Inhaltsverzeichnis
Darstellungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
A. Einleitung 1
I. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit 1
II. Gang der Untersuchung 3
B. Beschaffung als zentrale Unternehmensschnittstelle 5
I. Begriff der Beschaffung 5
II. Ableitung der Beschaffungsziele 6
III. Hebelwirkung der Beschaffung 8
IV. Die Beschaffungsstrategie 9
C. Einführung in das System des Risikomanagement 11
I. Risikobegriff 11
II. Risikomanagement 16
1. System des Risikomanagement 16
2. Festlegung einer Risikostrategie 20
3. Einbettung in das Unternehmensrisikomanagement. 22
4. Risikoanalyse. 24
4.1. Identifizierung von Risiken 24
4.2. Bewertung von Risiken 27
4.3. Aggregation von Risiken 30
5. Steuerung von Risiken 34
6. Überwachung von Risiken 39
7. Risikodokumentation 40
8. Zusammenfassung der bisherigen theoretischen Erfordernisse 41
D. Ansätze einer Risikoidentifizierung durch
Risikosystematisierung 42
I. Bedarf der Systematisierung 42
II. Erarbeitung eines möglichen Vorgehens 43
III. Risikotreiber 45
1. Definition 45
2. Trend zu internationalen Wertschöpfungsnetzwerken. 46
3. Lean-Management. 48
4. Target-Costing. 50
5. Mass Customization 51
6. Produktlebenszyklus 52
II
IV. Anwendung der Methodik 54
1. Kostenrisiken 54
2. Qualitätsrisiken 57
3. Sicherheitsrisiken 59
4. Unabhängigkeits- und Flexibilitätsrisiken 62
V. Bedarf eines Frühwarnsystems 64
E. Instrumente des Risikomanagement 66
I. Erfordernis eines einheitlichen Werkzeugkastens 66
II. Das Lieferantenmanagement als zentrales Risikoinstrument der Beschaffung 68
III. Bewertung 71
1. Gewährleistung der Objektivität 71
2. Schadenseintritt 73
3. Schadensausmaß 76
4. Risikoinventar 79
IV. Aggregation 79
V. Steuerung 80
1. Auswirkungen von Unternehmensstrategien 80
2. Steuerungsentscheidung 82
3. Vermeidung 83
4. Verringerung 84
5. Übertragung 86
6. Übernahme 87
7. Diversifikation 88
VI. Überwachung 88
VII. Dokumentation 89
F. Schlussbetrachtung 90
Literaturverzeichnis VIII
III
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Gründe für internationale Einkaufsaktivitäten 2
Darstellung 2: Struktur der vorliegenden Arbeit. 4
Darstellung 3: Wirkungsrichtungen der Beschaffungsziele 7
Darstellung 4: Veranschaulichung des Hebeleffektes 8
Darstellung 5: Zusammenhang Gewinnbeitrag und Beschaffungskosten 8
Darstellung 6: Übersicht Sourcingstrategien 10
Darstellung 7: Prinzipskizze Risikoverständnis 16
Darstellung 8: Übersicht Risikomanagementzyklen 18
Darstellung 9: Risikomanagementkreislauf 19
Darstellung 10: Zusammenhang zwischen Einzel- und Gesamtrisiko 23
Darstellung 11: Übersicht Techniken zur Risikoidentifikation 26
Darstellung 12: Einteilung von Eintrittswahrscheinlichkeiten 28
Darstellung 13: Grundtypus einer Risikomatrix 29
Darstellung 14: Übersicht der bewerteten Risiken 32
Darstellung 15: Ergebnis der Monte-Carlo-Simulation 33
Darstellung 16: Maßnahmen der Risikosteuerung 36
Darstellung 17: Schwache Signale, Beherrschungsgrad und Schadenspotenzial 40
Darstellung 18: Umsatzverlauf über den Lebenszyklus 53
Darstellung 19: Kostenkategorien der Beschaffung 55
Darstellung 20: Quellen von Qualitätsrisiken 57
Darstellung 21: Portfoliomodell nach Olsen und Ellram 61
Darstellung 22: Dimensionen der Sicherheitsrisiken 62
Darstellung 23: Beispielhafte Einteilung in Wahrscheinlichkeitsklassen 74
Darstellung 24: Beispiel eines Ereignisbaums 76
Darstellung 25: Beispiel für eine Abart einer Ereignisbaumanalyse 78
IV
Kunden erwarten nicht mehr nur die Eignung eines Produktes, ihr jeweiliges Bedürfnis zu befriedigen, sondern zugleich soll der jeweilige Artikel qualitativ hochwertig und günstig sein sowie zugleich eine hohe Verfügbarkeit aufweisen. 1 Dieses fordert in einer arbeitsteiligen Wirtschaftswelt nicht mehr nur das einzelne Unternehmen, sondern sämtliche an der Produkterstellung beteiligten Unternehmen. Die Erkenntnis, dass der Endkunde 2 , bzw. dessen Wünsche 3 , in das Zentrum der Leistungserstellung rückt, führt dazu, dass nicht mehr nur einzelne Unternehmen miteinander im Wettbewerb stehen, sondern komplette Wertschöpfungsnetzwerke. 4
