Gliederung
• 1. Allgemeines zum Werk
• 2. Der Autor - Bernhard Schlink
• 3. Inhaltszusammenfassung
• 3.1. Teil 1
• 3.2. Teil 2
• 3.3. Teil 3
• 4. Struktur und Sprache
• 5. Charakterisierung der Hauptfiguren
• 5.1. Michael Berg
• 5.2. Hanna Schmitz
• 6. Analphabetismus
• 7. Schuldfrage
• 7.1. individuelle Schuld
• 7.2. kollektive Schuld
• 7.3. Bewertung
• 8. Geschichtlicher Hintergrund zum Buch
• 8.1. Das Konzentrationslager
• 8.2. Die Auschwitzprozesse
• 8.3. Hermine Braunsteiner-Ryan
• 9. Abschließende Beurteilung
• 10. Quellen
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1. Allgemeines zum Werk
Bei dem Werk handelt es sich um einen dreiteiligen Roman, der die Lebensgeschichte Michael Bergs behandelt.
Die Erstausgabe erschien 1995 im Diogenes Verlag und wurde inzwischen in 39 Sprachen übersetzt. 1997 mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet, um nur einen zu nennen, feiert er internationale Erfolge, unter anderem auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times
2. Der Autor - Bernhard Schlink
Bernhard Schlink wurde am 06.07.1944 in Bielefeld geboren und verbrachte seine Kindheit in Heidelberg. Sein erstes Drama, „Der Brudermord“, entstand mit 8 Jahren, nach einem Streit mit seinem Bruder. Auch ein Sonett verfasste er in frühen Jahren, im Alter von 14, welches von seiner ersten unglücklichen Liebe handelt. Nach seinem Jurastudium in Heidelberg und Berlin lebte und arbeitete er als Jurist in Bonn. Nach seiner Habilitation im Jahre 1981 lehrte er zunächst an der Universität in Bonn, dann an der Universität Frankfurt am Main und seit 1992 an der Humbold- Universität in Berlin Recht und Rechtsphilosophie.
Bis 2006 war er als Verfassungsrichter in Nordrhein-Westfalen tätig und lehrt seit 2009 am St. Anne's College in Oxford. Er ist Autor von juristischer Fach- und Lehrliteratur.
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3. Inhaltszusammenfassung
3.1. Teil 1 (Seite 5- Seite 81) - Herbst 1958 bis Sommer 1959 Der 15-jährige Michael Berg übergibt sich, aufgrund von Gelbsucht, auf offener Strasse und wird von der ihm unbekannten 36-jährigen Hanna Schmitz nach Hause begleitet. Als er nach ca. einem halben Jahr wieder genesen ist, besucht er sie, um sich zu bedanken. Bei dieser Gelegenheit sieht er sie halb nackt, verlässt aus Scham ihre Wohnung und besucht sie nach einer Woche erneut, um sich zu entschuldigen. Er holt für sie Kohlen aus dem Keller und beschmutzt sich dabei, woraufhin sie ihn badet und es zum Geschlechtsverkehr kommt. Daraus entwickelt sich eine sexuelle Beziehung mit immer demselben Ritual: vorlesen, duschen, lieben, beieinander liegen. Zu Ostern unternehmen sie gemeinsam eine Fahrradtour, in der der Höhepunkt der Beziehung zu sehen ist.
Als sie eines Tages im Freibad auftaucht, verleugnet er sie vor seinen Klassenkameraden. Am nächsten Tag erfährt er, dass sie ohne Angabe einer Adresse weggezogen ist.
