2
Inhalt
1. Einleitung 4
2. Einige phonetische Besonderheiten des hispanoamerikanischen Spanisch 5
3. Morphosyntax 7
3.1 Der loísmo 7
3.2 Verbmorphosyntax 7
3.2.1 Der voseo 7
3.2.2 Presente statt pretérito perfecto compuesto 9
3.2.3 Pretérito perfecto compuesto statt imperfect 10
3.2.4 Imperfecto statt pluscuamperfecto 10
3.2.5 Imperfecto statt presente 10
3.2.6 Futuro statt imperative 11
3.2.7 Potencial (condicional) statt imperfecto de subjuntivo 11
3.2.8 Der potencial (condicional) in Zeitungsmeldungen 11
3.2.9 Der potencial (condicional) in der Vulgärsprache in Buenos Aires 11
3.2.10 Indefinido statt pretérito perfecto compuesto 12
3.2.11 Indefinido statt presente oder statt futuro 12
3.2.12 Vámosnos 13
3.2.13 Vamos - vayamos 13
3.2.14 Querramos, querrás 13
3.2.15 Presente de subjuntivo statt presente de indicative 14
3.2.16 Presente de subjuntivo statt imperfecto de subjuntivo 14
3.2.17 Imperfecto de subjuntivo 14
3.2.18 Subjuntivo nach si ( ob) 15
3.2.19 Futuro de subjuntivo 15
3.2.20 Reflexive Verben 15
3.2.21 Unpersönliche Verben 16
3.3 Verbalperiphrasen 16
3.3.1 Presente statt futuro (periphrastisches Futur) 16
3.3.2 Verbalperiphrasen mit dem gerundio 17
3.3.3 Verbalperiphrasen mit dem participio pasado 18
3.3.4 Hubo de infinitivo 18
3.3.5 Había sido, ha sido 19
3
4. Das papiamento von Curaçao 19
5. Einige sprachliche Neubildungen in der Verbalflexion 21
6. Untersuchung eines lateinamerikanischen Textes 21
7. Schluss 24
Literatur 27
4
1. Einleitung
Spricht man vom Hispanoamerikanischen bzw. vom Spanisch Lateinamerikas, so ist damit ein ganzer Komplex sprachlicher Phänomene gemeint, die sich vom Iberokastilischen, also der Hochsprache Spaniens, unterscheiden. Erst im 19. Jahrhundert begann man mit der konsequenten Erforschung dieser Besonderheiten. Zu den Wegbereitern der modernen amerikanischen Linguistik gehörten Rufino José Cuervo, Andrés Bello sowie Juan Valera, der die mangelhafte Beweisführung Cuervos und Bellos kritisierte. Zu den bedeutenden Sprachforschern gehören auch Pedro Henríquez Ureña, Max Leopold Wagner, Dámaso Alonso, Zamora Vicente, Lope Blanch, Ramón Menéndez Pidal und Avelino Herrero Mayor. 1
Unterschiede in der Sprachentwicklung lassen sich vor allem auf die Kontakte der spanischen Eroberer bzw. Missionare mit den Ureinwohnern, den Indios, zurückführen. Durch den Einfluss der Indiosprachen gelangten die sogenannten Indigenismen in die spanische Superstratsprache, obwohl sich die Spanier bemühten, die Eingeborenen notfalls mit Gewalt zur Übernahme ihrer Sprache und Kultur zu bewegen. Das Spanische erfuhr durch die indianischen Einflüsse auch so manche Bereicherung, da Bezeichnungen für in Europa bisher unbekannte Objekte, Früchte, Bäume, Tiere usw. übernommen wurden. Viele dieser Lehnwörter sind inzwischen auch in andere europäische Sprachen übergegangen, zum Beispiel tomate, cacao, chocolate und tabaco. 2 Einflüsse afrikanischer Sprachen durch nach Amerika verschleppte Sklaven hatte es bereits im 16. Jahrhundert gegeben. Diese Afrikanismen sind vor allem in Mittelamerika, dem nördlichen Südamerika und auf den Antillen zu finden. Auch andere europäische Sprachen hinterließen in den letzten beiden Jahrhunderten ihre Spuren durch die Einwanderung von Franzosen, Engländern oder Nordamerikanern, auch von Italienern und Portugiesen. Darüber hinaus gab es innersprachliche Kontakte durch Migration bestimmter Volksgruppen von einer Region Lateinamerikas in eine andere. 3
____________________
1 Vgl. Kubarth, Hugo: Das lateinamerikanische Spanisch - Ein Panorama. München 1987,
S. 14/15.
2 Vgl. Gómez-Moriana, Antonio: Die sprach- und literaturhistorische Entwicklung des
Spanischen. Stuttgart 1973, S. 21.
3 Vgl. Kubarth, S. 20.
5
Unbestreitbar ist ein allen Modalitäten der Sprache Südamerikas Gemeinsames: Ausgangspunkt ist das vulgäre Spanisch des 16. Jahrhunderts, da die Einwanderer im Allgemeinen kein sehr hohes Bildungsniveau besaßen. Es wurde von den Sprachen der Einheimischen vor allem auch in der Intonation beeinflusst (was uns beispielsweise ermöglicht, einen Mexikaner von einem Paraguayer zu unterscheiden) und eignete sich einige neue Morpheme und viele neue Vokabeln der Eingeborenensprachen an.