Zugleich stehen die beteiligten Unternehmen allerdings auch unter einem hohen Kostendruck. Dieser ist sowohl durch Megatrends wie die Globalisierung, aber auch durch das bereits genannte steigende Kostenbewusstsein des Abnehmers begründet. 5 Betrachtet man lediglich die logistische Seite, so können Kostenersparnisse grundsätzlich in den Bereichen Beschaffung, Produktion und Distribution gehoben werden. 6 Wird nun weiterhin beachtet, dass die Fertigungstiefe innerhalb von Unternehmen stetig abnimmt 7 , so dass beispielsweise die Wertschöpfung der Porsche AG am Geländewagen Cayenne lediglich ca. 11 % beträgt, 8 dann kann aus diesem Umstand die herausragende Bedeutung der Beschaffung für den Gesamterfolg des Unternehmens abgeleitet werden. Vor diesem Hintergrund wird versucht, die Beschaffung so kosteneffektiv wie möglich zu gestalten. Im Rahmen einer Befragung durch den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre der Universität Würzburg wurden 2009 20 Einkaufsverbände nach den Gründen für die Aktivitäten der Mitgliedsunternehmen auf den internationalen Beschaffungsmärkten befragt. 9 Das Ergebnis für
1 Vgl. Kersten, Hohrath, Winter (2008), S. 8
2 Vgl. Faust (2009), S. 235
3 Als so genannte „voice of the customer“ (VOC)
4 Vgl. Howagner (2008), S. 23
5 Vgl. Ender, Lanza, Spoeth (2010), S. 16
6 Auf die Berücksichtigung der Entsorgungslogistik wird in diesem Zusammenhang verzichtet, da hier neben betriebswirtschaftlichen weiterhin viele gesetzliche Vorgaben hineinfallen.
7 Vgl. Ender, Lanza, Spoeth (2010), S. 16
8 Vgl. Wannenwetsch (2010), S. 129
9 Vgl. Bogaschewsky, Müller, Altmann (2009), S. 1
1
Deutschland und Westeuropa ist in Darstellung 1 in Form von Faktorvariablen dargestellt. 10
-0,8
Darstellung 1: Gründe für internationale Einkaufsaktivitäten
Abbildung nach Bogaschewsky, Müller, Altmann (2009), S. 2
Aus der Abbildung lässt sich deutlich herauslesen, dass der wesentliche Grund für internationale Einkaufsaktivitäten in dem Wunsch liegt, Kostenersparnisse zu realisieren. Zugleich stellen jedoch sowohl die Verringerung der Fertigungstiefe als auch die Erschließung von internationalen Lieferquellen gewisse Risiken dar, wie anhand zweier Beispiele gezeigt werden soll.
Am 17.03.2000 schlug in die Produktionsstätte der Philips NV 11 im USamerikanischen Albuquerque ein Blitz ein. In dieser Fabrik wurden zum damaligen Zeitpunkt vorrangig Zubehörteile für Mobilfunktelefone produziert. Hauptkunden waren die Firmen Nokia und Ericsson. Das entstehende Feuer konnte durch die Belegschaft innerhalb von 10 Minuten gelöscht werden. 12 Eine Folge dieses - für sich alleine betrachtet - unspektakulären Zwischenfalls waren auf Seiten Ericssons nicht realisierte Gewinne in Höhe von ca. 400 Millionen US-Dollar 13 sowie mittelfristig der Rückzug Ericssons aus der Alleinentwicklung von Mobilfunkgeräten. 14 Der Grund für diese Auswirkungen lag in der Kontamination von zwei der vier Reinräume in der Produktionsstätte.
10 Dabei deutet ein hoher positiver Wert auf eine starke Motivation im angegebenen Bereich, ein hoher negativer Wert auf eine lediglich gering ausgeprägte Motivation hin.
11 N.V. = naamloze vennootschap, dieses entspricht einer Aktiengesellschaft nach niederländischem Gesellschaftsrecht
12 Vgl. Sheffi (2007), S. 30
13 Vgl. Latour (2001), S. 1
14 Vgl. Sheffi (2007), S. 31
2
In der jüngeren Vergangenheit führte der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island ab dem 20.03.2010 zu einer Sperrung des europäischen Flugverkehrs vom 15.04. - 21.04.2010 15 . Obwohl der Zeitraum mit etwa einer Woche überschaubar war, führte der Ausfall von innereuropäischen Flügen zu Lieferengpässen und teilweise Produktionsausfällen bei Autobauern und Zulieferbetrieben, die nur über einen längeren Zeitraum wieder aufgeholt werden konnten. 16
Die Ereignisse sind willkürlich ausgewählt worden, um das Spannungsfeld, welches weiter oben bereits angedeutet wurde, greifbarer zu machen. Zugleich sollte aufgezeigt werden, welch hohen Einfluss alltägliche 17 Ereignisse in einer komplexen Unternehmenswelt bekommen können. Vor diesem Hintergrund erscheint es als eindeutig, dass die Kenntnis von möglichen Beeinträchtigungen und die Suche nach Handlungsempfehlungen, diesen Herausforderungen zu begegnen, für die wirtschaftliche Zukunft einer Unternehmung von elementarer Bedeutung ist. Zugleich ist der Beschaffung innerhalb der Unternehmensfunktionen aus den bereits dargelegten Gründen eine gesteigerte Bedeutung beizumessen. Somit wird deutlich, dass ein aktives Management von möglichen Beeinträchtigungen - oder besser Risiken - der Beschaffung von zentraler Bedeutung für jedes Unternehmen ist.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mögliche Risiken im Rahmen der Beschaffung zu definieren und zu systematisieren, sowie in einem weiteren Schritt Ansatzpunkte für denkbare Werkzeuge eines Risikomanagements zu entwickeln.
