Inhalt
Teil I: Die Karikatur als Quelle im Geschichtsunterricht 2
Was ist eine Karikatur? 2
Geschichte der Karikatur 3
Der Einsatz von Karikaturen im Geschichtsunterricht 5
Auswahl der Karikatur 6
Teil II: Napoleonkarikaturen im Unterricht 7
Napoleon 7
Die Napoleonkarikaturen 8
Die englischen Karikaturen 9
Die deutschen Karikaturen 10
Die französischen Karikaturen 10
Unterrichtsvorschlag I: Der Staatsstreich vom 18. Brumaire VIII 11
Unterrichtsvorschlag II: Triumph des Jahres 1813 15
Weitere Ideen für den Unterricht 19
Abbildungsnachweis 21
Literaturverzeichnis 22
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Teil I: Die Karikatur als Quelle im Geschichtsunterricht
Heutzutage ist der Wert von Karikaturen als Bildquelle im Geschichtsunterricht unbestritten. In einigen Bundesländern finden sie sogar Eingang in schriftliche Abituraufgaben. Berühmte Karikaturen, wie zum Beispiel die von Bismarck, der das sinkende Schiff verlässt, oder auch den als Affen dargestellten Darwin, besitzen einen besonders hohen Bekanntheitsgrad. Aber auch von Napoleon existieren einige sehr bekannte satirische Darstellungen. Zur „first universal figure in caricature“ 1 wurde der Korse insbesondere durch die englischen Karikaturen von James Gillray (1756-1815), Thomas Rowlandson (1756-1827) und George Cruikshank (1792-1878). Noch nie zuvor hatte es von einem Staatsoberhaupt so viele Karikaturen gegeben wie von Napoleon, zwischen 1797 und 1815 sind von ihm weit mehr als 2000 Karikaturen erschienen 2 .
Was ist eine Karikatur?
Im Deutschen ist der Begriff „Karikatur“ zweideutig. Er bedeutet zum einen eine bestimmte Art der Porträtzeichnung, auf der die dargestellte Person verzerrt wird und besondere Merkmale besonders betont werden. Zum anderen ist mit Karikatur auch eine politisch-satirische Methode des Zeichnens gemeint, bei der eine kritische Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema erfolgt. Auf solchen Karikaturen wird die dargestellte Szene zumeist in einen anderen Kontext gesetzt um sie damit zusätzlich zu verfremden. Für das Verständnis von Karikaturen ist also ein gewisses Welt- und Allgemeinwissen nötig, denn erst durch die Diskrepanz von Dargestelltem und der eigenen Vorstellung vom Normalen kann die Karikatur ihre Wirkung entfalten. Pandel schriebt hierzu, das Arsenal eines Karikaturisten sei: „das Alltagswissen einer Kultur, in das ihre Geschichten und Mythem eingegangen sind und das sich historisch ständig weiter entwickelt. Es ist gefüllt mit Redensarten, Metaphern, historischen Zitaten.“ 3
1 Vgl. hierzu auch Willms, S. 237.
2 Vetter-Liebenow: S. 8
3 Pandel, S. 264.
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Geschichte der Karikatur
Vorläufer von Karikaturen sind bereits aus dem Altertum bekannt. Aus römischer und griechischer Zeit sind verzerrende Darstellungen von Stereotypen wie „Säufer“ und „Athlet“ überliefert. Es gibt aber auch kritische Darstellungen von römischen Kaisern. Auf der links gezeigten
wie Holzschnitte, Kupferstiche und Lithographie möglich.
Im Zeitalter der Reformation erlebte die Karikatur einen ersten Höhepunkt. Teilweise gefördert durch Martin Luther setzte ein regelrechter Bilderkampf ein. In unzähligen „Schandgemel“ (schändliches Gemälde) wurden die katholische Kirche und der Papst diffamiert und abgewertet. Auch die katholische Seite versuchte mit Spottbildern über Luther die Reformation lächerlich zu machen, allerdings geschah dies in wesentlich geringerem Umfang. Auch während des Dreißigjährigen Krieges 5 und dem Freiheitskampf der Niederlande gegen Spanien fanden satirische Bilder eine große Verbreitung. Eine wichtige Erfindung für die Entwicklung der Karikatur was der in der Mitte des 15. Jahrhunderts erfundenen Kupferstich. Durch dieses Tiefdruckverfahren war es möglich geworden, wesentlich nuanciertere Drucke herzustellen. Allerdings war der Kupferstich technisch kompliziert herzustellen und erlaubte lediglich eine Auflage von 300 - 1000 Exemplaren pro Druckplatte.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Karikatur immer mehr zu einem Medium mit Erziehungsabsicht. Außerdem wurden satirische Bilder verstärkt zur Kommentierung von tagespolitischen Ereignissen eingesetzt. Als Folge der Glorious Revolution hatte sich in England die Pressefreiheit immer weiter entwickelt und es konnte sich ein breiter Markt für gedruckte Bildsatiren entwickeln. In Frankreich erhielt die Karikatur im Zuge der Französischen Revolution insbe- 4 Vgl.hierzu auch Lammel S. 67 ff.
