Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1 Literaturlage 3
2. Historischer Hintergrund 4
2.1 Haugianer und Quäker 4
2.2 Haugianer und Quäker als homogene Gruppe ? 9
2.3 Die ersten norwegischen Emigranten 10
2.4 Religiöse und ökonomische Motive? 13
3. Schlussfolgerung / Zusammenfassung 14
4. Quellen 15
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1. Einleitung
Das öffentliche Interesse an einigen geschichtlichen Ereignissen scheint in Wellen zu kommen und auch wieder zu gehen. Auslöser für einen solchen Boom können gerne Jahrestage, politische Ereignisse aber auch populäre Kinofilme und Dokumentationen sein. Ein skandinavisches Beispiel für ein Thema, das immer wieder punktuell in den Aufmerksamkeitsfokus rückt, ist die norwegische Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert nach Amerika. Diese Epoche scheint besonders in den 1980er Jahren sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der Öffentlichkeit besonders präsent gewesen zu sein, wie sich an einem Blick auf die Literaturliste erkennen lässt. In den folgenden 20 Jahren wurde es dann relativ ruhig um das Thema, bis im Jahr 2000 das öffentliche Interesse bedingt durch das 175-jährige Jubiläum der ersten Ankunft von norwegischen Siedlern in den USA erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde. Seit dieser Zeit ist das Interesse an diesem Thema in Norwegen kontinuierlich gewachsen. Vorläufiger Höhepunkt war die Kielsetzung der Schaluppe Restauration, dem originalgetreuen Nachbau des Schiffes, mit dem die ersten Norweger 1825 ihr Land verließen. Betrachtet man dieses Schiff, so sieht man, dass es wohl auch einer großen Portion Glück bedurfte, in dieser ‚Nussschale‘ heil über den Atlantik zu gelangen 1 . Wer aber waren die 52 Männer und Frauen, die am 4. Juli 1825 die gefährliche Reise ans andere Ende der Welt antraten? In der folgenden Arbeit wollen wir uns näher mit den Gründen der ersten Auswanderung beschäftigen. Was waren es für Menschen und warum verließen sie ihr Land?
Der Name des Schiffes, Restauration 2 , lässt vermuten, dass die Auswanderer religiöse Motive hatten. Lange Zeit war man der Auffassung, dass die Emigration ein Gemeinschaftsunternehmen von Quäkern und Haugianern, zwei christlichen Erweckungsbewegungen, sei. Untersucht man näher, auf wen diese These zurückgeht, so stößt man auf die nordamerikanischen Forscher Theodor Blegen und Henry Cadbury sowie die norwegische Forscherin Ingrid Semmingsen. In der norwegischen Forschung herrschte seitdem Einigkeit darüber, dass Quäker und Haugianer ‚gemeinsame Sache‘ gemacht hätten. Diese Ansicht wurde aber nach und nach revidiert, besonders der norwegische Forscher Brynjar Haraldsø hat in seinen Werken diese These stark
1 http://www.restauration.no/
2 Der Begriff ‚Restauration‘ wird sowohl im Norwegischen als auch im Deutschen synonym zu
‚Wiederherstellung‘ verwendet. Seite 2 von 17
angezweifelt 3 . Für ihn war es eine nahezu homogene Quäkergruppe, die 1824 Norwegen verlies.
Im Laufe der vorliegenden Seminararbeit möchte ich mich mit beiden Ansichten auseinandersetzen, und am Ende einen eigenen Standpunkt formulieren.
1.1 Literaturlage
Die meiste Literatur ist naturgemäß auf Norwegisch zu finden, allerdings gab es in jüngerer Zeit durchaus Artikel und Bücher über das Thema in englische Sprache. Zu nennen wäre hier unter anderem A short history of the Troms quakers and their emigration to America von Hans Eirik Aarek und, ebenfalls vom gleichen Autor, The significance of Norwegian Quakers for Early Emigration from Norway to America: How true are the traditional values? Beide Artikel geben einen guten Einblick in die Geschehnisse um das Jahr 1825. Ein exzellentes Werk stellt auch das Buch Veien mot vest [der Weg nach Westen] von Ingrid Semmingsen dar. Das Buch ist zwar schon 1942 erschienen, gilt aber bis heute als eines der wichtigsten Werke über die norwegische Auswanderungsgeschichte.