II. Gang der Untersuchung
Nach einer kurzen Einführung in die allgemeine Problemstellung werden im Teil B zunächst die allgemeinen Grundlagen der Beschaffung erarbeitet, die die Basis für das weitere Vorgehen bilden sollen. Hier wird zunächst der Begriff der Beschaffung näher definiert, die aufgrund ihrer stetigen Austauschbeziehung sowohl mit externen, wie z.B. Lieferanten, als auch mit internen Adressaten, wie der Produktion oder dem Vertrieb eine zentrale Schnittstellenfunktion innerhalb eines Unter-
15 DasDatum 21.04.2010 bezieht sich auf den deutschen Flugverkehr
16 Vgl. Verkehrsrundschau vom 21.04.2010
17 Entgegen anderslautender Meinungen ist auch ein Vulkanausbruch als alltägliches Ereignis zu werten. So verzeichnet eine durch das International Volcano Research Centre erstellte Eruptionsliste für das Jahr 2010 weltweit 48 Eruptionen (Stand 20.11.2010)
3
nehmens einnimmt. Nach der Eingrenzung des Begriffs wird kurz das Verfahren der Ableitung der Beschaffungsziele, die besondere Bedeutung der Beschaffung für das Unternehmensergebnis und schließlich die Erarbeitung einer Beschaffungsstrategie dargestellt. Auch der folgende Hauptgliederungspunkt C soll sich mit Grundlagen, hier jedoch mit den grundlegenden Gedanken zum Thema des Risikomanagements befassen. 18 Hier soll nicht ausdrücklich zwischen operativen und strategischen Risiken unterschieden werden, da sich Risiken auf Ebene eines Funktionsbereiches regelmäßig nicht als strategische Risiken klassifizieren lassen. Im Anschluss folgt im Teil D die Erarbeitung einer Systematisierung von Risiken, um auf diesem Weg Anhaltspunkte für Anknüpfungspunkte für mögliche effektive Managementwerkzeuge zur wirksamen Steuerung des Risikos zu erhalten. Die Entwicklung dieser Werkzeuge wird dann für die einzelnen Phasen des Risikomanagements, die Risikoanalyse, -steuerung und -überwachung, anhand der in den Teilen B, C und D ermittelten Anforderungen, im Teil E erfolgen. Eine Zusammenfassung in Form von Thesen sowie eine Einschätzung des Verfassers hinsichtlich der weiteren Entwicklung dieses Themenkomplexes erfolgt abschließend im Teil F. Darstellung 2 verdeutlicht diesen Aufbau
Darstellung 2: Struktur der vorliegenden Arbeit
18 Hierbei ist Risikomanagement im Verständnis der vorliegenden Arbeit als non-financial risk management zu verstehen.
4
B. Beschaffung als zentrale Unternehmensschnittstelle
I. Begriff der Beschaffung
Die Beschaffung bildet, wie bereits in GP A.I dargestellt, neben Produktion und Absatz einen von drei realgüterbezogenen Aufgabenbereichen eines funktionsbezogenen Unternehmens. 19 Der Teilbereich der Entsorgungslogistik gewinnt gleichwohl an Bedeutung, wird jedoch von den Unternehmen noch nicht umfänglich in die Betrachtungsweise mit einbezogen. 20
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass der Begriff der Beschaffung in der einschlägigen Literatur unterschiedlich definiert wird. Als Beispiel für diese unterschiedlichen Definitionen sollen die beiden Extrema dargestellt sowie im Anschluss eine für die vorliegende Arbeit geltende Definition gegeben werden. Auf der einen Seite wird der Bereich der Beschaffung als stark operativ ausgerichtet verstanden. So ist die Beschaffung nach THOMMEN ein Prozess, der alle für die Leistungserstellung des Unternehmens benötigten Materialien bereitstellt. 21 Die Beschaffung wird hier als Bestandteil der Materialwirtschaft gesehen. Ein solcher Ansatz wird der Beschaffung mit ihren komplexen Aufgaben in der aktuellen Zeit jedoch nicht gerecht. 22 Alternativ zu der rein auf die Materialwirtschaft ausgerichteten Sichtweise lässt sich in der Literatur aber auch ein sehr weit gefasster Beschaffungsbegriff feststellen. Demnach habe die Beschaffung Verfügungsgewalt über die Güter herzustellen, die in den Produktionsprozess einfließen sollen. Zu diesen wird explizit neben dem Material auch das Personal sowie die Leistungsabgabe von Maschinen und anderen Potenzialgütern genannt. 23 Dieser Ansatz greift jedoch nach eigener Überzeugung zu weit, da er die Beschaffung als im Unternehmen als allumfassend zuständig begreift. Dieses Verständnis geht jedoch über die funktionsteilige Zusammenarbeit der einzelnen Unternehmensbereiche hinaus. Im Unterschied dazu definiert JANZ die Beschaffung als aktive, auf das Führungssystem der Unternehmung als Ganzes gerichtete Aufgabe, die somit auch strategischen Sekundärzielen, wie der strategischen Versorgungssicherung,
19 Vgl. Tempelmeier (1999), S. 237
20 Vgl. Blum (2006), S. 146
21 Vgl. Thommen (2007), S. 369
22 Vgl. Janz (2004), S. 9
23 Vgl. Troßmann (2006), S. 114
5
Verringerung der Kosten und Ausrichtung auf den Markt verpflichtet ist. 24 Dieser Definition soll im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit gefolgt werden.
