1
Die Regionalgeschichte von Dülmen
und Umgebung
Die Regionalgeschichte Teil 3
von der Stadtgründung an
mit besonderer Betonung der Wirtschaftsentwicklung
Dülmen, den 22.03.2011 Status: Teil 1 umfasst die Zeit bis zur ,,Stadt"-Gründung.
Teil 2 umfasst die Zeit von Gründung bis jetzt
Teil
3
ergänzt
Teil
2
mit Zusammenfassung und Bildern
Verfasser: Dr.-Ing. Adalbert Rabich, Dülmen
Relevanter Kurz-Lebenslauf in Teil 3 am Ende
.
2
Gliederung des Teils 3
Regionalgeschichte Dülmen.
Seite
I.
Inhaltsverzeichnis
2
II.
Abstract
6
0.
Einführung in Teil 3 der Regionalgeschichte Dülmen
7
0.1 Vorbetrachtung
0.2
Das Problem der Methodik
0.3
Geschichtsschreibung mit Annäherung an andere wissenschaftliche Disziplinen 9
0.4
Das
konzentrierte
Ergebnis
11
0.5
Die
Quintessenz 12
0.6
Zusammenfassende Bemerkungen zu den nachfolgenden Abschnitten 14
1.
Geschichte der Wirtschaft, Anforderungen
1.1
Merkmale
von
Geschichtsdarstellungen,
Unterschiede
22
|
1.2.
Wirtschaftsgeschichte, Voraussetzungen und Forderungen an
23
1.2.1
Grenze
der
Verwendung
von
Verlaufsdaten
24
1.2.2
Grenzen
aus
rechtlichen
u.
a.
Zwängen
25
1.3
Regionale
Wirtschaftsgeschichtsdarstellung,
Grenzen
26
1.4.
Die
Grundlagen
von
Wirtschafts-Macht
28
15.
Einflüsse
auf
die
Wirtschaftsentwicklung 29
1.5.1
Vorstellungen
von
Wirtschaft
und
Macht 30
1.5.2
Wirtschaftsentwicklung
aus
innerem
Antrieb
31
2.
Ermittlung wirtschaftshistorischer Verhältnisse, die Wirtschaftselemente 32
Die
Randbedingung:
die
Macht des Einflusses
2.1.1
Beispiel: Große Teichsmühle
in
Haus-Dülmen
33
2.1.2 Störungs-Beispiel: Kriegsgefangenenlager Dülmen-Sythen
35
2.1.3 Persönliches Engagement Beispiel: Management Kirschner
37
2.2
Die
Stufen
der
Genese
der
Territorialherrschaft
48
2.3
Die
Realität
der
Machtausübung 49
2.4
Die
Ohnmacht
des
Individuums
52
3
3.
Kriterien und Merkmale der Wirtschaft, die Region, die Stadt
3.1.
Wirtschaftlichkeit als in der Geschichte veränderlicher Begriff
53
3.2 Grundsätzliche
Entwicklungstendenzen
in
der
Region
54
Bild 1.1: Meldung der Ortsbehörde zur statistischen Erfassung von Fabriken 1883 101
3.3
Die Siedlungs/Stadtgenese Dülmens
55
Bilder zu Dülmen als Stadt
102
bis
107
2.1 Dülmen mit Stadtmauer Mitte 17. Jahrhunderts, schematische Sicht auf Stadt mit Kirche
2.2 Haus Dülmen als Amtssitz 18. Jahrhundert, schematisch
2.3 Innenstadt von Dülmen um 1900 mit Teil des Ringes (Nordring) und Viehmarkt
2.4 Dülmen 1930 aus der Sicht von oben (Luftbild) mit Schloß des Herzog von Croy
2.5 Straßen in Dülmen mit Wohnhäuser-Bebauung Anfang 20. Jahrhundert
3.1 Grundbesitzaufteilung innerhalb von Dülmen 1825
108
3.2 Landaufteilung um 1825 im Umland mit Feldern und Gärten
4.1 Dülmen aus geografischer Planskizze von 1911
110
4.2 Dülmen mit Durchgangsstraßen bis in das 20. Jahrhundert
4.3 Luftbild von Dülmen nach der Luftbombardierung März 1945
4.4 Trümmerbeseitigung durch Pionier-Planierraupe der US-Streitkräfte März//April 1945
4.5 Planierte Durchgangsstraße Haltern-Münster durch die zerstörte Stadt
