Inhalt
1. Einleitung. 2
2. Aufbau des norwegischen Schulsystems 3
2.1 Eckdaten. 3
2.2 Die Grundschule - Ungdomsskolen 3
2.3 Die weiterführende Schule - Videregående skolen 4
2.4 Schulreformen zur „Steigerung der Kompetenzen“ 7
2.5 Private Schulen 8
3. Der norwegische Lehrplan im Fach Geschichte 9
3.1 Genereller Teil 9
3.2 Lehrplan im Fach Geschichte. 12
4. Vergleich zweier Lehrbücher. 13
5. Zusammenfassung und Fazit 17
6. Literatur- und Quellenangaben 19
7. Anhang. 20
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1. Einleitung
Nicht erst seit der Name einer gewissen italienischen Stadt wie ein Schreckgespenst durch das deutsche Schulwesen geistert, richten viele Bildungsinteressierte ihren Blick sehnlichst gen Norden. Schon lange gilt das skandinavische Bildungs- und Gesundheitssystem als mustergültig und wird oft als Vorbild für Deutschland propagiert. Und seit Finnland die PISA-Studie unumstritten anführt wird von Politikern aller Couleur gefordert, man (also die gegnerischen Parteien) müsse sich endlich an den nordischen Entwicklungen ein Beispiel nehmen und solle Deutschland wieder an die Spitze der globalen Bildungselite bringen. Allerdings beantwortet keiner die Frage, wann Deutschland denn jemals zu dieser Bildungselite gehört haben soll. Nach 1945 war dies wohl kaum der Fall. Oder meinen die Herren etwa die Zeit davor? Zehn Jahre nach dem deutschen Schock über den ersten PISA-Test und dem damalsmilde ausgedrückt - ‚bedauerlichem‘ Ergebnis, gibt es zwar einige Anzeichen der Besserung, insgesamt ist man sich aber doch einig, dass es noch zu viele Probleme gibt, als dass man in Jubel ausbrechen könne. „Mit Mittelmaß beim Lesen kann sich Deutschland nicht zufriedengeben“, brachte Marianne Demmer, Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Stimmung auf den Punkt. Noch immer sei „die soziale Spaltung in der Bildung nicht überwunden“. Nach Veröffentlichung der aktuellen PISA-Ergebnisse formulierte der deutsche OECD-Vertreter Heino von Meyer es sportlich: „Deutschland ist aufgestiegen - von der zweiten in die erste Liga. Aber von der Champions League ist Deutschland noch weit entfernt.“ Denn schließlich säßen in deutschen Schulen noch zu viele junge Talente „auf der Reservebank“. 1 Grund genug, den Blick also etwas über den Tellerrand zu heben und die Bildungssysteme in den nordischen Ländern näher zu beleuchten. Diese Arbeit soll sich hauptsächlich mit dem norwegischen Schulsystem beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt auf einer deskriptiven Beschreibung des norwegischen Bildungssystems und einem Vergleich mit dem deutschen Pendant. Außerdem wollen wir einen Blick auf den norwegischen Lehrplan der Oberstufe im Fach Geschichte werfen und die dort genannten Lernziele und Kompetenzen mit den deutschen vergleichen. Abschließend sollen dann ein deutsches und ein norwegisches Geschichts-Schulbuch miteinander verglichen werden.
1 N24 Pressemitteilungen: http://www.n24.de/news/newsitem_6504543.html
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2. Aufbau des norwegischen Schulsystems
Zur besseren Orientierung folgt zunächst ein kurzer Einstieg in den generellen Aufbau des norwegischen Schulsystems.
2.1 Eckdaten
Die Schule in Norwegen gliedert sich in die beiden Bereiche der „Grundschule“ (1. bis 10. Klasse) und der „weiterführenden Schule“ (11. bis 13. Klasse). Die meisten norwegischen Schulen sind Halbtagsschulen mit einer Unterrichtszeit von 08:00 bis 13:00 oder 15:00 Uhr. Die maximale Größe einer Klasse beträgt auf der weiterführenden Schule 30 Schüler, in der Grundschule sind nur 26 Schüler pro Klasse erlaubt. Ein „Sitzenbleiben“ und das Wiederholen eines ganzen Jahrganges sind in Norwegen unbekannt. Stattdessen wird beim Nicht-Bestehen eines Faches nur das entsprechende Fach wiederholt.
Für das öffentliche Schulwesen werden in Norwegen ca. 6,6 Prozent des BIP ausgegeben. In Deutschland sind es 4,7 Prozent. 2
In Norwegen werden drei verschiedene Sprachen als jeweilige „Muttersprache“ Unterrichtet: Bokmål und Nynorsk (vergleichbar mit Hoch- und Niederdeutsch) sowie Samisch (die Sprache der nordskandinavischen Ureinwohner.)
2.2 Die Grundschule - Ungdomsskolen
Die Grundschulzeit in Norwegen dauert 10 Jahre und ist damit deutlich länger als in Deutschland. Erst nach der 10. Klasse erfolgen der Übergang in eine andere Schule und ein oft damit verbundener Ortswechsel. Zwar gibt es in der Grundschule die Teilung zwischen einer Unterstufe (1. - 7. Klasse) und Mittelstufe (8. - 10. Klasse), ein Übergang zwischen den beiden Stufen ist jedoch obligatorisch und an keine Bedingung geknüpft.