II. Ableitung der Beschaffungsziele
Nach der Ableitung einer Definition der Beschaffung im vorhergehenden Gliederungspunkt sollen nun die Beschaffungsziele abgeleitet werden. Grundsätzlich lassen sich die Beschaffungsziele aus den Unternehmenszielen ableiten. 25 Dabei lässt sich als oberstes Unternehmensziel das Fortbestehen am Markt identifizieren. 26 Auf die grundsätzliche Ableitung der Unternehmensziele aus Unternehmensleitbild und Unternehmenspolitik soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Stattdessen wird an dieser Stelle auf die zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre reichlich vorhandene Literatur verwiesen. 27 Das Bestehen der Unternehmung am Markt ist primär von der Fähigkeit abhängig, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen - dieses beinhaltet sowohl Forderungen von externen Gläubigern als auch die der Shareholder der Unternehmung. 28 Die Finanzmittel für diese Befriedigung werden primär durch den unternehmenseigenen Leistungserstellungsprozess generiert. 29
Diese grundsätzlichen Überlegungen ermöglichen es, als Primärziel der Beschaffung die Versorgungssicherung für den Leistungserstellungsprozess abzuleiten. 30 Allerdings ist dieses Primärziel (von LARGE a.a.O. als Sachziel formuliert) noch vergleichsweise unscharf definiert und bedarf einer weiteren Präzisierung. Eine solche Präzisierung kann anhand der verschiedenen Wirkungsrichtungen der Beschaffungsziele vorgenommen werden. Beim Vergleich der einschlägigen Literatur lassen sich vier wesentliche Wirkungsrichtungen identifizieren. 31 Diese sind in
24 Vgl. Janz (2004), S. 10
25 Vgl. Czaja (2009), S. 37
26 Vgl. Witte (2007), S. 48
27 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit z.B. Bea (2006), Witte (2007) oder die Sammelwerke Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre bzw. Springers Handbuch der Betriebswirtschaftslehre
28 Vgl. GP B.II.2.4.3
29 Vgl. Hax (1999), S. 177
30 Vgl. Large (2009), S. 47
31 Wirkungsrichtungen nach Hofbauer/ Hellwig (2009), S. 323; Büsch (2007), S. 6; Heß (2008), S. 80; Czaja (2009), S. 35
6
Darstellung 3 dargestellt. Anders als von HOFBAUER und HELLWIG 32 angeregt, wird auf die Einführung einer Wirkungsrichtung „Sonstiges“ verzichtet. Die Be- gründunghierfür liegt in der Tatsache, dass die vorgeschlagenen Einzelziele wie z.B. „gute Lieferantenbeziehungen“ nicht selbständig zu sehen sind, sondern stets mindestens eine der anderen Wirkungsrichtungen befördern.
Das Ziel der Beschaffung ist somit die kostenoptimale Bereitstellung qualitativ hochwertiger Beschaffungsobjekte mit einer hohen Versorgungssicherheit, ohne dabei in Abhängigkeit zu einem Lieferanten zu geraten oder die notwendige Flexibilität zu verlieren. THOMMEN 33 fasst diese Forderungen in die eingängige Formel zusammen, dass die Beschaffungsobjekte 34 in der benötigten Art, der benötigten Menge, der benötigten Qualität, zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort bereitzustellen sind. 35 Zu ergänzen ist nach Ableitung der o.g. Wirkungsrich- tungennoch die Forderung nach den „richtigen Kosten“. Abschließend ist zu beachten, dass sich diese Wirkungsrichtungen teilweise konfliktär zueinander verhalten. So wird die Gewährleistung der Versorgungssicherheit mit einer bestimmten Qualität stets mit höheren Kosten verbunden sein. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, darauf hinzuweisen, dass die optimalen Kosten nicht zwangsläufig die geringsten Kosten sein müssen. Vielmehr geht es um eine Kostenoptimierung auf einem vorab definierten Qualitäts- und Sicherheitsniveau mit
32 Vgl. Hofbauer/ Hellwig (2009), S. 324
33 Vgl. Thommen (2007), S.
34 An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht zwangsläufig um Produktionsmaterialien handeln muss, sondern dass sich der Begriff ebenso auf Dienstleistungen oder Patente beziehen kann..
35 Thommen bezieht sich dabei lediglich auf die Materialwirtschaft, da er die Beschaffung allerdings als Unterpunkt der Materialwirtschaft begreift, kann diese Formel auch für die Beschaffung insgesamt abgeleitet werden.
7
dem Nebenziel der Sicherung der eigenen Unabhängigkeit. Wie bereits an dieser Ableitung der Beschaffungsziele deutlich wird, ist deren Erreichen eng mit der Auswahl der jeweiligen Lieferanten verbunden.