4.6 Topografische Karte von Dülmen 1953 mit neuen Wohnsiedlungen im Außenbezirk
4.7 Topografische Karte von Dülmen 1980 mit Gewerbegebieten und Bundeswehrgelände
3.4
Charakteristika
der
Siedlung
Dülmen
56
3.4.1
Der
Einfluß
des
Grundstücksmanagements
58
Bilder
118/119
5.1 Ortspolizei-Verordnung für die Straßenreinigung von 1885
5.2 Merkmal der Stadthygiene Ende des 19. Jahrhunderts, Fäkalien-Gruben-Entleerung
3.5
Sozialgeschichtliche
Aspekte
in
Dülmen 59
3.6
Vorbemerkungen
zur
regionalen
Wirtschaftsgeschichte
60
3.6.1
Die
Entwicklung
des
Gewerbewesens
63
3.7
Das
politische
Umfeld
der
Region
64
Bilder:
120-122
6.1 Grafschaft Mark und Vest Recklinghausen, südlicher Nachbar v. Fürstbistum Münster
6.2 Schloß des Standesherrn Herzog von Croy, 1834 erbaut mit Park
6.3 US-Panzer beim Einmarsch in Dülmen vor den Resten des Schlosses 1945
3.8
Die
Kommunikationsstruktur
der
Region 66
3.9
Die
Verkehrsstruktur
der
Region 68
4
4.
Die sozialgeschichtliche Betrachtung; die Arbeit
4.1
Die
Ansprechpartner
des
kleinen
Mannes
69
4.2
Arbeit als Maßstab der Entlohnung und des Lebens
70
4.3
Arbeit als Teil einer menschlichen Gemeinschaft, die Stadtmauer
71
4.4
Arbeitsbeispiele aus der Zeitzeugenwelt der Spinnerei Bendix
72
4.5
Die Siedlung und Wirtschaft; Handwerker, Unternehmen 73
4.5.1
Beispiel: die Eisenhütte Prinz Rudolph
76
Bilder zur Eisenhütte
123-130
7.1 Aufbau der Eisenhütte Prinz Rudolph (EPR) Mitte des 19. Jahrhunderts, Zeichnung
7.2 Gusseiserne Produkte der Eisenhütte aus dem Angebots-Katalog Mitte 19. Jahrhundert
7.3 Werkstatthalle mit Fertigung von Maschinenbau-Produkten EPR Anfang 20. Jahrhundert
7.4 Erzeugnisbeispiel der EPR Seilauflegewinde für den Bergbau
7.5 Vier-Seil-Turmfördermaschine EPR für den Mutterkonzern Ewald (Bergbau)
7.6 Dampf-Fördermaschine EPR in Zwillings-Aufstellung 20. Jahrhundert (2)
Bilder
zu Textil-Unternehmen
131-133
8.1 Tuchmacher im 19. Jahrhundert
8.2 Familiäre Heimarbeit für Textilien mit Handspinnen und Hand-Weben (Webstuhl) (2)
4.5.2
Beispiel: Mechanische Weberei Bendix
77
Bilder
134-141
8.3 Sicht auf das Werk Bendix (Weberei-Spinnerei) (Luftbild) 20. Jahrhundert
8.4 Sicht auf Werks-Einrichtungen der Firma Bendix 20. Jahrhundert (vor Zerstörung)
8.5 Arbeiterin als Bedienung mit manueller Fadenanknüpfung (Bendix)
8.6 Reißmaschinen zum Auflösen von paktierter Rohware in Fasern (Bendix) (2)
8.7 Saal der Garnvorbereitung mit Speicherung in Tonnen (Bendix)
8.8 Arbeiterin beim lochkartengesteuerten Weben des Standard-Grubenhandtuches (Bendix)
8.9 Arbeiterin beim Einziehen von Kettfäden vom Kettbaum in das Geschirr (Bendix)
8.10 Aufbau eines Arbeiterwohnhauses der Firma Bendix
8.11 Sicht auf die Weberei Ketteler
142
Bilder zu (anderen) Wirtschaftsunternehmen in Dülmen
143-161
9.1a Dampfkessel mit Niederdruck, hier eine Wellrohr-Flammrohr 19. Jahrhundert
9.1b Verfahrens-Prinzip Brennen und Brauen
9.2
Kirschner-Werk an der Münsterstraße, Sicht auf Ziegelei und Stapelung
9.2a
vor 1. Weltkrieg
9.2b
nach 2. Weltkrieg, 1959
9.2c
noch
mit
Ringofen-Anlage
9.2d
nach
Ausbau,
ca.