Der Besuch der gesamten Grundschule soll für alle Schüler völlig kostenfrei sein. Das heißt zum Beispiel auch, dass den Eltern keine Kosten für Bücher, Stifte, Taschenrechner und anderes Unterrichtsmaterial entstehen, sondern dass alle notwendigen Kosten vom Staat getragen werden. Eine andere Besonderheit der norwegischen Grundschule ist die sogenannte „Schulfreizeit-Ordnung“
2 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/37109/umfrage/ausgaben-‐fuer-‐bildung-‐in-‐prozent-‐des-‐ bip/ Seite 3 von 22
(Skolefritidsordning). Dieses Gesetz regelt, dass allen Kindern von der 1. bis zu 4. Klasse außerhalb des Unterrichts das Recht zusteht, an von der Schule organisierten Freizeitaktivitäten (Spiel, Sport, Kultur) teilnehmen zu können. Kinder, die einer besonderen Lernförderung bedürfen, können während dieser Zeit gezielte Nachhilfe in allen Fächern erhalten. Durch diese Regelung versucht man eventuelle Defizite aus „bildungsferneren“ Elternhäusern früh aufzufangen, so dass spätestens in der 5. Klasse alle Schüler auf einem möglichst gleichen Niveau sind. Hier lässt sich der typisch norwegische Gedanke einer „Schule für alle“ finden.
Ab der 8. Klasse werden in allen Fächern Halbjahreszeugnisse mit Noten verteilt. Benotet werden die Jahresleistungen und Examensleistungen; Außerdem werden Noten für Fleiß und gutes Benehmen vergeben. Zum Abschluss der Grundschulzeit, also am Ende der 10. Klasse, entscheiden die Noten über die Aufnahme in eine weiterführende Schule. Die norwegischen Schüler werden also erst sehr spät selektiert. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass der Wunsch auf die weiterführende Schule zu wechseln, bei einem Großteil der 15 und 16-jährigen Schüler zu einer erhöhten Lernbereitschaft führt. Natürlich haben auch norwegische Jugendliche in diesem Alter eher wenig „Bock“ auf Schule, allen ist aber klar, dass der Übergang auf eine weiterführende Schule Voraussetzung für ein Studium oder eine Berufsausbildung ist. Nach erfolgreichem Abschluss der Grundschule haben alle Schüler das Recht auf eine dreijährige weiterführende Ausbildung, die entweder zum Abitur, einem Berufsabschluss oder einer sogenannten „Grundkompetenz“ (am ehesten Vergleichbar mit dem deutschen Sonderschulabschluss) führt. Schüler die einer besonderen Förderung bedürfen, können die Zeit auf der weiterführenden Schule um bis zu zwei Jahre verlängern.
Der norwegische Staat ist per Gesetzt dazu verpflichtet, dass alle Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren entweder einen Schul- oder Ausbildungsplatz oder eine feste Anstellung haben. Bis einschließlich des 25. Lebensjahrs haben alle norwegischen Schüler das Recht, kostenlos eine weiterführende Ausbildung in Anspruch zu nehmen.
2.3 Die weiterführende Schule - Videregående skolen
Die ersten zwei Jahre auf der weiterführenden Schule sind für alle Schüler identisch, erst im dritten Jahr entscheidet man sich für ein abschließendes Abiturjahr oder die zweijährige Ausbildung in einem Betrieb. Nach dem Abschluss der Lehre kann
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alternativ das Abitur gemacht werden, um so Zugang zu den Hochschulen und Universitäten zu erhalten.
Beim Übertritt auf die weiterführende Schule stehen den Schülern mehrere Möglichkeiten offen. Die Schüler haben die Wahl zwischen 3 verschiedenen Fachabituren und neun möglichen Berufsabschlüssen. Die Schwerpunkte des Fachabiturs sind 3 :
- Fachabitur in Musik, Tanz und dramatischem Spiel (die Schüler werden hier auf die Aufnahme in eine Musik- oder Theaterhochschule vorbereitet) - Fachabitur in Sport (Voraussetzung für die Aufnahme an speziellen Leistungssport-Universitäten)
- Allgemeine Hochschulreife (hierdurch erhalten die Schüler die Möglichkeit, an einer Universität oder Hochschule zu studieren.) Bei der Wahl der allgemeinen Hochschulreife werden je nach Interesse verschiedene Schwerpunkt gewählt:
Für einige Studiengänge ist es erforderlich, einen bestimmten Schwerpunkt gelegt zu haben. Voraussetzung für ein Medizinstudium ist beispielweise ein Abitur mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt. Hat ein Schüler den Schwerpunkt auf Sprache gelegt, möchte dann aber doch Medizin studieren, so können die entsprechenden Fächer auch nach Verlassen der Schule nachgeprüft werden. Neben dem Abitur stehen neun berufsvorbereitenden Abschlüsse zur Wahl:
- Hoch- und Tiefbau
- Industriedesign - Elektrotechnik - Gesundheitsberufe - Medien und Kommunikation
3 Norwegisches Bildungsministerium:
http://www.regjeringen.no/nb/dep/kd/tema/grunnopplaring/kunnskapsloeftet/hva-‐er-‐ kunnskapsloftet.html?id=86769 Seite 5 von 22
Arbeit zitieren:
Jan Patrick Faatz, 2011, Im Norden alles besser?, München, GRIN Verlag GmbH
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