Kritik am Bologna-Prozess aus der Sicht der Studierenden
von Rosemarie Blasi
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Politik und Bologna-Prozess 3
3. Universität im historischen Verlauf 5
4. Ökonomie und Bildung 7
5. Neoliberalismus und ökonomische Bildung 8
6. Forderung des Audimax-Plenum 10
7. Resümee 14
14
8. Literatur
Seite 2
1. Einleitung
Österreich hat sich 1995 zur europäischen Union (EU) bekannt mit allen Rechten und Pflichten. Seit dieser Zeit befindet sich das österreichische Bildungssystem in einem ständigen Veränderungs- und Reformprozess. Das 21. Jahrhundert führt Österreich in neue gesellschaftliche Entwicklungen im Bereich des Bildungswesens. Ausgangspunkt dieser gesellschaftlichen Entwicklungen war eine Welle von Bildungsprotesten in Österreich, das sich später auf mehrere europäische Länder ausweitete. Am 22. Oktober 2009 (ev. historisches Datum - Bildungsprotest) wurde das Audimax der Universität in Wien besetzt. Grund des Protestes: Die Bildungsunzufriedenheit der StudentenInnen.
Man kann die Bildungsproteste mit der faustischen Entwicklung vergleichen. 1808 wurde Goethes Faust veröffentlicht. Im ersten Teil wurde die Totenglocke für die alte, enge Welt eingeleitet, diese Welt liegt im Sterben, wobei eine neue Welt im Entstehen ist. Das Alte soll niedergerissen, vernichtet werden, um Raum für Neues zu schaffen. Das bedeutet, Dinge müssen sich ändern, weil die Vergangenheit unbefriedigend ist.
2. Politik und Bologna-Prozess
Wie entstand Bologna? 1999 vereinbarten europäische Bildungsminister in Bologna eine Umstellung des teritären Bildungssektors. Die Idee war, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen, um so die Vergleichbarkeit und die Mobilität der WissenschaftlerInnen sowie StudentenInnen zu erhöhen. Staaten die den Bolognaprozess initiierten waren Frankreich, Deutschland, Großbritanien und Italien. Am Anfang war es nur eine Absichtserklärung mit ungewissen Ausgang. Es stellt sich die Frage, warum andere europäische Länder nicht protestierten? Liesmann glaubt, dass durch die verpflichtende Einführung dreijähriger Bachelorstudien (für alle Fächer), die Universität eine neue Aufgabe erhalten soll, nämlich der Berufsausbildung“. Durch diese „protowissenschaftlichen
flächendeckende Einführung berufsorientierter Kurzstudien wird das Bild „Universität“
nachhaltig verändert. 1 2009 wurde der Unmut über die Studienbedingungen (Bolognaprozess) an den österreichischen Universitäten von StudentenInnen nicht mehr hingenommen, wodurch es zur Besetzung des größten Hörsaals, des Audimax kam.
Einer der Kritikpunkte in der österreichischen Reformpolitik bezieht sich auf das Universitätsgesetz 2002 (UG), was zur Folge hat, dass die Universität als Unternehmen wahrgenommen wird und nicht als Forschungsinstitut. Welche Bedeutung hat das Universitätsgesetz 2002 (UG) für österreichische Universitäten? Pasqualoni formuliert es so: „Durch das UG 2002 wurden an Österreichs Universitäten demokratische Entscheidungsverfahren der Selbstverwaltung in zentralen Bereichen durch >>leistungsfähige<< Managementstrukturen abgelöst. Effizienzsteigerung und Profilbildung sind die Eckpfeiler der Reform einer Universität, der eine wichtige Rolle im globalen Standortwettbewerb zugedacht ist.“ 2 Die Protagonisten begeben sich in die Abhängigkeit der Politik. Letztendlich wirkt es sich negativ auf die Studierenden aus. Wie? Studierende werden zu Kunden degradiert, Forschung und Lehre verschwinden, das ursprüngliche wissenschaftliche Niveaus sinkt, Studien verteuern bzw. verlängern sich, gesellschaftliche Probleme werden nicht mehr kritisch reflektiert usw. Humboldt erklärt es so: Einheit von Forschung und Lehre sind wesentliche Bestimmungsmerkmale der Universitäten gegenüber anderen Bildungsinstituten.
Er unterscheidet drei Institutionen…
- die Akademien (reine Stätten der Forschung);
- die Universitäten (Stätte der Forschung und Lehre);
- die leblosen Institute ( Archive, Museen und Bibliotheken) 3
Der eigentliche Sinn der Universität liegt vorrangig in der Arbeit an der Wissenschaft, ihrer Entwicklung und Vermittlung.
Wie sieht Humboldt das Verhältnis zwischen Staat und Individuum? Humboldt sieht den geistig-schöpferischen Menschen, dass dieser sich nicht nur mit Lehrbüchern beschäftigen soll, sondern sich auch anderweitig fortbildet. Humboldt
weltanschauliche-gesellschaftspolitische Haltung bezieht sich auf dem Staat. Damit meint er, dass sich der Staat nicht in die Erziehung einmischen soll. Die Macht des Staates hat Grenzen. Nur durch die Freiheit der Bürger kann der Staat wachsen.
Er schreibt: „Das höchste Ideal des Zusammenexistierens menschlicher Wesen wäre mir dasjenige, in dem jedes nur aus sich selbst und um seiner selbst willen sich entwickle“, oder „Der Staat enthalte sich aller Sorgfalt für den persönlichen Wohlstand der Bürger und gehe keinen Schritt weiter, als zu ihrer Sicherstellung gegen sich selbst und gegen auswärtige Feinde notwendig ist; zu keinem anderen Endzwecke beschränke er die Freiheit.“ 4 Humboldt übt Kritik und zugleich mahnt er den Staat in Auge zu behalten.
3. Universität im historischen Verlauf
Universitäten waren in allen gesellschaftlichen Epochen sozialen, politischen und ökonomischen Wandeln ausgesetzt. Was heißt Universität und welche Bedeutung hat sie für die Gesellschaft? Universität (vom lat. universitas magistrorum et scholarium) ist eine Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden. Diese hohe Bildung wurde im 12. Jahrhundert nur an Kloster-, Dom- und Stiftsschulen vermittelt. Daneben bildeten sich städtische Privatschulen bekannter Lehrer, z.B. die Rechtschule des Irnerius in Bologna oder die philosophischtheologische Schule des Abaelard in Paris. Somit entstanden im 12. Jahrhundert die ersten Universitäten. Weitere Universitäten entstanden in größere europäische Städte (Salerno, Montpellier, Paris, Bologna und Oxford (vor 1200), Vicenza (1204), Cambridge (1209), Salamanca (1218), Padua (1222), Neapel (1224), Cambridge (1229), Toulouse (1233), Piacenza (1248), Arezzo (1255), Modena (1328), Lissabon (1290), Rom (1303), Avignon (1303), Valladolid (1304), Orleans (1309), Perugia (1308), Florenz (1320), Grenoble (1330), Cahors (1332), Pisa (1334), Perpignan und Florenz (1349), Huesca (1354), Siena (1357) und Pavia (1361).
Arbeit zitieren:
MMag. Rosemarie Blasi, 2011, Kritik am Bologna-Prozess aus der Sicht der Studierenden, München, GRIN Verlag GmbH
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