Einleitung 3
1. Definitionen 3
1.1 Rahmen und Komplexität des Problems 4
1.2 Annahme: Familie als Konstrukt 5
2. Die Auflösungsthese 6
2.1 Eventuelle Ursachen der Auflösungsthese 7
2.2 Die Kritik 7
2.3 Pro und Kontra 8
3. Der Wertewandel zwischen 1950 und 2000 9
3.1 Die Kulturrevolution 10
3.2 Die Folgen der Kulturrevolution 11
4. Die Familie im 21. Jahrhundert 12
4.1 Zunehmende Kinderlosigkeit 12
4.2 Verlust der Solidarität 14
4.3 Familie als Konstrukt 15
5. Zusammenfassung 17
6. Fazit 17
Literatur 19
3
Das starke Bewußtsein der Tradition ist ein modernes Phänomen, das ein Bedürfnis nach Sitten und Gebräuchen in einer durch ständige Veränderungen und Innovationen gekennzeichneten Welt reflektiert. Die Hochachtung vor der Vergangenheit ist so groß geworden, das Traditionen, falls sie noch nicht existieren, einfach erfunden werden. Witold Rybczynski, (1987)
Einleitung
Befindet sich die Familie in einer Krise? Steht uns gar ihr Ende bevor? Eine These,
die im Laufe der Zeit oftmals von Geisteswissenschaftlern, im besonderen sicherlich
auch von Soziologen, aufgestellt wurde. Bis ins neue Jahrtausend hinein gibt es
Vertreter, die ihr Ende, ihr Zerbrechen voraussagen. Welche Thesen diesen
Verdacht bedingen, welche Positionen die Kritiker einnehmen, welche Argumente sie
aufführen, welche Gegenargumente aufgestellt werden und wie schwierig es ist,
einen so komplexen und wandelbaren Begriff wie den der Familie fassbar zu
machen, dies alles wird Thema der folgenden Arbeit sein.
1. Definitionen
a) Familie:
Dieses von dem lat. familia herkommende Fremdwort ist erst seit dem Beginn des 18. Jahrh. in Deutschland gebräuchlich geworden. Vorher gebrauchte man dafür das Wort Haus, wie dem auch das röm. familia ursprünglich das Hauswesen, d.h. den Hausvater mit den seiner Gewalt unterworfnen Personen, seinen Sklaven und seinem sonstigen Eigentum umfasste. Heute hat F. mancherlei Bedeutungen. Man spricht von Familie haben im Sinne von Kinder haben, sodann versteht man unter F. die Gemeinschaft der Ehegatten und ihrer Kinder, in noch weiterem Sinne die Verwandtschaft, die Sippe, das Geschlecht, den Kreis, der durch gemeinsame Abstammung verbunden, ohne Rücksicht darauf, ob die Wurzel der Verwandtschaft Jahrhunderte weit zurückliegt, und ob die Verwandtschaft durch Männer oder Frauen vermittelt wird. Der Sprachgebrauch, nach dem man zur F. auch Nichtverwandte, z. B. das Gesinde rechnet (so noch im Preuß. Landrecht), scheint sich nach und nach zu verlieren [im Original in Altdeutscher Schrift]. Brockhaus’ Konverstations = Lexikon (1902)
b) Familie, 1)
In der Regel das Elternpaar mit den unselbstständigen Kindern als Einheit des Haushalts (Kleinfamilie; F. im engsten Sinne). Zur F. im weiteren Sinne gehört auch die Verwandtschaft, zumal dann, wenn sie einen gemeinsamen Haushalt führt. In älteren Zeiten, in ländlichen Gebieten Mitteleuropas und anderer Länder auch noch heute, ist ,F.’ Name für die ,Hausgenossenschaft’, die auch lediges Gesinde mit einbezieht. Der
4
römisch - rechtl. Begriff F., der als latein. Fremdwort seit dem 16. Jahrh. im Abendland Eingang fand, hatte die ,Hausgenossenschaft’ unter der Einheit der väterlichen Gewalt und nicht den Personenstand als Sinngehalt. Im älteren Deutsch hieß es dafür ,Weib und Kind’. Brockhaus Enzyklopädie (1986)
c) Familie [lat]:
1. die Gemeinschaft von Eltern und Kindern, die als ,kleinste Zelle der Gemeinschaft’ unter dem besonderen Schutz des sozialistischen Staates steht (Artikel 38 der Verfassung der DDR). Sie beruht, wie in der Präambel des Familiengesetzbuches der DDR hervorgehoben wird, auf der für das Leben geschlossenen Ehe und auf den bes. engen Bindungen, die sich aus den Gefühlsbeziehungen zwischen Mann und Frau und den Beziehungen gegenseitiger Liebe, Achtung und gegenseitigen Vertrauens zwischen allen F.- mitgliedern ergeben. Der Charakter in der sozialistischen Gesellschaft wird entscheidend durch die Gleichberechtigung von Mann und Frau bestimmt. - F. i. w. S. der Kreis, der durch Verwandtschaft oder Schwägerschaft miteinander verbundenen Personen. F. Engels (,Ursprung der F., des Privateigentums und des Staates’) hat die historische Entwicklung der F. als Produkt der Gesellschaft, ihre verschiedenen Stufen als Entwicklungsformen enger Wirtschafts- und Arbeitsgemeinschaften (matriarchal oder patriarchal gegliedert) bis hin zu der, mit der Entstehung des Privateigentums sich festigenden monogamen, auf der Vorherrschaft des Mannes, gegr. F. darlegt. Die monogamische Einzel -F. der heutigen Gesellschaft ist erst ein historisches spätes Entwicklungsprodukt. Meyers Neues Lexikon (1972)
d) Familile die, 1) i. d. R. das Elternpaar mit den unselbständigen Kindern als Einheit des Haushaltes. Rechtlich gibt es keinen feststehenden Begriff der Familie, meist versteht man darunter die Ehegatten mit ihren Kindern. Verfassungsrechtlich ist sie durch