1970
9.3 Ziegelei mit Loren-Transport von Lehm und Trocknungslager sowie Brennofen
9.4 Sägewerk mit Transport-Loren, oben mit Binder-Konstruktion
9.5 Gefangenlager 1. Weltkrieg, Baracken in Holzkonstruktion (Kirschner)
5
9.6 Sägemühle Schlieker, Luftbild 1912
9.7 Holzverarbeitungsbetrieb Mesem (2010, Bild Innenstadt im Stadtarchiv)
10.1 Textilmaschinenbau
Hergeth, Luftbild
10.2 Ein
Getrtiebebauer
(Kordel)
10.3
Das Beton- und Fertigteilwerk Lütkenhaus
10.4. Dampf-Getreidemühle
Schücking (östlich der Eisenbahn Münster-Essen)
10.5
Prinzip der Umwandlung von Stärke in Alkohol (Brennen, Brauen) 19. Jahrhundert
siehe Bild 9.1b
10.6 Bierbrauerei
Limberg
Bilder
zur Landwirtschaft
162-165
11.0
Prinzip Plaggendüngung, Feldeinteilung (Wildpark Dülmen)
11.1
Bauer mit Ochsengespann und Leiterwagen
11.2
Molkereigenossenschaft, Anfangszustand (Außenansicht)
11.3
Mähdrescher mit Dampf-Antrieb, Flachriemen-Übertragung Anfang 20. Jahrhundert
Bilder
zu Handwerkern 166/167
12.1
Lohgerber im 17. Jahrhundert, 12.2
Schuhmacher/Holzschuhmacher
5. Bemerkungen
zur
Recherchierarbeit
5.1
Das städtische Archiv, Zustand und Erfordernisse
78
5.2
Vorschläge
zur
Verbesserung
79
5.3
Liste
der
Verfasser
in
den
Zitaten
80
6.
Autor,
Auszug
aus
Biografie/Genealogie 81
7.
B i l d t e i l
7.1
Liste
der
Bilder
83
7.2
Bemerkungen zu den Bildern nach den einzelnen Bildgruppen
84
7.2.1
Zustandserhebung
86
7.2.2
Stadtentwicklung
86
7.2.3
Stadtbebauung
etc.
88
7.2.4
Siedlungspolitik/Gewerbegebiete 90
7.2.5
Stadtbevölkerung
92
7.2.6
Wirtschaft
nach
der
Säkularisation
93
7.2.7
Textilproduktion 94
7.2.8
Einzelne
Unternehmen
in
Dülmen
95
7.2.9
Handwerk
98
7.2.10
Landwirtschaft
100
7.3.
Bilder
nach
Liste
7.1.
101
-
167
6
Abstract.
In Teil 3 werden die angewendeten Grundsätze zur Darstellung der regionalen Wirtschaftsge-
schichte dargelegt, wobei die Methodik sich an den anderer wissenschaftlicher Disziplinen
wie der Naturwissenschaft oder der Technik orientiert. Die einzelnen Themen-Punkte werden
in kurzen Überblicken beleuchtet und zusammengefasst wie die Voraussetzungen für die Da-
tenerfassung und verwendung. Da die im Stadtarchiv aufbewahrten Dokumente nicht so
ausgewählt zu sein scheinen, dass eine Wirtschaftsanalyse erleichtert wird, kann man sich
nicht weit über eine zeitgeschichtlichen Ablaufschilderung hinaus begeben.
Es werden die Einflüsse der herrschenden Macht in Stadt, Land, von Ständen etc. aufgezeigt
und an Beispielen die Vorstellungen von Steuerkraft und Wirtschaftsförderungen demon-
striert. Die Gründer von ,,Fabriken" im 19. Jahrhundert scheinen mehr aus einem innerem
Antrieb ans Werk gegangen zu sein, wobei das Eigeninteresse sogar nachweisbar ist. An
einigen größeren Betrieben im Sinne der preußischen Statistik werden die einzelnen
betrieblichen Vorgänge besprochen und das Fehlen von betriebs- und marktwirtschaftlichen
Entscheidungsgrundlagen herausgearbeitet, aber insbesondere auch der Abstand zu dem
allgemeinen Stand von Technologie und Wirtschaft in anderen Gegenden Europas. Als
besonders bemerkenswert sind der Wandel des Unternehmertyps und der Arbeiterschaft in
den letzten zwei Jahrhunderten, die auch einen sozialgeschichtlichen Hintergrund haben.