III. Hebelwirkung der Beschaffung
Bereits im GP A.I wurde im Rahmen der Darstellung der Problemstellung verdeutlicht, dass die Bedeutung der Beschaffung zunimmt. Weiterhin wurde bereits angesprochen, dass vor dem Hintergrund sinkender Wertschöpfungstiefen von Unternehmen 36 dem Anteil der Beschaffungskosten eine erhöhte Bedeutung beizumessen ist. Bedeutung ist in diesem Fall so zu verstehen, dass eine kleine Veränderung in den Modalitäten der Beschaffung zu einem über die Maßen gesteigerten Ergebniseinfluss führt. Hierbei handelt es sich um einen so genannten Hebel-oder Leverageeffekt, der in Darstellung 4 bildhaft verdeutlicht wird.
37 Darstellung 4: Veranschaulichung des Hebeleffektes
Für die Kostenseite wurde diese Wirkung durch KOPPELMANN untersucht. 38 Dabei ließ sich nachfolgender Zusammenhang zwischen dem Gewinnbeitrag und den Beschaffungskosten nachweisen.
G B
Darstellung 5: Zusammenhang Gewinnbeitrag und Beschaffungskosten übernommen aus Koppelmann (2007), S. 23
36 Vgl. Ender, Lanza, Spoeth (2010), S. 16
37 Abbildung übernommen von http://earthmovers.de/historisch.html, Abruf vom 23.12.2010
38 Vgl. Koppelmann (2007), S. 23 ff.
8
Als (Extrem-)Beispiel soll die in Darstellung 5 dargestellte Formel auf die Verhältnisse des Autoentwicklers Porsche angewandt werden. Nach WANNEN-WETSCH 39 beträgt die Wertschöpfung der Porsche AG am Porsche Cayenne etwa 11%. Dieses entspricht einem Zukaufanteil von 89%. Wird nun ein Gewinnaufschlag von 20% unterstellt, so beträgt der Beschaffungskostenanteil am Umsatz 71,2%. Die Umsatzrendite der Porsche AG betrug im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2009/2010 10,41%. 40 Gelänge eine Verringerung der Beschaffungskosten um lediglich 1%, so zöge dieses eine positive Gewinnänderung von ca. 6,8% nach sich. Geht man hingegen von einer geringeren Eigenkapitalrendite aus, schließlich ist Porsche auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme, so ergibt ein noch stärkerer Hebeleffekt.
An diesem Beispiel lässt sich nicht nur der überproportionale Einfluss der Beschaffungskosten darstellen, sondern ebenfalls das Risiko, dass von dem Beschaffungsbereich ausgeht. Allerdings scheint dieses Risiko nur teilweise erkannt zu werden. 41
IV. Die Beschaffungsstrategie
Mit der Beschaffungsstrategie werden die definierten Beschaffungsziele in ein konkretes Programm umgesetzt. 42 Sie kann weiterhin in untergeordnete Strategien zerlegt werden. ARNOLD 43 differenziert diesbezüglich nach x Lieferantenstrategie (Wie viele Lieferanten werden genutzt?), x Beschaffungsobjektstrategien (Was wird beschafft?), x Beschaffungszeitstrategien (Wann und wie werden die Beschaffungsobjekte im eigenen Unternehmen weiterverarbeitet?),
x Beschaffungssubjektstrategien (Wie tritt das Unternehmen am Markt auf?), x Beschaffungsarealstrategien (Wo wird beschafft?) und x Wertschöpfungsstrategien (Wo erbringt der Lieferant seine Wertschöpfung?).
39 Vgl. Wannenwetsch (2010), S. 129
40 Angabe nach http://www.n-tv.de/wirtschaft/Porsche-nimmt-Fahrt-auf-article780220.html, Abruf vom 23.12.2010; Umsatz: 3,16 Mrd. EUR, Gewinn 329 Mio. EUR.
41 Vgl. Bogaschewsky, Müller, Altmann (2009), S. 2
42 Vgl. Czaja (2009), S. 37
43 Vgl. Arnold (2008), S. 261
9
Hierbei handelt es sich grundsätzlich um so genannte Sourcing-Strategien. Einen Überblick über grundsätzlich denkbare Sourcingstrategien liefert die nachfolgende Darstellung 6.
Darstellung 6: Übersicht Sourcingstrategien
Übersicht nach Arnold (2008), S. 261
Einzelne Sourcingstrategien werden im weiteren Verlauf der Arbeit genauer betrachtet. Deshalb soll an dieser Stelle von einer genaueren Definition der einzelnen Strategien abgesehen werden.
Die Wahl der für das jeweilige Szenario zutreffenden Strategie richtet sich dabei mindestens nach den Gesichtspunkten Versorgungsrisiko und vorhandene Lieferanten. 44 Allerdings richtet sich eine Geschäftsbereichsstrategie, wie z.B. die Beschaffungsstrategie nicht nur nach diesem funktionalen Erfordernis, sondern hat sich weiterhin nach der unternehmensweit geltenden Wettbewerbsstrategie zu richten. 45 Bei den so genannten generischen Wettbewerbsstrategien handelt es sich um idealisierte Strategien, die dabei helfen sollen, die Ausrichtung auf Erfolgspotenziale des Unternehmens zu vereinfachen. 46 Das Prinzip der generischen Wettbewerbsstrategien wurde unter anderem durch PORTER 1980 veröffentlicht. Kern seiner These ist, dass es drei wesentliche Möglichkeiten der Marktbearbeitung gibt.