Einen guten und ausführlichen Einblick in die Gedankenwelt des Begründers des Haugianismus gibt es in Andreas Aarflots Werk „Tro og lydighet. Hans Nielsen Hauges kristendomforståelse.“ (Glaube und Gehorsam. Hans Nielsen Hauges Verständnis vom Christentum). [Übers. d. Verfassers].
Ein Wort zu den Übersetzungen
Um denjenigen Lesern, die der norwegischen Sprache nicht mächtig sind, trotzdem eine Lektüre dieses Artikels zu ermöglichen, blieb es nicht aus, einige Textstellen ins Deutsche zu übertragen. Dies wurde von mir nach bestem Wissen und Gewissen unternommen. Trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass mir bei den Übersetzungen (insbesondere aus den älteren Texten) kleinere Fehler unterlaufen sind.
2. Historischer Hintergrund
Im Jahr 1821 wurde der Norweger Cleng Peerson von einer Gruppe aus Stavanger in die USA geschickt, um dort die Möglichkeiten und die Voraussetzungen für eine Auswanderung auszukundschaften. Als er 1824 zurück nach Norwegen kam, waren
3 Brynjar Haraldsø (1988). Seite 3 von 17
seine Berichte der Startschuss für eine enorme Auswanderungswelle, die nach und nach in manchen Gebieten des Landes fast ein Drittel der Bevölkerung erfasste. Wer waren Peersons Auftraggeber, die ersten Siedler, die 1824 das Lad verließen? Sowohl die nordamerikanischen Historiker Henry Cadbury und Theodor Blegen, als auch die norwegische Forscherin Ingrid Semmingsen stimmen darin überein, dass Quäker und Haugianer gemeinsam hinter Peersons Erkundungsmission standen. Bevor wir näher auf diese These eingehen, wollen wir zunächst einen kurzen Blick auf die beiden Glaubensgemeinschaften werfen.
2.1 Haugianer und Quäker
Als Haugianer und Quäker werden die jeweiligen Anhänger zweier christlichen ‚Erweckungsbewegungen‘ bezeichnet. Hauptaufgabe sehen Erweckungsbewegungen in der Bekehrung des einzelnen Menschen und der Betonung einer einfachen, christlichen Lebensweise. Erweckungsbewegungen gehen davon aus, dass es Menschen durch eine spirituelle Erfahrung möglich ist, zu ‚erwachen‘ und danach in einen Zustand der geistigen Reinigung und Erneuerung zu treten. Die Bibelstelle, auf die sich alle Erweckungsbewegungen beziehen, ist ein Brief des Paulus an die Epheser in dem es heißt: „Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ 4 Während die Quäker besonders in Großbritannien aktiv waren, hatten sie in Skandinavien zunächst nur wenige Anhänger. Die wichtigste norwegische Erweckungsbewegung war der Haugianismus. Der Name geht auf den Gründer der Bewegung, den Laienprediger Hans Nielsen Hauge zurück. Hauge zog nach seiner Erweckung im Jahr 1796 durch große Teile Norwegens und Dänemarks und konnte im Laufe der Zeit eine große Anzahl Anhänger um sich herum sammeln, die sich in sogenannten Konventikeln organisierten.
Aufgrund eines königlichen Erlasses, der derartige Zusammenkünfte untersagte, war ein Konflikt mit den kirchlichen Behörden unausweichlich. Hauge wurde in den kommenden Jahren mehrfach verhaftet und 1804 zu einer 10-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung im Jahr 1814 wuchs seine Anhängerschaft weiter und die nach ihm benannte Bewegung fand, hauptsächlich unter dem einfachen Volk, eine weite Verbreitung. 5 Begünstigt wurde die Ausbreitung auch durch ein neues und
4 Bibel (Übersetzung nach Luther): Epheser 5, 14. Zitiert nach der Onlineausgabe:
http://www.bibleserver.com/text/LUT/Epheser5
5 Vgl. hierzu Aarflot (1967) und Kullerud (1996) Seite 4 von 17
Arbeit zitieren:
Jan Patrick Faatz, 2011, Aufbruch ins gelobte Land, München, GRIN Verlag GmbH
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