Von einigen Firmen werden die wesentlichen Entwicklungszüge von einigen Bildern und
zugehörigen Beschreibungen unterstützt offengelegt, natürlich mit dem Vorbehalt ungenü-
gender Klarheit an inneren Strukturvorgängen und den Gründen für eine Aufgabe von Unter-
nehmen oder Änderung der Eigentumsverhältnisse. Der Handwerker schließt sich zu einem
Interessensverband zusammen und hat bis Ende des 19. Jahrhunderts Schwierigkeiten mit der
Einsicht in Gewerbefreiheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Schließlich werden einige Gedanken zu einer Verbesserung des Informationszuganges für
zukünftige wirtschaftsgeschichtliche Ausarbeitungen gemacht, wobei es offensichtlich immer
schwieriger zu werden scheint, alle relevanten Daten und Aspekte einzubringen. Die
Digitalisierung von Dokumenten und Datensammlungen an zentraler Stelle könnte ein Weg
zu einer Verbesserung sein.
7
Einführung in Teil 3 der
Regionalgeschichte Dülmen.
Die Vorbetrachtung.
Die vorliegende Arbeit an der Regionalgeschichte geht von dem Gedanken aus, dass die
Archiv-Unterlagen des zugehörigen Stadtarchivs hinreichende Aussagen ermöglichen, jedoch
zeigte sich nach systematischen Überlegungen über die funktionalen Zusammenhänge zwi-
schen den Elementen, die die Wirtschaft beeinflussen, dass dies nicht oder eben nur in Frag-
menten möglich ist, da relevante Vorarbeiten nur spärlich und nach einer eigenen lokalen
Thematik geordnet vorliegen. Außerdem muss eine regionale Wirtschaftsgeschichte als Teil
eines überregionalen Wirtschaftsgebildes gesehen werden, um den Stand der Bestrebungen
der Unternehmer in Relation zur generellen Entwicklung beurteilen zu können. Leider gibt
es bislang in den wirtschaftshistorischen Abhandlungen oft mehr qualitative Bemerkungen
und weniger quantitative oder gar ausreichende statistische Daten. Allerdings sind von mir als
Verfasser noch nicht alle denkbaren Quellen ausgeschöpft. Man muss daher sagen:
Um zu einem höheren Aussagewert über die regionale Wirtschaftsgeschichte zu kommen,
müssen die Untersuchungen und Analysen fortgesetzt werden. An den verschiedensten Stellen
der Ausführungen sind Ansatzpunkte offengelegt.
Das Problem der Methodik
In regionalgeschichtlichen Arbeiten werden die Rekonstruktionen sorgfältig nach den ver-
fügbaren Quellen vorgenommen, wobei quellenkritisches Vorgehen und die ,,richtige" Inter-
pretation eine große Rolle spielen. Es ist von daher nicht verwunderlich, wenn die Lücken
bzw. die möglichen Fragwürdigkeiten nur eine Randerscheinung bleiben.
In der vorgenommenen Vorgehensweise wurde anders verfahren: die nackten Ereignis-Fakten
sind zwar Gerüstpunkte einer rationalen Vorstellung von einzelnen zeitlichen Ablauffolgen,
aber diese stehen nicht isoliert im Zeit-Raum, sondern sie sind verknüpft wie im modernen
8
Sprachgebrauch als Netzwerk vieler Bewegungsaktionen und akteure
1
. Damit steht man oft
vor einem Problem: warum läuft die Prozess-Kette nun wie aus den Daten ermittelbar ab?
Z.B. werden die Motive und Anlässe für eine Investition in einen Betrieb gesucht und die
Akten müssen daher Seite um Seite auf relevante Ausführungen durchsucht werden. Gegen-
über dem früheren Arbeiten kann aber heute aus den computergestützten Aufzeichnungen das
spezielle in den Aufzeichnungen und zeitgenössischen Darstellungen gesucht und gefunden
werden, wenn eine Begriffsidentität vorhanden ist, jedoch müssen die unterschiedlichsten
Synonyme benutzt werden, da die Begriffswelt früher nicht nur nicht genormt ist, sondern
auch verschieden gehandhabt wird. Auch ist die administrative Denkweise z.T. im Vergleich
zu heute ungewöhnlich, man weiß nicht, wie z.B. eine obrigkeitliche Androhung von Bußen
und Folgen einzuordnen ist, denn man kennt den Vollzug, die gängige Praxis nicht. Der zu-
tiefst schlummernde Gedanke oder die Absicht tritt nur zuweilen an die Oberfläche. Beispiel-
haft sei die Einführung der Gewerbe-Inspektion unter den Preußen genannt: wird nun passiv
Widerstand geleistet oder ist man da überfordert, wenn der Schutz des Menschen herausge-
fordert wird? Hier muss die praktische Erfahrung
2
des Geschichtsschreibers helfen; je
umfangreicher und je menschennäher, desto besser.
