische Themen zum Inhalt haben. Dabei konnte er in der Tat einen Richtungswechsel in den Jenseitsvorstellungen feststellen. Im folgenden soll nun zunächst auf die gegenwärtige gesellschaftliche Situation in bezug auf Kirchlichkeit eingegangen werden. Hierauf schließt sich eine kurze Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Jenseitsglaubens an. Danach wird Ebertz´ Analyse eschatologischer Predigten vorgestellt, worauf eine Interpretation seiner Ergebnisse folgt. Abschließend soll dann noch der Wandel in den Jenseitsvorstellungen beurteilt werden.
Als Grundlage dienen drei Texte von Ebertz (siehe Literaturverzeichnis), die sich ausführlich mit dem Einfluß sozialer Veränderungen auf Kirchlichkeit einerseits und den Jenseitsglauben von Himmel, Hölle und Fegefeuer andererseits befassen.
4
Über Michael N. Ebertz
Prof. Dr. Michael N. Ebertz wurde 1953 in Offenbach am Main geboren. Er promovierte an der Universität Konstanz über die „Soziologie der Bewegung um Jesus von Nazareth“ und ist seit 1991 Professor für „Sozialpolitik, freie Wohlfahrtspflege und kirchliche Sozialarbeit“ an der Katholischen Fachhochschule Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Religions-, Christentums- und Kirchen(organisations)soziologie.
1 Gesellschaftliche Pluralisierungsprozesse und
ihr Einfluß auf Kirchlichkeit 1
1.1 Die heutige Situation der Kirche in der Gesellschaft
Die Kirche befindet sich in der heutigen Gesellschaft in einer ernsthaften Krise. Eine kirchenkonforme Orientierung ist immer weniger feststellbar.
Dieser Trend läßt sich soziologisch anhand mehrer empirisch meßbarer Dimensionen von Kirchlichkeit nachweisen. Bei diesen handelt es sich um die rituelle Dimension (die Zahl der Gottesdienstbesuche, ...), die Überzeugungsdimension (Annahme kirchlicher Lehren, ...), die Dimension des religiösen Wissens, die Dimension der religiösen Erfahrung 2 sowie um die der praktischen Diakonie (ehrenamtliches Engagement, ...) 3 . Schaut man auf die Zahl der Kirchenaustritte, so ist in den letzten Jahren sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche ein deutlicher Anstieg festzustellen, jedoch protestantischerseits von einem höheren Prozentniveau aus: 1991 traten etwa 168000 Katholiken und ca. 321000 Protestanten aus ihrer Kirche aus; die Zahl der Kirchenaustritts-
1 Vgl.Ebertz, Michael N.: "Ich weiß, was ich brauch´... ". Gründe und Hintergründe nichtkirchlicher Religiosität, in: Evangelische Akademie Baden (Hg.): Glauben ohne Kirche, Freiburg 1995, 19-74.
2 Vgl. ebd., 21.
3 Vgl. ebd., 23.
5
neigungen nimmt ebenfalls zu, auch wenn sie Anfang der 90er Jahre noch relativ gering war. 4
1.2 Die gesellschaftliche Einbindung und Funktion von Kirche
Aber wo liegen die Gründe für diese Krise? Wie jede andere Religion ist auch das Christentum in seinen vielfältigen (z.B. konfessionellen) Teiltraditionen auf sozialstrukturelle Grundlagen angewiesen. So lassen sich grob zwei Typen von Grundstrukturen sozialer Trägerschaft von Religion unterscheiden: einerseits religionsspezifische soziale Gebilde, wie etwa Kirchen, Sekten, Klöster und Kommunitäten, und andererseits religionsunspezifische, multifunktionale Sozialbeziehungen, wie beispielsweise Familien, Nachbarschaften, Freundschaften und Bekanntschaften. 5 Nach Ebertz´ Meinung waren alle diese Gruppen und Einrichtungen einst Teile eines relativ intakten sozialisatorischen „Zusammenspiels“, das heute insgesamt nicht mehr funktionieren kann, allenfalls noch punktuell. 6
Es geht hier somit nicht um Kirche als Gegenstand des Glaubens, sondern um Kirche als eine gesellschaftliche Größe. Sie hat in der Gesellschaft den Zweck, die Weltorientierung (z.B. durch Sinndeutung des his-torischen und natürlichen „Weltganzen“), die praktische „Handlungsformierung“ (beispielsweise durch moralische Vorschriften) und die „Ohnmachtsbewältigung“ (z.B. durch Vermittlung von Trost und Hoffnung) unter Bezugnahme auf die christliche Überlieferung zu beeinflussen. 7 Es gelingt ihr jedoch immer seltener, diese Aufgaben zu erfüllen. Ebertz sieht die Ursache für die gegenwärtige Krise nicht im Versagen einzelner Teile des sozialisatorischen Zusammenspiels, sondern darin, daß - zugespitzt gesagt - alle „Mitspieler“ tendenziell insofern zu versagen neigen, als keine christlich oder gar konfessionell durchdrungenen