44 Vgl. Sennheiser/ Schnetzler (2008), S. 107
45 Vgl. Arnold/ Peters (2002), S. 61
46 Vgl. Hungenberg/ Wulf (2006), S. 142
10
Dieses sind die Strategien der
x Kostenführerschaft (Senkung der eigenen Kosten unter die des Hauptkonkurrenten),
x Differenzierung (Erbringen eines zusätzlichen Kundennutzens) und x Spezialisierung (Generieren von Erfolgspotenzialen durch die Spezialisierung auf eine Nische). 47
Auch wenn diese Strategien nur Leitbilder darstellen, so beeinflusst doch die Wahl einer dieser Strategien automatisch auch das Vorgehen bei der Festlegung der Beschaffungsstrategie.
C. Einführung in das System des Risikomanagement
I. Risikobegriff
Um die Möglichkeiten eines Risikomanagementsystems für die Beschaffung genauer zu beleuchten, ist es zunächst erforderlich, einen der Arbeit zu Grunde zu legenden Risikobegriff zu definieren.
Obwohl der Begriff des Risikos scheinbar selbsterklärend ist und umgangssprachlich häufig genutzt wird, um ganz allgemein Gefahrensituationen zu beschreiben, wird bereits nach kurzer Lektüre deutlich, dass sich in fachlicher Hinsicht bisher weder in der wissenschaftlichen Gemeinschaft im Allgemeinen noch in der Betriebswirtschaftslehre im Speziellen eine konsistente Risikodefinition durchgesetzt hat. 48 Weiterhin ist ebenfalls nicht eindeutig, ob bzw. wie ausführlich der Begriff überhaupt zu definieren ist. Je nach Verfasser und Intention wird der Begriff somit entweder nur sehr kurz 49 oder aber sehr ausführlich 50 hergeleitet und argumentativ unterfüttert.
Selbst die etymologische Herkunft des Wortes ist strittig. So ist das Wort Risiko entweder auf arabische oder lateinische Wurzeln zurückzuführen und bedeutet je nach möglichem Wortursprung etwas göttlich Gegebenes im Sinne eines nicht
47 Vgl. Müller (2007), S. 11
48 Vgl. z.B. Fiege (2006), S. 37 f; Kersten, Hohrath, Winter (2008), S. 10; Strohmeier (2007), S. 30
49 So z.B. Ziegenbein (2007), S. 21; Gabath (2010), S. 19; Moder (2008), S. 18
50 So z.B. Strohmeier (2007), S. 30 f., Meierbeck (2010), S. 14 f.; Reh (2009), S. 10 f.
11
beeinflussbaren Schicksals oder ist mit dem Umschiffen einer Klippe zu übersetzen, welches aktives Handeln bzw. Eingreifen voraussetzt. 51 Trotz dieser Unterschiede lassen sich allerdings verschiedene Parallelen zwischen den jeweiligen Risikodefinitionen und Schwerpunkten erkennen. Diese Parallelen sind zum Einen der zeitliche Bezug des Risikos, weiterhin die Aufteilung in einen ursachen- und einen wirkungsbezogenen Bestandteil und schließlich die Notwendigkeit, Risiken durch Quantifizierung vergleich- und steuerbar zu machen. 52 Der zeitliche Bezug und die Ursache eines Risikos werden im Folgenden kurz verknüpft dargestellt.
Bei der Quelle von Risiken handelt es sich um Entscheidungen, die mit Zukunftsbezug getroffen werden. Dabei ist eine Entscheidung unter Unsicherheit zu treffen, in die Prognosen des Entscheiders mit einfließen. 53 Weiterhin ist zu beachten, dass diese Prognosen in starkem Maße von der Person des Entscheiders sowie von dessen getroffenen Annahmen abhängen. Auch eine solche Annahme ist zukunftsbezogen und trägt deshalb die Gefahr einer Fehleinschätzung in sich. Eine vollständige Eliminierung von Unsicherheit erscheint dabei unrealistisch, da dieses eine vollständige Transparenz voraussetzt. Vollständige Transparenz ist hier so zu verstehen, dass alle Marktteilnehmer einen vollständigen Überblick über den Markt besitzen, sich wirtschaftlich rein rational verhalten und dass die zukünftige Entwicklung des Marktes bzw. des jeweiligen Entscheidungsgegenstandes eindeutig vorauszusagen ist. 54 Da dieses Szenario als unrealistisch zu beurteilen ist, lässt sich bereits an dieser Stelle feststellen, dass eine Entscheidung unter Unsicherheit zum Einen die Regel in der betrieblichen Praxis ist und zugleich die Gefahr einer Fehlprognose in sich trägt. Damit bilden diese beiden Elemente die Grundlage eines Risikos, bzw. dessen „ursachenbezogene“ Komponente. Wird dieser Gedanke weiter verfolgt, so wird deutlich, dass sich das in der Entscheidung angelegte Risiko in einer Art und Weise entladen muss, sprich, zu einer Wirkung führen muss. Hierbei handelt es sich um den so genannten „wirkungsbezogenen“ Anteil des Risikos. Die Wirkung eines Risikos lässt sich grundsätzlich als die Gefahr einer Zielabweichung beschreiben. 55 Während der Bereich des „ursachenbezogenen“ Risikoanteils noch relativ eindeutig zu beschreiben war,
