„nein, zärtlich bist du nicht.“ (Vers 8) ab. Dieser letzte Vers stellt einen Gegensatz zu den vorher genannten, überwiegend positiven Eigenschaften dar. Obwohl die Frau mit dem Mann glücklich ist, klagt sie, dass er nicht zärtlich ist.
In der zweiten Strophe zählt die Frau wieder zuerst positives am Verhältnis zum Mann auf: Er küsst gut und kann ihr zeigen, was Genuss ist (Verse 9 f.) und sagt ihr, wann sie „die Lippen nachziehn muss“ (Vers 12). Doch dann kritisiert sie ihn wieder: Man könne ihm nur manchmal trauen. Schließlich wird die Strophe durch den Vers „aber zärtlich bist du nicht“ (Vers 16) beendet. Dieser Vers weicht auch vom üblichen Versmaß ab. Die dritte Strophe beginnt mit einer expliziten Klage des lyrischen Ichs, die ebenso vom Vers-maß abweicht. Diese Abweichung wird nötig, um den Ausruf „O wärst du zärtlich!“ (Vers 17) möglich zu machen. Dieser Ausruf der Frau zeugt von ihrer Verzweiflung. Wahrscheinlich hat sie dem Mann schon gesagt, dass die dich mehr Zärtlichkeit von ihm wünscht, doch er hat dies nicht erwidert. Die folgenden zwei Verse 18 und 10 verstärken diese Verzweiflung noch einmal. Doch Frau möchte nicht nur mehr Zärtlichkeit, sondern verlangt mit ihrem Ausspruch „Meinetwegen // kannst du sogar gefühlvoll sein“ (Verse 18 f.) auch, dass der Mann gefühlvoll ist. Sie gibt an, dass nicht der Mann sondern sie die Weiche von beiden ist (Verse 22 f.). Durch den vorletzten Vers „Denn wer mehr liebt, der muss mehr leiden.“ (Vers 24) wird deutlich, dass die Freu die Person in der Beziehung ist, die mehr liebt, denn sie ist die, die mehr leiden muss. Das Gedicht wird beendet mit „Nein, zärtlich bist du nicht.“ (Vers 25). Dieser letzte Vers ist dabei ‚der krönende Abschluss‘, der erneut die Klage der Frau betont.
Wie man also erkennen kann, ist die Beziehung nur auf den ersten Blick harmonisch. Der Mann ist wahrscheinlich der Ansicht, alles laufe bestens, doch die Frau - die übrigens wirklich verliebt ist - weiß, dass es an Zärtlichkeit fehlt. Das Gedicht kann man dabei als Klagerede der Frau gegen den Mann verstehen.
Die Frau sagt in dem Gedicht, dass der Mann der Starke ist - dies geht aus den Versen 22 und 23 hervor. Diese Ansicht spiegelt die typische Geschlechteransicht wieder: Der Mann ist der Starke, die Frau das weiche und zärtliche Wesen. Deshalb könnte man darauf schließen, dass sich im Gedicht bestehende Vorurteile über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern widerspiegeln. Meiner Meinung nach ist dies der Fall, denn einige Textstellen beschreiben solche Unterschiede. So baut schon der Vers „du bist
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Tim Blume, 2009, Kurt Tucholsky "Sie, zu ihm" - eine Interpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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