Der Historiker gehört immer einer bestimmten Gesellschaftsgruppe an und repräsentiert de-
ren Sichtweise.
3
Er versucht, sich in die Motive und den Geist der handelnden Personen
hineinzuversetzen. Schließlich erschließt er die Beziehungen zwischen den handelnden Perso-
nen und dem Zeitgeist.
4
Damit ist die jeweilige Geschichtsdarstellung ,,subjektiv", die ,,abso-
lute" Objektivität ist ein Ziel und abhängig von den Funktions-Parametern, eben wie der Er-
fahrung. Die Tatsachen sprechen nur, wenn der Historiker sich an sie wendet, er entscheidet,
welchen Fakten Raum gegeben werden soll und in welcher Abfolge und in welchem Zusam-
menhang.
5
Das methodische quellenkritische Vorgehen mündet immer in eine ,,richtige"
Interpretation, die sowohl von dem Zeitgeist als auch anderen Einflüssen wie dem der Kon-
fession modifiziert sein kann. In der Wirtschaftsgeschichte drückt sich da so aus, ob man z.B.
die betriebswirtschaftliche Kenntnis mehr aus theoretischer oder aus wirklichkeitsgetreuer
Erfahrung gewonnen hat.
1
siehe hierzu: Otto Pirzl, Graz, 1.2.2008 (Schuldirektor, Webmaster).
www.homepage-
europa.at/uploads/.../GeschichtsdokumentationListe2.doc
2
Siehe die Biografie des Verfassers und sein spezieller Bezug zu einer Regionalgeschichte, s. am Ende.
3
Warkentin, Jakob. Zur Geschichtsschreibung über die Mennoniten in Paraguay.
www.menonitica.org/2001/vortrag.htm
S. 4
4
Warkentin, 2001, S. 3 mit Verweis: Lorenz, Chris. Konstruktion der Vergangenheit. Köln-Weimar: Böhlau.
1997, S. 92. Vgl. weiter: Jaeger, Friedrich Jörn Rüsen. Geschichte des Historismus. München: C.H. Beck.
1992, S. 60 und 181ff.
5
Carr, Eward Hallet. Was ist Geschichte. Stuttgart u.a.: W. Kohlhammer, 1969, S. 11.
9
Die Annäherung an wissenschaftliche Methodik anderer Disziplinen.
Die Evolution des Geistes ist nicht nur Grundlage der Wissenschaft, sondern auch des natur-
wissenschaftlich-technischen Fortschrittes, der Erfindungen. Gewöhnt hat sich zwar der nor-
male Leser daran, einzelne Individuen als herausragende Ideen-Schöpfer genannt zu bekom-
men, aber die Wirklichkeit von der Idee bis zur Verwirklichung und allgemeinen Anwendung
ist meist schwierig und weit. Manche Ideen benötigen Jahrtausende, um in der Menschheit
anzukommen, manche Gedanken benötigen Jahrhunderte, um akzeptiert zu werden. Die Ge-
schichte ist davon voll, man denke nur an den Begriff ,,Aufklärung" und ,,Menschengerech-
tigkeit", wann wurden diese Allgemeingut?
