Inhaltsverzeichnis ................................................................................................. Seite
1 Einleitung 1
2 Die Faschismustheorie 2
3 Die Realität des Kampfes zwischen KPD und NSDAP am Vorabend der
„Machtergreifung“ 3
3.1 Wer ist der Feind? 3
3.2 Der Kampf gegen die NSDAP 5
3.3 Mitgliederfluktuationen zwischen KPD und NSDAP 7
4 Die Wahrnehmung und Realität der „Machtergreifung“ 7
4.1 Die Situation der KPD im Januar 1933 7
4.2 Die Wahrnehmung und propagandistische Reaktion auf die
„Machtergreifung“ 8
4.3 Die Realität der kommunistischen Reaktion auf die „Machtergreifung“ 10
5 Fazit 12
Quellen - und Literaturverzeichnis: 14
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1 Einleitung
Die Auseinandersetzung zwischen der KPD und der NSDAP war eine der wichtigsten und prägendsten Konfliktlinien der Weimarer Republik. Aber auch die starke Front systemoppositioneller Kräfte, die die NSDAP und die KPD errichtet hatten, sowie die tiefe Feindschaft zwischen den beiden linken Arbeiterparteien zählen zu den entscheidenden Konflikten, die die Weimarer Republik durch systemfeindliche Parlamentsmehrheiten, politische Kämpfe und nicht endende Gewalt maßgeblich schwächten. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten am 30.01.1933 war die KPD die erste Partei, die die Härte der neuen Machthaber zu spüren bekam. Innerhalb des ersten Monats der NS-Regierung wurde die KPD in ihren legalen Strukturen ohne nennenswerten Widerstand verboten und aufgerieben. Dies erstaunt zunächst bei einer Partei, die sich in der Weimarer Republik völlig dem Kampf gegen den Faschismus verschrieben hatte. Um erklären zu können, wie die KPD die „Machtergreifung“ wahrgenommen und auf sie reagiert hatte, ist es notwendig, sich nicht nur mit der „Faschismustheorie“ zu beschäftigen, sondern auch mit dem Verhältnis zwischen KPD und SPD sowie dem zwischen KPD und NSDAP in den letzten zwei Jahren der Weimarer Republik. Dadurch lässt sich zeigen, dass die Wahrnehmung der KPD-Funktionäre und ihr politisches Verhalten geradezu von einer sehr stabilen Kontinuität und Pfadabhängigkeit geprägt waren, die bis weit in das dritte Reich reichte.
Zwar wurde die Gefahr, die durch die neue Regierung für die KPD und ihre Mitglieder entstanden war, richtig eingeschätzt, doch war die KPD-Führung weder in der Lage, ihre ideologische Position zu überdenken noch entsprechend zu handeln. Die KPD des 30.01. war eine Partei, die sich trotz aller großspurigen Propaganda und Wahlerfolge selbst politisch isoliert und in ihrer Reaktionsfähigkeit und ihrem Denken eingeschränkt hatte. Obwohl die Geschichte der KPD in Weimar und im nationalsozialistischen Staat gut erforscht worden ist, wurde der Zeitraum zwischen „Machtergreifung“ und Reichstagsbrand eher nachgeordnet behandelt. Die vorhandene Literatur wird noch einmal dadurch eingeschränkt, dass ein Teil der Werke aus einem extremen kommunistischen Blickwinkel geschrieben wurde (z. B. Peukert, Detlev: Ruhrarbeiter gegen den Faschismus. Dokumentation über den Widerstand im Ruhrgebiet 1933-1945, Frankfurt a. M. 1976) und sich daher ihre Nutzung für eine wissenschaftliche Analyse verbietet. Eine große Anzahl verschiedener Quellen hilft jedoch, den Zeitraum vom 30.01. bis zum 27.02.1933 zu beleuchten, und wird von mir verwendet. Es ist darauf hinzuweisen, dass - obwohl sich diese Arbeit auf die Führer des
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„ultralinken“ Kurses der KPD beschränkt, die die Partei im Untersuchungszeitraum am stärksten beeinflusst haben - die KPD kein monolithischer Block ohne politische Flügel und Strömungen war. Besonders die Anwendung der „Sozialfaschismustheorie“, die Verharmlosung der NSDAP und die Fremdsteuerung durch Moskau hatte zu harscher Kritik bis hin zur Bildung von oppositionellen Gruppen geführt (z. B. die KPD-O) und darf daher nicht vergessen werden. Durchsetzen konnten sich diese oppositionellen Kräfte jedoch nicht.