3.2. Teil 2 (Seite 83- Seite 157) - Sommer 1959 bis Sommer 1966 Michael schließt die Schule ab und beginnt ein Jurastudium. Als Student besucht er (22-jährig) im Jahr 1966, im Rahmen eines Seminars für Rechtswissenschaften, einen KZ- Prozess. Angeklagt sind sechs Frauen, unter ihnen Hanna (inzwischen 43 Jahre alt), die ab 1944 in einem Konzentrationslager in Krakau Aufseherinnen waren. Der erste Hauptanklagepunkt richtet sich gegen die Tatsache, dass sie für die Selektion von Häftlingen nach Auschwitz zuständig waren. Dabei kommt heraus, dass Hanna immer wieder junge, meist kranke oder schwache Frauen dazu zwang, ihr vorzulesen, und diese direkt danach nach Auschwitz schickte. Der zweite Hauptanklagepunkt betrifft einen Vorfall nach der Auflösung des Lagers und dem damit verbundenen Fußmarsch aller Häftlinge nach Westen. In einer Nacht schlossen die Aufseherinnen die Gefangenen zum Übernachten in einer Kirche ein. Als die Kirche von Bomben getroffen wurde und abbrannte, öffneten sie die Türen nicht, wodurch alle Frauen, bis auf eine Mutter mit ihrer Tochter, welche als Zeugen im Prozess befragt werden, starben. Michael kommt während der Gerichtsverhandlungen zu dem Schluss, dass Hanna Analphabetin ist. Sie nimmt die Hauptschuld auf sich und wird als einzige zu lebenslanger Haft verurteilt.
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3.3. Teil 3 (Seite 159- Seite 207) - Sommer 1966 bis 1994 Michael heiratet während seines Referendariats Gertrud, eine Mitstudentin. Sie bekommen eine Tochter, lassen sich jedoch nach fünf Jahren Ehe scheiden. Er wendet sich, nach seinem Referendariat, der Rechtsgeschichte zu. Um seine Gefühle zu Hanna aufzuarbeiten, nimmt er für sie Kassetten auf, auf denen er ihr populäre Werke vorliest. Er schickt sie ohne persönlichen Gruß ins Gefängnis und bekommt nach vier Jahren eine erste Karte von ihr, da sie mit den Kassetten lesen und schreiben gelernt hat. Kurz vor ihrer Entlassung erhält er eine Nachricht der Gefängnisdirektorin, welche ihn darum bittet, alles für Hannas Entlassung vorzubereiten. Er besucht Hanna, um ihr mitzuteilen, dass er sie abholen wird. Am Tag der Entlassung erhängt sie sich in ihrer Zelle, mit dem letzten Wunsch, Michael möge der Tochter der Zeugin, welche gegen sie ausgesagt hatte, ihr gespartes Geld überbringen. Zusammen mit besagter Tochter beschließt er, das Geld an eine jüdische Einrichtung für Analphabetismus zu spenden. 1994 beendet er die Arbeit am Roman.
4. Struktur und Sprache
Michael Berg ist als auktorialer Ich-Erzähler eingesetzt. Er er reflektiert im Alter von ca. 50 Jahren sein bisheriges Leben, wobei er sowohl parallel zur Handlung die Situation aus seiner späteren Sicht kommentiert, als auch das „erlebende Ich“, also sich selbst im Alter der jeweiligen Situation, zu Wort kommen lässt. Die drei Teile beschreiben jeweils einen Lebensabschnitt Michaels. Der Autor bedient sich eines sehr schlichten, verständlichen Sprachstils. Dabei sind alle Schilderungen präzise und detailgetreu.
Selbst die detaillierte Schilderung des Geschlechtsverkehrs ist so liebevoll und doch sachlich vorgenommen, dass sie in keiner Weise obszön wirkt. Dadurch, dass häufig rhetorische Fragen verwendet werden, bleibt einerseits dem Leser viel Spielraum für eigene Überlegungen, andererseits für den Autor die Möglichkeit, die Komplexität des Themas und die Schwierigkeit und Subjektivität der Beurteilung deutlich zu machen.
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Arbeit zitieren:
Pauline Giersemehl, 2010, Bernhard Schlink - Der Vorleser: Zusammenfassung und Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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