Durch unterschiedliche Sprachentwicklungen in Spanien und Amerika sind in Amerika Sprachformen oder Ausdrücke erhalten geblieben, die in Spanien mittlerweile als Archaismen gelten, wie zum Beispiel haiga statt haya (presente de subjuntivo) auf den Antillen; umgekehrt ist das Personalpronomen vosotros in Amerika ein Archaismus (vgl. 3.2.1 Der voseo)
2. Einige phonetische Besonderheiten des hispanoamerikanischen Spanisch
Obwohl das Hauptgewicht dieser Arbeit auf der Verbmorphosyntax liegt, sollen hier doch kurz einige wichtige Eigenarten aus dem Bereich der Phonetik erwähnt werden.
Unter andalucismo versteht man Besonderheiten im Konsonantismus Hispanoamerikas, die dem andalusischen Konsonanteninventar nahestehen. Manche Sprachforscher sehen im andalucismo unter anderem den Ursprung für den seseo und den yeísmo in Lateinamerika:
[...] lo que hoy llamamos seseo y ceceo son variedades que resultan de un complejo conjunto de cambios sistemáticos ocurridos en los siglos XV y XVI, irradiados desde Sevilla al resto de Andalucía, Canarias e Hispanoamérica. 4 Dentro de esta continuada evolución hay algunos cambios que alejan el español americano del habla media de Castilla y lo acercan al sur de la Península: las cuatro silibantes: s, ss, ç, z, han venido a coincidir en una s, que, aunque de distintos matices, está, por lo general, más cercana de la predorsal andaluza que de la alveolar castellana; la aspiración de -s final de grupo o sílaba y su asimilación a la consonante siguiente; et yeísmo, ya fricativo mediopalatal, ya rehilado; el trueque de r y l agrupadas o su pérdida en fin de palabra, etc., contribuyen a dar este aire de semejanza o cercanía fonética entre las hablas hispanoamericanas y las del sur de la Península. 5 ____________________
4 Alcina Franch, Juan / Blecua, José Manuel: Gramática española. Barcelona 1983,
S. 344.
5 Zamora Vicente, Alonso: Dialectología española. Madrid 1960, S. 333.
6
Einige der wichtigsten phonetischen Besonderheiten seien im Folgenden kurz erläutert:
seseo = Ersetzen des [θ] (c, z) durch [s]:
yeísmo = Ersetzen des [ʎ] (ll) durch [j]:
Dazu existiert in einigen Ländern die Variante [ʒ], weswegen man dann von žeísmo spricht.
Alle erwähnten Formen existieren sowohl in Spanien als auch in Lateinamerika; in Spanien sind jedoch ceceo und lleísmo vorherrschend, in Lateinamerika seseo, yeísmo und žeísmo.
Das s wird in manchen Ländern Lateinamerikas in bestimmten Positionen mehr oder weniger elidiert oder auch aspiriert:
h
isla: ['i
los brazos: [lɔ Dies betrifft vor allem auslautendes -s. l und r sind teilweise fast austauschbar (dieses Phänomen findet man auch in manchen Regionen Spaniens: carne: ['kalne] golpe: ['gɔrpe]
h und f werden in manchen Fällen aspiriert, ebenso das j (südamerikanisch: x): harto: ['harto] oder ['xarto] fuerza: ['xwesa] mujer: [mu'her] México: ['mehiko] b wird wie g ausgesprochen: bueno: ['gweno]
7
3. Morphosyntax
3.1 Der loísmo
In Lateinamerika sehr verbreitet ist der loísmo, also der Gebrauch von lo an Stelle von le (iberokastilisch) als Akkusativ des Personalpronomens el: Vamos a ver a Jorge. Lo vamos a ver.
In Ecuador und Paraguay findet sich, wie auch zumeist in Spanien, der leísmo, nicht der loísmo.
3.2 Verbmorphosyntax
3.2.1 Der voseo 6
Zu den wichtigsten Erscheinungen in der Morphosyntax des lateinamerikanischen Spanisch zählt der voseo, d. h. der Gebrauch von vos statt tú in der 2. Pers. Sg. (Gebrauch von tú = tuteo). Im Allgemeinen entfällt die 2. Pers. Pl. vosotros mit den zugehörigen Verbformen völlig und wird durch ustedes mit der entsprechenden Verbform der 3. Pers. Pl. ersetzt. Ein ähnliches Phänomen existiert in Andalusien und anderen Teilen Spaniens, wo man gelegentlich ustedes mit der Verbform der 2. Pers. Pl. kombiniert (z. B.: ustedes tenéis). Beim voseo wird also tú durch das familiäre vos ersetzt, wobei die Verbform entweder der 2. Pers. Sg. oder einer altertümlichen Form der 2. Pers. Pl. entspricht. Die zugehörigen Pronomen sind te, vos (statt ti), die Possessivadjektive bleiben tu und tuyo.
Der voseo findet sich vorwiegend in Argentinien, Uruguay, einem großen Teil Paraguays sowie in Teilen Mittelamerikas (Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und dem größten Teil Costa Ricas). Auch die Einwohner der mexikanischen Staaten Chiapas und Tabasco bevorzugen den voseo, obwohl ansonsten in Mexiko der tuteo vorherrscht. Tú statt vos ist außerdem gebräuchlich in Peru, Kuba, in Teilen Boliviens, in Nordkolumbien und Nordvenezuela (Atlantikküste), im westlichen Ecuador und dem größten Teil Panamas, in Santo Domingo und Puerto Rico.
Ursprünglich handelte es sich beim vos um eine Pluralform, die als solche bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts existierte. Durch Anhängen von otros an nos und an vos entstanden die Pluralformen nosotros und vosotros, die sich von nos ____________________
6 Vgl. Kany, Charles Emil: Sintaxis hispanoamericana. Madrid 1969, S. 77-121.
Arbeit zitieren:
Ursula Wojciechowski, 1998, Vergleich zwischen iberokastilischer und hispanoamerikanischer Verbalmorphosyntax, München, GRIN Verlag GmbH
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