4 Vgl. ebd., Anm. 6.
5 Vgl. Ebertz 1995, Anm. 24.
6 Vgl. ebd., 25.
7 Vgl. Gehlen, A.: Der Mensch. Seine Natur und Stellung in der Welt, Berlin 1940, 447ff, zit. in: Ebertz 1995, Anm. 12.
6
gesellschaftlichen Kontexte mehr vorhanden sind, die sie als „Lernorte des Glaubens“ strukturell stützen könnten. 8
1.3 Vielschichtige Pluralisierungsprozesse
Die Schwächung dieser „Mitspieler“ sowie der kirchliche „Gegenwind“ sind für Ebertz soziologisch gesehen die Folge vielschichtiger Pluralisierungsprozesse, die für alle modernen Gesellschaften charakteristisch seien. 9 Unter ihnen unterscheidet er drei Typen, die im folgenden näher erläutert werden sollen.
1.3.1 Strukturelle Pluralisierung
Durch gesellschaftsstrukturelle Pluralisierungsprozesse haben sich eine Vielzahl von Lebensbereichen mit einem jeweils unterschiedlichen funktionalen Primat zur speziellen - und spezialisierten - Bearbeitung eigener Bezugsprobleme herausgebildet und sich damit relativ verselbständigt, wodurch sie auch immer deutlicher auseinandergetreten und der religiösen bzw. kirchlichen Vormundschaft immer mehr entwachsen sind. 10 Sie haben ihre jeweils eigenen Ziele, Werte und Normen, besitzen Eigengesetzlichkeiten, gewinnen an Eigensinn und Eigenkomplexität und sind normativ kaum mehr kontrollier-, reglementier- und integrierbar durch ein übergreifendes religiöses Sinndeutungs- und Anweisungssystem. 11
Diese strukturelle Pluralisierung wird auch als funktionale Differenzierung bezeichnet. Beispiele sind u.a. das Wirtschaftsystem, das seinen eigenen marktwirtschaftlichen Effektivitäts- und Effiziensgesetzmäßigkeiten folgt, die Medizin und der Freizeitsektor.
8 Vgl. Ebertz 1995, 25.
9 Vgl. ebd.
10 Vgl. ebd., 26.
11 Vgl. ebd, 26f.
7
Arbeit zitieren:
Markus Tiefensee, 1999, Der Einfluß sozialer Veränderungen auf die Jenseitsvorstellungen von Himmel, Hölle und Fegefeuer nach Ebertz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Tod und Leben im biblischen Verständnis
Theologie - Praktische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Sterbehilfe - Mit besonderer Betrachtung der Hospizarbeit
Theologie - Praktische Theologie
Hausarbeit, 20 Seiten
Was ist übrig geblieben von de...
Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Bildungsungleichheit an deutschen Schulen - über ungleiche Bildungscha...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 24 Seiten
Die Besonderheiten des tibetischen Buddhismus und sein Interesse für W...
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit, 21 Seiten
Bildungsungleichheit aufgrund der sozialen Herkunft
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Seminararbeit, 18 Seiten
Bedeutung von Sterben und Tod im tibetischen Buddhismus
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 15 Seiten
Chancenungleichheiten im deutschen Bildungssystem:
Warum haben Schüler mit Migrat...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Der Eigenwert des Lebens in Bezug auf den Tod
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit, 14 Seiten
Die historische Entwicklung des organisierten Bestattungswesens
Von den Begräbnisbruderschafte...
Seminararbeit, 29 Seiten
Was Buddhisten glauben - Es gibt einen Weg aus dem Leiden
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit, 22 Seiten
Entwicklung und Veränderung der menschlichen Einstellung zu Sterben, T...
Hospizarbeit und Sterbebegleit...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 30 Seiten
Markus Tiefensee's Text Der Einfluß sozialer Veränderungen auf die Jenseitsvorstellungen von Himmel, Hölle und Fegefeuer nach Ebertz ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Markus Tiefensee hat den Text Der Einfluß sozialer Veränderungen auf die Jenseitsvorstellungen von Himmel, Hölle und Fegefeuer nach Ebertz veröffentlicht
Markus Tiefensee hat einen neuen Text hochgeladen
Himmel und Hölle zwischen 1918-1989
Die verbrannten Dichter. Samml...
Hajo Jahn, Jürgen Kaumkötter, Jürgen Serke, Hans D. Zimmermann
"... ewig in diesem Himmel die Hölle leiden"
Anton Mathias Sprickmann - Hei...
Anton Mathias Sprickmann, Heinrich Christian Boie, Jochen Grywatsch
Die Pforten der Wahrnehmung. Himmel und Hölle
Erfahrungen mit Drogen
Aldous Huxley, Herberth E. Herlitschka
Mein Weg durch Himmel und Höllen
Das Abenteuer meines Lebens
Alexandra David-Neel, Ada Ditzen
Kunst des Mittelalters von der...
Bodo Brinckmann, Michael Philipp, Wolfgang Christian Schneider, Tilmann von Stockhausen, Ortrud Westheider
0 Kommentare