2 Die Faschismustheorie
Das Auftauchen der neuen faschistischen Bewegungen in den Ländern Europas war in der Theorie des Historischen Materialismus nicht vorhergesehen worden. Daher bedurfte es einer Einordnung dieser neuen Bewegungen in das von Marx entwickelte Konzept. Da der Historische Materialismus von einer bipolaren Gesellschaftsstruktur sich antagonistisch gegenüberstehender Klassen ausgeht, wurde der Faschismus als konterrevolutionärstes Werkzeug, gleichsam als letzte Verteidigungslinie des Kapitals, in die kommunistische Theorie integriert. Die Idee, dass der Nationalsozialismus ein eigenständiger Akteur mit eigenen Zielen sein könnte, wurde somit abgelehnt.
Man war in kommunistischen Kreisen davon überzeugt, dass die von den Sozialisten immer stärker geführten Klassenkämpfe sowie die Entstehung der Sowjetunion die Bourgeoisie zwängen, den Faschismus ins Leben zu rufen, um die proletarische Revolution zu verhindern. Der Einsatz des Faschismus als Regierungspartei, womit die Bourgeoisie selbst ihre bürgerlichen Regeln aufkündige und offener Terror gegen das Proletariat einsetzen werde, führe aber notgedrungen (ganz im Sinne des deterministischen Anspruchs der marxistischen Theorie) zu einem Anstieg der Klassenkämpfe bis hin zur proletarischen Revolution. 1 Es gelang den sozialistischen Theoretikern sehr schnell und recht glaubwürdig, die Entstehung des Faschismus zu erklären, ohne die Theorie des Historischen Materialismus zu gefährden. Hilfreich war sicher auch der konsequente Antimarxismus der Führung der NSDAP, der von den Anhängern der KPD als ein mit dem Bürgertum verbindendes Element gesehen werden musste.
Die sozialistischen Theoretiker versuchten zudem aber auch, die im Ersten Weltkrieg stattgefundene Teilung der Arbeiterschaft in Deutschland theoretisch einwandfrei in die
1 Hirsch, Werner: Was ist die nationalsozialistische Partei (12.09.1930). In: Pirker, Theo (Hrsg.): Komintern und
Faschismus. Dokumente zur Geschichte und Theorie des Faschismus (Schriftreihe der Vierteljahrshefte für
Zeitgeschichte. Nr. 10), Stuttgart ²1966, S. 154 ff.
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marxistische Theorie einzubauen. Die Bipolarität und der Determinismus des Historischen Materialismus machte die Sozialdemokratie ebenso wie den Faschismus zum Agenten der Bourgeoisie. Die SPD erschien demnach in ihren Ideen und Reden zwar „sozial“, ihr Handeln jedoch war „faschistisch“ geprägt. Diese „Sozialfaschismustheorie“ wurde vor allem durch Stalin, der die Sozialdemokratie und die faschistischen Bewegungen für „Zwillingsbrüder“ hielt, verbreitet. 2
Die praktische Umsetzung dieser Theorie und ihre Folgen wirkten sich direkt auf die Wahrnehmung und die Reaktion auf die letzten Monate der Weimarer Republik und die nationalsozialistische „Machtübernahme“ aus.
3 Die Realität des Kampfes zwischen KPD und NSDAP am Vorabend der „Machtergreifung“
Die Reaktion der KPD auf die „Machtergreifung“ kann man nur verstehen, wenn man die Entwicklungen in der KPD in den letzten Jahren der Weimarer Republik aufmerksam studiert hat. Für das Verständnis des Kampfes gegen die NSDAP von besonderer Wichtigkeit ist vor allem die Untersuchung des Verhältnisses zwischen der SPD und der KPD. Als zweiter Schritt wird nicht nur der politische Kampf gegen die NSDAP untersucht werden müssen, sondern ebenfalls der Kampf um die Mitglieder der NSDAP. Die als ungewöhnlich anzusehende Zusammenarbeit beider Parteien muss ebenso genauer erläutert werden. Diese verschiedenen Untersuchungsfelder münden abschließend in einer Diagnose der KPD des Januars 1933.
3.1 Wer ist der Feind?
Da Stalin, der die Entscheidungen und Sichtweisen der KPD maßgeblich beeinflusste (siehe Kapitel 2), den Hauptfeind der kommunistischen Bewegung in der Sozialdemokratie sah, konzentrierte sich die KPD weitgehend auf die „Entlarvung“ der Sozialdemokratie als die vermeintlich letzte Verteidigungslinie der Bourgeoisie, 3 besonders deswegen, weil man in der
2 Striefler, Christian: Kampf um die Macht. Kommunisten und Nationalsozialisten am Ende der Weimarer
Republik, Berlin 1993, S. 30, 38 f.
3 Leonid, Lukas: Entstehung der kommunistischen Faschismustheorie. Die Auseinandersetzung der Komintern
mit Faschismus und Nationalsozialismus 1921-1935, Stuttgart 1984, S. 151, 153 f.
Arbeit zitieren:
Marcel Stepanek, 2009, Die KPD: Wahrnehmung und Realität der Machtergreifung, München, GRIN Verlag GmbH
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