1 Artikel 6 GG geschützt.
1. 1 Rahmen und Komplexität des Problems
Hier zeigt sich ganz deutlich, dass erst die Einordnung in einen bestimmten
historischen und gesellschaftlichen Kontext es uns möglich macht, die jeweiligen
Strukturen und Funktionen, letztlich den damit assoziierten Sinn von Familie näher
zu verstehen. Schnell wird klar, dass eine Familie zu Zeiten der Römer, wo im
Zentrum der Definition die Festlegung von Hierarchie und Macht stand, mit dem
Familienverständnis in Deutschland um die Jahrtausendwende nicht mehr viel
gemein hat; eine Familie innerhalb der DDR, wobei in der Definition größten Wert auf
die ideologischen Ideen des sozialistischen Staates gelegt wurde, grundlegend
andere gesellschaftliche und strukturelle Voraussetzungen benötigte, als eine
Familie zur gleichen Zeit in der damaligen BRD. Entsprechend ist die Frage zu
stellen, ob das Zeitalter des ausgehenden 20. Jahrhundert bis ins 21. Jahr-hundert
1 URL:http://www.brockhaus.de. [Stand: 20.02. 2003]
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hinein Bedingungen ausgebildet hat, um die Familie in eine ernsthafte Krise zu führen, oder gar ihr Ende zu bedingen.
1. 2 Annahme: Familie als Konstrukt
Daraus lässt sich ableiten, dass eine Familie in der Regel als Teil der aktuellen Gesellschaft, in Abhängigkeit zum bestehenden Normen- und Wertesystem, zu betrachten ist. Dies erinnert an den Gedanken von Berger und Luckmann: „Das Paradoxon, dass der Mensch fähig ist, eine Welt zu produzieren, die er dann anders denn als menschliches Produkt erlebt [...]“.(1999, 65) 2 Die in ihrer Arbeit beschriebene dialektische Wechselwirkung zwischen „Externalisierung und Objektivation“ führt zu dem Gedanken, dass Gesellschaft ein „menschliches Produkt“ ist, Gesellschaft eine „objektive Wirklichkeit“, der Mensch als „gesellschaftliches Produkt“ gilt und weiter, dass die „Übernahme der gesellschaftlichen Welt durch eine neue Generation - durch Internalisierung also, die sich als Sozialisation auswirktdie fundamen-tale gesellschaftliche Dialektik in ihrer Totalität sichtbar [werden lässt]“.
Kurz, nehmen wir an, die Familie ist ein Konstrukt der Menschen, wird aber als solches von ihnen (meist) nicht wahrgenommen, oft stattdessen als naturgegeben, göttlich etc. erachtet, und die jeweilige Idee kann über Internalisierungsprozesse durch Sozialisation in die nächste Generation weitergegeben werden, dann könnte unterstellt werden, das sich aktuelle Phänomene der heutigen Zeit mit Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte in Verbindung bringen lassen. Um den Gedanken vollständig der Ausgangsthese vom Ende der Familie zugrunde zu legen: Wurden innerhalb der Sozialisation der heutigen, familiengründungsfähigen Generationen Prozesse bewirkt, die die Familie quasi zum Auslaufmodell werden lässt?
Basierend auf dieser Annahme soll innerhalb der Ausführungen eine Analyse durchgeführt werden, die sich mit einigen Kritikern auseinandersetzt, die den
2 Die folgende Darlegung bezieht sich auf Berger/ Luckmann (1999:65)
Arbeit zitieren:
Ellen Hoffmann, 2003, Das Ende der Familie?, München, GRIN Verlag GmbH
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