Gerade im 19. Jahrhundert ist Werksspionage üblich, um hinter die Geheimnisse ,,moderne-
ren" und ,,produktiveren" Maschinenbaues zu gelangen, manchmal von der Regierung sogar
organisiert. In der Praxis unterscheiden sich die Unternehmer: der eine im preußischen Reich
begnügt sich mit dem Kauf gepriesener englischer Spinn- und Webmaschinen, der andere will
etwas (noch) ,,besser" machen. Die Motivation eines Kaufmannes, der ein Unternehmen
gründet, scheint da regional manchmal eine andere gewesen zu sein als die eines mehr tech-
nisch orientierten Dynamikers, der seinen Betrieb bestmöglich rationalisiert sehen will. Dabei
scheint einmal das Gewinnstreben und der Wille zu noch vertretbaren Eigenverdienst der
Wirtschafts"leitung" über den betriebswirtschaftlich notwendigen Grundlagen der Reinvesti-
tion und des gebotenen Mithaltens mit den Fortschritten des Wettbewerbs und damit
zugleich in der Kostenstruktur im Wettbewerb zu stehen. Bedeutsam ist da z.B. die Aussage
eines hiesigen Unternehmers zu seiner Unternehmensgeschichte, auch eine Wohnungsbereit-
stellung für Arbeiter geschehe letztendlich aus wirtschaftlicher Rechtfertigung und nicht aus
sozialer Begünstigung. So ist bei mittelständisches Unternehmen die Wirtschaftsgeschichte
von den beschränkten Finanzmitteln und der (Qualität der) Führungsmannschaft insgesamt
nicht selten geprägt. Der Stil des Managers liefert dann Anhalte für Rückschlüsse auf echtes
soziales Verhalten, aber wie kann man das feststellen? Auch hier bedeutet der eigene Erfah-
rungsschatz eine wertvolle Hilfe und diese ist kein Gegenstand der Lehre.
Die Informationen in Form von ,,alten" Daten (aus Archiven) werden immer mehr bedrängt
von solchen Informationen, die Journalisten in der Presse veröffentlichen, die nicht immer
eine reale Faktenbasis haben. Berüchtigt sind die Bemühungen, die Berichte so zu gestalten,
dass sie den Blickpunkt des Herrschers, des Siegers in einem Krieg ,,beschreiben", eine durch
10
die Jahrhunderte sich hinziehende Berichtsweise, die von den Historikern ,,bereinigt" werden
muss, um zu den (vermutlichen) Fakten zu gelangen. Oft ist eine Mehrfach-Überdeckung mit
Faktenberichten nicht gegeben
6
, was häufig im Mittelalter der Fall ist. Manchmal erfolgt die
Berichterstattung sogar im Konsens mit Beteiligten oder von Journalisten mit den Medien-
Gewalten. Damit werden zunehmend die Bemühungen um Objektivität und ,,Wahrheit"
konterkariert. Selbst Plausibilitätsprüfungen mit dem Kontext und den von verzahnten Ereig-
nissen erleiden das Schicksal der Nichtmachbarkeit. Bei Informationen muss man also nicht
nur die Art, sondern auch deren Entstehungsgeschichte mit erfassen. Bei gekürzten Interviews
taucht z.B. die Frage auf, was hat er denn nun gemeint? Was soll der Firmenbericht? So ist
bei den Ereignis-Berichten in der Dülmener Zeitung auffällig, dass sie nicht frei von Tendenz
zu sein scheinen, also keine reine Fakten-Quelle.
Die besondere Eigenschaft, dass man das Wichtigere gegenüber dem weniger wichtigen her-
ausstellt, dass man vereinfacht und damit die Grundsätze des Spruches ,,kleine Ursache,
große Wirkung" missachtet. Diese besagen sowohl Alltagsweisheiten wie auch Erfahrungen
aus der Theorie nichtlinearer dynamischer Systeme im zeitlichen Verhalten, d.h. das Überse-
hen von Anfangsbedingungen geringen Ausmaßes
7
und die Nichtberechtigung der Ordnung
von ,,ähnlichen" Systemen wenn man geschichtliche Fakten ordnet und dabei vereinfacht
8
.
In der Dülmener Region kann man zwar rückwärts schauen und aus Firmen-Zusammenbrü-
chen ,,lernen", aber nicht ohne weiteres auf die Ursachen schließen. Immerhin, einige Fälle
kamen hier vor und verdienen im Gedächtnis behalten zu werden. Zeitzeugen sind sehr bald
rar und ihre nicht erfasste Geschichte vergänglich und das Gedächtnis verblasst.
6
http://museum.foebud.org/pd/pd115/vortragsunterlagen.pdf
.
7
Danos, Michael. Chaostheorie und Geschichte. In: Geschichte und Gesellschaft 20(2004) S. 325-338
www.jstor.org/pss/40186092
oder
www.jstor.org/stable/40286092
. Zuweilen wird das Prinzip missdeutet und
mit statistisch ermittelter Periodizität verwechselt. Auswirkung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse.
8
Mythologien sind oft Vereinfachungen, aber mit einem Kern von geschichtlicher Weisheit.
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