51 Vgl. Strohmeier (2007), S. 29 f.
52 So z.B. Hotwagner (2008), S. 23 f; zur Quantifizierung vgl. Kap. B.II.2.5
53 Vgl. Mag (1999), S. 14
54 Nach Linde (2005), S. 70 f.
55 Vgl. Moder (2008), S. 18
12
lässt sich aus der Literatur noch deutlich herauslesen, dass es eine wirkungsbezogene Komponente des Risikos gibt. Über die Frage, wie diese jedoch auszugestalten ist, herrscht Uneinigkeit. 56 Demnach lässt sich Risiko sowohl als Gefahr des Verlustes als auch ganz allgemein als Verfehlen der im Rahmen der Entscheidung zugrunde gelegten Ziele definieren. Während die Definition, die sich auf die Gefahr des Verlustes stützt, dem allgemeinen Sprachgebrauch von Risiko entspricht, 57 erscheint es notwendig, die Frage des Risikoverständnisses als - auch - positiveAbweichung näher zu beleuchten. Fraglich ist dabei, wieso auch die Übererfüllung eines Ziels als Risiko und somit als unerwünschter Zustand zu bewerten sein könnte.
In diesem Zusammenhang ist das so genannte ökonomische Prinzip zu nennen. Dieses kann entweder in den Ausprägungsformen des Maximum 58 - oder des Minimumprinzips vorliegen. Hierbei handelt es sich um verschiedene Herangehensweisen an ein mögliches Ergebnis. Das Minimumprinzip besagt, dass ein bestimmtes Ergebnis, wie z.B. eine bestimmte Produktionsmenge mit dem minimalen Faktoreinsatz erreicht werden soll. Beim Maximumprinzip hingegen wird eine bestimmte Menge an Produktionsfaktoren vorgegeben. Mit diesem Input soll dann ein Maximum an Output erreicht werden. 59 Weiterhin ist zu beachten, dass ein wesentlicher Bestandteil des sich immer stärker verbreitenden „Lean“-Ansatzes neben der Eliminierung nichtwertschöpfender Prozessschritte, eine verringerte Lagerhaltung ist. 60 Eine verringerte Lagerhaltung wirkt sich dabei jedoch nicht nur auf die Beschaffung, sondern ebenfalls auf die Produktion aus. Nach der Maxime einer JIT- bzw. JIS-Belieferung ist nur dass zu produzieren, was auch durch den jeweiligen Bedarfsträger, sei es inner- oder außerbetrieblich, benötigt wird. Somit sind auch die Halb- und Fertigerzeugnisläger vom Bestand verringert. Die jeweilige Leistungserstellung wird somit anhand des tatsächlich nachgefragten Bedarfes ausgerichtet. 61
Wenn der Bedarf die Leistungserstellung steuert, so wäre in diesem Umfeld das bereits oben genannte Minimumprinzip anzuwenden, sprich der gewünschte Output mit der geringst möglichen Inputmenge zu erreichen. Liegt nun eine positive Zielabweichung vor, wird das jeweilige Ziel übererfüllt. Diese Abweichung kann
56 Vgl. Fiege (2006), S. 42 f.; Lasch / Janker (2007), S. 112
57 Vgl. Kersten, Hohrath, Winter (2008), S. 10
58 Teilweise auch als Optimumprinzip bezeichnet
59 Vgl. Neus (1998), S. 5
60 Vgl. Faust (2009), S. 236
61 Vgl. Kiener (2009), S. 305
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entweder durch einen Zufall oder durch eine überhöhte Allokation von Leistungs-erstellungsfaktoren entstehen. Da sich der Zufall einer gezielten Steuerung entzieht, bedeutet dies, dass dieser Fall zunächst im Rahmen einer Analyse auszuschließen ist. Ansonsten gilt, dass im Falle einer positiven Zielabweichung zunächst grundsätzlich von einer Fehlallokation auszugehen ist, die letztlich über erhöhte Kosten zu einem verringerten Gewinn führt. Vor dem Hintergrund des dargestellten Zusammenhangs zwischen positiver und negativer Zielabweichung wird der Risikobegriff hinsichtlich der Zielerreichung so zu definieren sein, dass Abweichungen im Sinne des wirkungsbezogenen Ansatzes unabhängig von ihrer Zielrichtung als risikobehaftet zu verstehen sind. Nachdem auf die Bedeutung des ursachen- und wirkungsbezogenen Ansatzes im Allgemeinen eingegangen wurde, 62 sind diese beiden Ansätze noch in Form einer Verknüpfung zu einem gemeinsamen Risikowert zu aggregieren. Diese Aggrega- tionzum so genannten „Risikowert“ erfolgt durch die Multiplikation der Einzelwerte für Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung (=Zielabweichung). 63 Weiterhin soll vor der Ableitung des zu verwendenden Risikobegriffes noch die Frage nach einer Maßgeblichkeitsgrenze gestellt werden. Im vorhergehenden Abschnitt wurde ausgeführt, dass sich Risiko unter anderem an einem wirkungsbezogenen Anteil abgrenzen lässt. Sofern nun aus der Feststellung, dass ein Risiko vorliegt, automatisch ein Durchlaufen des Risikomanagementkreislaufes 64 folgte, müsste jegliche Änderung in den Prognosen (z.B. aufgrund fortschreitender Zeit und damit einer sich verbessernden Informationsbasis) zu einer erneuten Sachverhaltsbewertung führen.