5 Vgl. Kessemeier S. 50 ff.
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sondere für die unteren Bevölkerungsschichten einen neuen Stellenwert als Aufklärungs- und Propagandamittel. Besonders bei einem Publikum, das nicht des Lesens und Schreibens fähig war, erfreuten sich die vereinfachenden, humorvollen und oft auch derben Darstellungen großer Beliebtheit. Der zeitgenössische gegenrevolutionäre Journalist Jacques-Marie Boyer-Brun bezeichnete die Karikatur darum auch als „écriture parlée“ 6 , was man mit „dem Volk auf Maul schauen“ übersetzen könnte. Durch den Übergang vom Kupferstich zur wesentlich schneller und billiger zu realisierender Radierung erfuhr die Karikatur dann einen wahren Boom, der bis in die napoleonische Zeit andauerte.
Im 19. Jahrhundert wurde versucht, die Verbreitung von satirischen Bildern durch Zensur und Verbote zu verhindern. Trotz dieser Schwierigkeiten erschienen in Frankreich mehrere Satire-und Karikaturzeitschriften wie zum Beispiel „La Caricature“ (ab 1830) oder „Charivari“ (ab 1832) die, oft in versteckter Form, Kritik an politischen und gesellschaftlichen Missständen übten. Die Lithographie, die 1798 von Alois Senefelder entwickelt wurde, ermöglichte inzwischen noch einfacher herzustellende und sogar farbige Darstellungen. Die Erfindung der Schnellpresse eröffnete die Möglichkeit einer zeitnahen Massenproduktion. Auch in Deutsch-land gab es trotz einer besonders rigiden Zensur Karikaturzeitschriften, wie zum Beispiel die ab 1842 in Leipzig herausgebrachte „Leuchtkugel“. Aber erst mit dem Wegfall der Vorzensur im Revolutionsjahr 1848 und der damit verbundenen Möglichkeit zu einer ungehinderten Weiterverbreitung innerhalb Deutschlands, erlebte die deutsche Bildsatire ihren Aufschwung. Im Deutschland der Bismarckzeit musste die Mehrzahl der Blätter ihr Erscheinen unter dem Druck einer verstärkten Zensur allerdings wieder einstellen. Einzig das berliner Wochenblatt „Kladderadatsch“ konnte sich behaupten.
Während der Weltkriege erfuhr die Karikatur in ganz Europa eine erneute Erstarkung. Alle beteiligten Parteien benutzten zahllose Bilder um die Gegner zu verunglimpfen und die eigene Position zu rechtfertigen. Kritische Karikaturen wurden verboten, Feindbilder ausgiebig geschmäht und lächerlich gemacht.
Heutzutage sind Karikaturen fester Bestandteil fast jeder politischen Meinungsbildung. In der Abteilung der Pressedokumentation des Deutschen Bundestages wurden von 1974 bis 1998 rund 200.000 politische Karikaturen gesammelt - das entspricht im Durchschnitt etwa 20 Zeichnungen pro Tag 7 .
6 Zitiert nach Herding / Reichard S. 18.
7 Kaulfuß S. 96.
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Welche politische Sprengkraft Karikaturen auch heute noch haben können, zeigen nicht zuletzt die 2005 von der „Jyllands Posten“ veröffentlichten Mohammedbilder mit dem Titel „Das Gesicht Mohammeds“. Als Reaktion auf diese und andere Karikaturen kamen bei Auseinandersetzungen mindestens 140 Menschen ums Leben. Die Karikaturen führten weltweit zu einer Debatte über Religions- und Pressefreiheit.
Die dänische Polizei nahm im Februar 2008 drei Personen fest, die einen Mordanschlag auf Kurt Westergaard, einen der Zeichner der Karikaturen, geplant haben sollen. Einen Tag nach Aufdeckung der Pläne veröffentlichten führende dänische Zeitungen erneut demonstrativ Westergaards umstrittene Karikatur, die Mohammed mit einer Bombe im Turban darstellt.
Der Einsatz von Karikaturen im Geschichtsunterricht
Kommen wir nun zum Gebrauch einer Karikatur im Geschichtsunterricht. Gezeichnete Satiren können einen reizvollen Einstieg in einen komplexen Themenzusammenhang geben denn oft werden komplizierte Sachverhalte pointiert und humorvoll dargestellt. Genauso eignen sie sich aber auch als Hauptthema einer Unterrichtsstunde. Viele Argumente sprechen für den Einsatz von Karikaturen 8 :
- Als zeitgenössische Bildquelle können Karikaturen interessante historische Bezüge zum Anknüpfen bieten.
- Durch Reduktion und Veranschaulichung wird ein komplexes Thema leichter zugänglich.
- Dem Schüler wird durch den Einsatz von Karikaturen ermöglicht, auch visuell zu lernen. - Durch Komik und Humor können viele Karikaturen Themen für Schüler interessant machen.
- Um die Bilder zu verstehen, muss der Schüler Wissen erwerben, Vorwissen aktivieren oder neu verknüpfen. Dies kann zur Entschlüsselung des Bildes anspornen. Schließlich möchte man ja dem „Geheimnis“ auf die Spur kommen. - Bilder bleiben oft besser im Gedächtnis als lange Texte.
Aber bei der Auswahl von Karikaturen muss der Lehrer auch einige Sachen bedenken, denn was den Wert einer historischen Satire ausmacht ist gleichzeitig eng mit ihrer Problematik verknüpft. Natürlich stellt eine Karikatur nicht die „Realität“ dar, sondern ist im hohen Maß
8 Im Folgenden basierend auf Kaulfuß S. 99 - 100.
Eine Aufstellung der Kriterien bei der Interpretation einer Karikatur findet sich auch bei Pandel. Seite 5 von 23
Arbeit zitieren:
Jan Patrick Faatz, 2008, Napoleonkarikaturen im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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