Vor dem Hintergrund der Ressourcenbindung des für das Risikomanagement benötigten Personals erscheint es angebracht, eine Risikoschwelle einzuführen. Diese Risikoschwelle bezeichnet die zugelassene mögliche Abweichung des IST-Ziels vom PLAN-Ziel. Bei Unterschreiten dieser Schwelle liegt somit kein Risiko vor, sondern eine Schwankung, eine Störung. 65 Ein solch gestörtes Zielsystem wäre weiter zu beobachten und fortzuschreiben. Erst oberhalb dieser Grenze sind die Maßnahmen des Risikomanagement zu treffen und anzuwenden. 66 Eine ent-
62 Fürdie Frage der Höhe einer möglichen Zielabweichung vgl. Kap. B.II.2.5 - Bewertung von Risiken
63 Vgl. Strohmeier (2007), S. 35; Kersten/ Hohrath/ Winter (2008), S. 11; Hotwagner (2008), S. 24
64 Vgl. Kap. B.II.2
65 Im Widerspruch zu Ziegenbein (2007), S. 21
66 Vgl. Czaja (2009), S. 92
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sprechende Risikoschwelle ist durch den Entscheider selbst zu definieren und stets vom jeweiligen Erkenntnisobjekt abhängig.
In diesem Zusammenhang stellt sich weiterhin die Frage, warum im Rahmen von Entscheidungen überhaupt ein Risiko eingegangen werden sollte. LASCH und JANKER führen dazu aus 67 , dass ein Großteil von Unternehmensinsolvenzen auf eine stark risikoaverse Haltung zurückzuführen ist. Dieser Zusammenhang lässt sich so interpretieren, dass mit dem Verzicht auf Risiken ebenfalls ein Verzicht an Chancen einhergeht. 68
Zusammenfassend ist für die vorliegende Arbeit der Risikobegriff wie folgt zu definieren:
Risiko ist ein auf unsicheren Informationen bzw. Prognosen basierender, zukunftsbezogener Zustand, der zu einer nicht unerheblichen Zielabweichung führt.
In der nachstehend eingefügten Darstellung 7 wird dieser Zusammenhang veranschaulicht. Die Risikoschwelle wurde im vorliegenden Fall beispielhaft auf einen Wert von 5% gelegt. Zum Zeitpunkt t liegen gesicherte Informationen vor. Der Entscheider geht kein Risiko ein. Für die Periode t + 1 werden die vorliegenden In-formationen ungenauer, es müssen Prognosen erstellt werden. Es resultiert eine Zielabweichung, das System ist gestört. Je weiter der zu entscheidende Sachverhalt in der Zukunft liegt, desto geringer werden die gesicherten Informationen und in desto stärkerem Maße müssen Prognosen erstellt werden. Damit steigt ebenfalls die Gefahr der Zielabweichung, die im hier gegebenen Beispiel ab der Periode t + 2 als risikobehaftet zu definieren ist.
67 Vgl. Lasch/Janker (2007), S. 113
68 Vgl. Hotwagner (2008), S. 24
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Darstellung 7: Prinzipskizze Risikoverständnis
II. Risikomanagement
1. System des Risikomanagement
Bevor das beschaffungsseitige Risikomanagement näher beleuchtet wird, soll im Folgenden kurz der Begriff des Managements an sich erarbeitet und eine Grundlage hinsichtlich der Systematik des unternehmensinternen Risikomanagement gegeben werden.
Der Begriff des Management ist aus dem wirtschaftlichen Umfeld nicht mehr wegzudenken. 69 Grundsätzlich kann Management sowohl institutionell als auch funktionell verstanden werden. 70 Unter institutioneller Sicht lässt sich eine Personengruppe, die im Rahmen einer Organisation mit Managementaufgaben betraut sind, verstehen. Dieser Sichtweise soll jedoch nicht weiter gefolgt werden, da der Fokus auf der funktionalen Sichtweise liegt.
Funktional kann Management verstanden werden als „[…] Prozess der Entwicklung und Fortschreibung einer Umgebung, in der Gruppen von Individuen zusammen arbeiten, um festgelegte Ziele effizient erreichen“. 71 Diese vergleichsweise allgemein gehaltene Definition ist wenig instruktiv, gibt allerdings bereits die
69 Wie. z.B. die Bereiche Finance Management, Supply Chain Management, Risikomanagement, Strategisches und operatives Management etc.
70 Vgl. Sydow/ Windeler (2001), S. 134; Strohmeier (2007), S. 42
71 Frei übersetzt nach Koontz/ Weihrich (2008), S. 5
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm., M. Sc. Philip Eugen Deubner, 2011, Risikomanagement in der Beschaffung, München, GRIN Verlag GmbH
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